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Antrittsrede von Staatssekretär Markus Ederer aus Anlass der Amtsübergabe

23.01.2014 - Rede

-- Es gilt das gesprochene Wort --

Herr Minister, Herr Staatsminister,
Frau Kollegin Haber, liebe Kollegen Staatssekretäre,
liebe Kolleginnen und Kollegen!

Herr Minister, ich danke Ihnen für das Vertrauen, dass Sie mit der Berufung zum Staatssekretär in mich setzen, und ich danke Dir für Deine Worte, die Du gerade dazu gewählt hast.

Danken möchte ich auch den bisherigen Staatssekretären für ihre Arbeit und für die geordnete Übergabe.

Sie alle wissen:

ich folge Emily Haber im Amt nach, und ich will deswegen Dir, Emily, besonders danken:

Du hast Dein Amt mit außerordentlicher Fachkompetenz und Professionalität geführt. Das habe ich immer sehr bewundert. Du hast dies mit Präzision und Schnelligkeit getan, aber dabei immer Ruhe bewahrt.

Und Du hast all dies mit Wärme und menschlicher Ansprache getan; Du hast die Kolleginnen und Kollegen ernst genommen und sie um ihre Meinung gefragt.

Du hast damit einen hohen Standard gesetzt, und ich möchte Dir dafür - auch im Namen der anwesenden Kolleginnen und Kollegen – sehr herzlich danken.

Während der Personalversammlung im Dezember habe ich unsere Weltkarte hier im Weltsaal neu entdeckt. Ich saß hier vorne links und konnte von dort China gar nicht sehen.

Dort wo ich gerade herkomme, aus Peking, sehen die Weltkarten anders aus. Zhongguo, das Reich der Mitte, befindet sich dort im Zentrum.

Und wenn ich unsere Weltkarte betrachte, frage ich mich: Haben wir eigentlich in Europa und in Deutschland verstanden, dass die Landkarten in Asien die globalen Trends zunehmend realistischer abbilden als unsere?

Die Schwerpunktverlagerung bei der wirtschaftlichen Dynamik, bei den damit verbundenen Chancen? Aber auch beim Potential für ernste politische Konflikte?

Und selbst wenn wir es verstanden haben: hat unsere Außen- und Sicherheitspolitik der letzten Jahre mit dieser Erkenntnis Schritt gehalten?

Sicher ist: Seit jenem Foto meines Ausbildungsjahrgangs vor etwas mehr als 25 Jahren im Weltsaal des Auswärtigen Amts in Bonn – vor einer ähnlichen Weltkarte – hat sich die Welt extrem verändert!

Kurz danach entsandte übrigens Markus Meckel den letzten Botschafter der DDR nach Paris. Sein Name war Stephan Steinlein.

Lieber Stephan,

nach so vielen Jahren der engen Zusammenarbeit und persönlicher Nähe ist für mich eine große Freude und besonderes Privileg, dass gerade wir beide – für diesen Minister – gemeinsam die nächsten Jahre deutscher Außenpolitik mitgestalten dürfen!

Wenn wir vom Wandel seit Ende der 80er-Jahre sprechen, der sich in Deiner Biographie ja besonders abbildet, Stephan, hilft es auch, sich daran zu erinnern, dass in unserer damaligen Diplomatenausbildung Haushaltsnamen der heutigen Außen- und Sicherheitspolitik - Klimawandel, asymmetrische Bedrohungen, Cyber Security, oder selbst der Begriff Globalisierung - nicht vorkamen.

Und noch etwas hat sich verändert:

Die Zeiten des Kalten Kriegs, der Ost-Verträge, der Nachrüstungsdebatte, aber natürlich auch Zeiten der Deutschen Einheit und der Überwindung der Teilung Europas – das waren Zeiten, als internationale Politik die Menschen berührt hat; nicht selten geängstigt, manchmal begeistert, gelegentlich auch polarisiert.

Man kann und sollte diese Zeiten nicht zurückwünschen. Dennoch: Ich habe den Eindruck, dass wir eine so genuin interessierte und engagierte Öffentlichkeit für Außen-, Sicherheits- und Europapolitik heute in vielen Fällen vergeblich suchen.

Eines, liebe Kolleginnen und Kollegen, hat sich in meiner Wahrnehmung seit 1988 wenig verändert: unser Auswärtiges Amt.

Es sieht in seiner Struktur und teilweise auch seinen Arbeitsprozessen im Wesentlichen noch genauso aus wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Ich stelle das zunächst nur so fest. Aber die Feststellung allein wirft schon Fragen auf.

Herr Minister,

auch um das Verhältnis von Kontinuität und Wandel zu hinterfragen, haben Sie in Ihrer Rede zum Amtsantritt einen Prozess der „Selbstverständigung über die Perspektiven deutscher Außenpolitik“ angestoßen.

