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Südafrika: Beziehungen zu Deutschland Südafrika

08.08.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Südafrika ist der wichtigste Partner Deutschlands in Afrika südlich der Sahara. Die seit 1996 tagende „Deutsch-Südafrikanische Bi-nationale Kommission“ setzt den Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit. Die 9. Zusammenkunft fand am 15./16. November 2016 in Berlin statt.

Die breit gefächerten und intensiven Beziehungen werden von beiden Ländern durch regelmäßige hochrangige Besuche begleitet: Präsident Ramaphosa besuchte Deutschland Ende Oktober 2018 anlässlich der G20-Afrika-Konferenz in Berlin. Bundespräsident Steinmeier stattete Südafrika vom 19. bis 21. November 2018 einen Staatsbesuch ab und traf in diesem Rahmen mit Staatspräsident Ramaphosa zusammen. Im Dezember 2013 hatte Bundespräsident Gauck die Bundesrepublik Deutschland bei den Trauerfeierlichkeiten für Nelson Mandela in Johannesburg vertreten. Präsident Zuma hatte am 10. November 2015 Berlin besucht und dabei Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck getroffen. Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika waren der damalige Bundespräsident Wulff und Bundeskanzlerin Merkel im Juli 2010 mit Zuma zusammengetroffen.

Darüber hinaus besteht ein reger Austausch auf parlamentarischer Ebene. Dabei nimmt auf Seiten des Bundestags die Parlamentariergruppe Südliches Afrika eine Schlüsselrolle ein, die Südafrika (sowie Botsuana und Eswatini) zuletzt im Juni 2019 besuchte. Mehrere Bundesländer unterhalten enge Kontakte und Partnerschaften mit südafrikanischen Provinzen und führen dort eigene Projekte der entwicklungspolitischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit durch, so beispielsweise Bayern mit Gauteng und Western Cape, Baden-Württemberg mit KwaZulu-Natal, Nordrhein-Westfalen mit Mpumalanga, Sachsen mit Free State und Niedersachsen mit Eastern Cape. Das Land Niedersachsen unterhält eine Repräsentanz in Eastern Cape. Der niedersächsische Ministerpräsident Weil besuchte Südafrika im Mai 2018.

Seit 2013 besteht die Deutsch-Südafrikanische Energiepartnerschaft. Sie formalisiert und koordiniert vielfältige bilaterale Zusammenarbeit in diesem Bereich mit direktem Zugang ins südafrikanische Energieministerium auf Staatssekretärsebene. Mehrere Ressorts (BMZ, BMU, BMWi, BMBF, AA) sind mit Programmen aktiv. Der Schwerpunkt liegt auf einem energiepolitischen Dialog, um Südafrika beim Aufbau einer nachhaltigen Energiepolitik zu unterstützen.

Wirtschaftliche Beziehungen

Südafrika bleibt für deutsche Unternehmen ein chancenreicher Markt, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien, Wasser und Infrastruktur. Zahlreiche Unternehmen schätzen Südafrika als Tor zu weiteren afrikanischen Märkten in der Region. Südafrika ist einziges afrikanisches Mitglied der G20 und hat gemeinsam mit Deutschland den Vorsitz der G20 African Advisory Group inne.

Zwischen der EU und sechs Staaten des südlichen Afrikas (u. a. Südafrika) ist seit Oktober 2016 ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnerschip Agreement - EPA) in Kraft, das den beteiligten Ländern breiteren, zollfreien Zugang zu europäischen Märkten gewährt. Der Handel könnte dadurch noch weiter zunehmen. Rund 74 % der ausländischen Direktinvestitionen in Südafrika stammen aus der EU (Großbritannien: 38,2 %, Niederlande: 21,4 %, Deutschland: 4,9 %; zum Vergleich China: 4,2 %). Tendenz sinkend.

Deutschland ist für Südafrika 2017 zweitwichtigster bilateraler Handelspartner (nach China und vor den USA); für Deutschland ist Südafrika mit mehr als 17 Mrd. Euro Handelsvolumen im Jahr 2018 wichtigster Handelspartner auf dem afrikanischen Kontinent.

Die etwa 600 deutschen Unternehmen in Südafrika haben mehr als 5,3 Milliarden Euro investiert und beschäftigen fast 100.000 Personen, ebenso viele Stellen werden zusätzlich indirekt durch deutsche Unternehmen geschaffen. Viele von ihnen unterstützen ihre Mitarbeiter und deren Familien in Bereichen wie Bildung, Ausbildung und Gesundheit.

Das Ansehen deutscher Unternehmen ist hoch. Schwerpunktbranchen sind Automobilbau, Chemie, Maschinenbau sowie Elektrotechnik. Damit ist Deutschland der wichtigste ausländische Investor im produzierenden Bereich. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK) in Johannesburg sowie das Büro von Germany Trade and Invest (GTAI) stehen der deutschen Wirtschaft unterstützend zur Seite.

