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Beziehungen zu Deutschland Argentinien

Artikel

Stand: März 2018

Politik

Offizielle Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien bestehen seit 1857. Die bilateralen Beziehungen haben eine breite Grundlage in Wirtschaft, Kultur und ähnlichen Auffassungen zu wichtigen multilateralen Themen. Die Zusammenarbeit im universitären Bereich und in Wissenschaft und Forschung ist ein von beiden Seiten gesetzter Schwerpunkt der Beziehungen.

Bei den multilateralen Themen bestehen wichtige Gemeinsamkeiten in der Betonung von Freihandel und Völkerrecht, zur nuklearen Nichtverbreitung sowie bei den Menschenrechten. Argentinien ist neben Brasilien und Mexiko einer der drei lateinamerikanischen Vertreter in der G20, der Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Ende 2017 hat es den G20-Vorsitz von Deutschland übernommen. Der Austausch auf politischer Ebene ist auch deshalb derzeit besonders intensiv.

Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Argentinien im Juni 2017 war der Höhepunkt eines in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufnehmenden bilateralen Besuchsverkehrs. Im Vorjahr hatte der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier Argentinien bereist und u.a. eine Absprache für ein Working-Holiday Programm unterzeichnet, das es Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus beiden Ländern erleichtert, für ein Jahr im jeweils anderen Land zu leben und zu arbeiten. Bundesministerin Katarina Barley nahm im Dezember 2017 an der Kick-Off Veranstaltung zum frauenpolitischen Dialog der Women 20 (W20) in Buenos Aires teil.
Vom 04. bis 06.07.2016 besuchte der argentinische Präsident Mauricio Macri Berlin und traf mit Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert u.a. zusammen. Die Unterzeichnung von neun Erklärungen über die Verstärkung der deutsch-argentinischen Zusammenarbeit, nicht zuletzt in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft, verdeutlicht das Interesse beider Seiten, die Beziehungen weiter auszubauen. Präsident Macri nahm auch am G20-Gipfel im Juni 2017 in Hamburg teil. Bundeskanzlerin Merkel wird zum G20-Gipfel Ende des Jahres erneut in Buenos Aires erwartet. 

Wirtschaft

Argentinien ist nach Brasilien und Mexiko der drittwichtigste Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika. Deutschland wies 2017 im Handel mit Argentinien einen Handelsbilanzüberschuss von knapp 1,7 Mrd. Euro auf.  Das bilaterale Handelsvolumen wuchs 2017 getrieben von Exporten aus Deutschland um rund 3% auf über 4,2 Mrd. Euro. Gut 4,8% aller argentinischen Einfuhren stammen (2016) aus Deutschland, das nach Brasilien, China und USA unverändert viertwichtigstes Ursprungsland ist. Bei den argentinischen Exporten liegt Deutschland nur noch auf Platz 12 (4,23 Mrd. Euro). 
Deutschland bezog 2017 aus Argentinien überwiegend Rohstoffe (23% der Importe) und Nahrungsmittel (21%), unbearbeitete Waren (12%, insbesondere NE-Metalle) und ist der größte Abnehmer argentinischen Rindfleischs in der EU. Die Einfuhr von Fahrzeugen und Kfz-Teilen aus Argentinien stellte 2017 10% der deutschen Importe aus diesem Land.

Bei den deutschen Exporten nach Argentinien stehen traditionell industrielle Erzeugnisse im Vordergrund. Der Anteil der Kfz und Kfz-Teile an den deutschen Gesamtausfuhren nach Argentinien 
stieg 2017 auf über 20%. Es dominierten 2017 Maschinen mit einem Anteil von 38%, gefolgt von chemischen Erzeugnissen (21%, insbesondere Arzneimittel und Industriechemikalien).

Unter den ausländischen Direktinvestoren in Argentinien nimmt die EU eine führende Rolle ein, als Einzelstaat sind die wichtigsten Investoren die USA, Spanien, Niederlande und Brasilien  . Innerhalb der EU liegt Deutschland nach Spanien, den Niederlanden und Frankreich auf Platz 4 (2016, argentinische Zentralbank). Die wichtigsten Investitionen deutscher Unternehmen konzentrieren sich auf die Bereiche Automobile, Energie, Pharmaindustrieund Dienstleistungen

Die Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer zählt rd. 450 Mitglieder, darunter etwa 170 deutsche Firmen. Insgesamt sind etwa 200 Unternehmen mit deutschem Kapital in Argentinien tätig. Sie beschäftigen in direkter Form mehr als 22.000 Mitarbeiter.

Kultur und Bildung

Die deutschen Auslandsschulen gehören zu den angesehensten Privatschulen im Land und werden auch von Eltern ohne Deutschlandbezug geschätzt. Deutschland unterstützt im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH) insgesamt 30 Schulen, an denen Deutsch als Fremdsprache einen besonders hohen Stellenwert einnimmt. In Argentinien sind dies vier Deutsche Auslandsschulen im Großraum Buenos Aires: eine mit Abitur-Zweig, drei mit dem optionalen Abschluss „Gemischtsprachiges Internationales Baccalauréat", davon eine mit integriertem Berufsbildungszentrum und dem optionalen Abschluss der deutschen Fachhochschulreife. Darüber hinaus bieten 16 argentinische Schulen im ganzen Land das „Deutsche Sprachdiplom" an; 11 weitere Schulen werden durch das Goethe-Institut betreut.

