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Beziehungen zu Deutschland Japan

Artikel

Stand: November 2018

Grundlagen

Das bilaterale Verhältnis Deutschlands zu Japan ist traditionell freundschaftlich. In den vergangenen Jahrzehnten hat es sich zu einer engen außenpolitischen Zusammenarbeit verdichtet. 2011 feierten Deutschland und Japan das 150-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Als rechtsstaatliche Demokratien und Mitgliedsstaaten der G7 und G20 teilen Deutschland und Japan gemeinsame Werte und sind politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich vielfältig miteinander verbunden. Als Partner in globaler Verantwortung arbeiten sie eng zusammen, bei Fragen der Abrüstung und Nichtverbreitung wie auch in Afghanistan oder Südsudan und bei der Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias. Bei Überlegungen zur Reform des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen gibt es eine enge politische Abstimmung im Rahmen der G4 (gemeinsam mit Brasilien und Indien). Die Zusammenarbeit im wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereich zwischen den beiden Wirtschaftsmächten bietet ebenfalls großes Entwicklungspotenzial. Japan ist nach China wichtigster Wirtschafts- und Handelspartner Deutschlands in Asien.

Besuche deutscher Parlamentarier in Japan finden regelmäßig statt. Reisemöglichkeiten für japanische Politiker sind aufgrund der strikten Anwesenheitspflicht während der relativ langen Sitzungsperioden im japanischen Parlament dagegen eingeschränkt. Dennoch haben in jüngerer Zeit zahlreiche hochrangige Besuche in beiden Ländern stattgefunden. Bundeskanzlerin Merkel traf am 9. und 10. März 2015 bei ihrem bilateralen Besuch vor dem G7-Gipfel in Deutschland den japanischen Kaiser, Regierungschef Abe und den Oppositionsführer Okada und sprach unter anderem mit Wissenschaftlern, weiblichen japanischen Führungskräften und deutschen Firmenvertretern. 2016 nahmen Außenminister Steinmeier am G7-Außenministertreffen und Bundeskanzlerin Merkel am G7-Gipfel in Japan teil. Im Februar 2018 besuchte der Bundespräsident Japan und traf den japanischen Kaiser, Premierminister Abe, Wissenschaftler und deutsche und japanische Firmenvertreter. Bundesaußenminister Maas besuchte im Juli 2018 Japan als Auftakt seiner ersten Reise nach Asien.

Wichtigste multilaterale Foren für die Zusammenarbeit mit Japan sind die Vereinten Nationen, die G7- und die G20-Gruppe sowie die Europäisch-Asiatischen Gipfeltreffen (ASEM). Japan ist Partnerstaat von OSZE und NATO. Die EU ist darüber hinaus Mitglied im ASEAN Regional Forum (ARF), in dem sicherheitspolitische Fragen in Asien diskutiert werden. Am 17.Juli 2018 wurde ein Strategisches Partnerschaftsabkommen sowie ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Freihandelsabkommen) zwischen der EU und Japan unterzeichnet.

Bilaterale Foren und Gremien

Dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) kommt bei der Pflege der bilateralen Beziehungen besondere Bedeutung zu. Das JDZB ist ein Institut mit breitem Tätigkeitsfeld in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik. Es wurde 1985 auf Initiative von Premierminister Yasuhiro Nakasone und Bundeskanzler Helmut Kohl gegründet und wird von der Bundesregierung, dem Senat Berlin und der japanischen Regierung gemeinsam finanziert. 2015 feierte das JDZB sein 30-jähriges Gründungsjubiläum.

Neben hochkarätigen Symposien, Vortragsveranstaltungen, Ausstellungen und Konferenzen in Japan und Deutschland ist das JDZB deutsches Sekretariat des im jährlichen Wechsel in Deutschland und Japan tagenden Deutsch-Japanischen Forums (DJF), zuletzt im Oktober 2018 in Berlin. Das DJF unterbreitet den beiden Regierungen Vorschläge zur Gestaltung der bilateralen Beziehungen und zur gemeinsamen Wahrnehmung globaler Verantwortung. Ihm gehören unabhängige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie den Medien an.

Wirtschaft

 Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Japan ist in den letzten Jahren leicht angestiegen und betrug 2017 42,4 Mrd. Euro. Damit lag Japan auf Rang 15 aller deutschen Außenhandelspartner. Deutsche Exporte nach Japan beliefen sich auf 19,5 Mrd. Euro, während Deutschland Waren im Wert von 22,9 Mrd. Euro aus Japan importierte. Das am 17. Juli 2018 unterzeichnete Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen Japan und der EU wird den Marktzugang in beide Richtungen weiter erleichtern.

Die vergleichsweise niedrigen Handelszahlen drücken nur unzureichend die Bedeutung Japans für die Weltwirtschaft und für die deutsche Produktion aus, da viele deutsche Produkte auf Komponentenzulieferungen aus dem Hochtechnologieland Japan angewiesen sind. Sie können kaum substituiert werden, denn je komplexer die Vorprodukte sind, desto schwieriger sind alternative Anbieter zu finden. Japanische Unternehmen besitzen auf einigen Produktmärkten eine weltweit herausragende Stellung, etwa für elektronische Steuer- und Speicherbausteine. Außerdem sind japanische Unternehmen für zahlreiche deutsche Firmen strategische Partner in Drittländern, z.B. in Südostasien.

