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Deutschland und Singapur: bilaterale Beziehungen Singapur

04.04.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen zwischen Singapur und Deutschland sind sehr gut. Sie beruhen auf enger Zusammenarbeit im bilateralen wie im multilateralen Bereich. Singapurs konstruktive Rolle in der Regionalorganisation ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen), seine außergewöhnliche Stabilität und seine regionale Bedeutung machen es zu einem wichtigen Partner der deutschen Außenpolitik. Bei der Förderung der politischen Beziehungen zwischen den europäischen und den asiatischen Ländern wird Singapur als Motor und Vermittler geschätzt. Im November 2015 feierten Deutschland und Singapur den fünfzigsten Jahrestag ihrer diplomatischen Beziehungen.

Die guten bilateralen Beziehungen wurden durch hochrangige Besuche unterstrichen und vertieft. Am 2./3. Juni 2018 nahm die Bundesministerin der Verteidigung am Shangri-La-Dialog, dem regionalen Sicherheitsdialog, teil. Am 2. und 3. November 2017 besuchte Bundespräsident Steinmeier Singapur; es war der erste Staatsbesuch eines deutschen Staatsoberhauptes in Singapur überhaupt. Im Oktober 2016 sprach Bundestagspräsident Lammert mit seiner damaligen Singapurer Amtskollegin Yacob. Die Ministerpräsidenten von Sachsen, Tillich, und Hessen, Bouffier besuchten Singapur, jeweils auch in ihrer Funktion als Bundesratspräsident und mit großer Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation. Im März 2019 besuchte der sächsische Ministerpräsident Kretschmer mit großer Delegation Singapur, begleitet von einem Auftritt des Semperoper Balletts. Auch eine Reihe von Landesministern besuchte 2018 Singapur. Aus dem Deutschen Bundestag hielten sich zuletzt Abgeordnete der ASEAN-Freundschaftsgruppe unter Leitung von Frau Künast zu einem mehrtägigen Besuch in der Stadt auf.

Der Singapurer Premierminister Lee Hsien Loong besuchte im Juli 2017 Deutschland und nahm am G20-Gipfel in Hamburg teil. Außenminister Balakrishnan nahm am G20-Außenministertreffen im Februar 2017 in Bonn teil und sprach dabei auch mit Bundesaußenminister Gabriel.  Beim Besuch von Premierminister Lee im Dezember 2005 in Deutschland hatten Bundeskanzlerin und Premierminister die „Deutsch-Singapurische Erklärung“ verkündet, die auf eine Vertiefung der Zusammenarbeit in den Bereichen Politik und Wirtschaft sowie Forschung, Bildung und Kultur abzielt. Im September 2018 veröffentlichten die beiden Außenminister Maas und Balakrishnan am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Gemeinsame Erklärung. Verteidigungsministerin von der Leyen unterzeichnete am Rande des Shangri-La Dialogs Anfang Juni 2018 eine erweitertes Kooperationsabkommen mit ihrem singapurischen Amtskollegen Dr. Ng.  Premierminister Lee hat die Bundeskanzlerin zuletzt beim G20-Treffen in Hamburg erneut nach Singapur eingeladen.

In wichtigen außenpolitischen Fragen wie der Erhaltung des Multilateralismus, der Notwendigkeit weltweiter, auf regionale Bündnisse gestützter Friedenssicherung und dem Kampf gegen den Terrorismus, aber auch der Verteidigung von Rechtstaatlichkeit und einer regelbasierten Weltordnung besteht ein hohes Maß an Übereinstimmung zwischen beiden Ländern. Gleiches gilt auch für außenwirtschaftliche Ziele wie etwa die Förderung eines offenen Welthandels, internationaler Kooperation und freien Wettbewerbs oder die internationale Klimaschutzpolitik. Wirtschaft und Technologie Deutschlands stehen in Singapur in hohem Ansehen, einschließlich unserer Vorreiterrolle im Bereich der Industrie 4.0.

