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Öl-Verladeplattform FSO Safer: Entschärfung der tickenden Zeitbombe vor der Küste Jemens kann gelingen

„Wenn die Rettung gelingt, kann die FSO Safer ein Zeichen der Hoffnung für den Jemen werden.“

„Wenn die Rettung gelingt, kann die FSO Safer ein Zeichen der Hoffnung für den Jemen werden.“, © Holm Akhdar

11.05.2022 - Artikel

Eine verheerende Umwelt-Katastrophe im Roten Meer muss abgewendet werden. Auf einer internationalen Geberkonferenz sind über 38 Millionen Euro zusammengekommen, um die Havarie der rostenden, 40 Jahre alten Öl-Verladeplattform „FSO Safer“ vor der Küste Jemens zu verhindern.

Die schwimmende Öllager- und -verladeplattform FSO Safer liegt seit den 80er Jahren in der Nähe der jemenitischen Hafenstadt Hodeidah.
Die schwimmende Öllager- und -verladeplattform FSO Safer liegt seit den 80er Jahren in der Nähe der jemenitischen Hafenstadt Hodeidah.© Auswärtiges Amt

Die schwimmende Öllager- und -verladeplattform FSO Safer liegt seit den 80er Jahren in der Nähe der jemenitischen Hafenstadt Hodeidah. Wie ein riesiger, fast 400 Meter langer Lastkahn diente sie Jahrzehnte als „schwimmende Tankstelle“. In Jemen gefördertes Öl wurde via Pipelines auf die FSO Safer gepumpt und von dort über kleinere Tanker weiter verschifft. Im Jahr 2015 wurde die Safer im Kriegsverlauf von den Huthi-Rebellen besetzt. Seitdem kann das Schiff weder gewartet, noch von Spezialisten betreten werden. Leitungen und Schiffswände rosten, hochexplosive Gase können nicht mehr abgesaugt werden, die Umgebung der Verladeplattform ist vermint. Nun droht das Öl auszulaufen – mit unmittelbaren Umwelt- und Gesundheitsschäden für 10 Millionen Menschen. Auch für die humanitäre Lage in Jemen hätte dies verheerende Folgen, denn über den Hafen von Hodeidah kommt der Großteil der Nahrungsmittelhilfe für Jemen.

„Wenn die Rettung gelingt, kann die FSO Safer ein Zeichen der Hoffnung für den Jemen werden.“

Eine hybride Geberkonferenz unter Leitung der Niederlande und der Vereinten Nationen in Den Haag und Amman hat heute die sofortige Bereitstellung von über 38 Millionen Euro beschlossen, um diese Katastrophe noch rechtzeitig abzuwenden. Dies ist ein wichtiger erster Schritt. Deutschland beteiligt sich mit insgesamt knapp 10 Millionen Euro an der Rettungsaktion. Wenn die komplexe Rettungsmission vollständig finanziert ist und sich alle Konfliktparteien an die getroffene Vereinbarung zum weiteren Umgang mit der FSO Safer halten, kann die akute Gefahr einer Ölpest im Roten Meer mit katastrophalen ökologischen und humanitären Folgen gebannt werden.

Staatssekretärin und Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik, Jennifer Morgan:

Im Krieg in Jemen wurde eine veraltete, rostende Ölplattform zu einer tickenden Zeitbombe. Sie könnte das Leid für Millionen von Menschen verschärfen, das einzigartige Ökosystem im Roten Meer zerstören, den Fischfang auf Monate oder Jahre unmöglich machen und die internationale Seeschifffahrt empfindlich stören. Seit zwei Jahren unterstützt Deutschland die Vereinten Nationen bei der Suche nach einer Lösung dieses globalen Problems. Jetzt gelang den Vereinten Nationen mit Unterstützung der Geberländer der Durchbruch. Dank einer politischen Verhandlungslösung, die von den jemenitischen Konfliktparteien maßgeblich mitgestaltet wurde, konnte das erforderliche Vertrauen aufgebaut werden. Wenn die Rettung gelingt, kann die FSO Safer ein Zeichen der Hoffnung für Jemen werden. Unsere Unterstützung, eine Umweltkatastrophe abzuwehren und eine verschärfte Hungerkrise zu verhindern, ist zudem ein wichtiger Beitrag für Friedensförderung und Stabilisierung in der Region.

Lösung auch ein wichtiger Verhandlungserfolg

Wie ein riesiger, fast 400 Meter langer Lastkahn diente sie Jahrzehnte als „schwimmende Tankstelle“.
Wie ein riesiger, fast 400 Meter langer Lastkahn diente sie Jahrzehnte als „schwimmende Tankstelle“.© Holm Akhdar

Die von Deutschland ko-initiierte, maßgeblich mitfinanzierte und von den Vereinten Nationen verwaltete Peace Support Facility (PSF) stellt die administrative Umsetzung der Rettungsaktion sicher. Der erste Schritt zur Lösung des Problems ist technischer Natur: Noch im Frühsommer muss mit dem Abpumpen des Rohöls auf einen sicheren Ersatztanker begonnen werden. Diese Aktion, für die die jetzt eingeworbenen Mittel verwendet werden, wird ungefähr vier Monate dauern und muss vor dem Beginn der Herbststürme im Oktober abgeschlossen sein.

Dass jetzt überhaupt an eine Lösung zu denken ist, ist auch der Erfolg langer und zäher Verhandlungen. Zwischen den Huthis und der jemenitischen Regierung wurde im März 2022 vereinbart, dass nach Beseitigung der unmittelbaren Gefahr ein Ersatz für die veraltete Verladeplattform geschaffen wird. Die Umsetzung dieser zweiten Stufe der Vereinbarung ist fester Bestandteil der jetzt geplanten technischen Lösung. Die Vereinten Nationen und die jemenitischen Parteien verpflichten sich auch zur Realisierung dieser zweiten Phase des Abkommens. Heute wurde der erste Schritt getan, weitere Unterstützung in den kommenden Monaten ist jedoch unverzichtbar.

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