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Deutschland und Argentinien: Bilaterale Beziehungen Argentinien

07.03.2019 - Artikel

Politik

Offizielle Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien bestehen seit 1857. Die bilateralen Beziehungen haben eine breite Grundlage in Wirtschaft, Kultur und ähnlichen Auffassungen zu wichtigen multilateralen Themen. Die Zusammenarbeit im universitären Bereich und in Wissenschaft und Forschung ist ein von beiden Seiten gesetzter Schwerpunkt der Beziehungen.

Bei den multilateralen Themen bestehen wichtige Gemeinsamkeiten in der Betonung von Freihandel und Völkerrecht, zur nuklearen Nichtverbreitung sowie bei den Menschenrechten. Argentinien ist neben Brasilien und Mexiko einer der drei lateinamerikanischen Vertreter in der G20, der Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und hatte 2018 den Vorsitz inne.

Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Argentinien im Juni 2017 war der Höhepunkt eines in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufnehmenden bilateralen Besuchsverkehrs. Im Jahr der argentinischen G20-Präsidentschaft nahmen unter anderem Bundesaußenminister Maas, Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner sowie Bundesfinanzminister Scholz (mehrfach) an den Ministertreffen teil, zum G20-Gipfel Ende des Jahres kam Bundeskanzlerin Merkel erneut nach Buenos Aires. 2017 hatte der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier Argentinien bereist und unter anderem eine Absprache für ein Working-Holiday Programm unterzeichnet, das es Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus beiden Ländern erleichtert, für ein Jahr im jeweils anderen Land zu leben und zu arbeiten und sich großen Zuspruchs erfreut.
Vom 04. bis 06.07.2016 besuchte der argentinische Präsident Mauricio Macri Berlin und traf mit Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert u.a. zusammen. Die Unterzeichnung von neun Erklärungen über die Verstärkung der deutsch-argentinischen Zusammenarbeit, nicht zuletzt in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft, verdeutlicht das Interesse beider Seiten, die Beziehungen weiter auszubauen. Im Rahmen des G20-Gipfels wurde mit Argentinien ein Abkommen zur Wiederaufnahme der Investitionsschutzgarantien unterzeichnet. 

Wirtschaft

Argentinien ist nach Brasilien und Mexiko der drittwichtigste Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika. Das bilaterale Handelsvolumen wuchs 2017, getrieben von Exporten aus Deutschland, um rund 3% auf 4,3 Mrd. Euro. Deutschland wies 2017 im Handel mit Argentinien einen Handelsbilanzüberschuss von knapp 1,7 Mrd. Euro auf.  Gut 4,8% aller argentinischen Einfuhren stammen aus Deutschland, das nach Brasilien, China und USA unverändert viertwichtigstes Ursprungsland ist. Bei den argentinischen Exporten liegt Deutschland auf Platz 12.

Deutschland bezog 2017 aus Argentinien überwiegend Nahrungsmittel (42%) und Rohstoffe (23%) und ist der größte Abnehmer argentinischen Rindfleischs in der EU. Die Einfuhr von Fahrzeugen und Kfz-Teilen aus Argentinien machte 2017 8% der deutschen Importe aus. 

Bei den deutschen Exporten nach Argentinien stehen traditionell industrielle Erzeugnisse im Vordergrund. Der Anteil der Kfz und Kfz-Teile an den deutschen Gesamtausfuhren nach Argentinien stieg 2017 auf über 20%. Es dominierten 2017 Maschinen mit einem Anteil von 29%, gefolgt von Arzneimittel mit rund 9% und Elektrotechnik mit 7%. 

Unter den ausländischen Direktinvestoren in Argentinien nimmt die Europäische Union eine führende Rolle ein, als Einzelstaat sind die wichtigsten Investoren die USA, Spanien, Niederlande und Brasilien. Innerhalb der Europäischen Union liegt Deutschland nach Spanien, den Niederlanden und Frankreich auf Platz 4 (2016, argentinische Zentralbank). Die wichtigsten Investitionen deutscher Unternehmen konzentrieren sich auf die Bereiche Automobile, Energie, Pharmaindustrie und Dienstleistungen. 

Die Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer zählt rund 400 Mitglieder, darunter etwa 107 deutsche Firmen. Insgesamt sind etwa 200 Unternehmen mit deutschem Kapital in Argentinien tätig. Sie beschäftigen in direkter Form mehr als 22.000 Mitarbeiter.

Kultur und Bildung

Die deutschen Auslandsschulen gehören zu den angesehensten Privatschulen im Land und werden auch von Eltern ohne Deutschlandbezug geschätzt. Deutschland unterstützt im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) insgesamt 30 Schulen, an denen Deutsch als Fremdsprache einen besonders hohen Stellenwert einnimmt. In Argentinien sind dies vier Deutsche Auslandsschulen im Großraum Buenos Aires: eine mit Abitur-Zweig, drei mit dem optionalen Abschluss „Gemischtsprachiges Internationales Baccalauréat“, davon eine mit integriertem Berufsbildungszentrum und dem optionalen Abschluss der deutschen Fachhochschulreife. Darüber hinaus bieten 15 argentinische Schulen im ganzen Land das „Deutsche Sprachdiplom“ an; 11 weitere Schulen werden durch das Goethe-Institut betreut.

