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Deutschland und Aserbaidschan: bilaterale Beziehungen Aserbaidschan

26.02.2019 - Artikel

Politik

Aserbaidschan sieht in Deutschland einen seiner wichtigsten Partner in Westeuropa. Am 25. August 2018 besuchte Bundeskanzlerin Merkel erstmals Baku und traf zu Gesprächen mit Staatspräsident Aliyev zusammen. Der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier besuchte Baku zuletzt am 30. Juni 2016 im Rahmen seiner Südkaukasus-Reise als OSZE-Vorsitz. Der aserbaidschanische Staatspräsident Ilham Aliyev besuchte Deutschland bereits mehrfach, zuletzt im Juni 2016. Im Februar 2017 nahm er an der Münchner Sicherheitskonferenz (MSK) teil. An der MSK 2019 nahm Außenminister Elmar Mammadyarov teil.

Wirtschaft

Seit 1994 fördert die aserbaidschanische Regierung die großen Erdöl- und Erdgasreserven des Kaspischen Meeres in Partnerschaft mit westlichen Unternehmen. Der durch die Einnahmen aus der Ölförderung und große Investitionsvorhaben ausgelöste wirtschaftliche Aufschwung Aserbaidschans schlägt sich auch in den Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland nieder. Die wirtschaftliche Krise in Folge des Ölpreisverfalls 2015 scheint mittlerweile überwunden und ein Aufwärtstrend zeichnet sich ab.  Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus. Mit der Gründung der Deutsch-Aserbaidschanischen Auslandshandelskammer im Herbst 2012 wurden die wirtschaftlichen Beziehungen auf eine stabile institutionelle Grundlage gestellt.  Aserbaidschan ist unter den zehn wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands und ist auch im Bestreben um Diversifizierung der europäischen Energieversorgung von besonderer Bedeutung.
Das Handelsvolumen erreichte 2018 laut Statistischem Bundesamt 1442,1 Mio. Euro. Bei der Ausfuhr, die 2018 einen Wert von 433,6 Mio. Euro hatte, stehen Maschinen, Kraftfahrzeuge und -teile, Eisen- und Stahlerzeugnisse sowie Fabrikationsanlagen im Vordergrund. Deutschland ist laut aserbaidschanischen Statistiken auf Platz drei der Länder, die ihre Güter nach Aserbaidschan exportieren. Einige deutsche Energieunternehmen zeigen nachhaltiges Interesse an Explorations- und Produktionstätigkeit im Öl- und Gasbereich. Seit Mai 2015 besteht ein Joint Venture zwischen Uniper (Eon) und dem aserbaidschanischen Ölmonopolisten Socar (State Oil Company of Azerbaijan Republic).

Entwicklungszusammenarbeit

Zur entwicklungspolitischen Zusammenarbeit gehört die Entwicklung der Privatwirtschaft außerhalb des Öl- und Gassektors. Im Auftrag des BMZ unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die wirtschaftliche Diversifizierung durch Beratung der Regierung bei der Verbesserung des regulatorischen Umfelds, beim Aufbau einer am Bedarf orientierten Beruflichen Bildung sowie bei der Stärkung von Klein- und Mittelunternehmen im Tourismus und der Agrarwirtschaft. Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist die Entwicklung des Kreditwesens durch eine Reihe von Maßnahmen der Finanziellen und Technischen Zusammenarbeit. Weitere politisch wichtige Bereiche sind die Unterstützung guter lokale Regierungsführung und Kommunalentwicklung, verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und Steigerung der Energieeffizienz, sowie die Bewahrung der Biodiversität. Insgesamt hat  die deutsche Entwicklungszusammenarbeit seit der Unabhängigkeit Aserbaidschans den Aufbau des Landes mit über 600 Mio. Euro (überwiegend als Kredite im Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit) unterstützt.

Kultur und Bildung

Die Kulturbeziehungen gehen auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Im Westen Aserbaidschans (Göygöl, ehemals Helenendorf; Şəmkir, ehemals Annenfeld) erinnern zahlreiche Baudenkmäler (darunter Kirchen) an schwäbische Siedler, die sich ab 1818/1819 hier niederließen. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der deutschen Besiedlung hat die Botschaft im Rahmen des Kulturerhaltprogramms des Auswärtigen Amts verschiedene Projekte wie eine Publikation über die Spuren deutscher Architektur in Aserbaidschan sowie eine Multimedia-Ausstellung zur Geschichte der deutschen Siedlungen durchgeführt.

Das Deutschlandbild ist positiv. Seit 1995 gibt es ein bilaterales Kulturabkommen. 2008 veranstaltete Aserbaidschan sein erstes Kulturjahr im Ausland und wählte dafür Deutschland aus. Die kürzlich erfolgte Einrichtung eines aserbaidschanischen Kulturzentrums in Berlin soll den kulturellen Austausch weiter intensivieren. Eine wichtige Säule ist der Deutsch-Aserbaidschanische Kulturverein, der das Begegnungszentrum 'Kapellhaus' (ehemaliger Musiksaal der benachbarten evangelischen Kirche) in Baku betreibt. In dem dank Spenden restaurierten historischen Gebäude finden das ganze Jahr über zahlreiche Kulturveranstaltungen statt. Ein Goethe-Zentrum hat im Dezember 2017 seine Tätigkeit in Baku aufgenommen und leistet seitdem einen substantiellen Beitrag zum Kulturaustausch zwischen beiden Ländern.
Deutsch ist nach Russisch und Englisch die drittwichtigste Fremdsprache und wird an zahlreichen Schulen und mehreren Universitäten gelehrt. In Baku bestehen vier PASCH-Schulen, in denen der Deutschunterricht vom Goethe-Institut bzw. von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) gefördert wird. Die Spracharbeit des Goethe-Instituts Tiflis wird durch das Sprachlernzentrum (SLZ) als Kooperationspartner gewährleistet. 2019 feiert das SLZ sein zehnjähriges Jubiläum.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt jährlich zahlreiche Stipendien und fördert den Wissenschaftleraustausch. Alleine im akademischen Jahr 2018/2019 erhielten insgesamt 218 Aserbaidschanerinnen und Aserbaidschaner Stipendien des DAAD. Insgesamt studieren rund 1.200 Aserbaidschanerinnen und Aserbaidschaner in Deutschland. Es bestehen 30 Kooperationen zwischen deutschen und aserbaidschanischen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Der DAAD war im Studienjahr 2017/2018 mit einem Informationszentrum (IC) und einer IC-Lektorin an der Staatlichen Öl- und Industrie-Universität Baku sowie einer Sprachassistenz an der Aserbaidschanischen Sprachenuniversität präsent. Im Hochschuljahr 2018/2019 wird eine Sprachassistenz an der Slawischen Universität Baku gefördert.  
Zwischen Ludwigshafen und Sumgayit besteht eine sehr aktive Städtepartnerschaft sowie zwischen Baku und Mainz eine Städtefreundschaft.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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