Entwicklungszusammenarbeit

Die deutsche EZ mit Südafrika folgt dem strategischen Ansatz, einerseits Südafrikas Beitrag zum Schutz globaler öffentlicher Güter – insbesondere beim Klimaschutz – zu stärken und andererseits südafrikanische Eigenanstrengungen zu unterstützen, die fortbestehenden enormen Entwicklungsherausforderungen einer von großen Ungleichheiten geprägten Gesellschaft zu bewältigen. Den Rahmen der Zusammenarbeit bestimmt die gemeinsam vereinbarte Länderstrategie (2015-2020) mit den vier Kooperationsschwerpunkten “Green Economy” (Energie und Klima), Berufliche Bildung, Gute Regierungsführung sowie HIV-Prävention.

Die Gesamtzusagen der bilateralen FZ und TZ belaufen sich seit 1994 auf rd. 1,5 Mrd. Euro. Im Rahmen der Regierungsverhandlungen 2018 wurden weitere Mittel in Höhe von 152,6 Mio. Euro zugesagt, die der Verstärkung der Zusammenarbeit in den vereinbarten Schwerpunkten, aber auch der Antizipierung neuer Trends wie Digitalisierung und möglicher Ansätze im Schnittfeld Energie, Wasser und Governance (Nexus-Thematik) dienen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft auch zur Hebelung privater Mittel für Entwicklung sowie auf der Beschäftigungsrelevanz.

Kulturelle Beziehungen

Die Grundlage der deutsch-südafrikanischen Kulturbeziehungen bildet das Kulturabkommen von 1998, das am 10. Januar 2000 in Kraft getreten ist. Ergänzt wurde es 2004 durch das Abkommen über Audiovisuelle Gemeinschaftsproduktionen, das am 07. Januar 2005 in Kraft getreten ist.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind:

  • eine umfassende Hochschul- und Wissenschaftskooperation (zum Beispiel im Deutsch-Südafrikanischen Wissenschaftsjahr 2012/2013);
  • gemeinsame kulturelle Veranstaltungen und der Austausch von Künstlern;
  • die intensive sportpolitische Zusammenarbeit, insbesondere im Fußball;
  • drei deutsche Auslandsschulen in Johannesburg, Kapstadt und Pretoria sowie die Traditionsschule Hermannsburg;
  • die Förderung des Deutschunterrichts an staatlichen Schulen, u.a. im Rahmen der Partnerschulinitiative (PASCH);
  • der Erhalt des gemeinsamen kulturellen Erbes;
  • Veranstaltungen im Rahmen der „Deutschen Wochen“ (zuletzt 2013) und zum Gedenkjahr 2014 (20 Jahre Demokratie in Südafrika, 25 Jahre Fall der Mauer in Deutschland),
  • 2018 die Ehrung des Gedenkens von Nelson Mandela (1918 – 2013) durch die Herausgabe von Sonderbriefmarken.

Drei der vier deutschen Auslandsschulen in Südafrika bieten mit der „Neuen Sekundarstufe“ ein weltweit einzigartiges Modell zur Ausbildung von Schülern aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen an. Die Schülerinnen und Schüler können an den deutschen Auslandsschulen außerdem einen kombinierten Abschluss ablegen, der in beiden Ländern die Hochschulreife bestätigt.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist in Johannesburg mit einem Informationsbüro/Lektorat an der University of Witwatersrand, einem Fach-Lektorat in Kapstadt , einem Lektorat an der Universität Stellenbosch, einem Fachzentrum für Menschenrechte an der Universität Pretoria und einem gemeinsam mit VW finanzierten Lehrstuhl in Port Elizabeth vertreten. Zudem wurden 2009 zwei Fachzentren an der Universität Western Cape eingerichtet.

Das Goethe Institut unterhält in Johannesburg das Regionalinstitut für Subsahara-Afrika und unterstützt ein Goethe-Zentrum in Kapstadt.

Wissenschaftsbeziehungen

Deutschland unterstützt und begleitet Südafrika seit vielen Jahren bei dem fortlaufenden Transformationsprozess in der Grund-, Berufs- und Hochschulbildung und ist bestrebt, die Zusammenarbeit in diesem bedeutsamen Themenfeld weiter auszubauen.

Neben einer jährlich veröffentlichten gemeinsamen Ausschreibung für neue Forschungsprojekte (aktuelle Schwerpunkte: Bioökonomie und Ressourcenmanagement) gibt es zahlreiche bilaterale sowie regionale und sogar multilaterale Forschungsinitiativen, in denen deutsche und südafrikanische Forscher eng zusammen arbeiten. Die Forschungskooperation bewegt sich insbesondere in den Bereichen Umwelt- und Gesundheitsforschung. In großen, z.T. multilateralen Projekten werden gemeinsame Lösungsansätze in den Bereichen Klimaschutz, nachhaltige Energiesysteme und Landmanagement entwickelt. Die Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria steht im Fokus der Netze für Gesundheitsinnovationen im südlichen Afrika.

Darüber hinaus unterhält Südafrika zahlreiche internationale Kooperationsbeziehungen in unterschiedlichen Forschungszweigen und ist im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit der EU insbesondere an vielfältigen Forschungsprojekten mit europäischen Partnern beteiligt.

Die südafrikanische Regierung sucht die enge Zusammenarbeit mit Deutschland im Bereich Berufsbildung. Die deutsch-südafrikanischen Berufsbildungskooperationen beinhalten u.a. die Einführung einer dualen Ausbildung in Anlehnung an das deutsche System und die Aus- und Weiterbildung von Berufsschullehrern.

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