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Norwegen: Beziehungen zu Deutschland Norwegen

03.06.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Das deutsch-norwegische Verhältnis ist sehr eng und freundschaftlich. Es basiert auf einer breiten Übereinstimmung in vielen internationalen Fragen und äußert sich im gemeinsamen Vorgehen, z.B. in der Außen- und Sicherheitspolitik oder auch der Umwelt- und Energiepolitik und der humanitären Hilfe. Norwegen hat darüber hinaus hohe Erwartungen an Deutschland als Fürsprecher norwegischer Interessen in der EU. Die Konsultationsdichte auf allen Ebenen ist hoch. Bundeskanzlerin Merkel empfing die norwegische Premierministerin Solberg zuletzt im Oktober 2018 in Berlin.

Die traditionell sehr engen Beziehungen zwischen Norwegen und Deutschland erfuhren durch die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs eine tiefe Zäsur. Eine zentrale Rolle im Aussöhnungsprozess nach dem Krieg spielte Willy Brandt, der die Jahre 1933 bis 1940 als Emigrant in Norwegen verbracht hatte. Bereits vor der Wiederherstellung der deutschen Einheit war Deutschland wieder einer der wichtigsten Partner Norwegens in Europa.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Teilung begann eine zunehmende Orientierung norwegischer Politik auf Deutschland. Die 1999 verabschiedete und im Frühjahr 2014 zuletzt aktualisierte „Deutschland-Strategie“ ist Ausdruck der „Wiederentdeckung des nahen Nachbarn Deutschland“ mit dem Ziel, insbesondere die zwischengesellschaftlichen Beziehungen beider Länder weiter auszubauen. Dazu gehört die von beiden Seiten gewünschte Förderung der deutschen Sprache.

Wirtschaftliche Beziehungen

Über 60 % des gesamten norwegischen Exports geht in  die Mitgliedstaaten der EU. Umgekehrt bezieht Norwegen über 45% seiner Warenimporte aus Ländern der EU. Die größten Außenhandelspartner sind das Vereinigte Königsreich, Deutschland, Schweden, die Niederlande und die USA
Norwegen importierte 2018 aus Deutschland Waren im Wert von rund 8,8 Mrd. Euro, vor allem Kraftfahrzeuge, Maschinen sowie chemische und pharmazeutische Produkte. Der Export von Kraftfahrzeugen nach Norwegen macht knapp ein Drittel der deutschen Gesamtausfuhren nach Norwegen aus. Norwegen exportiert nach Deutschland neben Öl und Gas vor allem Fisch und chemische Produkte sowie Aluminiumprodukte für die deutsche Autoindustrie. Das Exportvolumen betrug 2017 rund 14,7 Mrd. Euro.

Öl- und Gasexporte
Norwegen ist für Deutschland der zweitwichtigste Energielieferant. Während die norwegische Förderung von Öl 2017 leicht gesunken ist (1,59 Mio. Fass/Tag; -2%), ist die Gasförderung um über 6% auf ein neues Rekordniveau von 124 Mrd. m³ gestiegen. Etwa 80 % des Öls wird exportiert, ganz überwiegend in EU-Länder. Hauptabnehmerländer sind das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Deutschland, Schweden und Frankreich. Norwegen bedient 2 % der weltweiten Nachfrage nach Öl und steht im Vergleich der Förderländer an 15. Stelle. Nach Russland und Katar ist Norwegen der drittgrößte Gasexporteur der Welt. Der ganz überwiegende Teil des geförderten Gases (117 Mrd. m³) wurde über Pipelines an die Terminals in Belgien, Frankreich, Dänemark, das Vereinigte Königreich und Deutschland transportiert.
Tourismus
Norwegen ist traditionell ein sehr beliebtes Reiseziel für deutsche Urlauber. Sie stellen vor Schweden, Dänen, Briten und Niederländern die größte Gruppe ausländischer Touristen in Norwegen. Jedes Jahr werden ca. 1,5  Millionen Übernachtungen deutscher Gäste in Norwegen gezählt.

Kulturelle Beziehungen

Die deutsch-norwegischen Kulturbeziehungen haben eine lange Tradition. So wie die bekannten Größen Edvard Munch, Edvard Grieg und Henrik Ibsen sich viele Jahre in Deutschland aufhielten, findet heute ebenfalls ein reger Austausch in beiden Richtungen statt. Gemeinsame deutsch-norwegische Ausstellungen oder Auftritte von norwegischen und deutschen Künstlern im jeweils anderen Land sind Beleg hierfür. Auch über herausragende deutsche Kunstveranstaltungen wird in den norwegischen Medien berichtet.
2019 wird Norwegen Gastland der Frankfurter Buchmesse sein. Das Land plant für das ganze Jahr 2019  eine aufwändige und umfassende kulturelle Präsenz in Deutschland. Das norwegische Parlament hat hierfür 30 Mio. NOK (ca. 3,1 Mio. Euro) bereitgestellt. Koordiniert wird der Gastlandauftritt von der Literaturförderung NORLA (Norwegian Literature Abroad).

Das bilaterale Abkommen zur Umwandlung der Deutschen Schule Oslo – Max Tau (DSO) in eine norwegische Begegnungsschule ist am 19. Juli 2011 in Kraft getreten. An der DSO kann neben dem deutschen internationalen Abitur auch die norwegische Hochschulzugangs-berechtigung erworben werden.

Im Rahmen des 2006 gegründeten Deutsch-Norwegischen Jugendforums (DNJF) haben seit 2007 jedes Jahr rund 100 Jugendliche aus beiden Ländern die Gelegenheit, das jeweils andere Land durch gemeinsame Projekte kennenzulernen. 2016 feierte das Deutsch-Norwegische Jugendforum am „Europäischen Tag der Sprachen“ sein 10-jähriges Bestehen. Nähere Informationen zum Deutsch-Norwegischen Jugendforum bietet die Internetseite www.dnjf.org.

Die im Jahr 2000 gegründete norwegisch-deutsche Willy-Brandt-Stiftung vergibt seit 2000 jährlich den Willy-Brandt-Preis für besondere Verdienste um die bilateralen Beziehungen. 2018 wurden Frau Kate Hansen Bundt, norwegische Politologin und Generalsekretärin des norwegischen Atlantikkomitees, und Herr Dr. Robin Allers, deutscher Forscher am norwegischen Institut für Verteidigungsstudien, in Anwesenheit der Staatssekretäre aus beiden Verteidigungsministerien ausgezeichnet. Seit Juni 2004 bringt das German Norwegian Network (GNN) zweimal jährlich Nachwuchsführungskräfte aus beiden Ländern zusammen. Die letzte Tagung des Netzwerks fand im Februar 2019 in Berlin statt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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