Deutsche Kultur ist auch dank des Goethe-Instituts und seines Netzwerks (Institute in Buenos Aires und Córdoba, zwei Goethe-Zentren in Mendoza und San Juan sowie neun weitere geförderte Kulturgesellschaften) im Land präsent und wird sehr geschätzt. Der deutsche Film ist regelmäßig mit breitem und positivem Echo bei den bedeutendsten Filmfestivals des Landes vertreten und auch durch das jährliche einwöchige „Festival des deutschen Films“ in Buenos Aires (im September) sehr präsent. Hochrangige Musiker und Orchester kommen regelmäßig an den Rio de la Plata, und das innige Verhältnis der Argentinier zu den „Toten Hosen“ ist legendär.

Wissenschaft

Deutschland genießt als Wissenschaftspartner einen sehr guten Ruf in Argentinien. Die bilaterale wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit basiert auf einer langjährigen Tradition (Rahmenabkommen vom 31.03.1969).Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die neben dem Partnerinstitut für Biomedizin (Ibioba) in Buenos Aires, das gemeinsam mit dem argentinischen Forschungsrat CONICET betrieben wird, das Max-Planck-Labor für Strukturbiologie und biophysikalische Chemie (LMPbioR) in Rosario, Provinz Santa Fe, und ein Verbindungsbüro für ganz Lateinamerika unterhält.   
Mitte 2015 wurde zudem das Argentine-German Geodetic Observatory (AGGO) in La Plata eröffnet. AGGO, ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) und CONICET, ist das einzige geodätische Observatorium seiner Art in Lateinamerika und Teil einer globalen Infrastruktur zur Erdbeobachtung und Aktualisierung globaler Referenzsysteme ist.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit 2015 das deutsch-argentinische Graduiertenkolleg „STRATEGY“ im Bereich der Geologie. Im Rahmen der Reise von Präsident Macri nach Deutschland im Juli 2016 wurde eine Absichtserklärung mit der Fraunhofer-Gesellschaft unterzeichnet, um die gemeinsame Entwicklung von innovativen Technologien zu fördern und die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie in beiden Ländern zu stärken. Seit Ende 2017 unterhält das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) ein Verbindungsbüro in Mar del Plata. Das IEE strebt gemeinsame Projekte mit CONICET an (zum Beispiel: Biogasförderung im Zentralmarkt Buenos Aires). Für Mai 2019 ist die Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens zur Zusammenarbeit im Bereich erneuerbare Energien mit dem argentinischen Technologieunternehmen Y-TEC (Anteilseigner sind YPF (51%) und CONICET (49%)) geplant.

2015 wurde die Laufzeit des internationalen Pierre-Auger-Observatoriums zur Untersuchung der kosmischen Strahlung höchster Energie in der Nähe von Mendoza bis 2025 verlängert. Wichtigstes deutsches Mitglied des Observatoriums ist das Karlsruher Institut für Technologie( KIT), das zusammen mit der Universität San Martin im November 2018 ein Internationales Helmholz-Graduiertenkolleg im Campus Miguelete eröffnete.

Die gemeinsame Antarktisforschung feiert 2019 ihren 25. Geburtstag. In der argentinischen Carlini-Station auf King George Island eröffnete das Alfred-Wegener-Institut zusammen mit dem Instituto Antárctico Argentino im Jahr 1994 das Dallmann-Labor, die damals erste Forschungseinrichtung, die gemeinsam von mehreren Nationen betrieben wurde. Im Dallmann-Labor arbeiten Forscher aus Argentinien, den Niederlanden und Deutschland von Oktober bis April unter einem Dach. Schwerpunkt ist die biologische und geowissenschaftliche Feldforschung in den eisfreien Gebieten und im küstennahen Flachwasser.

Hochschulen

Einen Schwerpunkt in der akademischen Zusammenarbeit stellt das Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum (DAHZ) dar. Das Hochschulzentrum wurde 2012 durch die beiden Regierungen und eine Wissenschaftsvereinigung der deutschen Wirtschaft in Argentinien gegründet. Momentan werden rund 18 binationale Studiengänge (Promotions- und Masterprogramme) in den Bereichen Biomedizin, Logistik, Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften vom DAHZ gefördert. Ende 2013 lancierte das Hochschulzentrum zudem das Austauschprogramm I-DEAR (Ingenieros Deutschland Argentina) im Bereich der Ingenieurswissenschaften.

Im Jahr 2017 wurden rund 444 Studierende aus Deutschland und 769 Studierende aus Argentinien vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert. Ko-finanzierte Stipendienprogramme mit dem argentinischen Bildungsministerium werden - vor allem in den Ingenieurswissenschaften - ausgebaut. Im April 2018 fanden die ersten Auswahlen im Rahmen des argentinischen Stipendienprogramms BecAr für die Ingenieurswissenschaften statt, das voll von Argentinien finanziert wird. Projektpartner ist der DAAD

Weitere Aktivitäten des DAAD: Seit August 2015 ist die Langzeitdozentur an der Juristischen Fakultät der Universität von Buenos Aires (UBA) besetzt. Der DAAD ist zudem an der Philosophischen Fakultät der UBA mit einem Fachlektorat für Literaturwissenschaften (Freier Lehrstuhl „Walter Benjamin“) und der Fakultät für Architektur mit dem Walter-Gropius-Lehrstuhl vertreten. Weitere DAAD-Lektoren arbeiten an der Verbesserung der Sprachlehrer- und Übersetzerausbildung in Buenos Aires, Córdoba und Tucumán.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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