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Deutschland und Thailand: bilaterale Beziehungen Thailand

22.03.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Thailand ist für Deutschland einer der wichtigsten politischen Partner in Südostasien. Im Zusammenschluss ASEAN (Association of South East Asian Nations) nimmt Thailand eine Schlüsselstellung ein. Deutschland und Thailand unterhalten enge Kontakte. Über die bilaterale Kooperation hinaus arbeiten wir auch in multilateralen Institutionen wie den Vereinten Nationen zusammen. Fünf der deutschen politischen Stiftungen sind in Thailand präsent.

Diplomatische Beziehungen zwischen den Staaten des deutschen Zollvereins und dem Königreich Siam wurden 1862 mit der Unterzeichnung des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages durch Graf Friedrich zu Eulenburg und König Mongkut begründet. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte übten deutsche Kaufleute und Fachleute großen Einfluss im thailändischen Wirtschaftsleben aus und spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer modernen Infrastruktur (Aufbau eines Telegrafennetzes, Ausbau des Hafens und der Eisenbahn). 

Die erste Europareise eines Königs von Siam im Jahre 1897 führte König Chulalongkorn auch nach Deutschland, wo er begeistert empfangen wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Beziehungen unterbrochen, 1954 wieder aufgenommen.

Im Jahr 2012 feierten Deutschland und Thailand den 150. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Dieses Jubiläumsjahr wurde zu einer Intensivierung der bilateralen Beziehungen auf allen Ebenen genutzt und mit einem regen politischen Besucheraustausch gewürdigt (u.a. Deutschland-Besuch der thailändischen Ministerpräsidentin sowie Besuche mehrerer Bundesminister in Thailand). 

Am 22. Mai 2014 übernahm das Militär durch einen Putsch die Macht in Thailand. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dringen seither gegenüber der Militärführung darauf, die Menschenrechte und Grundfreiheiten zu gewährleisten, wieder zu einer demokratischen Verfassung zurückzukehren und freie und faire Wahlen durchzuführen.

Wirtschaftliche Beziehungen

Innenpolitische Unsicherheiten haben in den zurückliegenden Jahren zu einer Belastung der thailändischen Wirtschaftsentwicklung geführt. Seit 2016 aber ist ein deutlicher Aufwärtstrend spürbar: Während 2016 und 2017 bereits zwischen 3 und 4 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsproduktes zu verzeichnen waren, konnte die Wirtschaft im letzten Jahr um 4,1 Prozent expandieren. Der private Konsum sowie der Tourismussektor sind dabei treibende Kräfte, aber auch von der Umsetzung größerer staatlicher Infrastrukturvorhaben gehen Wachstumsimpulse aus. Der Exportsektor wuchs 2018 um 7,7 Prozent.

Deutsche Unternehmen haben 2018 Waren im Wert von etwa 5,06 Mrd. Euro nach Thailand exportiert. Aus Thailand wurden Waren im Wert von 6,11 Mrd. Euro importiert. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2018 damit bei einem neuen Höchststand von 11,67 Mrd. Euro (2017: 10,64 Mrd. Euro). 

Auch 2018 war Deutschland für Thailand mit Abstand der wichtigste Handelspartner in der Europäischen Union. Insgesamt belegte Deutschland 2018 in der thailändischen Exportstatistik Rang 13, in der Importstatistik Rang 12. Deutschland exportierte vor allem Maschinen und Bauteile, Chemikalien, elektrische und elektronische Produkte sowie Kraftfahrzeug(-teile) und importierte Schmuck und Edelsteine, Datenverarbeitungsanlagen und Teile davon, integrierte elektronische Schaltungen, sowie Textilien und landwirtschaftliche Produkte. 

Deutsche Unternehmen sind regelmäßig Aussteller auf allen wichtigen Messen in Thailand. Thailändische Unternehmen besuchen ebenso regelmäßig Messen in Deutschland, insbesondere in den Bereichen Nahrungsmittel, Medizintechnik, Maschinenbau, Kommunikations- und Informationstechnologie sowie Tourismus. 2018 fanden in Thailand zahlreiche Messen mit Beteiligung deutscher Unternehmen statt, acht Messen wurden öffentlich (sieben mit deutschem Gemeinschaftsstand, eine durch das Bundesland Bayern) gefördert.

