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Deutschland und Vietnam: bilaterale Beziehungen Vietnam

04.03.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Deutschland und Vietnam unterhalten seit 2011 eine „Strategische Partnerschaft“ mit Kooperationsprojekten auf allen Ebenen und zahlreichen Politikfeldern. Durch Vietnam-Besuche des damaligen Bundesaußenministers Steinmeier, der Bundestags-Vizepräsidentin Edelgard Bulmahn, zahlreicher Bundestagsabgeordneter und Länderminister erhielten die bilateralen Beziehungen im Jahr 2016 weitere Impulse. Die traditionell engen und vertrauensvollen deutsch-vietnamesischen Beziehungen erlitten aufgrund der Entführung eines vietnamesischen Staatsangehörigen aus Berlin durch vietnamesische staatliche Stellen im Juli 2017 einen Rückschlag. Nach vertrauensbildenden Maßnahmen durch die vietnamesische Regierung wurde die zwischenzeitlich suspendierte Strategische Partnerschaft im November 2018 wiederbelebt.

Grundlage der „Strategischen Partnerschaft“  ist die so genannte „Hanoier Erklärung“. Sie ist auch Bezugspunkt zahlreicher gemeinsamer Projekte und Initiativen. Die Erklärung wurde im Oktober 2011 von Bundeskanzlerin Merkel und dem damaligen Premierminister Dung unterzeichnet und hat die Stärkung der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und entwicklungspolitischen Beziehungen zum Ziel.

Gemeinsame Erklärung von Hanoi: Vietnam und Deutschland - Strategische Partner der Zukunft PDF / 85 KB

Im Rahmen eines strategischen Aktionsplans wird die Kooperation zwischen beiden Ländern auf allen Feldern fortentwickelt und jährlich um neue Projekte angereichert. Deutschland unterstützt darüber hinaus die Modernisierung des vietnamesischen Rechtssystems im Rahmen des deutsch-vietnamesischen Rechtsstaatsdialogs. Inhalte sind u.a. Beratung bei Gesetzgebungsvorhaben; Weiterentwicklung des Rechtssystems; Weiterbildung von Richtern, Staatsanwälten, Rechtsanwälten und Notaren; Beratung bei der Umsetzung internationaler Konventionen und Regelwerke; Beratung bei der Reform des Zivilrechts, des Zivilprozessrechts, des Arbeits-, Gewerkschafts- und Sozialrechts, der Weiterentwicklung des Straf- und Strafprozessrechts, des Handelsrechts, der Verfassungsgerichtsbarkeit; Förderung der Menschenrechte; Rechtshilfe und weitere Themen. (Weitere Informationen bei BMJV: „Der Deutsch-Vietnamesische Rechtsstaatsdialog“ )

Ein weiteres wichtiges Vorhaben der bilateralen Zusammenarbeit ist das Deutsche Haus in Ho-Chi-Minh-Stadt, das seit Ende 2017 in Betrieb ist. Seit Mai 2018 hat das Deutsche Generalkonsulat Ho-Chi-Minh-Stadt hier seinen Sitz. Darüber hinaus sind zahlreiche in Ho-Chi-Minh-Stadt vertretene deutsche Institutionen wie Goethe-Institut, DAAD und die Delegation der Deutschen Wirtschaft sowie interessierte deutsche Unternehmen mit Büros im Deutschen Haus vertreten.

Entwicklungszusammenarbeit

Ein weiterer wichtiger Baustein der Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam ist die Entwicklungszusammenarbeit. Bei den Regierungsverhandlungen 2017 hat Deutschland Vietnam Mittel in Höhe von rund 150 Mio. EUR über zwei Jahre zugesagt. Die Zusammenarbeit in den Schwerpunkten Berufliche Bildung, Energie und Umwelt ist hierbei stets an der ambitionierten vietnamesischen „Green Growth Strategy“ ausgerichtet. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass Vietnam mit gut ausgebildeten Fachkräften und einer effizienten und nachhaltigen Energieversorgung einen Wachstumspfad verfolgt, der die natürlichen Ressourcen schont, die Biodiversität erhält und im Einklang mit den 2015 eingegangenen internationalen Verpflichtungen und Zielen aus der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und dem Pariser Klimagipfel sowie mit dem Freihandelsabkommen mit der EU steht.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland hat 2017 seine Position als größter EU-Handelspartner Vietnams verteidigt; das erzielte Handelsvolumen lag bei 13 Mrd. EUR. Die Importe aus Vietnam stiegen auf 9,6 Mrd. EUR, die deutschen Exporte nach Vietnam erreichten 3,4 Mrd. EUR. Weitere Impulse erwarten deutsche und vietnamesische Unternehmen vom 2015 abgeschlossenen Freihandelsabkommen und einem Investitionsschutzabkommen zwischen der EU und Vietnam, dessen Inkrafttreten für Mitte 2019 angestrebt wird. Bis 2020 soll ein deutsch-vietnamesisches Handelsvolumen von 20 Mrd. USD erzielt werden.

Wichtigste vietnamesische Exportprodukte nach Deutschland sind Elektronikartikel, Schuhe, Textilien/Bekleidung, Nahrungsmittel (z.B. Kaffee und Pfeffer), Lederwaren. Wichtigste Einfuhrprodukte aus Deutschland sind Fahrzeuge/Fahrzeugteile, Maschinen, technische Ausrüstungen und pharmazeutische Produkte. Vietnam hat das Ziel, sich bis 2020 zum Industrieland zu entwickeln. Der damit verbundene Bedarf an höherwertigen Anlagen sollte sich in einer steigenden Nachfrage nach Maschinen „Made in Germany“ äußern.

