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Türkei: Beziehungen zu Deutschland Türkei 

26.02.2019 - Artikel


Der menschliche Faktor

Deutschland und die Türkei verbinden außerordentlich vielfältige und intensive Beziehungen, die Jahrhunderte zurückreichen.
Die ca. 3 Millionen in Deutschland lebenden Menschen türkischer Herkunft, von denen ungefähr die Hälfte die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, sind ein bedeutender Faktor in den bilateralen Beziehungen.
Die türkischen Medien berichten breit über Deutschland, die Situation der dort lebenden Türkeistämmigen Bevölkerung sowie die deutsche Haltung zu allen die Türkei betreffenden Themen. Die großen türkischen Tageszeitungen sind mit eigenen Sonderausgaben in Deutschland und Europa vertreten, zum Teil in beachtlicher Auflagenstärke. 
Türkische Verbände und Einzelpersonen türkischer Herkunft werden eng in Initiativen der Bundesregierung wie den Integrationsgipfel und die Islamkonferenz eingebunden. Das Staatsangehörigkeitsgesetz von 1999 hat vielen Türken in Deutschland auch rechtlich neue Perspektiven eröffnet.

Politische Beziehungen

Traditionell genießt Deutschland in der Türkei ein hohes Ansehen. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind vielschichtig und durch eine Reihe von Kooperationsformaten auf politischer Ebene geprägt. 2013 wurde der Strategische Dialog auf Außenministerebene ins Leben gerufen, der Treffen der Außenminister sowie die Einrichtung mehrerer Arbeitsgruppen auf hoher Beamtenebene zu Themen wie bilaterale Fragen, Sicherheitspolitik, Terrorismusbekämpfung, regionale Fragen und Europa vorsieht. Im Januar 2015 einigten sich zudem Bundeskanzlerin Merkel und der damalige türkische Ministerpräsident Davutoğlu auf die Durchführung von bilateralen zweijährlichen Regierungskonsultationen ab 2016, die am 22. Januar 2016 erstmalig in Berlin stattfanden.
Dieses Fundament hat in der Vergangenheit beiden Ländern eine konstruktive Zusammenarbeit ermöglicht. Seit Anfang 2016 waren die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland jedoch in verstärktem Maße Spannungen ausgesetzt. Streitpunkte im bilateralen Verhältnis waren hier zuletzt z. B. die „Armenier“-Resolution des Deutschen Bundestags von Juni 2016, Differenzen über Besuche deutscher Bundestagsabgeordneter bei in der Türkei stationierten deutschen Soldatinnen und Soldaten, Auftritte türkischer Politiker in Deutschland sowie insbesondere auch die zunehmende Anzahl von Inhaftierungen deutscher, ohne dass der Grund und die Dauer der Haft nachvollziehbar waren.
Unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft waren 1999 die Weichen für den EU-Kandidatenstatus der Türkei gestellt worden. Die 2005 aufgenommenen Beitrittsverhandlungen betrachtet die Bundesregierung als einen Prozess mit offenem Ende .
Ausdruck der Intensität der bilateralen Beziehungen ist auch der rege hochrangige Besuchsaustausch. So hat Bundeskanzlerin Merkel die Türkei zuletzt am 2. Februar 2017 besucht, Bundesminister Maas reiste zuletzt im September 2018 und Bundesminister Altmaier im Oktober 2018 zu offiziellen Gesprächen in die Türkei. Präsident Erdoğan stattete Deutschland im September 2018 einen Staatsbesuch ab..

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Türkei. Das bilaterale Handelsvolumen verringerte sich im Zeitraum Januar bis Oktober 2018 konjunkturbedingt um 3 % gegenüber dem Vorjahr und wird damit zum Jahresende wohl unter dem Rekordwert des Vorjahres von 37,6 Mrd. Euro liegen. Die türkischen Exporte nach Deutschland erhöhten sich in den ersten zehn Monaten des Jahren 2018 um 1,8 % auf 13,8 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während sich die Importe aus Deutschland um 6,7 % auf 16,6 Mrd. Euro verringerten.
Mit einem kumulierten Investitionsvolumen von über 14 Mrd. USD seit 1980 ist Deutschland nach den Niederlanden auch der größte ausländische Investor. Die Zahl deutscher Unternehmen bzw. türkischer Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in der Türkei ist inzwischen auf nahezu 7.320 gestiegen. In Deutschland beschäftigen türkisch-stämmige Unternehmer etwa 500.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von ca. 50 Mrd. Euro.
Im Zeitraum Januar bis November 2018 nahm die Zahl der ausländischen Touristen in der Türkei um über 22 % zu und übertraf den bisherigen Rekord des Jahres 2014 deutlich. Die Anzahl deutscher Touristen stieg nach den Rückgängen der beiden Vorjahre um 25,6 % auf 4,3 Mio. Damit belegen deutsche Touristen mit einem Anteil von 11,6 % den zweiten Platz hinter Russland (5,9 Millionen Touristen, Anteil 15,6 %).
Seit 1985 ist die deutsche Wirtschaft in der Türkei durch ein Delegiertenbüro des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) in Istanbul vertreten. Im Jahr 2004 wurde in Köln außerdem die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer gegründet. Seit 2012 hat sie ihren Hauptsitz in Berlin und ist mit einer Zweigstelle in Köln vertreten.
Im Oktober 2018 besuchte Bundeswirtschaftsminister Altmaier mit einer großen Wirtschaftsdelegation die Türkei. Gemeinsam mit dem türkischen Energieminister, führte er die erste Sitzung der Bilateralen Wirtschafts- und Handelskommission  (JETCO) und die zweite Sitzung des Deutsch-Türkischen Energieforums durch, das als Plattform für den Dialog zwischen Vertretern aus Politik und Wirtschaft beider Länder im Energiebereich eingerichtet worden war.