Entwicklungszusammenarbeit

Die Bundesrepublik Deutschland engagiert sich seit 1959 mit einem Gesamtvolumen von über einer Milliarde Euro in Entwicklungszusammenarbeit in Thailand. Schwerpunkt der Zusammenarbeit in den ersten Jahrzehnten waren ländliche und landwirtschaftliche Entwicklung sowie Berufsausbildung. Thailand vollzog einen schnellen, erfolgreichen Wandel zum Schwellen- und Industrieland und spielt heute in Südostasien eine führende Rolle. Folglich ist die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit Ende 2011 ausgelaufen. 

Einige Projekte - insbesondere im multilateralen Bereich - werden weiterhin von Bangkok aus durchgeführt. Die Zusammenarbeit konzentriert sich heute auf folgende Bereiche: 

• Klimaschutz und Energie 

• Nachhaltiger Konsum und Produktion 

• Duale Berufsausbildung 

• Regionale Integration in Südostasien 

• Trilaterale Kooperation (gemeinsame Entwicklungshilfe in Drittländern) 

Klima- und Umweltpolitik

Thailand betreibt keine Atomkraftwerke und ist, ähnlich wie Deutschland, in großem Maße Energieimporteur (vor allem aus Malaysia und Myanmar sowie dem Nahen und Mittleren Osten). Um die Abhängigkeit zu verringern unternimmt Thailand erhebliche Anstrengungen, den (steigenden) Energiebedarf vermehrt auch durch die Erschließung erneuerbarer Energien und durch Verbesserung der Energieeffizienz zu decken.

Klima-, Energie- und Umweltpolitik sowie eine generelle Orientierung hin zu nachhaltiger Wirtschaft sind deshalb in Thailand – unabhängig von politischen Veränderungen – schon seit mehreren Jahren ein wichtiges Thema. Es gibt zahlreiche Initiativen der Regierung, die auf Aufklärung zu umweltpolitischen Themen und auf Förderung „grüner“ Investitionen abzielen. 

Thailand hat sich im Rahmen des internationalen Klimaschutzabkommens von Paris über seine NDCs (nationally determined contributions) zum Klimaschutz zu relativ ambitionierten Zielen verpflichtet. Demnach sollen CO2 Emissionen bis 2030 um 25% im Vergleich zum business-as-usual-Level reduziert werden. Zu umwelt- und klimapolitischen Fragen besteht im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) ein enger Austausch mit dem Bundesumweltministerium.

Kultur und Bildung

Das 1984 abgeschlossene Kulturabkommen wird insbesondere durch das Goethe-Institut Thailand mit Leben gefüllt. Das attraktive Kulturangebot sowie die Sprachförderung machen das GI zu einer gefragten Adresse. 

Zwei deutschsprachige Schulen werden von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) als „Exzellente Deutsche Auslandsschulen“ anerkannt und gefördert.

Zwei aus Mitteln des Auswärtigen Amts geförderte Kulturerhaltprojekte zur Erhaltung des Wat Ratchaburana im Historical Park von Ayutthaya (UNESCO-Weltkulturerbe) sowie zur Digitalisierung historischer Palmblatthandschriften im Norden des Landes finden in Thailand große Beachtung. 

Im Bildungsbereich arbeiten Deutschland und Thailand bei vielfältigen Projekten im Grundschulbereich und zur Heranführung von Kindern und Jugendlichen an Naturwissenschaften zusammen. Auch in diesem Bereich ist das Goethe Institut stark engagiert. 

Insgesamt gibt es inzwischen rund 200 Partnerschaften zwischen deutschen und thailändischen Hochschulen, über die ein intensiver Austausch stattfindet. Der DAAD ist in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und fünf Lektoren präsent und unterstützt den wissenschaftlichen Austausch intensiv. Auch die Robert-Bosch-Stiftung ist mit drei Lektoren präsent.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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