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Polen: Beziehungen zu Deutschland Polen

26.08.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Die deutsch-polnischen Beziehungen sind für beide Seiten von herausgehobener Bedeutung und haben seit 1989 eine in der jüngeren Geschichte einmalige Dynamik entwickelt Übereinstimmende Interessen in vielen Bereichen und die vertrauensvolle Partnerschaft in EU und NATO geben auch für die Zukunft ein solides Fundament. In regelmäßigem Rhythmus finden deutsch-polnische Regierungskonsultationen statt.


Die Jahre 2018/2019 waren von zahlreichen politischen Treffen geprägt. Ministerpräsident Morawiecki war am 16. Februar 2018 zu einem frühen Antrittsbesuch in Berlin. Außenminister Czaputowicz erklärte in seinem außenpolitischen Exposé im Sejm: „Deutschland ist unser wichtigster wirtschaftlicher und politischer Partner in der EU“. Am 23. Oktober 2018 tagte im Auswärtigen Amt das Deutsch-Polnische Forum mit Beteiligung der Staatspräsidenten und anschließendem Festkonzert im Berliner Konzerthaus („100 Jahre Wiedergeburt“). Am 2. November 2018 fanden Regierungskonsultationen in Warschau statt, die Außenminister einigten sich in einer gemeinsamen Erklärung auf eine Positivagenda Am 15. bis 16. November 2018fand im Auswärtigen Amt eine internationale Konferenz „Ein Jahrhundert deutsche Polen-Politik“ statt, verbunden mit einer Grundsatzrede von Außenminister Maas zur  „neuen europäischen Ostpolitik“.  Am 13. Dezember 2018 traf Außenminister Czaputowicz mit Bundesaußenminister Maas in Berlin zusammen. Am 12 April 2019 erfolgte ein Gegenbesuch in Warschau. Bundesaußenminister Maas reiste nochmals am 31. Juli bis 1. August 2019 nach Polen anlässlich des 75. Jahrestages des Beginns des Warschauer Aufstandes (1. August 1944) und hielt eine vielbeachtete Rede im Museum des Warschauer Aufstandes.


Polen ist mit Deutschland und Frankreich seit 1991 im Rahmen des Weimarer Dreiecks verbunden. In diesem Rahmen finden regelmäßig trilaterale Gespräche auf verschiedenen Ebenen statt. Die regionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit, hunderte Städtepartnerschaften und die Zusammenarbeit zwischen Bundesländern und Woiwodschaften sorgen für eine große Breite und Dichte in den deutsch-polnischen Beziehungen.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland und Polen sind wirtschaftlich eng miteinander verflochten. Deutschland ist seit über zwei Jahrzehnten der mit Abstand wichtigste Handelspartner Polens. Mehr als ein Viertel der polnischen Ausfuhren geht nach Deutschland. Auch für den deutschen Außenhandel ist Polens Bedeutung erheblich. Deutsche Firmen haben mit Polen im ersten Halbjahr 2019 mehr Handel getrieben als mit Großbritannien. Das Handelsvolumen mit Polen hat um fünf Prozent auf erstmals mehr als 60 Milliarden Euro zugenommen. Damit steht das Land nun auf Platz sechs der Handelspartner Deutschlands: Unter den deutschen Ausfuhren Richtung Polen dominieren Maschinen, Kfz und Kfz-Teile, Nahrungsmittel, Elektronik, Elektrotechnik und Kunststoffe.


Vor allem in den Grenzregionen gibt es eine große Zahl solcher Investitionen. Die große Mehrheit der deutschen Investitionen sind Neugründungen, nur ein kleiner Teil entfällt auf Übernahmen oder erfolgte im Zusammenhang mit der Privatisierung staatlicher Unternehmen. Deutsche Unternehmen investieren zunehmend auch in technologisch fortgeschrittene Produktionen und Dienstleistungen und bauen ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Polen aus.

Kultur- und Bildungsaustausch

Der intensive deutsch-polnische Kultur- und Bildungsaustausch wird institutionell durch Kulturmittler wie das Goethe-Institut und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), das Deutsch-Polnische Jugendwerk sowie politische und private Stiftungen, aber auch durch ein dichtes Netzwerk auf zivilgesellschaftlicher Ebene getragen. Auch hunderte Schulen, Hochschulen und wissenschaftliche Gesellschaften sind in vielfältiger Weise engagiert.

