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Ansprache von Bundesaußenminister Steinmeier anlässlich der Unterzeichnung des Deutsch-Indischen Filmabkommens, 16.02.2007

16.02.2007 - Rede

--Es gilt das gesprochene Wort--

Sehr geehrter Herr Kollege Ranjan Dasmunsi,
sehr geehrte Frau Botschafterin Meera Shankar,
sehr geehrter Herr Staatsminister Neumann,
lieber Dieter Kosslick,
meine Damen und Herren,

Yash Chopra, dem wir mit "Veer und Zaara" wohl einen der berührendsten und hoffnungsfrohsten Beiträge zum indisch-pakistanischen Verhältnis, aber auch zum Verhältnis der unterschiedlichen Religionen verdanken, hatte vor einem Jahr, als er Mitglied der Berlinale-Jury war, in einem Interview mit der Deutschen Welle mehr Austausch gefordert, weil, so sagte er damals, "weil wir so viel von einander lernen können". Auch wenn Politik nicht immer so schnell funktioniert, in diesem Fall hat sie es wohl getan und ich denke, mit dem heutigen Abkommen über deutsch-indische Koproduktionen schaffen wir eine wichtige Voraussetzung für mehr Austausch. Kulturell und wirtschaftlich. Darüber freue ich mich sehr und ich möchte mich auch an dieser Stelle ganz herzlich bei all denen bedanken, die die Verhandlungen des Abkommens engagiert begleitet haben!

Wir setzen mit diesem Abkommen fort, was wir nicht zuletzt mit dem Indien-Jahr im vergangenen Jahr begonnen haben. Und damit meine ich nicht die Tatsache, dass Yash Chopra Mitglied der Berlinale-Jury war. Sondern die vielfältigen außen- und innenpolitischen Aktivitäten auf allen Ebenen. So war Indien Ehrengast bei der Hannover-Messe und ich selbst hatte die Gelegenheit, den kulturellen Höhepunkt des Indien-Jahres, die Buchmesse in Frankfurt zu eröffnen.

Genau diese wichtige und gelungene Verbindung zwischen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Aspekten setzen wir hier und heute auf der Berlinale fort. Auch hieran zeigt sich: die Berlinale ist im besten Sinne des Wortes ein politisches Film-Festival. Und das nicht nur in der Jury-Besetzung oder der Filmauswahl. So hatte der diesjährige Talent-Campus, die Nachwuchsschmiede der Berlinale, die das Auswärtige Amt seit Jahren mitfinanziert, in diesem Jahr das Thema "Home Affairs – Privacy, Film and Politics". Es ging dabei um die kulturelle Identitätsfindung im und mit den Mitteln des Films.

Amartya Sen verdanken wir die wichtige Einsicht, dass Identität, ganz besonders die kulturelle Identität nicht im ausschließlichen Blick auf das vorgeblich "Eigene" zu begründen ist, sondern die Öffnung, die gegenseitige Bereicherung durch das vorgeblich "Fremde" braucht.

Wir brauchen nicht Abschottung oder Rückwärtsorientierung, sondern Austausch und Wahlmöglichkeiten, damit Kultur auch in einer globalisierten Welt Ratgeber und Kritiker gesellschaftlicher Entwicklungen sein kann. Der Blick auf Indien kann uns Europäern hier Mut machen: Die größte Demokratie der Welt hat nicht nur mehr Amtssprachen als die EU, sie hat einen Sikh als Regierungschef, einen muslimischen Präsidenten, und die Vorsitzende der größten indischen Partei ist als Christin geboren worden. Mit dem Konzept einer homogenen oder monolithischen Kultur kommt man da nicht weit. Und: das sollte uns gerade im Jahr der deutschen EU-Präsidentschaft ein wenig Zuversicht geben, dass wir auch in Europa ein einigendes Band von Interessen, Werten und politischen Handlungsfeldern schaffen können.

Deutschland und Indien sind in vielerlei Hinsicht verbunden durch gemeinsame Vorstellungen und Werte. Diese strategische Partnerschaft beschränkt sich aber nicht nur auf wirtschaftliche oder politische Felder. Sprache, Kultur und Bildung spielen hier eine zentrale Rolle. Denn so gefährlich kulturell aufgeladene Konflikte sind, so dauerhaft und verlässlich sind kulturell begründete Freundschaften.

Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ist deswegen seit Willy Brandt ein zentraler Teil der deutschen Außenpolitik.

In keinem anderen Bereich werden die Menschen so direkt angesprochen, entstehen so dauerhafte emotionale Bindungen wie in der Kultur - und in keiner der sieben Künste so unmittelbar wie im Film. Und es scheint mir fast, dass wir mit dem heutigen Abkommen endlich fortsetzen, was ganz zu Beginn des Kinos im deutsch-indischen Verhältnis begonnen hat. Denn immerhin drehte ja bereits einer der deutschen Stummfilmpioniere, Franz Osten, in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Mumbai die ersten deutsch-indischen Koproduktionen. Und "Die Leuchte Asiens" oder "Das Grabmal einer großen Liebe" sind heute Klassiker der Stummfilmzeit.

Um so mehr sollten wir heute alles dafür tun, die Möglichkeiten des Austauschs und der gemeinsamen kreativen Leistung zu verbessern.

Einige jüngere Filme haben eindrucksvoll belegt, wie groß unser gemeinsames Potential dabei ist. Florian Gallenbergers Film "Schatten der Zeit" etwa, der von Helmut Dietl produziert worden ist, wurde nur mit bengalischen Schauspielern und komplett in Kalkutta gedreht. Der Film hat für viel Aufsehen gesorgt – nicht nur in Deutschland, sondern ich habe mir sagen lassen auch in Indien.

Solche Beispiele machen Hoffnung auf eine noch intensivere Zusammenarbeit in der Zukunft. Das Koproduktionsabkommen schafft dafür die rechtlichen Voraussetzungen. Und ich freue mich mit Ihnen auf die Ergebnisse, die wir hoffentlich schon bald in den Kinosälen sehen werden – vielleicht schon nächstes Jahr auf der Berlinale.

Vielen Dank!

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