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Jordanien und Deutschland: bilaterale Beziehungen Jordanien

22.05.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Die politischen Beziehungen zwischen Jordanien und Deutschland sind seit langer Zeit eng und freundschaftlich. Deutschland gehört in vielen Bereichen zu den wichtigsten Partnern des Landes, das 1994 als zweiter arabischer Staat einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen hat und sich im regionalen und internationalen Rahmen aktiv um eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts bemüht. Über die politische Ebene hinaus besteht eine erfolgreiche Kooperation in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Seit Oktober 2017 sind außerdem Bundeswehr-Einheiten in Jordanien stationiert.

Die zahlreichen Besuche deutscher Politikerinnen und Politiker und Reisen jordanischer Politiker nach Deutschland sind Zeichen dieser engen Beziehungen. 2018 haben Bundespräsident Steinmeier, Verteidigungsministerin von der Leyen, Außenminister Maas, Bundesratspräsident Müller und Bundeskanzlerin Merkel Jordanien besucht. Der damalige Bundespräsident Gauck verlieh König Abdullah II. 2016 den Westfälischen Friedenspreis, im März 2019 hielt Bundeskanzlerin Merkel eine Laudatio auf den jordanischen König in Assisi anlässlich der Verleihung der Lampe des Friedens des Franziskanerordens. Königin Rania erhielt für ihr außenpolitisches Engagement 2015 durch Bundeskanzlerin Merkel den Walther-Rathenau-Preis. Sie selbst überreichte der Bundeskanzlerin im November 2018 die Ehren-Victoria des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger.

In Jordanien sind vier politische Stiftungen (Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung) mit Büros vertreten, zwei weitere (Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung) betreuen Jordanien von ihren Büros in den Palästinensischen Gebieten aus.

Wirtschaftliche Beziehungen

Die deutsch-jordanischen Wirtschaftsbeziehungen sind vor allem durch den Warenaustausch gekennzeichnet. Deutschland exportiert nach Jordanien vor allem Produkte aus den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau, technische Anlagen, chemische und pharmazeutische Produkte sowie Nahrungsmittel. 2017 beliefen sich die deutschen Exporte nach Jordanien auf ca. 747,6 Mio. Euro, die jordanischen Exporte nach Deutschland auf ca. 27,4 Mio. Euro. Gemessen an den Importen ist Deutschland neben Italien der wichtigste europäische Handelspartner Jordaniens.

Gute Investitionschancen für deutsche Unternehmen bieten sich im Bereich Erneuerbare Energien, im Dienstleistungssektor sowie in den Bereichen Gesundheit, Tourismus, Grüne Technologien (z.B. Müllverwertung), Informationstechnologie und Logistik. Die „German Water Partnership“ hat Jordanien als eines ihrer Fokusländer ausgewählt. Der Umfang von Direktinvestitionen ist derzeit noch gering. Seit 2010 besteht ein Investitionsschutz- und -förderabkommen zwischen Deutschland und Jordanien.

Entwicklungspolitische Beziehungen

 Im Jahr 2019 feiert die deutsch-jordanische Entwicklungszusammenarbeit 60-jähriges Jubiläum. Deutschland ist nach den USA zweitgrößter bilateraler Geber. Die Schwerpunkte der deutsch-jordanischen Zusammenarbeit sind die Bereiche Wasser (einschließlich Abwasser) sowie Bildung und Beschäftigungsförderung. Jordanien ist im Weltmaßstab eines der ärmsten Länder in Bezug auf verfügbare Wasserressourcen pro Kopf. Derzeit geraten die ohnehin knappen Ressourcen und die stark beanspruchte Wasserinfrastruktur durch die hohe Zahl von Flüchtlingen zusätzlich unter Druck. Deutschland engagiert sich dafür, den jordanischen Wassersektor nachhaltig zu verbessern, und lindert mit kurzfristig angelegten Maßnahmen zusätzlich die Notlage vor allem in den Grenzregionen. Mittelfristiges Ziel ist, ein Wasserressourcenmanagement aufzubauen, in das Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft einbezogen sind.