Deutsche Kultur ist auch dank des Goethe-Instituts und seines Netzwerks (Institute in Buenos Aires und Córdoba, zwei Goethe-Zentren in Mendoza und San Juan sowie neun weitere geförderte Kulturgesellschaften) im Land präsent und wird sehr geschätzt. Der deutsche Film ist regelmäßig mit breitem und positivem Echo bei den beiden bedeutendsten Filmfestivals des Landes vertreten und auch durch das jährliche einwöchige „Festival des deutschen Films" in Buenos Aires (im September) sehr präsent. Hochrangige Musiker und Orchester kommen regelmäßig an den Rio de la Plata, und das innige Verhältnis der Argentinier zu den „Toten Hosen“ ist legendär.

Wissenschaft

Deutschland genießt als Wissenschaftspartner einen sehr guten Ruf in Argentinien. Die bilaterale wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit basiert auf einer langjährigen Tradition (Rahmenabkommen vom 31.03.1969).Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die neben dem Partnerinstitut für Biomedizin (Ibioba) in Buenos Aires, das gemeinsam mit dem argentinischen Forschungsrat CONICET betrieben wird, das Max-Planck-Labor für Strukturbiologie und biophysikalische Chemie (LMPbioR) in Rosario, Provinz Santa Fe, und ein Verbindungsbüro für ganz Lateinamerika unterhält.   
Mitte 2015 wurde zudem das Argentine-German Geodetic Observatory (AGGO) in La Plata eröffnet. AGGO, ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) und CONICET, ist das einzige geodätische Observatorium seiner Art in Lateinamerika und Teil einer globalen Infrastruktur zur Erdbeobachtung und Aktualisierung globaler Referenzsysteme ist.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit 2015 das deutsch-argentinische Graduiertenkolleg „STRATEGY“ im Bereich der Geologie. Die Fraunhofer-Gesellschaft arbeitet im Rahmen ihrer „Morgenstadt-Initiative" mit der Stadt und der Provinz Buenos Aires zusammen. Im Rahmen der Reise von Präsident Mauricio Macri nach Deutschland im Juli 2016 wurde eine Absichtserklärung mit der Fraunhofer-Gesellschaft unterzeichnet, um die gemeinsame Entwicklung von innovativen Technologien zu fördern und die Zusammenarbeit  von Wissenschaft und Industrie in beiden Ländern zu stärken. Seit Ende 2017 unterhält das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik „IWES“ ein Verbindungsbüro in Mar del Plata. Für März 2018 ist die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Bereich erneuerbare Energien mit dem argentinischen Wissenschaftsministerium geplant.
2015 wurde die Laufzeit des internationalen Pierre-Auger-Observatoriums zur Untersuchung der kosmischen Strahlung höchster Energie in der Nähe von Mendoza bis 2025 verlängert. Wichtigstes deutsches Mitglied des Observatoriums ist das Karlsruher Institut für Technologie.

Hochschulen

Einen Schwerpunkt in der akademischen Zusammenarbeit stellt das Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum (DAHZ) dar. Das Hochschulzentrum wurde 2012 durch die beiden Regierungen und eine Wissenschaftsvereinigung der deutschen Wirtschaft in Argentinien gegründet. Momentan werden rund 18 binationale Studiengänge (Promotions- und Masterprogramme) in den Bereichen Biomedizin, Logistik, Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften vom DAHZ gefördert. Ende 2013 lancierte das Hochschulzentrum zudem das Austauschprogramm I-DEAR (Ingenieros Deutschland Argentina) im Bereich der Ingenieurswissenschaften.

Im Jahr 2016 wurden rund 400 Studierende aus Deutschland und 725 Studierende aus Argentinien vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert. Kofinanzierte Stipendienprogramme mit dem argentinischen Bildungsministerium werden - vor allem in den Ingenieurswissenschaften - ausgebaut. Für März 2018 ist die erste Bewerbungsphase im Rahmen des argentinischen Stipendienprogramms BecAr für die Ingenieurswissenschaften geplant, das voll von Argentinien finanziert wird. Projektpartner ist der DAAD.

Weitere Aktivitäten des DAAD: Seit August 2015 ist die Langzeitdozentur an der Juristischen Fakultät der Universität von Buenos Aires (UBA) besetzt. Der DAAD ist zudem an der Philosophischen Fakultät der UBA mit einem Fachlektorat für Literaturwissenschaften (Freier Lehrstuhl „Walter Benjamin") vertreten. An der privaten Universidad Torcuato Di Tella ist der Walter-Gropius-Lehrstuhl für Architektur angesiedelt. Weitere DAAD-Lektoren arbeiten an der Verbesserung der Sprachlehrer- und Übersetzerausbildung in Buenos Aires, Córdoba und Tucumán.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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