Wirtschaftsbeziehungen

Singapur ist wichtigster Wirtschaftspartner Deutschlands im Raum der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN). Einrichtungen wie die Deutsch-Singapurische Industrie- und Handelskammer (SGC; seit Juli 2004), das German Centre Singapore ( Eröffnung 1995), der German Accelarator, Germany Trade and Invest (Büro in Kuala Lumpur), das Germany Singapore Business Forum (GSBF; seit der Gründung 1994 zehn Tagungen, zuletzt im April 2018 in Hannover am Rande der Hannover-Messe) sowie die staatlichen singapurischen Wirtschaftsförderungsorganisationen Economic Development Board (EDB) und Enterprise Singapore  mit Büros in Frankfurt/Main tragen dazu bei, dass die Wirtschaftsaktivitäten in beiden Richtungen intensiv sind. Zur Zeit sind in Singapur etwa 1.700 deutsche Firmen registriert. Angesichts der engen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen kooperiert Deutschland mit Singapur im Bereich der dualen Berufsausbildung. Im Rahmen des „Poly goes UAS“-Programms können Absolventen der „Polytechs“ nach 6-monatigem Deutsch-Kurs am Goethe-Institut zum Studium nach Deutschland. Das „Poly goes SIT“ Programm ermöglicht es „Polytech“-Absolventen, ein duales Studium mit Abschluss Diplom am Singapore Institute of Technology aufzunehmen, das ein ca. einjähriges Praktikum bei einem deutschen Unternehmen in Singapur oder Deutschland beinhaltet.

Die Exporte nach Deutschland beliefen sich 2017 auf 6,5 Mrd. Euro, die Importe aus Deutschland auf 6,9 Mrd. Euro.

Kulturelle Beziehungen

Ein bilaterales Kulturabkommen datiert aus dem Jahre 1990. Schwerpunkte der deutschen Kulturarbeit bilden die Tätigkeiten des Goethe-Instituts (GI), das mit seinen Veranstaltungen und vor allem Sprachangeboten auf ein großes Publikumsinteresse stößt. Größere deutsche Unternehmen in Singapur betreiben eigenes Kultursponsoring vor Ort. Das erstmals 2018 aufgelegte klassische Freiluftkonzert „Beethoven im Garten“ im Botanischen Garten Singapurs mit dem singapurischen Chefdirigenten der Nürnberger Symphoniker KahChun Wong, das von 6.000 Menschen besucht wurde, macht unsere intensiven Kulturbeziehungen einem größerem Publikum im Stadtstaat sichtbar.

Singapur ist in Südostasien der wichtigste Hochschul- und Forschungsstandort. Ca. 250 deutsche Wissenschaftler sind an singapurischen Universitäten und Forschungseinrichtungen tätig. Es bestehen etwa 80 bilaterale Kooperationen zwischen deutschen Hochschulen und den sechs singapurischen Universitäten. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterhält seit 2001 ein Informationszentrum zur Studienberatung, das auf Messen und Informationsveranstaltungen für den Studienstandort Deutschland wirbt. Im Juli 2002 hat TUM Asia als erste „eigenständige Auslandstochter“ einer deutschen Universität – der Technischen Universität München (TUM) – den Studienbetrieb in Singapur aufgenommen. Inzwischen bietet TUM Asia Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Promotions- und Forschungsmöglichkeiten an. Die singapurische Regierung fördert die Forschungseinrichtung  TUM CREATE mit Schwerpunkt „future mobility“.

Seit 2017 besteht mit Fraunhofer Singapore das erste Fraunhofer-Institut in Asien. Anfang 2019 wurde das Max Planck NTU Joint Lab for Artificial Senses an der Nanyang Technological University eröffnet.

2018 wurde mit dem 2+2 Programm zum Thema fortschrittliche Produktionstechnologien erstmals ein paritätisch  von beiden Ländern finanziertes Forschungsförderprogramm erfolgreich durchgeführt.

Deutsch rangiert bei den Drittsprachen nach Japanisch und Französisch an dritter Stelle. Die Zahl der Deutschlernenden ist mit ca. 1.800 Personen im Jahr seit Jahren konstant. Wichtige Säulen dieser Sprachausbildung sind neben dem Goethe Institut die Nanyang Technical University und das Sprachenzentrum des Erziehungsministeriums (MOELC). Die Deutsche Europäische Schule Singapur (GESS) besteht seit 1971 und führt vom Kindergarten bis zur Deutschen Internationalen Abiturprüfung (German Section) bzw. zum International Baccalaureat (IB). Sie ist mit mittlerweile mehr als 1700 Schülern aus 65 Nationen die größte deutsche Schule Asiens und hat zum Beginn des Schuljahres 2018/2019 in einen neuen Campus umgezogen. Dieser Campus ist für eine Kapazität von bis zu 2000 Schülern ausgelegt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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