Entwicklungszusammenarbeit, Umwelt, humanitäre Kooperation

Die KfW-Entwicklungsbank hat im staatlichen Auftrag umfangreiche Förderkredite bereitgestellt, insbesondere in den Bereichen kommunale Infrastruktur, erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Finanzsektorentwicklung und KMU-Förderung.

Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung die Türkei – zusätzlich zu ihrem Beitrag im EU-Rahmen – auch mit bilateralen Maßnahmen bei der Bewältigung der Folgen der syrischen Flüchtlingskrise. Das Auswärtige Amt stellte seit 2012 insgesamt 181 Mio. EUR humanitäre Hilfe für die Versorgung syrischer Flüchtlinge in der Türkei zur Verfügung. Die Hilfe wird insbesondere über Gutscheine zur Deckung der Grundbedürfnisse besonders vulnerabler Flüchtlinge in den Bereichen Ernährung, Unterkunft und Gesundheit bereitgestellt. Darüber hinaus hat das BMZ seit 2015 Projekte zugunsten von syrischen Flüchtlingen und den aufnehmenden Gemeinden in Höhe von rund 350 Mio. EUR gefördert. Ein besonderer Schwerpunkt sind Maßnahmen der schulischen und beruflichen Bildung sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen, die den in der Türkei lebenden Flüchtlingen Zukunftsperspektiven geben und die türkischen Aufnahmegemeinden entlasten sollen.

Kulturaustausch und Wissenschaftsbeziehungen

Der Spielraum für  Presse, Opposition und Zivilgesellschaft hat sich in der Türkei zunehmend verkleinert.
Leuchtturmprojekte der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik mit der Türkei sind die Kulturakademie Tarabya, die Deutsch-Türkische Jugendbrücke und die Türkisch-Deutsche Universität.
Bei der Kulturakademie Tarabya handelt es sich um ein Residenzprogramm für Künstlerinnen und Künstler, in dessen Rahmen seit September 2012 77 Kulturschaffende mehrere Monate auf dem Gelände der historischen Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Tarabya verbrachten. Im November 2018 eröffnete Außenminister Maas die erste Werkschau mit Exponaten der Alumni in Berlin.
Die Deutsch-Türkische Jugendbrücke (DTJB) wurde 2012 von der Stiftung Mercator mit dem Ziel gegründet, den bilateralen Jugendaustausch zu stärken. Das Auswärtige Amt unterstützt die DTJB in ihrer Projektarbeit. Mit ihren Maßnahmen leistet die DTJB einen wichtigen Beitrag zum zivilgesellschaftlichen Austausch zwischen der Türkei und Deutschland.
Die Türkische-Deutsche Universität in Istanbul, deren Grundstein während des Staatsbesuchs von Bundespräsident Wulff am 22. Oktober 2010 gelegt wurde, hat zum Wintersemester 2013/14 den Lehrbetrieb aufgenommen und wurde im April 2014 durch die Staatspräsidenten beider Länder offiziell eröffnet.
Das Fundament für die deutsch-türkische Hochschulzusammenarbeit wurde in den 1930er und 1940er Jahren durch Professoren gelegt, die vor dem nationalsozialistischen Regime in die Türkei geflüchtet waren, darunter auch Prof. Philipp Schwartz, nach dem die 2015 gegründete Philipp-Schwartz-Initiative des Auswärtigen Amts und der Alexander von Humboldt-Stiftung für gefährdete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit benannt wurde.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst konnte 2016 mehr als 2.900 Personen für eine gegenseitige Mobilität fördern. Die Anzahl deutscher Erasmusstudierender in der Türkei hat jedoch seit 2016 deutlich abgenommen, offenbar nicht zuletzt auf Grund der innenpolitischen Entwicklungen in der Türkei.
Die Zweigstellen des Goethe-Instituts in Ankara, Istanbul und Izmir bieten ein breites Spektrum an kulturellen Programmen und tragen so in allen Sparten zum interkulturellen Austausch bei, zunehmend auch mit Angeboten in der Fläche. Mit landesweiten Sprachkursen und Fortbildungsseminaren für türkische Deutschlehrer fördern sie Deutsch als Fremdsprache.
In der Türkei gibt es sechs Deutsche Auslandsschulen, von denen zwei Schulen in Istanbul zu den führenden Schulen des Landes zählen. Im September 2018 besuchte BM Maas gemeinsam mit seinem Kollegen Çavuşoğlu die Deutsche Schule Istanbul/Alman Lisesi anlässlich ihres 150jährigen Bestehens.
Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) ist bereits seit 1929 mit einer eigenen Abteilung in Istanbul vertreten und führt Forschungsprojekte von der Urgeschichte Kleinasiens bis zur osmanischen Epoche durch.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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