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Beziehungen zu Deutschland Griechenland

Artikel

Stand: November 2018

Viele Griechen fühlen sich trotz schlimmer Erinnerungen an die Leiden des griechischen Volkes unter der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs mit Deutschland und der deutschen Kultur eng verbunden: Hunderttausende Griechen sind nach Jahren, die sie in Deutschland als Arbeitnehmer oder Studenten verbracht haben, von dort mit guten Erinnerungen in die Heimat zurückgekehrt. Gegenwärtig leben in Deutschland mehr als 300.000 Menschen griechischer Herkunft, die sich gut in die deutsche Gesellschaft integriert haben. Aufgrund der Wirtschaftskrise in Griechenland nahm und nimmt die Anzahl derjenigen, die nach Deutschland kommen, wieder zu.

Viele Griechen, darunter auch eine Reihe prominenter Politiker und Wissenschaftler, erinnern sich auch dankbar daran, in der Zeit der Obristendiktatur (1967-1974) Zuflucht und Unterstützung in Deutschland gefunden zu haben. Hervorzuheben sind die engen Kontakte zwischen den Juristen beider Länder, die darauf zurückzuführen sind, dass Griechenland nach der Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert das deutsche Zivilrecht übernommen hat und viele griechische Juristen in Deutschland studiert haben. Aber auch viele Ingenieure und Ärzte haben eine deutsche Ausbildung erhalten. Viele griechische Akademiker, bis hin zu führenden Persönlichkeiten in Staat und Gesellschaft, sprechen gut Deutsch.

Politische Beziehungen

Die politischen Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland waren über viele Jahre von großer Übereinstimmung in internationalen Fragen (Rolle der Vereinten Nationen, Nahostpolitik, Wiederaufbau Afghanistans) und in den Grundsatzfragen der Europäischen Union geprägt. Die Wirtschaftskrise, aber auch die Flüchtlingsfrage haben sich auf die bilateralen Beziehungen stark ausgewirkt. Dabei wird Deutschland als ein entscheidender Akteur in Europa gesehen, ohne dessen maßgebliche Unterstützung die Herausforderungen in Griechenland nicht bewältigt werden können.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war am 7./8. April 2017 zum Antrittsbesuch und anlässlich der Eröffnung der Documenta XIV sowie erneut am 11./12. Oktober 2018 in Griechenland. Der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos hielt sich am 18. Januar 2016 zu Gesprächen mit Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel in Berlin auf. Im Juni 2017 eröffnete er gemeinsam mit Bundespräsident Steinmeier die Documenta XIV in Kassel. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kam am 24. April 2015 zu einem Antrittsbesuch nach Berlin. Mit Bundeskanzlerin Merkel, die zuletzt am 11. April 2014 Athen besuchte, ist er häufig in telefonischem Kontakt. Regierungschefs und Minister treffen sich auch regelmäßig im EU-Rahmen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier besuchte Athen im Januar 2014, im Oktober 2015 sowie im Dezember 2016. Der griechische Außenminister Nikos Kotzias war am 10. Februar 2015 zu einem Antrittsbesuch in Berlin sowie erneut zu Gesprächen mit Bundesaußenminister Steinmeier im Januar 2016. Bundeswirtschaftsminister Gabriel besuchte Griechenland mit einer 40-köpfigen Delegation aus Unternehmen, Verbänden sowie Abgeordneten des Deutschen Bundestags am 30. Juni / 1. Juli 2016. Für seinen Antrittsbesuch als Außenminister reiste BM Gabriel am 22./23. März 2017 nach Athen. Außenminister Kotzias traf Bundesminister Maas am 29.05.2018 in Berlin. Der Gegenbesuch fand am 20. September 2018 statt.

Im Dezember 2016 unterzeichneten die Außenminister beider Länder in Athen den Deutsch-Griechischen Aktionsplan für die bilaterale Zusammenarbeit. Dieser bietet die Grundlage für eine weitere Intensivierung der Kooperation in den verschiedenen Feldern Politik, Wirtschaft und Technologie, Wissenschaft, Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft. Zahlreiche Kooperationsprojekte laufen bereits seit einiger Zeit sehr erfolgreich, z.B. ein deutsch-griechisches Forschungsprogramm, Zusammenarbeit im Bereich berufliche Bildung sowie Unterstützung bei der Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen. Deutschland unterstützt den Reformprozess in Griechenland auch im europäischen Rahmen über den Unterstützungsdienst für Strukturreformen der Europäischen Kommission (SRSS). Bundesminister Gabriel vereinbarte im Sommer 2016 zwei Kooperationsprojekte zu Erneuerbaren Energien und zu Exportförderung. Aktuell unterstützen deutsche Experten im Rahmen der europäischen Flüchtlingspolitik die griechische Regierung vor allem auch im Asylverfahrensbereich, bei der Koordinierung der Flüchtlingshilfe und der Bekämpfung der Schlepperkriminalität.

Die Kooperation der Kommunen und Regionen wird im Rahmen der „Deutsch-Griechischen Versammlung“ (DGV) ausgebaut. Als neuen Koordinator für die DGV hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im April 2018 den Parlamentarischen Staatssekretär Norbert Barthle ernannt. Seit 2012 haben sich mehr als 300 Kontakte zwischen Kommunen entwickelt und eine Reihe von gemeinsamen Konferenzen stattgefunden, um Know-how-Partnerschaften zu vertiefen. Das achte Treffen der DGV fand Anfang November 2018 auf Kreta statt. Die nächste Versammlung ist im Herbst 2019 in Erding geplant.

Die Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg und die dabei von Wehrmacht und SS begangenen Verbrechen sind im Bewusstsein vieler Griechen noch sehr präsent und werden auch von der Regierungskoalition aus SYRIZA und ANEL thematisiert. Viele Opfergemeinden haben in den letzten Jahren deutsche Repräsentanten zu den Gedenkfeiern und anderen Anlässen eingeladen.

Um die gemeinsame Aufarbeitung dieser Vergangenheit zu fördern und gezielt denjenigen Opfergemeinden zu helfen, die besonders unter Gräueltaten während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg gelitten haben, wurde 2014 der Deutsch-Griechische Zukunftsfonds ins Leben gerufen. Darüber hinaus haben beide Regierungen die Schaffung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks als gemeinsames Ziel erklärt. Dadurch soll der Austausch der Jugendlichen aus beiden Ländern und deren Verständnis für einander sowie die Versöhnung beider Völker gefördert werden.

In Deutschland haben sich rund 50 deutsch-griechische Gesellschaften im Dachverband „Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften“ zusammengeschlossen.

Schuldenkrise und öffentliche Meinung

Die seit 2010 in Medien und Öffentlichkeit beider Länder teilweise heftig und kontrovers geführte Diskussion um die Schuldenkrise und über den „richtigen“ Weg zu deren Überwindung ist mittlerweile in den Hintergrund gerückt - insbesondere aufgrund der enormen Belastung Griechenlands durch die Flüchtlingskrise, bei der Deutschland von der griechischen Seite als ein besonders hilfreicher Partner wahrgenommen wird.

Die Bundesregierung fördert durch zahlreiche Gesprächsforen und Reisen den Dialog zwischen beiden Seiten. Dazu leisten auch die deutschen Politischen Stiftungen, die seit 2012 wieder in Griechenland vertreten sind, einen wichtigen Beitrag.

Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland war 2017 nach ELSTAT-Angaben mit einem Handelsvolumen von rd. 7,3 Mrd. EUR Griechenlands größter Handelspartner. Bei den Exporten hat Deutschland zum Spitzenreiter Italien aufgeschlossen.

Der deutsche Export nach Griechenland hat allerdings nicht mehr das Niveau von 2008 (ca. 8 Mrd. EUR) und betrug 2017 5,26 Mrd. EUR. Dies liegt im Trend der Entwicklung der Exporte anderer EU-Länder nach Griechenland. Ursächlich dafür dürfte sowohl die im Zuge der griechischen Finanzkrise zurückgegangene griechische Nachfrage sein, als auch eine stärkere Zurückhaltung der deutschen Exportindustrie bei Griechenlandgeschäften.

Deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigsten ausländischen Investoren. Die Deutsche Telekom hat sukzessive einen 40-prozentigen Anteil am ehemaligen staatlichen Telekommunikationskonzern OTE erworben und ist im Begriff, diesen weiter aufzustocken. Neben den seit vielen Jahren in Griechenland tätigen Unternehmen wie Siemens, Bayer, Boehringer Ingelheim und Hochtief sind Einzelhandelsunternehmen wie Lidl und Mediamarkt gut etabliert und erfolgreich. Wichtige Infrastrukturprojekte, wie die Athener U-Bahn und der Athener Flughafen, wurden mit Hilfe deutscher Unternehmen ausgeführt. Eine Tochtergesellschaft des Flughafenbetreibers Fraport betreibt seit Frühjahr 2017 in Griechenland 14 bislang staatliche Regionalflughäfen. Die Konzessionen sind zunächst auf einen Zeitraum von 40 Jahren angelegt. Der zweitgrößte griechische Hafen in Thessaloniki wird künftig von einem Konsortium unter deutscher Führung betrieben. Im Bereich der erneuerbaren Energie arbeitet u.a. der deutsche Windanlagenbauer Enercon mit einem griechischen Partner an der Realisierung des bislang größten Windparks in Griechenland. Über 120 in Griechenland ansässige deutsche Unternehmen stellen ca. 29.000 Arbeitsplätze.

Griechenland strebt eine Rolle als regionale „Drehscheibe“ der Versorgung mit Energie und Energierohstoffen an. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist der im Mai 2016 aufgenommene Bau der Trans Adriatic Pipeline (TAP), die auch durch Griechenland verlaufen wird. Durch sie soll ein direkter Zugang von Erdgas aus dem Kaspischen Raum zu den europäischen Märkten geschaffen werden.

Kulturelle Beziehungen

Enge kulturelle Verbindungen zwischen Griechenland und Deutschland bestehen seit dem Freiheitskampf der Griechen gegen die Osmanenherrschaft, der von den Philhellenen in Deutschland unterstützt wurde. Unter der Herrschaft von König Otto aus dem Hause Wittelsbach (1833-62) kamen zahlreiche deutsche – besonders bayerische - Wissenschaftler und Verwaltungsfachleute ins Land. Durch die bahnbrechenden Forschungen deutscher Altertumswissenschaftler, die Tätigkeit deutscher Ingenieure für die Entwicklung des Landes und die teilweise Orientierung am deutschen Recht ergaben sich auf wissenschaftlichem Gebiet starke Bindungen, die auch beide Weltkriege überdauert haben. Rund 40.000 Griechen haben ihre Berufsausbildung ganz oder teilweise in Deutschland absolviert. Jeder zehnte Grieche hat im Laufe seines Lebens einmal längere Zeit in Deutschland gelebt.

Die Zweigstellen des Goethe-Instituts in Athen und Thessaloniki bereichern das kulturelle Angebot in den beiden Ballungszentren des Landes. Die Goethe-Institute in Griechenland nehmen weltweit die meisten Sprachprüfungen ab.

Die Deutsche Schule in Athen mit deutscher und griechischer Abteilung (mehr als 1.000 Schüler) blickt auf eine über 110-jährige Tradition zurück und genießt einen ausgezeichneten Ruf. Dasselbe gilt für die noch ältere Deutsche Schule in Thessaloniki. Gleichzeitig tragen auch mehrere griechische Privatschulen zur Verbreitung der deutschen Sprache bei.

Die 1874 gegründete Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Athen betreut bedeutende Ausgrabungen in Olympia, auf dem Kerameikos-Friedhof in Athen, in Kalapodi, auf der Insel Samos, in Tiryns (Peloponnes) sowie auf Aegina. Sie verfügt über eine umfangreiche Bibliothek sowie ein großes Photo-Archiv und Photothek.

Die germanistischen Abteilungen an den Universitäten Athen und Thessaloniki werden durch die Entsendung von drei Lektoren gefördert. Auch der DAAD unterhält in Athen seit 2004 ein eigenes Informationszentrum. Mehr als 2.500 Griechinnen und Griechen haben bislang DAAD-Stipendien erhalten (vor allem Masterstudium und Promotion), über 300 Humboldt-Forschungsstipendien sind vergeben worden. Rund 7.000 Griechen (ohne Erasmus-Programm) studieren in Deutschland, davon 3.800 Bildungsinländer und 3.200 Bildungsausländer (Stand: Wintersemester 2015/2016).

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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