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Deutschland und Jordanien: bilaterale Beziehungen Jordanien

15.03.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Die politischen Beziehungen zwischen Jordanien und Deutschland sind seit langer Zeit eng und freundschaftlich. Deutschland gehört in vielen Bereichen zu den wichtigsten Partnern des Landes, das 1994 als zweiter arabischer Staat einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen hat und sich im regionalen und internationalen Rahmen aktiv um eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts bemüht. Über die politische Ebene hinaus besteht eine erfolgreiche Kooperation in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Seit Oktober 2017 sind außerdem Bundeswehr-Einheiten in Jordanien stationiert.

Die zahlreichen Besuche deutscher Politikerinnen und Politiker und Reisen jordanischer Politiker nach Deutschland sind Zeichen dieser engen Beziehungen. Im Juni 2018 war Bundeskanzlerin Angela Merkel in Jordanien zu Besuch, zuvor im April 2018 Außenminister Heiko Maas und Bundesratspräsident Michael Müller. Im Januar 2018 hatten darüber hinaus Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das Land besucht. Königin Rania überreichte Bundeskanzlerin Angela Merkel im November 2018 in Berlin die Ehren-Victoria des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger und würdigte sie in ihrer Laudatio als „Brückenbauerin“. König Abdullah II. wurde im Oktober 2016 in Münster der Westfälische Friedenspreis durch den damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck verliehen. Im September 2015 hatte Königin Rania in Berlin den Walther-Rathenau-Preis für ihr außenpolitisches Engagement durch Bundeskanzlerin Angela Merkel erhalten.

In Jordanien sind vier politische Stiftungen (Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung) mit Büros vertreten, zwei weitere (Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung) betreuen Jordanien von ihren Büros in den Palästinensischen Gebieten aus.

Wirtschaftliche und entwicklungspolitische Beziehungen

Die deutsch-jordanischen bilateralen Wirtschaftsbeziehungen sind vor allem durch den bilateralen Warenaustausch gekennzeichnet. Deutschland exportiert nach Jordanien vor allem Produkte aus den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau, technische Anlagen, chemische und pharmazeutische Produkte sowie Nahrungsmittel. 2017 beliefen sich die deutschen Exporte nach Jordanien auf ca. 747,6 Mio. Euro, die jordanischen Exporte nach Deutschland hingegen nur auf ca. 27,4 Mio. Euro. Gemessen an den Importen ist Deutschland neben Italien der wichtigste europäische Handelspartner Jordaniens.

Gute Investitionschancen für deutsche Unternehmen bieten sich im Bereich Erneuerbare Energien, im Dienstleistungssektor sowie in den Bereichen Gesundheit, Tourismus, Grüne Technologien (z.B. Müllverwertung), Informationstechnologie und Logistik. Die „German Water Partnership“ hat Jordanien als eines ihrer Fokusländer ausgewählt. Der Umfang von Direktinvestitionen ist derzeit noch gering.

Seit August 2010 besteht ein Investitionsschutz- und -förderabkommen zwischen Deutschland und Jordanien.

Eine wichtige Rolle in den deutsch-jordanischen Beziehungen spielt die Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland ist nach den USA zweitgrößter bilateraler Geber. Die Schwerpunkte der deutsch-jordanischen Zusammenarbeit liegen in den Bereichen Wasser/Abwasser sowie Bildung/Beschäftigungsförderung. Jordanien ist im Weltmaßstab eines der ärmsten Länder in Bezug auf verfügbare Wasserressourcen pro Kopf. Derzeit geraten die ohnehin knappen Ressourcen und die stark beanspruchte Wasserinfrastruktur durch die hohe Zahl von Flüchtlingen zusätzlich unter Druck. Neben kurzfristig angelegten Maßnahmen zur Linderung der Notlage vor allem in den Grenzregionen engagiert sich Deutschland für eine nachhaltige Verbesserung des jordanischen Wassersektors. Mittelfristiges Ziel ist der Aufbau eines integrierten Wasserressourcenmanagements, in das Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft einbezogen sind. Im Schwerpunkt Bildung und Beschäftigungsförderung konzentriert sich die Entwicklungszusammenarbeit darauf, die wirtschaftliche Teilhabe sowie die Beschäftigungschancen für JordanierInnen und Flüchtlinge zu verbessern.  Unter anderem wirken die Maßnahmen in der beruflichen Bildung (Ausbau und Verbesserung des Angebots, Ausrichtung am Bedarf des Arbeitsmarkts), in der Arbeitsvermittlung und in der Verbesserung der Rahmenbedingungen vor allem für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen (KKMUs) – hier u.a. über verbesserte Dienstleistungen (Beratung, Zugang zu Finanzservices, Hebung von Handelspotenzialen für jordanische Produkte). Im Bereich Bildung zielt die Entwicklungszusammenarbeit auf gleichberechtigten Zugang (d.h. auch für Flüchtlinge) und eine verbesserte Qualität (Schulbau, Rehabilitierung und Erhalt, Inklusion).  Die Neuzusagen der Bundesregierung zur Unterstützung Jordaniens und im Rahmen der humanitären Hilfe lagen 2018 bei ca. 513 Mio. Euro (291,8 Mio. Euro für Entwicklungszusammenarbeit; 135,7 Mio. Euro für Humanitäre Hilfe, 86 Mio. Euro für einen ungebundenen Finanzkredit).

