Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Beziehungen zu Deutschland Polen

Artikel

Stand: März 2018

Politische Beziehungen

Die deutsch-polnischen Beziehungen sind für beide Seiten von herausgehobener Bedeutung und haben seit 1989 eine in der jüngeren Geschichte einmalige Dynamik entwickelt Übereinstimmende Interessen in vielen Bereichen und die vertrauensvolle Partnerschaft in EU und NATO geben auch für die Zukunft ein solides Fundament. In regelmäßigem Rhythmus finden deutsch-polnische Regierungskonsultationen statt.
Deutschland und Polen feierten 2016 das 25-jährige Jubiläum der Unterzeichnung des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags. Höhepunkte der Feierlichkeiten waren die gemeinsame Eröffnung des Deutsch-Polnischen Forums durch die beiden Außenminister am 19. April 2016 in Warschau, wechselseitige Besuche der beiden Präsidenten sowie die Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen am 22. Juni in Berlin. Auch wichtige deutsch-polnische Institutionen wie die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit (SdpZ) und das Jugendwerk feierten im Jahr 2016 ihr 25-jähriges Bestehen. 
Der hochrangige Besucherkontakt zwischen beiden Ländern ist sehr dicht. Im Jubiläumsjahr 2016 gab es 223 politische Termine, u.a. fünf Treffen der Außenminister, vier Treffen der Staatspräsidenten und drei bilaterale Treffen der Regierungschefinnen. Der letzte bilaterale Besuch der Bundeskanzlerin in Warschau am 7. Februar 2017 fand in Polen große Beachtung. Die Bundeskanzlerin empfing am 16. Februar 2018 den am 11. Dezember 2017 ernannten Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, Nachfolger von Beata Szydło. Bundesminister Gabriel traf den neuen polnischen Außenminister Jacek Czaputowicz, Nachfolger von Witold Waszczykowski, bereits kurz nach Amtsantritt am 17. Januar 2018 . Bundespräsident Steinmeier war am 19. Mai 2017 anlässlich der Warschauer Buchmesse (Deutschland als Gastland) zum Antrittsbesuch beim polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda.
Polen ist mit Deutschland und Frankreich seit 1991 im Rahmen des Weimarer Dreiecks verbunden. In diesem Rahmen finden regelmäßig trilaterale Gespräche auf verschiedenen Ebenen statt. Am 28. August 2016 fand anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Weimarer Dreiecks ein Treffen der Außenminister in Weimar statt. Die regionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit, hunderte Städtepartnerschaften und die Zusammenarbeit zwischen Bundesländern und Woiwodschaften sorgen für eine große Breite und Dichte in den deutsch-polnischen Beziehungen.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland und Polen sind wirtschaftlich eng miteinander verflochten. Deutschland ist seit über zwei Jahrzehnten der mit Abstand wichtigste Handelspartner Polens. Mehr als ein Viertel der polnischen Ausfuhren geht nach Deutschland. Auch für den deutschen Außenhandel ist Polens Bedeutung erheblich.

Unter den deutschen Ausfuhren Richtung Polen dominieren Maschinen, Kfz und Kfz-Teile, Nahrungsmittel, Elektronik, Elektrotechnik und Kunststoffe.

Bei den ausländischen Direktinvestitionen in Polen stehen deutsche Unternehmen sowohl nach der Anzahl als auch nach der Investitionssumme an erster Stelle. Seit dem Systemwechsel 1989/1990 betragen die deutschen Direktinvestitionen kumuliert rd. 30 Milliarden Euro.

Dieser Zahl hinzuzurechnen sind die statistisch nicht erfassten Investitionen kleiner und mittelständischer Unternehmen unterhalb der Schwelle von einer Million Euro. Vor allem in den Grenzregionen gibt es eine große Zahl solcher Investitionen. Die große Mehrheit der deutschen Investitionen sind Neugründungen, nur ein kleiner Teil entfällt auf Übernahmen oder erfolgte im Zusammenhang mit der Privatisierung staatlicher Unternehmen. Deutsche Unternehmen investieren zunehmend auch in technologisch fortgeschrittene Produktionen und Dienstleistungen und bauen ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Polen aus.

Kultur- und Bildungsaustausch

Der intensive deutsch-polnische Kultur- und Bildungsaustausch wird institutionell durch Kulturmittler wie das Goethe-Institut und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), das Deutsch-Polnische Jugendwerk sowie politische und private Stiftungen, aber auch durch ein dichtes Netzwerk auf zivilgesellschaftlicher Ebene getragen. Auch hunderte Schulen, Hochschulen und wissenschaftliche Gesellschaften sind in vielfältiger Weise engagiert. Im Jubiläumsjahr 2016 präsentierte sich dieses wertvolle Netzwerk mit einer großen Breite von Veranstaltungen.