Bei Bildung und Beschäftigungsförderung konzentriert sich die Entwicklungszusammenarbeit darauf, die wirtschaftliche Teilhabe sowie die Beschäftigungschancen für Jordanier*innen und Flüchtlinge zu verbessern.  Es geht darum, das Angebot im Bereich berufliche Bildung zu erweitern und stärker am Bedarf des Arbeitsmarkts auszurichten. Arbeit soll gezielter vermittelt und die Rahmenbedingungen vor allem für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen verbessert werden. Im Bildungsbereich setzt Deutschland sich dafür ein, dass alle (d.h. auch Flüchtlinge) gleichberechtigten Zugang erhalten, dass Inklusion besser funktioniert und auf mehr Qualität beim Bau und Erhalt von Schulen geachtet wird. Die Bundesregierung machte 2018 Neuzusagen zur Unterstützung Jordaniens von ca. 513 Mio. Euro (291,8 Mio. Euro für Entwicklungszusammenarbeit; 135,7 Mio. Euro für Humanitäre Hilfe, 86 Mio. Euro für einen ungebundenen Finanzkredit).

Jordanien profitierte ferner von der Möglichkeit, Schulden in Entwicklungsprojekte zur Armutsbekämpfung, zum Umweltschutz oder für den Bildungsbereich umzuwandeln (sog. Debt Swaps). Im September 2011 wurde das elfte und bislang letzte Abkommen dieser Art i.H.v. 27 Mio. Euro unterzeichnet. Diese Mittel kamen der Deutsch-Jordanischen Universität und dem Bau von Grundschulen zugute.

Wissenschafts- und Kulturbeziehungen

Deutschland und Jordanien arbeiten hier im Wesentlichen in drei Bereichen zusammen: Hochschulen, Archäologie sowie Kultur- und Sprachprogramme des Goethe-Instituts.

Jordanische Universitäten und Forschungseinrichtungen pflegen einen regen Austausch mit Deutschland. Viele jordanische Wissenschaftler*innen haben in Deutschland studiert oder promoviert und setzen gemeinsame Forschungsvorhaben mit deutschen Kolleg*innen um. Mit Hilfe deutscher Stipendien oder auch auf eigene Kosten kommen jedes Jahr zahlreiche Jordanier*innen als Studierende, Doktoranden oder Professoren für Kurz- und Langzeitaufenthalte nach Deutschland. Seit 2012 unterhält der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ein Informationszentrum in Amman. Derzeit wird es in eine DAAD-Außenstelle umgewandelt.

Die 2005 eröffnete Deutsch-Jordanische Hochschule (German Jordanian University, GJU) ist das größte deutsche Hochschulexportprojekt, Schwerpunkt sind ingenieurswissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Fächer. Curricula und Lehre dieser staatlichen jordanischen Universität orientieren sich am Modell deutscher Fachhochschulen. Kooperationen mit einem immer größer werdenden Netzwerk von jordanischen und deutschen Unternehmen prägen Lehre und Forschung. Alle Studierenden der GJU absolvieren im 4. Studienjahr ein obligatorisches Deutschlandjahr, bestehend aus einem Studiensemester an einer der über 120 deutschen Partnerhochschulen sowie einem Betriebspraktikum in Deutschland.

Die GJU hat sich seit ihrer Gründung zu einer der führenden Universitäten des Landes entwickelt. Sie ist zudem regionales Kompetenzzentrum für die Deutschlehrerausbildung. Über den DAAD stellt Deutschland seit 2016 90 zusätzliche Studienplätze für syrische Flüchtlinge und Jordanier*innen zur Verfügung. Das Auswärtige Amt finanziert darüber hinaus die Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein (DAFI), die in Jordanien im Jahr 2017 721 Flüchtlingen ein Hochschulstudium ermöglicht hat.

In der Archäologie arbeiten Deutschland und Jordanien seit vielen Jahrzehnten eng zusammen. Eine Niederlassung des Deutschen Evangelischen Instituts für die Altertumskunde im Heiligen Land (DEIAHL), zugleich Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), koordiniert gemeinsame Grabungen mit dem jordanischen Antikendienst. Diese finden vor allem im Norden des Landes statt (Jerash, Gadara, Tell Zirā’a bei Umm Quais, Tell Usher bei Irbid).

Das Auswärtige Amt hat über sein Kulturerhalt-Programm und gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft über mehrere Jahre hinweg unterstützt, dass die Ruine des Wüstenschlosses Mshatta bautechnisch untersucht und einige Elemente wiederhergestellt wurden. Die originale Südfassade gehört zu den Beständen des Pergamon-Museums in Berlin.

Im Rahmen der PASCH-Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ wurde an vier jordanischen Schulen, die vom Goethe-Institut betreut werden, „Deutsch als Fremdsprache“ eingeführt. An einer dieser Schulen wird seit dem Schuljahr 2016/17 Deutsch als Abiturfach angeboten.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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