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Her Turn“ – Förderung von Journalistinnen in Irak Irak

Illustration for the article “The female millionaires”

Illustration for the article „The female millionaires“, © Marén Gröschel

25.06.2021 - Artikel

In Irak gibt es immer noch nur wenige Journalistinnen, der Beruf wird vor allem von Männern ausgeübt. Das Projekt „Her Turn“ unterstützt Irakerinnen dabei, ihre journalistischen Kenntnisse zu vertiefen und schafft so neues Selbstbewusstsein, sich in einem männlich dominierten Umfeld zu behaupten.

Das Auswärtige Amt fördert das Projekt der taz panterstiftung im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik mit 125.000 Euro. 18 irakische Journalistinnen diskutieren im Rahmen von Online-Workshops mit deutschen und irakischen Expertinnen und Experten über Themen wie Klima, Korruption, Menschenrechte oder Hetze im Internet. Das ermöglicht den Teilnehmerinnen, ihre journalistischen Kenntnisse zu vertiefen. Perspektivisch ist zudem geplant, sie für ein Vernetzungstreffen nach Berlin einzuladen. Am 24. Juni veröffentlichte die taz eine Sonderbeilage mit sieben Beiträgen von teilnehmenden Journalistinnen. Im Folgenden finden Sie den Beitrag „Die Millionärinnen“ von Leila Ahmad. Alle Texte können Sie auf hier abrufen.

Die Millionärinnen

Seit Jahren ist die Region Kurdistan von einer Finanzkrise betroffen. Ausgerechnet zwei Analphabetinnen scheffeln trotzdem Dinar wie Heu.

Aska Abdullah Raza sitzt barfuß vor ihrem Haus. Der graue Beton unter ihren Füßen ist rissig, auch der Besen neben der Tür hat schon bessere Tage gesehen. Man könnte sie für eine ganz normale Frau Anfang 60 halten. Doch sie sagt: „Mit Ackerbau und Viehzucht habe ich so viel Geld verdient, dass nicht mal der Bagger von Saddam Hussein meinen Gewinn wegschaufeln könnte.“

Rezan Mohammed, schwarzes Kleid, buntes Kopftuch, steht auf dem Platz vor der Zitadelle in Erbil. Vor ihr auf einem Tisch liegen fein säuberlich drapiert Ketten aus Edelsteinen. Man könnte meinen, die 29-Jährige sei eine einfache Verkäuferin. „Eigentlich“, sagt sie, „produziere ich im großen Stil sauer eingelegtes Gemüse. Mein Jahresumsatz ist so gut, dass ich nun auch in Halsketten, Armbänder, Ohrringen und Damenschmuck mache, den ich auch online verkaufe.“

Die beiden Frauen sind gleich in zweierlei Hinsicht außergewöhnlich. Nicht nur, dass die Region Kurdistan seit Jahren unter einer Finanz- und Wirtschaftskrise leidet, nicht nur, dass man vor ein paar Jahren auf dem Basar und im Geschäftsleben fast ausschließlich Männer traf – beide Frauen eint, dass sie weder lesen noch schreiben können.

Laut der Arbeitergewerkschaft der Region Kurdistan leben gerade analphabetische Frauen besonders häufig in prekären Situationen. Auch bei Aska Abdullah Raza waren die Startbedingungen schlecht. „Meine sieben Geschwister und meine Eltern“, erzählt sie, „starben früh an Krankheiten.“ Aufzugeben kam ihr nicht in den Sinn. Vielmehr begann sie in der Landwirtschaft, der Viehzucht und der Teppichweberei zu arbeiten. „Ich wünschte, ich hätte Lesen und Schreiben gelernt, dann könnte ich meine Geschäfte heute noch besser führen.“

Gleiches gilt wohl für Rezan Mohammed, die ebenfalls früh aufhörte die Schule zu besuchen, da ihre Mutter erkrankte. Heute unterstützt sie ihre Geschwister und Eltern finanziell.

Natürlich sind diese zwei Erfolgsgeschichten nicht alltäglich, trotzdem glaubt auch Ahmed Mohammad, Mitglied der Arbeitergewerkschaft der Region Kurdistan, dass „Frauen eine große Rolle beim Wiederaufbau und Aufschwung des Arbeitsmarktes zukommt. Egal ob als Selbstständige oder als Arbeiterinnen in den Fabriken.“

Wahr ist aber auch, dass gerade von sozial benachteiligten Frauen erwartet wird, dass sie arbeiten. Die wenigsten verdienen dabei so gut wie Aska Abdullah Raza, die trotz ihres Erfolges kritisch beäugt wird, vor allem, da sie nie geheiratet hat. „Wofür brauchst du deinen Reichtum, fragen mich die Leute, wenn du keine Kinder hast?“

Und was antwortet sie dann? „Ich spende jedes Jahr fünf Millionen irakische Dinar an arme Familien. Für ein Dorf habe ich eine Moschee gekauft, und nach meinem Tod wird mein gesamtes Vermögen an arme Familien verteilt.“

Die Journalistin Leila Ahmad aus Kalar-Bingrd würde als Präsidentin für mehr Frauenrechte kämpfen und aus den Curricula absolut jede Rechtfertigung von Gewalt streichen.

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