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Beziehungen zu Deutschland Ukraine

Artikel

Stand: April 2018

Politik

Deutschland hat großes Interesse an einer stabilen, demokratischen und wirtschaftlich prosperierenden Ukraine. Die Bundesregierung unterstützt die Ukraine in ihrer marktwirtschaftlichen Transformation und Annäherung an europäische Strukturen. Nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Halbinsel Krim durch Russland und angesichts des militärischen Konflikts in der Ost-Ukraine mit hohen Opferzahlen bemüht sich Deutschland in enger Abstimmung mit seinen europäischen und internationalen Partnern um eine friedliche Beilegung der Krise, insbesondere im Rahmen des sogenannten Normandie-Formats (Deutschland, Frankreich, Ukraine, Russland). Deutschland setzt sich für die territoriale Integrität der Ukraine ein und erkennt die Annexion der Krim durch Russland nicht an.

Zwischen Deutschland und der Ukraine besteht ein enger politischer Austausch. Bundespräsident Gauck nahm an der Amtseinführung von Präsident Poroschenko am 7. Juni 2014 teil und reiste zuletzt im September 2016 nach Kiew. Bundeskanzlerin Merkel empfing Präsident Poroschenko zuletzt 10. April 2018 in Berlin. Außenminister Gabriel reiste zuletzt im Januar 2018 in die Ukraine. 

An den bilateralen Beziehungen haben auch Bundesländer, Städte und Gemeinden, Universitäten und Schulen, private Vereine und Einzelpersonen großen Anteil. Über das internationale Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages („IPS“) und ein Hospitationsprogramm von Auswärtigem Amt und Deutscher Botschaft Kiew besuchen Jahr für Jahr ukrainische Nachwuchskräfte Berlin, um dort im Bundestag, dem Auswärtigen Amt oder anderen Einrichtungen zu hospitieren.

Wirtschaft

Nach dramatischen Einbrüchen 2014/15 die ukrainische Wirtschaft 2015, nicht zuletzt infolge der fortgesetzten Kampfhandlungen im Osten des Landes, noch um 10,6% schrumpfte hat sich die ukrainische Wirtschaft seit 2016 stabilisiert und befindet sich seither auf einem leichten Wachstumskurs (jeweils ca. 2% BIP-Wachstum 2016 und 2017), war das vergangene Jahr durch Anzeichen für eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung gekennzeichnet. Für das gesamte Jahr 2016 gehen aktuelle Schätzungen von einem Wachstum der Wirtschaftsleistung um 2,2% aus, wobei im letzten Quartal 2016 ein BIP-Wachstum von 4,7% erzielt wurde. Im Falle einer nachhaltigen Beendigung der militärischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine und bei Umsetzung der durch von IWF (Internationaler Währungsfonds), EU und weiteren internationalen Akteuren unterstützten wirtschaftlichen Reformpolitik sollte die Ukraine zukünftig mit kontinuierlichem Wachstum (die Prognosen für 20187 reichliegen bei ca. 3,5%von 2% bis 3%) rechnen können, auch wenn weiterhin erhebliche Risiken bestehen (jüngst zeitweise Verschlechterung der „terms of trade“ infolge Preisrückgangs für zahlreiche Exportgüter; gegen die Ukraine gerichtete Wirtschaftsmaßnahmen Russlands; politische Unsicherheit, Korruption und mangelnde Rechtssicherheit in der Ukraine; Risiken im Bankensystem; und zuletzt auch durch Blockade von Transportwegen verursachte potenzielle Engpässe bei der Energie- und Rohstoffversorgung). Die Bundesregierung unterstützt die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine in vielfältiger Weise, u.a. durch einen ungebundenen Finanzkredit in Höhe von 500 Mio. Euro.

Deutschland gehört zu den wichtigsten Handels- und Investitionspartnern der Ukraine (zweitwichtigstes Herunftsland ukrainischer Importe; wesentlicher Absatzmarkt für ukrainische Exporte; Deutschland eines der wichtigsten Herkunftsländer ausländischer Investitionen). Die Ukraine verzeichnet in den Handelsbeziehungen mit Deutschland immer noch ein deutliches Defizit, seit 2014 allerdings mit abnehmender Tendenz. Wichtigste deutsche Exportgüter sind Maschinen, Fahrzeuge, Chemie- und Pharmaprodukte, elektrotechnische Erzeugnisse und Nahrungs- und Futtermittel. Wichtigste ukrainische Exportgüter sind Textilien, Bekleidung, Metalle, Chemieprodukte sowie FahrzeugeAgrarerzeugnisse.

(Geschätzt) Mehr als 1.000 deutsche Firmen sind in der Ukraine vertreten. Ihre Interessen nimmt neben der Deutschen Botschaft auch die im Oktober 2016 in Kiew gegründete AHK wahr, die Vertretung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Die 'Deutsche Beratergruppe' berät die ukrainische Regierung im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums in wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. In der deutsch-ukrainischen 'Hohen Arbeitsgruppe für wirtschaftliche Fragen' werden seit 2005 Fragen der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen erörtert.

Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland unterstützt die Ukraine seit 2002 beim Aufbau eines demokratischen Rechtsstaats und marktwirtschaftlicher Strukturen. Seit 2014 hat Deutschland seine Unterstützung massiv erhöht. Allein in den Jahren 2015, 2016 und 2017 im Jahr 2015 sagtehat Deutschland über 300191 Mio. Euro für die finanzielle und technische Zusammenarbeit sowie Not- und Übergangshilfe zugesagt, 2016 insgesamt Mittel in Höhe von 86,5 Mio. EUR. Die deutsche Unterstützung konzentriert sich auf die Bereiche Energieeffizienz, Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Gute Regierungsführung/Dezentralisierung. Zudem arbeitet Deutschland in den Bereichen nachhaltige Landwirtschaft und Umwelt (Klimaschutz und Stadtentwicklung) mit der Ukraine zusammen.

Justiz und Menschenrechte

Deutschland unterstützt die Ukraine seit vielen Jahren in ihren Bestrebungen, einen tragfähigen und stabilen Rechtsstaat nach europäischem Vorbild aufzubauen. Dazu fördert die Bundesregierung Rechtsberatungsprojekte in der Ukraine. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die deutsche Stiftung für Internationale Rechtliche Zusammenarbeit (IRZ), die bereits 1991 ihre Arbeit im Land aufnahm. Zur Zeit liegt der Schwerpunkt der Zusammenarbeit auf dem Verfassungs-, Verwaltungs- und Strafrecht, der Justizreform sowie der Korruptionsbekämpfung.

Daneben beteiligt sich Deutschland auch regelmäßig an multilateralen Projekten z.B. der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa). Schwerpunkte sind hier Verwaltungsrecht und Handelsrecht.

Schließlich fördert das Auswärtige Amt Menschenrechtsprojekte in der Ukraine. Diese werden von ukrainischen Nichtregierungsorganisationen umgesetzt.

Kultur und Bildung

Seit 1993 gibt es ein deutsch-ukrainisches Kulturabkommen. Im selben Jahr wurde in Kiew ein Goethe-Institut eingerichtet, zu dessen Netzwerk inzwischen Deutsche Lesesäle, Sprachlern- und Lehrmittelzentren sowie Bibliotheken mit Fernleiheanschluss in allen Regionen der Ukraine gehören. Das Goethe-Institut betreut außerdem drei deutsch-ukrainische „Kulturgesellschaften“ in Odessa, Charkiw und Czernowitz. Im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) werden über 40 ukrainische Schulen („DSD“- sowie „FIT“-Schulen) und die Deutsche Schule Kiew beim Auf- und Ausbau ihres deutschsprachigen Unterrichtes gefördert. Hierbei arbeiten die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und das Goethe-Institut eng zusammen.

1998 wurde das Büro des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Kiew eingerichtet. Im gleichen Jahr wurde ein Abkommen über Hochschulzusammenarbeit geschlossen. Zahlreiche deutsche Programmlehrer, Lektoren und Sprachassistenten sind an Schulen und Hochschulen in der Ukraine tätig. Die Nachfrage nach schulischem und außerschulischem Deutschunterricht ist weiterhin hoch, ebenso wie die Bewerbungen um Stipendien des DAAD. Die Zahl der Deutschlerner ist stabil bis weiter wachsend. Derzeit studieren über 9.000 Ukrainer an deutschen Universitäten, etwa 1.500 erhalten jedes Jahr Förderungen und Stipendien des DAAD. Es bestehen über 160 Hochschulkooperationen. Ferner existieren zahlreiche Städte- und Schulpartnerschaften. Vor allem deutschsprachige ukrainische und in der Ukraine geborene Autorinnen und Autoren sind ein fester und bekannter Teil der bilateralen Kulturlandschaft.

Deutsche Minderheit

Laut der letzten Volkszählung von 2001 lebten damals etwa 33.000 Angehörige der deutschen Minderheit in der Ukraine. Dabei handelt es sich vor allem um Nachkommen deutscher Auswanderer, die ab Ende des 18. Jahrhunderts in das damalige Russische Reich einwanderten. Sie haben sich in Gruppen und Vereinen organisiert. Viele sind aktiv in den evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden, die zum Teil durch aus Deutschland entsandte Geistliche betreut werden. Seit Dezember 2004 sind alle Organisationen und Verbände der deutschen Minderheit unter dem Dach des „Rats der Deutschen der Ukraine“ zusammengefasst. Seit 2016 finden wieder regelmäßig Sitzungen der bilateralen Regierungskommission für die Angelegenheiten  der deutschen Minderheit in der Ukraine statt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

25 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit steht die Ukraine vor den größten Herausforderungen ihrer jüngeren Geschichte. Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und der militärische Konflikt im Osten des Landes stellen das Land vor eine schwere Belastungsprobe. Deutschland engagiert sich gemeinsam mit den europäischen Partnern aktiv für eine Beilegung des Konflikts mit Russland.

Die Ukraine ist ein Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
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