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Gemeinsame Erklärung der australischen Außenministerin Penny Wong und des deutschen Außenministers Johann Wadephul

05.02.2026 - Pressemitteilung

Wir, die Außenministerin von Australien Penny Wong und der Bundesminister des Auswärtigen Dr. Johann Wadephul, haben uns heute in Canberra getroffen, um unsere engen bilateralen Beziehungen zu bekräftigen, die auf gemeinsamen Werten und Interessen sowie dem Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit aufbauen.

Mit Blick auf das im Jahr 2027 anstehende 75. Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen haben wir gemeinsame sicherheitspolitische Herausforderungen in einem sich rasch verändernden geostrategischen Umfeld erörtert und uns zur Zusammenarbeit zwischen Europa und dem Indopazifik zugunsten von Sicherheit, Freiheit und Wohlstand im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen bekannt.

Vertiefte Partnerschaft für eine nachhaltige Zukunft

Wir erkennen die bedeutenden Erfolge beim Vorantreiben unserer Erweiterten Strategischen Partnerschaft und des diesbezüglichen erneuerten Arbeitsplans 2025–27 an. Wir haben unsere sicherheitspolitische Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung sowie hybride und Cyberbedrohungen vertieft. Unser Bekenntnis zu Partnerschaften in Bezug auf erneuerbare Energien und kritische Mineralien gilt weiterhin uneingeschränkt. Unser praktisches Handeln zur Unterstützung des internationalen Handelssystems mittels des gemeinsamen H2Global-Finanzierungsfensters zur Entwicklung von Wasserstofflieferketten sowie die Bemühungen um den Aufbau grüner Eisen- und Stahlwertschöpfungsketten eröffnen wachsende Chancen für Investitionen in Abnahmevereinbarungen und tragen zur Einrichtung neuer Handelskorridore für erneuerbare Wasserstoffprodukte zwischen Australien und Europa bei.

Wir haben erörtert, wie wichtig es ist, sich für die Schaffung von Frieden und gesellschaftlichem Zusammenhalt einzusetzen, und bekräftigen unser Bekenntnis zur Zusammenarbeit in internationalen Foren, um Antisemitismus sowie sämtliche Formen von Hass und Diskriminierung zu bekämpfen.

Wir bekräftigen unser Engagement, die Regeln des internationalen Systems zu stärken, die Frieden und wirtschaftlichen Wohlstand schützen und nachhaltige Entwicklung, die Zivilgesellschaft, Geschlechtergerechtigkeit, verantwortungsbewusstes staatliches Handeln und Menschenrechte fördern. Wir unterstreichen unser nachdrückliches Bekenntnis zum multilateralen, regelbasierten Handelssystem mit der WTO im Zentrum sowie unsere Unterstützung für Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Australien und der Europäischen Union, um unsere Wirtschaftsbeziehungen zu stärken.

Wir würdigen das aufrichtige Bekenntnis zur Rückgabe sterblicher Überreste von Vorfahren und bedeutender Gegenstände des kulturellen Erbes an Repräsentanten der indigenen Bevölkerung (First Nations) und begrüßen die laufende enge Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen.

Wir bekräftigen die fortwährende Bedeutung der Zusammenarbeit im Bereich Verteidigung und Sicherheit für die deutsch-australischen Beziehungen. Der Aufbau von Resilienz und die Stärkung der wirtschaftlichen Sicherheit sind wesentlich für diese Bemühungen. Wir haben vereinbart, unsere Zusammenarbeit im Bereich der wirtschaftlichen Sicherheit durch einen neuen deutsch-australischen Austausch auf hochrangiger Beamtenebene und einen Track-1,5-Dialog zu vertiefen.

Ein verbundenes Bekenntnis zu Frieden und territorialer Unversehrtheit

Deutschland und Australien verurteilen Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit aller Entschiedenheit. Wir fordern Russlands vollständigen und bedingungslosen Rückzug aus dem Hoheitsgebiet der Ukraine unter Achtung ihrer international anerkannten Grenzen. Wir – Deutschland als größter europäischer Geber und Australien als größter Geber außerhalb der NATO in Bezug auf militärische Unterstützung – haben die Ukraine maßgeblich unterstützt. Wir teilen die Auffassung, dass eine fortgesetzte Unterstützung wesentlich ist, damit die Ukraine sich gegen Russlands militärische Aggression verteidigen kann.

