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Beziehungen zu Deutschland Nigeria

Artikel

Stand: September 2018

Politische Beziehungen

Nigeria ist ein wichtiger Partner in Afrika mit einer profilierten Rolle in der Förderung von Stabilität und Demokratie und mit großem wirtschaftlichem Potenzial. Deutschland und Nigeria  pflegen ihre Beziehungen in strukturierter Weise. Im Jahr 2011 ist die deutsch-nigerianische Binationale Kommission gegründet worden, die sich aus Arbeitsgruppen zu den Themen Wirtschaft, Energie, Politik, Kultur, Bildung und Migration zusammensetzt. Ein Kernanliegen ist es, die Reformagenda der nigerianischen Regierung zu unterstützen. Die deutsch-nigerianische Binationale Kommission hat in den einzelnen Handlungsfeldern zahlreiche Projekte initiiert.

Der Besuchsaustausch mit Nigeria ist intensiv.  Im August 2018 traf Bundeskanzlerin Merkel den nigerianischen Staatspräsidenten Buhari, Vertreter der nigerianischen Zivilgesellschaft sowie den Kommissionsvorsitzenden der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) im Rahmen eines Besuchs in Abuja. Im November 2017 trafen sich die beiden Regierungschefs zuletzt am Rande des Gipfels der Europäischen Union und der Afrikanischen Union in Côte d’Ivoire.Im Oktober 2016 besuchte Präsident Buhari zuletzt Deutschland. Bereits der erste Besuch des 2015 neu gewählten Präsidenten Buhari außerhalb Afrikas nach Amtsantritt galt am 7./8. Juni 2015 dem G7-Gipfel in Elmau.

Auch zwischen den Parlamenten beider Länder werden die Beziehungen gepflegt. So besuchte zuletzt der nigerianische Senatspräsident Saraki auf Einladung von Bundesratspräsidentin Dreyer Deutschland im März 2017 und führte Gespräche mit Vertretern von Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung. Außerdem existiert in der nigerianischen Nationalversammlung seit 2016 eine deutsch-nigerianische Freundschaftsgruppe. Die Parlamentariergruppe für Westafrika hatte 2016 zuletzt Nigeria und Lagos besucht.

Sicherheitspolitik 

Deutschland und Nigeria führen eine enge Kooperation im Sicherheitsbereich. Im Kampf gegen Boko Haram unterstützt die Bundesregierung die Ausbildung und Ausstattung der nigerianischen Polizei und Streitkräfte. Ein länderübergreifendes Stabilisierungsprojekt soll außerdem die vier Tschadseeanrainer im zivilen Kampf gegen Terrorismus unterstützen. Dazu finanzierte Deutschland im Mai 2018 ein grenzüberschreitendes Forum der Gouverneure der betroffenen Regionen. Außerdem vereinbarten Deutschland und Nigeria Projekte zur Kleinwaffenkontrolle und zu verbessertem Schutz von Zivilisten in Konflikten sowie ein Dialogprojekt zwischen Hirten- und Bauerngemeinden in Zentralnigeria. Darüber hinaus finanziert die Bundesregierung Dialog- und Radioprojekte  gegen gewalttätigen Extremismus, insbesondere von Jugendlichen.

Migration

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Nigeria in Migrationsfragen hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Das beinhaltet zum einen Zusammenarbeit bei der Rückkehr nigerianischer Migranten (Rückführungen, freiwillige Rückkehr, Reintegration), zum anderen unterstützt Deutschland den Nigerian Immigration Service (NIS) im Bereich biometrischer Datenerfassung und im Grenzmanagement.

Humanitäre Hilfe und Stabilisierung 

Aufgrund der humanitären Krise in der Tschadseeregion, vor allem in Nord-Ost Nigeria, hat Deutschland am 3./4. September 2018 eine hochrangige internationale Konferenz zur Tschadseeregion zusammen mit Nigeria, Norwegen und den Vereinten Nationen in Berlin ausgerichtet. Unter anderem hat Deutschland dort bis 2020 weitere 100 Mio. EUR an humanitärer Hilfe sowie 40 Mio. EUR  für Stabilisierungsmaßnahmen zugesagt. Insgesamt konnten etwa  2,17 Millarden US-Dollar an Zusagen für die Region auf der Konferenz eingeworben werden. Durch die Berliner Tschadseekonferenz und weitere Formate (u.a. Gouverneursforum in Maiduguri (Nigeria) im April 2018 und Konsultativgruppe für Stabilisierung im September 2018) unterstützt Deutschland das von  islamistischem Terrorismus, Vertreibung und Hunger betroffene Tschadsee-Gebiet. Zentral sind hierbei  grenzüberschreitende Zusammenarbeit sowie Stabilisierungsmaßnahmen.

