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„Colonia Dignidad“: Bilanzbericht der Gemeinsamen Kommission Chile

Bild vom Eingang zur Colonia Dignidad aus den 1980er Jahren

Bild vom Eingang zur „Colonia Dignidad“ aus den 1980er Jahren, © dpa

21.09.2021 - Artikel

Vor 60 Jahren gründeten deutsche Auswanderer in Chile die „Colonia Dignidad“. Dort
wurden schwere Menschrechtsverletzungen begangen. Seit 2018 arbeiten der Deutsche Bundestag und Bundesregierung in einer Gemeinsamen Kommission zusammen, um Opfern zu helfen. Nun wurde Bilanz gezogen.

1961 gründete Paul Schäfer in Chile die „Colonia Dignidad“. Das Außenbild einer harmonischen, verschworenen Gemeinschaft, die in Idylle und Gottesfurcht ein christlichen Werten gewidmetes Leben führt, diente der Tarnung einer verbrecherischen Organisation. In der „Kolonie der Würde“ wurden Frauen, Männer und Kinder über Jahrzehnte hinweg Opfer entsetzlicher Verbrechen. Schäfer und seine Vertrauten errichteten eine Sekte, deren Ordnung sich auf psychische und physische, einschließlich schwerste sexuelle Gewalt, auf Sklavenarbeit und Denunziantentum, auf ständige Überwachung und Einschüchterung gründete. Während der Pinochetdiktatur (1973-1990) wurden in der „Colonia Dignidad“ auch politische Gefangene gefoltert und ermordet.

Die Gemeinsame Kommission von Bundestag und Bundesregierung

Bis heute wirken bei den Überlebenden die Folgen von Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung und Sklavenarbeit durch physische Leiden und schwerste seelische Verletzungen nach. Zwar können Bundestag und Bundesregierung keine rechtliche Verantwortung für die in der „Colonia Dignidad“ verübten Verbrechen oder für die Diktatur übernehmen, die seinerzeit in Chile mit der Sekte kollaborierte. Bundestag und Bundesregierung setzen sich aber gemeinsam dafür ein, dass den Betroffenen in Anerkennung ihres Leidens gezielt geholfen werden kann. Hierfür arbeiten Bundestag und Bundesregierung seit 2018 in der sogenannten Gemeinsamen Kommission zusammen. Sie setzt sich aus Abgeordneten der im Bundestag vertretenen Parteien und Vertreterinnen und Vertretern zuständiger Bundesministerien – unter anderem auch dem Auswärtigen Amt – zusammen. Ein Bilanzbericht fasst nun die Ergebnisse der Zusammenarbeit zum Ende der Legislaturperiode zusammen und gibt einen Ausblick für die Fortführung über die aktuelle Legislaturperiode hinaus.

Hilfe für die Opfer

Im Mai 2019 stellte die Gemeinsame Kommission ein Hilfskonzept für die Opfer der „Colonia Dignidad“ vor. Über einen Hilfsfonds werden seit Januar 2020 Individualleistungen in einem Zwei-Säulen-Modell an die Opfer der „Colonia Dignidad“ ausgezahlt. Die Gemeinsame Kommission wird die Umsetzung des Hilfskonzepts über die 19. Legislaturperiode hinaus begleiten. Vor allem die Erarbeitung und Ausgestaltung des im Hilfskonzepts festgelegten Fonds „Pflege und Alter“ wird eine vordringliche zentrale Aufgabe der Gemeinsamen Kommission sein. Weitere konkrete Unterstützungsmaßnahmen für die Opfer umfassen die Finanzierung von psychosozialen Maßnahmen sowie Fachpersonal der Alten- und Pflegestation in der „Villa Baviera“.
Zudem unterstützt die Bundesregierung die Freie Universität Berlin bei der Durchführung eines „Oral History-Projekt“, das zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Verbrechen der „Colonia Dignidad“ beiträgt.
Bundestag und Bundesregierung setzen sich zudem weiterhin für die Errichtung einer Gedenkstätte und eines Dokumentationszentrums in Chile ein. Diese sollen der Aufarbeitung der Vergangenheit der „Colonia Dignidad“ und einer würdigen Gedenkkultur dienen. Im März 2021 hat ein vierköpfiges Gremium chilenischer und deutscher Expertinnen und Experten ein Konzept für eine Gedenkstätte und ein Dokumentationszentrum vorgelegt.

Weitere Informationen

Bilanzbericht der Gemeinsamen Kommission von Deutschem Bundestag und Bundesregierung zur Aufarbeitung der Verbrechen der „Colonia Dignidad“ PDF / 555 KB

„Colonia Dignidad“ – Hilfskonzept für die Opfer

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