Wir verurteilen die gezielten Angriffe Russlands auf die Energieinfrastruktur der Ukraine im kältesten Winter seit zehn Jahren. Russlands Krieg verursacht unsägliches menschliches Leid, verstetigt sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt, stört die Lieferketten, vergrößert die Energie- und Ernährungsunsicherheit, behindert das Wachstum, verschärft die Inflation und erhöht die Risiken für die finanzielle Stabilität.

Wir fordern Unterstützung durch die internationale Staatengemeinschaft, um den Druck auf Russland zu erhöhen, damit es den Krieg beendet, wobei auch Drittländer die direkte und indirekte Unterstützung für Russlands Militär beenden und diejenigen, die Einfluss auf Russland haben, sich positiv in die Herbeiführung eines gerechten und dauerhaften Friedens auf der Grundlage des Völkerrechts einschließlich der Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen einbringen sollen.

Uns verbindet eine lange Geschichte des Engagements für Frieden im Nahen Osten, und wir sind weiterhin entschlossen, mit der internationalen Gemeinschaft an einer Zweistaatenlösung zu arbeiten, die den einzigen gangbaren Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden für Israelis wie auch Palästinenser darstellt. Wir müssen uns nach Kräften dafür einsetzen, dass alle Seiten ihre Zusagen nach dem US-Friedensplan erfüllen, damit das Leiden der Menschen in Gaza aufhört, wozu auch eine vollständige Entwaffnung der Hamas gehört.

Wir verurteilen das brutale Vorgehen des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung während der Proteste und verfolgen die schockierenden Berichte über die Zahl der Opfer und willkürlichen Inhaftierungen aufmerksam und mit großer Sorge. Wir rufen die iranischen Behörden nachdrücklich auf, Irans internationale Verpflichtungen einzuhalten und das Recht auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungsfreiheit und friedliche Versammlung vollumfänglich zu wahren. Ferner rufen wir dazu auf, das Recht zu wahren, nach Informationen zu suchen und sie zu empfangen und zu verbreiten, auch durch die Wiederherstellung des Internetzugangs für alle Menschen.

Wir unterstreichen, wie wichtig Frieden und Stabilität in der gesamten Taiwanstraße sind, und bekräftigen unsere einmütige Ablehnung einseitiger Versuche, den Status quo zu ändern. Wir rufen zu einer friedlichen Lösung der diesbezüglichen Fragen durch Dialog und ohne Zwang oder Gewaltanwendung auf. Wir unterstützen Taiwans wirksame Beteiligung in internationalen Organisationen als Mitglied, wenn Eigenstaatlichkeit keine Voraussetzung ist, und als Beobachter oder Gast, wenn Eigenstaatlichkeit Voraussetzung ist.

Wir sind besorgt über die zunehmenden Spannungen im Südchinesischen Meer und das riskante Verhalten auf See und in der Luft. Wir bekräftigen, dass Streitigkeiten friedlich im Einklang mit dem Völkerrecht beigelegt werden sollen, und betonen erneut, dass der Schiedsspruch von 2016 in Bezug auf das Südchinesische Meer endgültig und für beide Parteien bindend ist.

Wir sind ferner besorgt über Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland sowie über Versuche, Sicherheit und demokratische Institutionen und Prozesse zu untergraben. Die Auswirkungen von Desinformation, Einflussnahme, transnationaler Unterdrückung und Cyberangriffen sowie der böswillige Einsatz von KI gegen Gesellschaften wie in Deutschland und Australien sind äußerst besorgniserregend. Wir engagieren uns für eine enge Zusammenarbeit bei der Entwicklung kollektiver Antworten — auch in multilateralen Foren — zur Förderung resilienter, gesunder, offener und faktenbasierter Räume und bei der Bekämpfung von ausländischer Einflussnahme und Desinformation. Das Vorgehen gegen Falsch- und Desinformation wird zur Schaffung von gesellschaftlichem Zusammenhalt und Sicherheit im In- und Ausland beitragen.

Verstärkte multilaterale Zusammenarbeit und internationale Entwicklung

Deutschland und Australien haben sich Frieden und Wohlstand hart erarbeitet. Heute steht die mühsam gewonnene Freiheit erneut unter Druck – bedroht durch militärische Aggression, Desinformation und Versuche, Einflusssphären neu abzustecken. Wir müssen noch härter arbeiten – gemeinsam und mit anderen –, um unsere kollektive Resilienz aufzubauen, Raum für Innovationen und wirtschaftliche Möglichkeiten zu schaffen und die entscheidenden Elemente des multilateralen Systems zu schützen.