Wirtschaftliche Beziehungen

Ein Schwerpunkt der Wirtschaftsbeziehungen ist die Zusammenarbeit im Energiebereich. Im August 2008 wurde in Abuja das Gründungsdokument der Deutsch-Nigerianischen Energiepartnerschaft unterzeichnet. Im Oktober 2013 wurde die Energiepartnerschaft um fünf Jahre verlängert. Die jüngste Sitzung der Energiepartnerschaft fand im September 2017 in Berlin statt. 

Die Energiepartner treffen sich regelmäßig, um gemeinsame Projekte voranzubringen. Im Fokus stehen die Rehabilitierung und Weiterentwicklung der Stromproduktion in Nigeria – insbesondere durch erneuerbare Energien und eine verbesserte Energieeffizienz - sowie eine stärkere Beteiligung deutscher Firmen an der Gewinnung von Energieträgern in Nigeria. Ein wichtiges Kooperationsfeld ist der Bau von Solarkraftwerken für Universitäten, die der Energiegewinnung und der Ausbildung von nigerianischen Fachkräften dienen sollen. 

Auch in anderen Bereichen wächst das unternehmerische Interesse auf beiden Seiten. Beleg dafür sind nicht zuletzt die Deutsch-Nigerianischen Wirtschafts-Foren, die abwechselnd in Deutschland bzw. Nigeria vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, vom DIHK bzw. der Delegation der deutschen Wirtschaft in Nigeria und von der Nigerian-German Business Association organisiert werden, zuletzt im September 2017 in Frankfurt und im Juni 2018 in Lagos.

Im Oktober 2018 findet zum siebten Mal ein European Business Forum in Lagos mit Beteiligung deutscher Unternehmen statt. Nigeria ist Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner in Subsahara-Afrika.

Im Jahr 2017 lagen die Einfuhren nach Deutschland aus Nigeria bei 1,60 Milliarden Euro, die Ausfuhren aus Deutschland nach Nigeria bei 0,93 Milliarden Euro. Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Nigeria sind Elektrotechnik, Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte.

Zahlreiche deutsche Unternehmen sind in Nigeria mit eigenen Repräsentanzen oder über Partner vertreten. Der im Jahr 2000 unterzeichnete bilaterale Investitionsschutz- und Fördervertrag mit Nigeria ist seit September 2007 in Kraft. 

In Nigeria gibt es eine Delegation der Deutschen Wirtschaft (Delegation of German Industry and Commerce) mit Sitz in Lagos. Eingerichtet wurde die Delegation durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Außerdem haben sich in der Nigerian-German Business Association (NGBA) deutsche und nigerianische Geschäftsleute mit dem Ziel zusammengeschlossen, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu intensivieren.

Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria sind die nachhaltige Wirtschaftsförderung mit einem Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen, Berufsbildung und den Finanzsektor sowie ein Beratungsprogramm im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Die Bundesregierung unterstützt durch die finanzielle Zusammenarbeit auch die erfolgreiche Bekämpfung von Polio in Nordnigeria. Nachdem seit 2016 keine erneuten Polio-Infektionen festgestellt werden konnten, befindet sich Nigeria auf gutem Wege, um 2021 offiziell als Polio-frei zu gelten.

Im Rahmen des „Grünen Innovationszentrums“ werden 170.000 Kleinbauern Anbau von Reis, Mais, Maniok und Kartoffeln unterstützt. Gemeinsam mit einem komplementären Programm zur finanziellen Unterstützung von Kleinbauern werden deren Marktchancen und Familieneinkommen verbessert. Mit Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist Deutschland auch am Aufbau der Nigerianischen Entwicklungsbank wesentlich beteiligt.

Deutschland unterstützt über das Programm „Migration und Entwicklung“ bei der Rücknahme und Reintegration von nach Nigeria zurückkehrenden Migranten. Im Herbst 2018 hat in Lagos das Migrationsberatungszetrum seinen Betrieb  aufgenommen. Gemeinsam mit dem Nigerianischen Arbeitsministerium wird dort über berufliche Perspektiven in Nigeria informiert.

Seit 2016 unterstützt Deutschland aus den Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit auch Binnenflüchtlinge und deren Aufnahmegemeinden im Nordosten Nigerias. 

Insgesamt belaufen sich die Mittelzusagen an Nigeria seit Beginn der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit 1960 auf rund 620 Millionen Euro.

