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Beziehungen zu Deutschland Malediven

Artikel

Stand: März 2018

Politik

Die Malediven wurden am 26. Juli 1965 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Seit 1982 waren sie Mitglied im Commonwealth, aus dem sie am 13. Oktober 2016 ausgetreten sind. Die Malediven fühlten sich ungerecht behandelt von der Commonwealth Ministerial Action Group (CMAG) und dem Commonwealth Sekretariat, die die politischen Entwicklungen in den Malediven besorgt verfolgt haben.

Politische Parteien konnten sich auf den Malediven erst im Zuge eines Demokratisierungs- und Reformprozesses ab 2005 etablieren. In einem Referendum am 18.08.2007 entschied sich die Bevölkerung der Malediven für ein Präsidialsystem in Anlehnung an die US-Verfassung.

Die auf dieser Basis ausgearbeitete neue Verfassung trat im August 2008 in Kraft. Der Präsident ist danach gleichzeitig Staats- und Regierungschef und wird für jeweils fünf Jahre direkt gewählt. Gleichzeitig schreibt die Verfassung erstmals die Gewaltenteilung fest und damit die Unabhängigkeit der Justiz. Das Parlament (People's Majlis) besteht aus einer Kammer. Die Abgeordneten werden direkt gewählt.

Grundlage des maledivischen Rechtssystems ist die Scharia im Rahmen der schafiitischen Rechtsschule des sunnitischen Islam. Der Wahhabismus gewinnt aber zunehmend an Bedeutung, auch aufgrund der Unterstützung aus Saudi Arabien. Daneben finden sich Elemente des britischen Common Law, insbesondere im Handelsrecht.

Diplomatische Beziehungen zu den Malediven bestehen seit 1966. Der deutsche Botschafter in Colombo ist in Malé doppelakkreditiert. Vor Ort unterhält Deutschland ein Honorarkonsulat.

Im September 2016 eröffneten die Malediven eine Botschaft in Berlin. Zuvor pflegten die Malediven die Beziehungen zur Bundesrepublik über ihre Ständige Vertretung bei der Europäischen Union in Brüssel.

Die Herausbildung stabiler demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen ist für die junge Republik der Malediven weiterhin eine große Herausforderung. Insbesondere seit Ende 2013 beklagen nationale und internationale Beobachter zunehmende strukturelle Schwächen im Justizapparat, mangelnde Unabhängigkeit und Politisierung der Justiz sowie generell unzureichende Kompetenzabgrenzungen zwischen den Verfassungsorganen. Im Juli 2017 haben Militär und Polizei das Parlamentsgebäude zeitweilig abgeriegelt, um Oppositionspolitiker am Betreten zu hindern. Ebenfalls im Juli kündigte der Innenminister an, Vorbereitungen zu treffen, um die Todesstrafe nach einem 6 jahrzehntelangen Moratorium wieder zu vollstrecken. Wichtige Grundfreiheiten (v.a. der Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit) und die Unabhängigkeit von Institutionen, wie der nationalen Wahlkommission, der Anti-Korruptionsbehörde oder der Nationalen Menschenrechtskommission sind erheblich eingeschränkt. Als Reaktion auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofes, das die Freilassung politischer Gefangener anordnete und die Suspendierung von Parlamentsabgeordneten aufhob, hat der Präsident am 5. Februar 2018 den Ausnahmezustand für 15 Tage erklärt, der am 20. Februar 2018 um weitere 30 Tage verlängert wurde. Die Konsolidierung der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Ein- und Erhaltung der Grundrechte auf den Malediven sind wichtige Anliegen, für die sich die Bundesrepublik Deutschland im bilateralen Dialog und gemeinsam mit der Europäischen Union einsetzt. Darüber hinaus fördert Deutschland über Projektarbeit die örtliche Zivilgesellschaft.

Wirtschaft

Der Tourismus ist mit Abstand der größte Wirtschaftszweig der Malediven. Er trägt rund 29 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, erbringt mehr als 60 Prozent der Deviseneinnahmen sowie über 38 Prozent der Einnahmen aus Steuern und Abgaben. Deutsche Besucher haben einen hohen Anteil an der Entwicklung des Tourismus zum bedeutendsten Wirtschaftszweig des Landes. 2017 besuchten über 112.000 deutsche Touristen die Malediven und repräsentieren weiterhin die zweitgrößte Gruppe des gesamten Touristenaufkommens (8,1% aller Touristen) nach China (22.2%) und vor Großbritannien (7,5%). Alljährlich ist die Inselrepublik prominent auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin vertreten.

Das bilaterale Handelsvolumen belief sich 2017 auf 63 Mio. EUR (deutsche Ausfuhren: 44,6 Mio. EUR, maledivische Ausfuhren: -18,8 Mio. EUR).

Entwicklungszusammenarbeit

Die Bundesrepublik Deutschland und die Malediven arbeiten in der internationalen Klimapolitik zusammen, einem wichtigen Thema für den Inselstaat. Der Inselstaat ist von den möglichen Auswirkungen des Klimawandels besonders betroffen: 80 Prozent des Staatsgebiets liegt unter einem Meter über dem Meeresspiegel. Die Malediven haben sich das Ziel gesetzt, Treibhausgas-Emissionen bis 2020 auf null zu reduzieren. Im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative unterstützte das Bundesumweltministerium bis Juli 2015 dieses ehrgeizige Ziel mit einem Projekt zur Förderung von erneuerbaren Energien, durchgeführt von Fachkräften der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Kultur und Bildung

Amtssprache auf den Malediven ist Dhivehi, ein singhalesischer Dialekt. Dhivehi verfügt über eine eigene Schrift namens Thaana, die von rechts nach links geschrieben wird.

Die Staatsreligion der Malediven ist der Islam, dessen Förderung ein wichtiges Anliegen der Regierung darstellt. Die öffentliche Ausübung anderer Religionen ist nicht gestattet. In der Verfassung ist weder Religionsfreiheit noch ein Diskriminierungsverbot anderer Religionen verankert. Saudi Arabien, wie die Malediven OIC-Mitgliedsstaat, leistet erhebliche finanzielle Unterstützung im Bildungssektor durch Buchspenden, Schulbau, Stipendien und durch Förderung der Maldives Islamic University. Saudi-Arabien baut derzeit die größte Moschee der Malediven, mit Bücherei und Veranstaltungshallen.

Die Alphabetisierungsrate liegt bei 98%. Das staatliche Bildungssystem umfasst Primar- und Sekundarstufen. Auf den Malediven gibt es neben der öffentlichen Maldives National University noch drei private Universitäten (Cyryx College, Mandhu College, Villa College), wie die Islamic University of Maledives.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Korallenriff Ari-Atoll
Korallenriff Ari-Atoll © picture alliance / blickwinkel

Zuständige Deutsche Botschaft in Colombo / Sri Lanka

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