Wir nehmen zur Kenntnis, dass das multilaterale System und die regelbasierte Ordnung vor erheblichen Herausforderungen stehen, und wir bekräftigen die überragende Bedeutung des Völkerrechts mit den Vereinten Nationen im Zentrum. Wir betonen unsere Unterstützung für eine umfassende Reform der Vereinten Nationen, um sie effizienter und handlungsfähiger zu machen und dabei das Gleichgewicht zwischen allen Säulen der VN zu bewahren: Frieden und Sicherheit, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung.

Wir erkennen an, dass die globale Entwicklungsarchitektur einer Reform bedarf, damit sie auf den sich verändernden Kontext zugeschnitten ist. Wir werden die Entwicklungszusammenarbeit im Einklang mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung weiterhin fördern und deren Umsetzung beschleunigen, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Wir werden daran arbeiten, die Fähigkeit des multilateralen Systems, eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben, zu wahren, und wir werden zusammenarbeiten, um Reformen zu unterstützen, mit denen sichergestellt wird, dass das globale Entwicklungssystem auf der Höhe der Zeit ist.

Wir erkennen den enormen Druck an, der auf dem internationalen System lastet, wenn es um die Bewältigung humanitärer Krisen geht. Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, die Verpflichtungen einzuhalten, die wir gemeinsam mit mehr als 100 anderen Ländern in der Erklärung zum Schutz humanitären Personals (Declaration for the Protection of Humanitarian Personnel) eingegangen sind, und die Achtung des humanitären Völkerrechts zu wahren, auch durch unser Engagement im Rahmen der globalen Initiative des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zur Stärkung des politischen Engagements für das humanitäre Völkerrecht (Global Initiative to Galvanize Political Commitment to International Humanitarian Law).

Aufbau von Klima- und Energieresilienz im pazifischen Raum und in Südostasien

Australien begrüßt ausdrücklich das seit einem Jahrzehnt währende Engagement Deutschlands als Dialogpartner des Pacific-Islands-Forums, seine Unterstützung für die Prioritäten des pazifischen Raums und die Ausweitung seines Engagements im Pazifikraum.

Mit unserer Energie- und Klimapartnerschaft als einer zentralen Säule der deutsch-australischen bilateralen Beziehungen haben wir unterstrichen, wie wichtig multilaterale und internationale Zusammenarbeit ist, um die weltweiten Klimaschutzmaßnahmen zu beschleunigen, damit die langfristigen Ziele des Übereinkommens von Paris erreicht werden. Deutschland begrüßt, dass Australien und der Pazifikraum sich mit der Türkei geeinigt haben, die COP 31 gemeinsam auszurichten. In Anerkennung der existentiellen Bedrohung, die der Klimawandel für die kleinen Inselentwicklungsländer darstellt, sowie der Gründungsbeiträge Deutschlands und Australiens für die Resilienzfazilität für den Pazifikraum (Pacific Resilience Facility, PRF) unter Führung und in Eigenverantwortung von Staaten des Pazifikraums werden wir zusammenarbeiten, um eine Dynamik der Klimafinanzierung für die PRF und weitere multilaterale Klimafonds zu schaffen. Wir begrüßen die erhebliche Reformierung multilateraler Klimafonds, darunter der Grüne Klimafonds und die Globale Umweltfazilität, um den Zugang zu Klimafinanzierung zu verbessern und den Bedürfnissen der kleinen Inselentwicklungsländer, wozu auch die Inselstaaten im Pazifik zählen, besser gerecht zu werden.

Im Wissen darum, wie wichtig es ist, die Energiewende Südostasiens zu unterstützen, um die langfristigen Ziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen, werden wir unsere Abstimmung verstärken, um die Energieversorgungssicherheit in Südostasien zu erhöhen, Kosten zu senken und den Umstieg der Region auf sauberere Energiequellen zu beschleunigen. Wir begrüßen die Partnerschaft für die Vernetzung von ASEAN im Energiebereich (Partnership for ASEAN Connectivity on Energy, PACE), eine neue Plattform zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen internationalen Finanzinstitutionen und Gebern, die für eine bessere Harmonisierung der Unterstützung des grenzüberschreitenden Stromhandels der Region sorgen und es uns ermöglichen wird, unser jeweiliges Fachwissen im Bereich saubere Energie noch wirksamer zugunsten der Region einzusetzen.

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