Kulturelle Beziehungen 

Die guten bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria finden auch im kulturellen Bereich ihren Niederschlag.Wichtige Anlaufstelle im Bereich Kultur ist seit 1962 das Goethe-Institut Nigeria in Lagos. Das Interesse am Kulturprogramm sowie am Erlernen der deutschen Sprache ist groß. Viele Nigerianer interessieren sich für Deutschland und möchten möglichst im Anschluss an den Spracherwerb in Deutschland studieren. 

Von den politischen Stiftungen sind die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS) mit jeweils einem Büro in Nigeria vertreten. Mit unterschiedlicher programmatischer Ausrichtung fördern alle Stiftungen die Demokratisierung, die Entwicklung freier und unabhängiger Medien, die Stärkung der Frauenrechte und die Stärkung der Zivilgesellschaft in Nigeria. HBS widmet sich zudem umweltpolitischen Themen. 

Im Hochschulbereich gibt es trotz der schwierigen Situation an vielen nigerianischen Universitäten eine vielfältige Zusammenarbeit zwischen deutschen und nigerianischen Hochschulen. Seit 2015 besteht eine Partnerschaft zwischen der Universität Maiduguri im Bundesstaat Borno und der Musikhochschule Hildesheim. Die Universität Maiduguri ist außerdem Teil einer DAAD Graduate School, die von einem Verband westafrikanischer Universitäten und der Universität Hildesheim realisiert wird.

Deutsche Universitäten genießen einen sehr guten Ruf in Nigeria. Zahlreiche Nigerianer haben während der wirtschaftlichen Boom-Zeit der 70er Jahre in Deutschland studiert. Es gibt mehrere Austauschkontakte zwischen beiden Ländern. . 2017/18 studierten rund 1600 nigerianische Studenten an deutschen Universitäten.

An der Universität Ibadan gibt es eine durch den DAAD geförderte Lektorat stelle. Germanistikfakultäten gibt es in Nsukka, Ile-Ife und Ibadan. Deutsch-Unterricht wird an mehreren Universitäten im Süden des Landes unter anderem in Benin-City, Port Harcourt, Abakaliki und Awka angeboten, im Norden an den Universitäten in Zaria und Jos. 

Zudem gibt es mehrere private Sprachschulen in Nigeria (Abuja, Port Harcourt), an denen Deutsch vermittelt wird.

Die universitäre Zusammenarbeit findet ihre Fortsetzung in den Alumni-Nachbetreuungsprogrammen des DAAD und der Alexander-von-Humboldt Stiftung, welche die ehemaligen Studierenden durch Stipendien sowie Sach- und Gerätespenden tatkräftig unterstützen. In Nigeria gibt es über 200 Alumni der AvH-Stiftung, die Führungspositionen in Forschung und Lehre bekleiden. Viele weitere Alumni sind in mehreren deutsch-nigerianischen Vereinigungen wie der „German Alumni Association Nigeria (GAAN)“ oder der „Nigerian Association of Teachers of German (NATOG)“ organisiert. Einzelne Vereinigungen organisieren jährliche Treffen, Workshops und Seminare.

Darüber hinaus gibt es Projekte der kulturellen Zusammenarbeit in allen Kunstsparten. So unterstützten die deutschen Auslandsvertretungen in Abuja und Lagos die Kooperation zwischen deutschen und nigerianischen Künstlern in Workshops und mit gemeinsamen Veranstaltungen. Ein intensiv ausgestaltetes Besucherprogramm ermöglicht es zahlreichen nigerianischen Journalisten, ein Deutschlandbild aus erster Hand zu gewinnen. Durch Praktika erhalten Journalisten die Gelegenheit, ihre journalistischen Qualifikationen weiterzuentwickeln und zu vervollkommnen. Zudem werden die Beziehungen zwischen deutschen und nigerianischen Medien weiterentwickelt. 

Im Medienbereich kooperiert die Deutsche Welle (DW) sehr erfolgreich mit verschiedenen nigerianischen Funk- und Fernsehstationen im Ausbildungs- und Ausrüstungsbereich. Der englischsprachige wie auch der Haussa-Dienst der DW erfreuen sich großer Beliebtheit in Nigeria.

Eine neue Facette ist die Zusammenarbeit im Bereich Film: 

2016 wurde ein Projekt gestartet, bei dem nigerianische Filme aus den Siebzigerjahren in Deutschland restauriert und digitalisiert werden sollen. 2017 erhielt die Nigerian Film Corporation (NFC) aus Mitteln des Kulturerhaltsprogramms des Auswärtigen Amts einen Filmscanner zur nachhaltigen Restaurierung und Digitalisierung alter Filmrollen. Zur Berlinale 2018 wurde der digital restaurierte Haussa-Film „Shaihu Umar“ im Rahmen des „Forum Expanded“ aufgeführt.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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