Wissenschaft

 Seit 1974 besteht ein Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit auf wissenschaftlich-technologischem Gebiet. Schwerpunkte der öffentlich geförderten bilateralen Zusammenarbeit sind – neben der Zusammenarbeit bei Großgeräten (u. a. Fusionsforschung) – aktuell unter anderem Cluster-Kooperation, automatisiertes und vernetztes Fahren (AVF), Künstliche Intelligenz (KI), Quanten-Technologien und Photonik sowie seit rund 10 Jahren Batterieforschung. Neben dem Abkommen auf Regierungsebene bestehen mehr als 300 Kooperationsvereinbarungen zwischen deutschen und japanischen Hochschulen, ergänzt durch zahlreiche Projektabkommen und Kooperationsvereinbarungen außeruniversitärer Forschungsinstitute wie der Fraunhofer Gesellschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren und der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. mit japanischen Partnerorganisationen. Im Februar 2013 hat zudem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Repräsentanz in Tokyo eröffnet. Die Kooperation wurzelt auch in dem regelmäßigen Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen von Stipendienprogrammen des DAAD und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung sowie durch die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekte in Zusammenarbeit mit der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS). 2015 wurde ein Rahmenabkommen zwischen der Hochschulrektorenkonferenz und ihren drei japanischen Partnern unterzeichnet.

Um den deutschen Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich noch sichtbarer zu machen, wurde im Rahmen der 'Initiative Außenwissenschaftspolitik' auch in Tokyo ein Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) geschaffen. Seit 2017 ist der DAAD verantwortlich für das Management und den Betrieb des DWIH Tokyo. Das DWIH richtet mehrmals jährlich mit Partnern aus der deutschen und japanischen Wissenschaft Symposien und Workshops aus. Darüber hinaus unterstützt das DWIH Studienreisen und Workshops deutscher Hochschulen in Japan.

Kultur und Bildung

Der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und Japan ist intensiv und vielseitig. Das dichte kulturelle Netzwerk mit 55 Japanisch-Deutschen Gesellschaften in Japan, rund 50 Deutsch-Japanischen Gesellschaften in Deutschland, 750 bilateralen Hochschulkooperationen, etwa 250 deutschsprachigen Lektoren, derzeit 50 Städtepartnerschaften (darunter fünf Präfektur-Partnerschaften) und den drei Zweigstellen des Goethe-Instituts in Tokyo, Osaka und Kyoto ist Basis und Ausgangspunkt vielfältiger Veranstaltungen.

Zahlreiche Konzerte prominenter deutscher Orchester und Musiker sowie erstklassige Ausstellungen deutscher Museen und Sammlungen geben dem künstlerischen Austausch Substanz.

Die Goethe-Institute in Tokyo und Osaka bieten Deutschkurse, Kultur- und Informationsprogramme, im Goethe-Institut Kyoto (Villa Kamogawa) wird seit dem Frühjahr 2011 ein 'Artist in Residence'-Programm angeboten. Hinzu kommt das Angebot der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG) in Tokyo und das Deutsche Haus Naruto auf der Insel Shikoku. Wichtigste kulturelle Mittlerorganisationen Japans in Deutschland sind das Japanische Kulturinstitut in Köln und das gemeinsam betriebene Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin. Seit über 100 Jahren gibt es die Deutschen Schulen in Yokohama und Kobe. Japanische Schulen in Deutschland gibt es in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt, Hamburg und München.

Zwischen deutschen und japanischen Universitäten findet im Rahmen zahlreicher Hochschulkooperationen ein reger wissenschaftlicher Austausch statt. An der renommierten Universität Tokyo ist Deutschland zudem mit einem geförderten Zentrum für Deutschland- und Europastudien präsent (seit 2000). Die Gesamtzahl der japanischen Studierenden in Deutschland lag 2017 bei rund 2.300, die Zahl deutscher Studierender in Japan bei rund 900 (zum Vergleich: 2000 studierten 255 Deutsche in Japan). Das DAAD-Büro Tokyo betreut eine Vielzahl von Stipendienprogrammen auch für die japanische Seite und vertritt die Alexander von Humboldt-Stiftung, die in Japan über eines der weltweit größten und aktivsten Alumni-Netzwerke verfügt. Das seit Herbst 2008 angebotene Alumni-Portal Deutschland ist Netzwerk, Kontaktbörse und Wissensvermittler zugleich.

Für die Förderung des Wissenschaftsaustauschs ist der seit 1979 jährlich vergebene, vom Bundespräsidenten persönlich überreichte und mit 50.000 Euro hochdotierte Philipp-Franz-von-Siebold-Preis besonders bedeutsam. Aktueller Preisträger 2018 ist die Rechtswissenschaftlerin Anako Takayama, Professorin an der Universität Kyoto.

 

Der rege Schüler- und Jugendaustausch ist seit den 70er Jahren institutionell etabliert. Er wird unter Federführung des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des japanischen Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (Sportjugendsimultanaustausch: seit 1974 über 10.000 Jugendliche), von den Japanisch-Deutschen und den Deutsch-Japanischen Gesellschaften, im Rahmen der Städtepartnerschaften und dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (Takenoko-Fonds für Schüleraustausch aus Mitteln von Mercedes-Benz und Young Leaders Forum aus Mitteln der Robert Bosch-Stiftung) organisiert.

Der deutsche Film und das regelmäßig stattfindende Deutsche Filmfestival des Goethe-Instituts in Tokyo finden regen Anklang. Auch beim European Filmfestival wird regelmäßig ein deutscher Beitrag gezeigt. 2016 und 2017 wurden deutsche Filme beim Tokyo International Film Festival ausgezeichnet. Japan ist weltweit der drittgrößte Filmmarkt. Filmfestivals auf deutscher Seite gibt es darüber hinaus auch mit den jährlich stattfindenden japanischen Filmfestivals 'Nippon Connection' in Frankfurt am Main oder dem Japan-Filmfest Hamburg.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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