Grundlage der Tätigkeit der wichtigsten deutschen Mittlerorganisationen in Polen ist das deutsch-polnische Kulturabkommen vom 14. Juli 1997 (am 4. Januar 1999 in Kraft getreten).

Nirgendwo in der Welt lernen so viele Menschen Deutsch als Fremdsprache wie in Polen: allein über 2 Millionen Schülerinnen und Schüler lernen Deutsch. Ein Schwerpunkt der deutschen auswärtigen Kulturpolitik in Polen liegt in Unterstützungsangeboten für den Erwerb der deutschen Sprache. 108 polnische Schulen sind Partnerschulen Deutschlands. 20 entsandte deutsche Lehrkräfte unterrichten dort mit ihren polnischen Kollegen Deutsch. An 98 der Partnerschulen wird das Deutsche Sprachdiplom (DSD I und II) der Kultusministerkonferenz verliehen. In Warschau können die Absolventen der Willy-Brandt-Schule, der deutschen Auslandsschule und deutsch-polnischen Begegnungsschule neben der deutschen Reifeprüfung auch die polnische Matura ablegen.

Im Programm-, Sprach- und Informationsbereich sind die Goethe-Institute in Warschau und Krakau mit zusätzlichen Lesesälen und Partnerbibliotheken sowie deutsch-polnische Kulturgesellschaften in größeren Städten Polens tätig. Das Auswärtige Amt fördert Projekte aus Musik, Film, Literatur und darstellender bzw. bildender Kunst sowie Maßnahmen der kulturellen und historisch-politischen Bildung für junge Deutsche und Polen.

Im Deutschen Historischen Institut (DHI) in Warschau arbeiten seit 1993 deutsche und polnische Historiker vornehmlich zu Themen der gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichte.

Das 1991 durch ein Regierungsabkommen gegründete Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) fördert die Begegnungen von deutschen und polnischen Jugend- und Schülergruppen sowie trilaterale Projekte zusammen mit anderen Ländern. In den Jahren seit 1991 hat das DPJW Begegnungen von mehr als 2,7 Millionen Jugendlichen unterstützt. Das DPJW wird von Deutschland und Polen gemeinsam finanziert .Die deutsche Seite hat ihren Beitrag für das Jahr 2017 von fünf auf sechs Millionen Euro erhöht.

Seit Ende der 50er-Jahre hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) im Austausch mit Polen mehr als 70.000 polnische und 27.000 deutsche Wissenschaftler gefördert. Verschiedene deutschsprachige Studiengänge an polnischen Hochschulen, die 1991 wieder gegründete Europa-Universität „Viadrina“ in Frankfurt/Oder, die Angebote der „Neiße-Universität“, der Universitäten Rostock, Greifswald und Wismar oder des „Internationalen Hochschulinstituts Zittau“ sowie das Zentrum für Polen-Studien an den Universitäten Halle-Wittenberg und Jena vertiefen den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch. Daneben arbeiten die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Akademie der Wissenschaften sowie die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) mit polnischen Partnerorganisationen zusammen.

Deutsche Minderheit

Die deutsche Minderheit in Polen umfasst nach eigener Einschätzung etwa 300.000 bis 350.000 Personen. Die Volkszählung von 2011 erbrachte dagegen eine Zahl von 148.000 Menschen; dieses Ergebnis wird von der deutschen Minderheit aber wegen der Methodik der Volkszählung in Frage gestellt. Viele Angehörige der Minderheit besitzen neben der polnischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Die deutsche Minderheit ist die größte von insgesamt 13 anerkannten nationalen oder ethnischen Minderheiten. Die Angehörigen der deutschen Minderheit leben vor allem in Oberschlesien (über 80 Prozent in den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien). Die Organisationen der Minderheit gehören überwiegend einem Dachverband (Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften - VdG) mit Sitz in Oppeln an. Die Minderheitenrechte sind in der polnischen Verfassung und im Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrag vom 17. Juni 1991 garantiert. Im Januar 2005 trat ein Minderheitengesetz in Kraft, das unter anderem die Verwendung von Minderheitensprachen als Hilfssprachen auf lokaler Ebene und die Aufstellung zweisprachiger Ortsschilder ermöglicht. Diese Möglichkeit wird von der deutschen Minderheit in ihrem Hauptsiedlungsgebiet zunehmend aktiv genutzt.

Die deutsche Minderheit ist zurzeit mit einem Abgeordneten im polnischen Parlament vertreten. Auf regionaler Ebene ist sie in der Woiwodschaft Oppeln eine gewichtige politische Kraft und an der Regionalregierung mitbeteiligt. Sie stellt mehrere Landräte, viele Kreistagsabgeordnete, einen Stadtrat sowie Bürgermeister.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Weitere Informationen

Verwandte Inhalte

nach oben