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Außenminister Wadephul vor seiner Abreise nach Singapur, Neuseeland, Tonga, Australien und Brunei
Vor seiner Abreise nach Singapur, Neuseeland, Tonga, Australien und Brunei erklärte Außenminister Johann Wadephul heute (01.02.2026):
Wir leben in einer Zeit, in der alte Gewissheiten bröckeln, auf denen unser Wohlstand und unsere Sicherheit Jahrzehnte ruhten. In einer Zeit, in der das Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts zu ersetzen droht. Genau jetzt müssen wir unser weltweites Netz robuster Partnerschaften entlang unserer Kerninteressen ausbauen. Wir wollen bestehende Partnerschaften festigen und neue schmieden.
Deswegen reise ich erneut in die Indopazifik-Region. Denn sie ist für Deutschland und Europa in vielerlei Hinsicht strategisch entscheidend. Bis nach Berlin oder Brüssel spüren wir die wirtschaftliche Dynamik und Innovationskraft dieser Zukunftsregion – und ebenso die geoökonomischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen, mit denen viele Länder dort umgehen müssen. Beides hat Einfluss auch auf uns.
Mit allen fünf Ländern, die ich besuche, eint uns das Interesse an einer stabilen internationalen Ordnung und der Einsatz für Multilateralismus. Wir treten gemeinsam ein für klare Regeln im internationalen Miteinander, wenn dieses unter Druck gerät – in Europa wie im Indopazifik. Denn was beispielsweise in der Straße von Taiwan oder im Südchinesischen Meer geschieht, hat weltweite Auswirkungen.
Der Indopazifik ist zugleich eine Region mit wichtigen Partnern, wenn wir uns bei der Beschaffung strategisch wichtiger Rohstoffe breiter aufstellen, Abhängigkeiten in weiteren kritischen Bereichen reduzieren und Lieferketten insgesamt diversifizieren wollen. Der Ausbau von Wirtschaftsbeziehungen, die auf freien Handel, Wettbewerb und Fairness bauen, ist im wechselseitigen Interesse. Für eine große exportierende Volkswirtschaft wie die deutsche ist dies von herausragender Bedeutung – aber auch für aufstrebende Partner im ASEAN-Raum. Denn im Indopazifik entscheidet sich ganz maßgeblich, wie sicher die Freiheit der Seewege, globaler Lieferketten und damit die weltweite Wirtschaftsentwicklung bleibt.
Als wichtiger Knotenpunkt der globalen Infrastruktur ist Singapur ein Tor in die Welt. Hier lässt sich der Puls der technologischen Innovation und des internationalen Handels erfühlen. Durch den Ausbau unserer Partnerschaft mit ASEAN wollen wir unsere Zusammenarbeit mit der Region weiter stärken. Brunei, das derzeit die Federführung für die Beziehungen zur EU innehat, spielt dabei eine wichtige Rolle.
Mit Australien und Neuseeland haben Deutschland und Europa gute Freunde und wichtige Wertepartner am anderen Ende der Welt. Wir sind eng verbunden durch unser gemeinsames Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie. Wir arbeiten auch sicherheitspolitisch immer enger zusammen und wollen zudem das wirtschaftliche Potenzial beispielsweise im Bereich Rohstoffe verstärkt nutzen. Neuseeland und die EU verbindet schon seit 2024 ein Freihandelsabkommen. Das Land ist zugleich wichtiger wissenschaftlicher Kooperationspartner für Deutschland mit Blick auf die Antarktis – und gleichzeitig Tor zur pazifischen Inselwelt, mit der wir unser Engagement ausbauen wollen.
Wir begehen 50 Jahre diplomatische Beziehungen und 150 Jahre Freundschaftsvertrag mit dem Königreich Tonga, nehmen diplomatische Beziehungen mit Niue auf und wollen strategischer Partner der Regionalorganisation Pacific Islands Forum werden, zu deren Klimafonds Deutschland beiträgt. Denn der Klimawandel ist für die pazifischen Inselstaaten eine existenzielle Bedrohung und damit im Kern eine Frage der Sicherheit.
In unsicheren Zeiten ist es an uns, ein sicheres Netz an globalen Partnerschaften weiter zu knüpfen und zukunftsfest zu machen. Denn unsere Freiheit, unser Wohlstand und unsere Sicherheit entscheiden sich nicht alleine in Europa – sondern im weltweiten Zusammenspiel.