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COP28 bekennt sich zur Abkehr von fossilen Brennstoffen

Logo der COP28 in Dubai mit den Flaggen der UN-Mitgliedsstaaten im Hintergrund

28. Weltklimakonferenz in Dubai, © picture alliance / NurPhoto

19.12.2023 - Artikel

Auf der 28. Weltklimakonferenz (COP28) in Dubai hat sich die Weltgemeinschaft erstmals auf eine Abkehr von Öl, Gas und Kohle geeinigt.

Auf der 28. Weltklimakonferenz (COP28) in Dubai hat sich die Weltgemeinschaft erstmals auf eine Abkehr von Öl, Gas und Kohle geeinigt. Auch wurde eine Verdreifachung der globalen Kapazitäten von erneuerbaren Energien bis 2030 und eine Verdopplung der Energieeffizienzrate im gleichen Zeitraum festgehalten. Bis 2050 soll der Nettoausstoß an Kohlendioxidemissionen auf null gefahren werden. Damit besiegelt COP28 das Ende des fossilen Zeitalters und erkennt an: Die Erneuerbaren sind die globale Lösung für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit.

Verhandlungsergebnisse im Einzelnen

Mit der Einigung auf den Fonds und auf Finanzierungsarrangements zum Umgang mit Verlusten und Schäden durch den Klimawandel ist erstmals auf einer COP am ersten Tag ein großer Durchbruch gelungen. Deutschland hat direkt nach den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) - dem Inhaber der COP-Präsidentschaft - ebenfalls 100 Millionen USD zugesagt. Mittlerweile sind Zusagen von über 700 Mio. USD erreicht worden. Dass mit den VAE ein 1992 in der Klimarahmenkonvention noch als Entwicklungsland eingestuftes Land erstmals als Geber in einen UN-Klimafonds einzahlt, ist eine Weichenstellung, die weit über diese Weltklimakonferenz hinauswirkt.

Das Thema Anpassung an den Klimawandel wurde in Dubai prominenter behandelt als je zuvor bei einer Klimakonferenz. