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Beziehungen zu Deutschland Chile

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Stand: Oktober 2018

Politische Beziehungen

Seit der Rückkehr Chiles zur Demokratie 1990 wurden die bilateralen Beziehungen in allen Bereichen ausgebaut. Der bilaterale politische Dialog ist eng und vertrauensvoll. Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Santiago 2013 führte unter anderem zu vertiefter Zusammenarbeit in Rohstofffragen. Die Besuche von Staatspräsidentin Michelle Bachelet in Deutschland 2014 und von Bundespräsident Joachim Gauck in Chile vom 11. bis 14. Juli 2016 bekräftigten und vertieften die Zusammenarbeit beider Länder.
Zu Deutschland bestehen langjährige enge Bindungen. Die Leistungen deutscher Einwanderer im Süden Chiles (ab 1850) sowie das Engagement deutscher Wissenschaftler, Erzieher, Unternehmer und Experten aller Bereiche haben viel zum Aufbau des Landes beigetragen und finden noch heute Anerkennung. Insbesondere im Süden des Landes sind deutsche Kultur und Sprache auch heute noch präsent.

Im multilateralen Bereich gibt es viele gemeinsame Interessen, bei denen sich beide Regierungen eng abstimmen. Beispiele hierfür sind globale Fragen wie Erneuerbare Energien, Umweltschutz, Klimawandel, Rüstungskontrolle und nukleare Nichtverbreitung, Menschenrechte sowie Reform und Stärkung der Vereinten Nationen.

Wirtschaft

Zwischen Deutschland und Chile bestehen seit vielen Jahren gute und intensive wirtschaftliche Beziehungen.
Deutschland bleibt mit einem Handelsvolumen von rund 3,5 Mrd. US-Dollar (2017) wichtigster Handelspartner Chiles innerhalb der Europäischen Union. Deutschland exportiert nach Chile vornehmlich Luft-, Wasser- und Schienenfahrzeuge sowie Automobile, Anlagen- und Maschinenbauprodukte (insbesondere für den Bergbau), Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung, elektrotechnische, medizinische und fotografische Geräte sowie Mess- und Regeltechnik, chemische Erzeugnisse und Waren aus unedlen Metallen.

Auf den vorderen Plätzen der Einfuhren aus Chile stehen nach wie vor Kupfer und damit verwandte Produkte. In nennenswertem Umfang bezieht Deutschland aus Chile außerdem Obst, Konserven, Säfte, Wein, Fisch und Fischzubereitungen, Fleisch und Nahrungsmittel tierischen Ursprungs sowie Zellulose, Holz, und chemische Erzeugnisse. 
2013 wurde das Deutsch-Chilenische Forum für Bergbau und mineralische Rohstoffe ins Leben gerufen. Die Institutionalisierung und Intensivierung der Zusammenarbeit wird durch das Bergbaukompetenzzentrum an der AHK Chile sowie die strategische Partnerschaft zwischen der AHK Chile und dem Forschungszweig des chilenischen Bergbauverbandes gefördert. Ein Kooperationsprojekt im nachhaltigen Bergbau zwischen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, der AHK-Chile und chilenischen Partnern soll zudem neue Möglichkeiten für Technologiepartnerschaften zwischen deutschen und chilenischen Firmen schaffen.

Deutsche Direktinvestitionen in Chile

Die Direktinvestitionen sind mit circa 1,46 Mrd. US-Dollar (akkumuliert) relativ gering (1,2% der Gesamtauslandsinvestitionen in Chile). Deutsche Unternehmen haben vor allem in Technologiebereichen und Weiterverarbeitung einheimischer Rohstoffe investiert, zunehmend aber auch im Immobilienbereich. Die größte deutsche Investition stammt von Kali & Salz. Weitere große Investitionen kommen vor allem von Südzucker, Grünenthal, Immobilienfonds, Joint Ventures im Industriebereich (Ferrostaal, Linde, Hochtief etc.), Siemens sowie WPD im Energiebereich. Daneben gibt es viele kleinere Investitionen von mittelständischen Unternehmen.

Wissenschaft und Technologie

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) zwischen Deutschland und Chile hat sich in den letzten Jahren stetig intensiviert. Seit 2013 ist ein aktualisiertes umfassendes Rahmenabkommen zur bilateralen Zusammenarbeit in der WTZ in Kraft.
Die seit 2011 mit dem Fraunhofer-Center für biotechnologische Systeme und seit 2014 mit Fraunhofer Solar in Chile ansässige Fraunhofer-Gesellschaft baut ihre erfolgreiche Forschungspartnerschaft mit Chile aus.

Die Max-Planck Gesellschaft (MPG) konnte ihre Kooperation mit Chile verfestigen. 2013 vereinbarte die MPG mit der chilenischen Seite die Förderung deutsch-chilenischer Forschungsprojekte (sogenannte Tandemprojekte). Zudem wurde mit einem neurowissenschaftlichen Zentrum an der Universität Valparaíso der Grundstein für eine ständige Max-Planck-Forschungsgruppe in Chile gelegt.

Weiterhin sind die Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren, insbesondere das Helmholtz-Zentrum Potsdam, das Deutsche Geoforschungszentrum, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Chile aktiv. Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert deutsch-chilenische Wissenschaftsprojekte gemeinsam mit dem chilenischen Forschungsrat. Gemeinsam mit der Bundesanstalt für Kartographie und Geodäsie, dem Alfred Wegener-Institut und chilenischen Partnern baut das DLR seine Forschungstätigkeit in der Antarktis, der Satelliten-Empfangsstation GARS O’Higgins, weiter aus. Zudem bereitet es mit Unterstützung der Bundesregierung eine Kooperation mit Chile zur Entwicklung eines Multi-Hazard-Frühwarnsystems vor.

Die ‚European Organisation for Astronomical Research in the Southern Hemisphere‘ (ESO, Sitz: Garching bei München) unterhält in Santiago ein Büro und betreibt in Chile einige der größten Sternwarten weltweit.

Entwicklungszusammenarbeit

Chile ist Mitglied der OECD und gehört seit 2017 zu den Ländern mit oberem mittleren Einkommen. Es positioniert sich selbst als „Gebernation“. Bei diesem Engagement wird Chile von der Bundesregierung unterstützt. Im Rahmen dieser sogenannten „Dreieckskooperationen“ stellt die chilenische Partnerorganisation „Agencia Chilenade Cooperación Internacional para el Desarollo“  mit deutscher Beratung Drittstaaten der Region Konzepte und Erfahrungen aus der eigenen bilateralen technischen Zusammenarbeit zur Verfügung. Dreieckskooperationen finden zurzeit mit El Salvador, Guatemala, Paraguay und Peru statt.

Schwerpunkt der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Chile ist seit 2004 der Bereich der Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit Chile im klassischen Sinne wurde im Jahr 2011 beendet. Klimarelevante Vorhaben im Bereich Erneuerbare Energien werden seit 2008 über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) sowie die Deutsche Klimatechnologieinitiative gefördert. Im Rahmen der IKI fördert die Bundesregierung derzeit ein Projekt zu Energieeffizienz und Kraft-Wärme-Kopplung in öffentlichen Krankenhäusern, eines zur Erstellung einer Ausbaustrategie für netzgebundene Erneuerbare Energien und ein weiteres Projekt zur Solarenergie.

Weitere Schwerpunktthemen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Chile sind Berufsbildung und nachhaltiger Bergbau.

Kultur und Bildung

Die bilateralen Kulturbeziehungen sind eng und vielseitig. Schwerpunkte sind die deutsche Sprache, die wissenschaftlichen Kontakte zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die Programmarbeit des Goethe-Instituts sowie die Förderung von 26 Schulen im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) des Auswärtigen Amts. 

In der jährlich in ganz Chile durchgeführten Universitätszugangsprüfung (PSU) zeichnen sich diese Schulen durch vordere Plätze im informellen „Schul-Ranking“ aus. Die fünf Deutschen Auslandsschulen (in Valdivia, Valparaíso, Concepción sowie zwei in Santiago) werden regelmäßig von einer aus Deutschland anreisenden Bund-Länder-Inspektion (BLI) zertifiziert und tragen das vom Bundespräsidenten verliehene Gütesiegel „Exzellente Deutsche Auslandsschule“. Die Deutsche Schule Santiago bietet seit 2012 die Deutsche Internationale Abiturprüfung an, die anderen vier genannten Deutschen Auslandsschulen  das „Gemischtsprachige Internationale Baccalaureat“. Die übrigen aus Deutschland geförderten Schulen unterrichten Deutsch als Ergänzungs- oder Fremdsprache und bieten Prüfungen zum deutschen Sprachdiplom oder Sprachprüfungen des Goethe-Instituts an. Deutsch wird in Chile derzeit von über 24.000 Schülern und Studenten als Fremdsprache gelernt.

Deutsche und chilenische Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten gut und unmittelbar zusammen. Es gibt ein enges Netzwerk von Kontakten und vertraglichen Vereinbarungen, so dass die Zahl der Kooperationen inzwischen auf über 260 angestiegen ist. 2017 studierten fast 1.000 chilenische Studierende an deutschen Hochschulen. In Relation zur Bevölkerungszahl entsendet kein anderes lateinamerikanisches Land so viele Studenten nach Deutschland.

Das 2001 in Chile gegründete Heidelberg Center Lateinamerika (HCLA) wurde als Postgraduierten- und Weiterbildungszentrum der Universität Heidelberg in Santiago de Chile am 9. April 2002 offiziell eröffnet. Finanziell unterstützt wird das HCLA vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, der Universität Heidelberg und dem DAAD. Seit 2010 erhält das Zentrum zudem über den DAAD Mittel der Außenwissenschaftsinitiative des Auswärtigen Amts. In Zusammenarbeit mit der Universidad de Chile und der Pontificia Universidad Católica bietet das Heidelberg Center seit 2010 auch die Fächer medizinische Physik, medizinische Informatik sowie Geowissenschaften und Astronomie für Postgraduierte an.
Das Goethe-Institut Santiago (GI), das auf eine fast 70jährige, erfolgreiche Arbeit in Chile zurückblicken kann, ist eines der profiliertesten Kulturzentren der chilenischen Hauptstadt, das auch erfolgreich mit anderen europäischen Kulturinstituten kooperiert.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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