Einen Prozess, den wir – extern moderiert – unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft und auswärtiger Beobachter organisieren wollen.

Ich denke mir: Vielleicht führt dieser Prozess ja – bei allem Anpassungsbedarf an neue technologische und weltpolitische Gegebenheiten – auch zu einer Renaissance klassischer Außenpolitik und Diplomatie.

Warum sage ich das? Mehr denn je sind politische Lösungen das Gebot der Stunde angesichts neuer und komplexer Problemlagen.

Einige Beispiele:

Zum einen: Gegen Klimawandel, politische Instabilität, ethnische Auseinandersetzungen und Cyberangriffe hilft keine militärische Gewalt, helfen keine Luftangriffe.

Zum anderen: Wir müssen auch erkennen, dass viele der auf die internationale Bühne drängenden – zum Teil auf sie zurück drängenden – neuen Mächte mit unserem Ansatz des effektiven Multilateralismus nicht viel anfangen können.

Sie leben und handeln nach eigenem Selbstverständnis in einer quasi neo-westfälischen Welt, einer Welt des Gleichgewichts der Mächte.

Und zuletzt: In Europa sind heute leider Vorurteile und Ressentiments zwischen den Mitgliedstaaten und ihren Bevölkerungen wieder im Vordringen begriffen.

Der erfolgreiche Umgang mit all diesen Herausforderungen setzt die Fähigkeiten klassischer Diplomatie voraus:

klare Analyse der Interessen und Perzeptionen der anderen Seite; die Fähigkeit, sich auch einmal in die Position des anderen zu versetzen; Interessenkonvergenzen und –identitäten zu schaffen und daraus gemeinsames Handeln, kooperative Außen- und Sicherheitspolitik zu entwickeln.

Dieser Prozess der Selbstverständigung ist natürlich ergebnisoffen; er wird spannend und anregend. Und er wird Zeit in Anspruch nehmen.

Sie kennen vielleicht die Geschichte, die Tom Donilon über seine ersten Tage als Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Obama erzählte.

Ein guter Freund sagte ihm, er werde jeden Tag drei volle Postkörbe in seinem Büro vorfinden.

Auf dem einen stehe „Wichtig und Dringend“, auf dem zweiten „Dringend, nicht Wichtig“, und auf dem dritten „Wichtig, nicht Dringend“.

Frage: In welchen Korb würde er jeden Tag als erstes schauen?

„Natürlich in den Korb „Dringend und Wichtig“, habe Donilon geantwortet.

Diese Antwort sei falsch, so sein Freund:

„Wenn Du dies tust, wirst Du nie Zeit für Korb 3 haben, „Wichtig, nicht Dringend“. Dies ist aber der Korb, bei dem man noch die Chance hat, etwas zu bewegen und zu gestalten.“

Diese Geschichte beschreibt plastisch unser tägliches Dilemma, denn sie will uns natürlich nicht sagen, dass wir die wichtigen und dringenden Dinge vernachlässigen sollten.

Denn unser Metier bringt es unweigerlich mit sich, dass auch in den nächsten Jahren uns Krisen in Atem halten werden.

Dennoch weiß ich, Herr Minister, Sie erwarten von uns auch, dass wir Zeit, Kreativität und Mut in den dritten Korb investieren. Das wird eine Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen werden.

Herr Minister, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich auf das neue Amt und glauben Sie mir: ich habe großen Respekt vor der Aufgabe!

Ich bin auch zurück, weil das Haus und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mir sehr am Herzen liegen!

Sie alle können darauf zählen, dass Stephan Steinlein und ich der Fürsorge und dem Zusammenhalt zwischen den Angehörigen des Auswärtigen Dienstes samt ihren Partnerinnen und Partnern besonderes Augenmerk schenken werden.

Lassen Sie uns alle einen offenen Umgang miteinander pflegen und gegenseitiges Vertrauen, Kollegialität und Loyalität als Richtschnur unseres Handelns begreifen.

All dies sind aus meiner Sicht „Zweibahnstraßen“, und ich verspreche Ihnen, dass ich meinen Teil dazu beitragen werde.

Ich zähle auf Ihre fachliche Expertise und den besonderen Einsatz, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Hauses immer ausgezeichnet hat.

Am Montag, an unserem ersten Tag, haben Stephan Steinlein und ich einen Rundgang durchs Haus gemacht, an viele Stellen, an die Staatssekretäre sonst nicht so häufig kommen.

Wir waren auch beim FFD. Dort durften wir in eine Kiste Glückskekse greifen:

Ich habe – an diesem ersten Tag im Amt – den Spruch gezogen:

„If you’re in it – win it!“

Ein großartiges Motto, für uns alle gemeinsam, für die nächsten 4 Jahre!

Vielen Dank!

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