Die Delegation der Deutschen Wirtschaft mit Büros in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt ist Teil des AHK-Netzwerks. Die Delegation befindet sich in Ho-Chi-Minh-Stadt in einer Bürogemeinschaft mit der Deutschen Kaufmannschaft (German Business Association, GBA), in der sich über 250 deutsche Unternehmen zusammengeschlossen haben. Fernziel ist die Gründung einer deutsch-vietnamesischen Auslandshandelskammer.

Deutsche Unternehmen haben kumuliert in knapp 300 Vorhaben 1,6 Mrd. USD investiert, davon im Jahr 2017 in 33 neue Vorhaben in Höhe von 414 Mio. USD.

Wichtige Investitionen deutscher Unternehmen werden jedoch über Auslandstöchter gesteuert und fallen statistisch nicht Deutschland zu. Seit 2008 ist „Germany Trade and Invest“ (GTAI) mit einer Korrespondentin in Hanoi vertreten.

Kulturbeziehungen

Seit Abschluss des Kulturabkommens 1990 entwickeln sich die bilateralen Kulturbeziehungen positiv. Die rund 100.000 Vietnamesen, die in Deutschland gearbeitet, studiert oder sich dort fortgebildet haben, bilden eine - in Asien einzigartige - Brücke zwischen Deutschland und Vietnam, die das Interesse an Deutschland fördert.

Der wissenschaftliche Austausch profitiert von der großen Zahl in Deutschland ausgebildeter Akademiker. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördern eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Kontakte und Kooperationsvereinbarungen. Vietnam ist Schwerpunktland der Bemühungen zur Internationalisierung des Hochschulstandorts Deutschland. Im Dezember 1999 hat das Vietnamesisch-Deutsche Zentrum (VDZ) an der Technischen Universität Hanoi seine Arbeit aufgenommen, das auch die seit 2003 bestehende Außenstelle des DAAD in Hanoi beherbergt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) pflegt intensive Kontakte mit dem vietnamesischen Forschungsministerium. Im Bereich der Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit herrscht ein dichter Austausch auf fachlicher und politischer Ebene.

Mehrjährige Verhandlungen über die Errichtung von Kulturinstituten wurden im Januar 1997 mit der Unterzeichnung eines Abkommens abgeschlossen. Im Dezember 1997 wurde das Goethe-Institut (GI) Hanoi eröffnet, das sich zu einem viel besuchten Mittelpunkt deutscher Kultur und Sprache sowie darüber hinaus zu einem beliebten Treffpunkt Kulturschaffender und -interessierter entwickelt hat. Seit Ende 2003 ist  das Goethe-Institut  in Ho-Chi-Minh Stadt präsent, zunächst hauptsächlich mit Sprachprogrammen, ab 2008 wurde die GI-Außenstelle mit eigener kultureller Programmarbeit zu einem vollständigen zweiten Standort des GI in Vietnam ausgebaut. Für viele zukünftige Studierende sind die Sprachkurse des Goethe-Instituts Sprungbrett für den angestrebten Studienaufenthalt in Deutschland.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnete als erste politische Stiftung im November 1990 ein Büro in Hanoi, 1993 folgte die Konrad Adenauer-Stiftung. Seit Februar 2009 ist auch die Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie seit 2011 die Hanns-Seidel-Stiftung in Hanoi mit eigenen Büros vertreten. Im September 2012 eröffnete auch die Friedrich-Naumann-Stiftung eine Repräsentanz in Hanoi.

Im September 2008 wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt die Vietnamesisch-Deutsche Universität (VGU) eröffnet, deren Gründungsdokumente im Februar 2008 in Hanoi in Anwesenheit des damaligen Bundesaußenministers Steinmeier unterzeichnet wurden. Im September 2018 wurde feierlich das 10-jährige Jubiläum der VGU begangen. Aktuell bietet die VGU insgesamt 11 Bachelor- und Master-Studienprogramme für über 1.200 Studierende an. 2011 haben die ersten Bachelorstudierenden ihr Studium an der VGU erfolgreich abgeschlossen, 2018 gab es insgesamt über 500 Bachelor- und Master-Absolventen. Über 90% der VGU-Absolventen sind unmittelbar nach ihrem Abschluss berufstätig oder setzen ihr Studium fort.

Im Rahmen der vom Auswärtigen Amt Ende 2007 ins Leben gerufenen Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ wurde auch in Vietnam der Deutschunterricht an vietnamesischen Schulen erweitert. Im Juli 2013 wurde mit der Anerkennung von Deutsch als Fremdsprache für den Unterricht in Vietnam ein Meilenstein bei der Förderung der deutschen Sprache erreicht, seit 2017 gibt es ein vom Bildungsministerium anerkanntes Curriculum für Deutsch als zweite Fremdsprache an vietnamesischen Schulen. Insgesamt gibt es aktuell je acht. von der Zentralstelle für Auslandsschulwesen (ZfA) und dem Goethe-Institut unterstützte vietnamesische Schulen, die Deutsch als Fremdsprache anbieten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Vietnam ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie das Gesundheitswesen. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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