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Grußwort des Bundesaußenministers anlässlich der Eröffnung der Gedenkstätte Flossenbürg

22.07.2007 - Rede

-Es gilt das gesprochene Wort-

Sehr geehrter Herr Präsident Juschtschenko,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Stoiber,
sehr geehrter Herr Dr. Terry,
sehr geehrte Damen und Herren,

wie könnte man nach der Rede von Viktor Juschtschenko anders formulieren: Wir stehen hier an einem Ort der deutschen Schande. Wir gedenken der hundertausend Opfer des KZ Flossenbürg. Und mit ihnen gedenken wir der Millionen Opfer des Nationalsozialimus. Wir gedenken der im deutschen Namen zu Tode gequälten, ermordeten und erniedrigten Menschen in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt.

Wir haben uns heute versammelt, um diesem Gedenken einen Raum zu geben. Aus dem Ort der Schande soll eine Stätte des Gedenkens werden.

Wir wollen mit dieser Gedenkstätte allen Menschen Ehre erweisen, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben. Wir verneigen uns vor ihrem Leid. Und wir erinnern uns.

Denn wir wissen: Versöhnung ist nur dort möglich, wo Erinnerung gegenwärtig wird. Wo wir als Deutsche unser schweres Erbe der Vergangenheit annehmen und uns unserer Verpflichtungen für die Zukunft bewußt werden.

Wir wissen: dass wir heute als Vertreter eines freien, eines demokratischen und weltoffenen Deutschland sprechen dürfen, das danken wir auch vielen Menschen, die hier gelitten haben.

Wir wissen: das Leid der Menschen hier war unsagbar! Davor versagen der Verstand und das Herz, so hat es Präsident Juschtschenko eben ausgedrückt. Wir brauchen Hilfe, um über dieses Leid überhaupt sprechen zu können. Um uns dieses Leids zu erinnern. Um zu verstehen, was in deutschem Namen geschehen ist.

Wir Deutsche müssen uns gegenseitig helfen, die Erinnerung wach zu halten. Wir Jüngeren brauchen die Hilfe der Älteren. So wie unsere Kinder unsere Hilfe brauchen. Und so soll diese Gedenkstätte ein Raum der tätigen Erinnerung für uns Deutsche sein.

Wir wissen auch: wir brauchen für diese Erinnerung die Hilfe derer, die den Terror der Nationalsozialisten überlebt haben. Und so wollen wir in dieser Gedenkstätte die Erinnerung lebendig halten.

Wir wollen Raum schaffen für Gegenwart der Vergangenheit. Denn ohne sie können wir unser Heute nicht verstehen und unsere Zukunft nicht gestalten.

Und schließlich: wir Deutsche wissen, dass wir die Hilfe unserer Freunde aus dem Ausland brauchen. Und so soll diese Gedenkstätte ein Raum der Begegnung mit unseren Freunden aus anderen Ländern sein. Herr Präsident Juschtschenko, Herr Dr. Terry, wir danken Ihnen, dass Sie heute bei uns sind! Trotz des Leids, das unsere Feindschaft über Sie, Ihre Angehörigen, Freunde und Völker in der Vergangenheit gebracht hat.

Wir danken Ihnen auch stellvertretend für die über dreißig Nationen, die an diesem Ort gelitten haben, stellvertretend für alle Überlebende, die uns Deutschen geholfen haben und helfen, aus der tätigen Erinnerung an die Vergangenheit Verantwortung zu übernehmen – für uns selbst, aber auch für andere, die heute leiden.

Und so lassen Sie mich schließen mit dem Wunsch, dass diese Gedenkstätte hier in Flossenbürg dazu beitragen möge, durch die tätige Erinnerung Raum zu bereiten für eine bessere und gemeinsame Zukunft!

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