Grundlage der Tätigkeit der wichtigsten deutschen Mittlerorganisationen in Polen ist das deutsch-polnische Kulturabkommen vom 14. Juli 1997 (am 4. Januar 1999 in Kraft getreten).


Polen ist eines der Länder mit den meisten Deutsch-Lernenden: circa 1,9 Millionen Schülerinnen und Schüler lernen Deutsch. Ein Schwerpunkt der deutschen auswärtigen Kulturpolitik in Polen liegt in Unterstützungsangeboten für den Erwerb der deutschen Sprache. 108 polnische Schulen sind Partnerschulen Deutschlands. 20 entsandte deutsche Lehrkräfte unterrichten dort mit ihren polnischen Kollegen Deutsch. An 98 der Partnerschulen wird das Deutsche Sprachdiplom (DSD I und II) der Kultusministerkonferenz verliehen. In Warschau können die Absolventen der Willy-Brandt-Schule, der deutschen Auslandsschule und deutsch-polnischen Begegnungsschule neben der deutschen Reifeprüfung auch die polnische Matura ablegen.


Im Programm-, Sprach- und Informationsbereich sind die Goethe-Institute in Warschau und Krakau mit zusätzlichen Lesesälen und Partnerbibliotheken sowie deutsch-polnische Kulturgesellschaften in größeren Städten Polens tätig. Das Auswärtige Amt fördert Projekte aus Musik, Film, Literatur und darstellender bzw. bildender Kunst sowie Maßnahmen der kulturellen und historisch-politischen Bildung für junge Deutsche und Polen.


Im Deutschen Historischen Institut (DHI) in Warschau arbeiten seit 1993 deutsche und polnische Historiker vornehmlich zu Themen der gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichte.

Das 1991 durch ein Regierungsabkommen gegründete Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) fördert die Begegnungen von deutschen und polnischen Jugend- und Schülergruppen sowie trilaterale Projekte zusammen mit anderen Ländern.
Seit Ende der 1950er-Jahre hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) im Austausch mit Polen mehr als 70.000 polnische und 27.000 deutsche Wissenschaftler gefördert. Verschiedene deutschsprachige Studiengänge an polnischen Hochschulen, die 1991 wieder gegründete Europa-Universität „Viadrina“ in Frankfurt/Oder, die Angebote der „Neiße-Universität“, der Universitäten Rostock, Greifswald und Wismar oder des „Internationalen Hochschulinstituts Zittau“ sowie das Zentrum für Polen-Studien an den Universitäten Halle-Wittenberg und Jena vertiefen den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch. Daneben arbeiten die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Akademie der Wissenschaften sowie die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) mit polnischen Partnerorganisationen zusammen.

Deutsche Minderheit

Die deutsche Minderheit in Polen umfasst nach eigener Einschätzung etwa 300.000 bis 350.000 Personen. Die Volkszählung von 2011 erbrachte dagegen eine Zahl von 148.000 Menschen. Viele Angehörige der Minderheit besitzen neben der polnischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Die deutsche Minderheit ist die größte von insgesamt 13 anerkannten nationalen oder ethnischen Minderheiten. Die Angehörigen der deutschen Minderheit leben vor allem in Oberschlesien (über 80% in den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien). Die Organisationen der Minderheit gehören überwiegend einem Dachverband (Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften - VdG) mit Sitz in Oppeln an. Die Minderheitenrechte sind in der polnischen Verfassung und im Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrag vom 17. Juni 1991 garantiert. Im Januar 2005 trat ein Minderheitengesetz in Kraft, das unter anderem die Verwendung von Minderheitensprachen als Hilfssprachen auf lokaler Ebene und die Aufstellung zweisprachiger Ortsschilder ermöglicht. Diese Möglichkeit wird von der deutschen Minderheit in ihrem Hauptsiedlungsgebiet zunehmend aktiv genutzt.

Die deutsche Minderheit ist zurzeit mit einem Abgeordneten im polnischen Parlament vertreten. Auf regionaler Ebene ist sie in der Woiwodschaft Oppeln eine gewichtige politische Kraft und an der Regionalregierung mitbeteiligt. Sie stellt mehrere Landräte, viele Kreistagsabgeordnete, einen Stadtrat sowie Bürgermeister.

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