Ferner profitierte Jordanien von der Möglichkeit der Schuldenumwandlungen in Entwicklungsprojekte (Debt Swaps), nutzbar für entsprechende Projekte in den Bereichen Armutsbekämpfung, Umweltschutz und Bildung. Im September 2011 wurde das elfte und bislang letzte Abkommen dieser Art i.H.v. 27 Millionen Euro unterzeichnet. Diese Mittel kamen der Deutsch-Jordanischen Universität und dem Bau von Grundschulen zugute.

Austausch im Wissenschafts- und Kulturbereich

Die deutsch-jordanischen Kulturbeziehungen stützen sich wesentlich auf drei Säulen: die Hochschulkooperation, die Zusammenarbeit im Bereich der Archäologie sowie bilaterale Kultur- und Sprachprogramme, die vom Goethe-Institut Amman umgesetzt werden.

Jordanische Universitäten und Forschungseinrichtungen pflegen in den verschiedensten Bereichen einen regen Austausch mit Deutschland. Viele jordanische Wissenschaftler haben in Deutschland studiert oder promoviert und setzen gemeinsame Forschungsvorhaben mit deutschen Kollegen um. Mit Hilfe deutscher Stipendien oder auch auf eigene Kosten kommen jedes Jahr zahlreiche Jordanier als Studierende, Doktoranden oder Professoren für Kurz- und Langzeitaufenthalte nach Deutschland.

Seit 2012 unterhält der DAAD (Deutscher Akademische Austauschdienst) ein Informationszentrum in Amman, welches als Anlaufstelle für sämtliche Fragen zum deutschen Hochschulwesen und Studienmöglichkeiten in Deutschland fungiert und eine Reihe von Stipendienangeboten administrativ betreut.

Die 2005 eröffnete Deutsch-Jordanische Universität (German Jordanian University, GJU) ist das größte deutsche Hochschulexportprojekt mit einem Schwerpunkt in ingenieurswissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fächern. Curricula und Lehre dieser staatlichen jordanischen Universität orientieren sich am Modell deutscher Fachhochschulen. Kooperationen mit einem immer größer werdenden Netzwerk von jordanischen und deutschen Unternehmen prägen Lehre und Forschung. Die Fachhochschule Magdeburg-Stendal ist seit 2005 federführende Projektpartnerin der GJU im Rahmen des DAAD-Programms „Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland“. Alle Studierenden der GJU absolvieren im 4. Studienjahr ein Studiensemester an einer der über 100 deutschen Partnerhochschulen sowie ein obligatorisches Betriebspraktikum in Deutschland.

Die GJU hat sich seit ihrer Gründung zu einer der führenden Universitäten des Landes entwickelt. Auf dem GJU-Campus in Mushaqqar in der Nähe von Madaba studieren 4.400 Studenten an 9 Fakultäten und in insgesamt 31 Studiengängen. Die GJU fungiert auch als regionales Kompetenzzentrum für die Deutschlehrerausbildung (Bachelor- und Masterprogramme für „Deutsch als Fremdsprache“), das sich explizit auch an Interessenten aus der gesamten Region Nordafrika, Nah- und Mittelost richtet. Über den DAAD stellt Deutschland seit 2016 für 2 Kohorteninsgesamt 90 zusätzliche Studienplätze für syrische Flüchtlinge und Jordanier zur Verfügung, davon 30 Stipendien für den Studiengang „Conservation Studies, Cultural Heritage and Built Environment“, der im Rahmen des DAI-Maßnahmenpakets „Die Stunde Null – Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise“ angeboten wird.

Das Auswärtige Amt finanziert zudem die Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein (DAFI), die in Jordanien im Jahr 2017 721 Flüchtlingen ein Hochschulstudium ermöglicht hat.

In der Archäologie ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Jordanien seit vielen Jahrzehnten eng und vertrauensvoll. Eine Niederlassung des Deutschen Evangelischen Instituts für die Altertumskunde im Heiligen Land (DEIAHL), zugleich Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), koordiniert gemeinsame Grabungen mit dem jordanischen Antikendienst vor allem im Norden des Landes (Jerash, Gadara, Tell Zirā’a bei Um Quais, Tell Usher bei Irbid).

Das Auswärtige Amt hat über sein Kulturerhalt-Programm und gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft über mehrere Jahre hinweg bautechnische Untersuchungen und die Wiederherstellung prägender Stilelemente an der Ruine des Wüstenschlosses Mshatta unterstützt, dessen originale Südfassade zu den Beständen des Pergamon-Museums in Berlin gehört. Das Goethe-Institut Amman spricht mit seinem abwechslungsreichen Programm-Mix aus Theater, Musik und Ausstellungen gezielt ein jüngeres, an Deutschland interessiertes Publikum an. Die Deutschkurse des Goethe-Instituts sind stark nachgefragt. Im Rahmen der PASCH-Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ konnte an vier jordanischen Schulen, die vom Goethe-Institut betreut werden, „Deutsch als Fremdsprache“ verankert werden. An einer dieser Schulen wird seit dem Schuljahr 2016/17 Deutsch als Abiturfach angeboten.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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