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Deutschland und Kanada: bilaterale Beziehungen Kanada

04.04.2019 - Artikel

Politik

Kanada ist ein wichtiger Freund und Verbündeter auf dem nordamerikanischen Kontinent, der mit uns durch Mitgliedschaft in NATO und G7 eng verbunden ist und europäischen und deutschen Interessen durch Geschichte und Selbstverständnis aufgeschlossen gegenübersteht. Beide Staaten teilen gemeinsame Werte und Grundüberzeugungen, die durch eine aktive Mitarbeit in internationalen Gremien, vor allem in Fragen der Sicherheit und Abrüstung, der Menschenrechte, bei humanitären Einsätzen und bei friedenserhaltenden Maßnahmen zum Ausdruck gebracht werden.

Beispiele für die gute Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten sind die Unterzeichnung des Strategischen Partnerschaftsabkommens zwischen Kanada und der EU, die Initiative zur Kontrolle und Nichtverbreitung von Kleinwaffen und leichten Waffen oder das Zusammenwirken in Bezug auf die Konvention zum Verbot von Streumunition.

Die hohe Zahl gegenseitiger offizieller Besuche unterstreicht die Qualität der bilateralen Beziehungen. Premierminister Trudeau reiste im Februar 2017 in Begleitung von Außenministerin Freeland zu einem bilateralen Besuch nach Deutschland.

Knapp 3,2 Mio. der rund 37,1 Mio. Kanadier haben deutsche Wurzeln. Begonnen hat die deutsche Einwanderung nach Kanada vor etwa 300 Jahren. Im letzten Jahrhundert haben die  deutsche Teilung, die Berlin-Blockade und die Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang im Kalten Krieg Europa und Nordamerika eng verbunden. In der Verteidigung der gemeinsamen Werte demonstrierte Kanada seine Solidarität mit der Bundesrepublik Deutschland.

Wirtschaft

Die seit 21.09.2017 vorläufige Anwendung des Wirtschafts- und Handelsabkommens CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) zwischen der EU und Kanada verleiht den deutsch-kanadischen Handelsbeziehungen eine neue Dynamik. Insgesamt liegen die bilateralen Handelsbeziehungen dennoch unter dem Potenzial beider Volkswirtschaften. Die großen kanadischen Rohstoffvorkommen spielen für die Rohstoff- und Energieversorgung in Deutschland bislang nur eine untergeordnete Rolle, werden für den deutschen Markt aber zunehmend interessanter, besonders mit Blick auf die politische Stabilität des Landes.

2018 betrugen Deutschlands Exporte nach Kanada 10,16 Mrd. € (2017: 9,67 Mrd €), die Importe aus Kanada 4,70 Mrd. € (2017: 4,39 Mrd €). Als Empfängerland deutscher Exporte nahm Kanada Platz 26 der deutschen Außenhandelsstatistik ein, als Lieferland für Deutschland Platz 37. Für Kanada hingegen ist Deutschland viertwichtigstes Lieferland und siebtwichtigste Exportdestination seiner Waren. Deutschland exportiert nach Kanada hauptsächlich Kraftwagen(teile) und Maschinen. Importiert werden,  aus Kanada vor allem Rohstoffe. Beide Länder liefern sich außerdem Datenverarbeitungsgeräte sowie elektrische, optische und chemische Erzeugnisse. Im Bereich Direktinvestitionen fällt der deutsche Anteil im Vergleich zum Hauptinvestor USA gering aus.

Kanada und Deutschland haben 2002 ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen.

Kultur, Bildung und Wissenschaft

Die Förderung der deutschen Sprache ist ein Schwerpunkt der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Es werden zahlreiche Stipendien-, Austausch- und Reisprogramme sowie deutsche Sprachschulen und die „National Heritage Schools“, unterstützt. Weitere Initiativen umfassen das in Toronto angesiedelte Informationszentrum des DAADs, welches landesweit für den Studienstandort Deutschland wirbt oder die Internet-Plattform „So German“, die über die Tätigkeiten und Projekte der Deutschen Institutionen in Kanada informiert. Außerdem besteht für junge Kanadier im Zuge des Internationalen Parlaments-Stipendiums die Möglichkeit, ein fünfmonatiges Praktikum im Deutschen Bundestag zu absolvieren. Dank des Youth Mobility Agreement (YMA) zwischen Deutschland und Kanada können junge Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren für bis zu 12 Monate im jeweils anderen Land leben und dabei Arbeitserfahrung sammeln, reisen oder Einblicke in Kultur und Gesellschaft erhalten. Des Weiteren bestehen über 200 Hochschulpartnerschaften zwischen deutschen und kanadischen Einrichtungen. In Kanada gibt es zwei deutsche Vollzeitschulen: die Alexander von Humboldt Schule in Montreal (Kindergarten bis Abitur) und die Deutsche Schule Toronto (Kindergarten bis 8.Klasse).

Im Bereich der Wissenschaftszusammenarbeit ist Kanada einer der bedeutendsten Partner für Deutschland weltweit. Seit der Unterzeichnung des deutsch-kanadischen Abkommens über wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit 1971 bestehen vielzählige Kooperationen zwischen deutschen und kanadischen Forschungs- und Mittlerorganisationen, Universitäten und dem privaten Sektor. Aktuelle Forschungsschwerpunkte umfassen natürliche Ressourcen, Energie, Umwelt, einschließlich Arktis und Ozeane, moderne Fertigungstechnologien, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Gesundheitsforschung.

Zudem sind viele deutsche Wissenschaftsorganisationen in Kanada aktiv. Es gibt zwei Max-Planck-Zentren (Universität Ottawa / Photonik und University of British Columbia, Vancouver / Quantenmaterie), Kooperationsprojekte der Fraunhofer-Gesellschaft zu Gesundheitsforschung (McMaster University, Hamilton) und Leichtbau (Western University, London) sowie eine Kooperation mit der Dalhousie Universität zu Flüchtlingsstudien. Außerdem betreibt die Helmholtz-Gemeinschaft mit der Helmholtz-Alberta-Initiative ihr größtes internationales Kooperationsprojekt in Kanada.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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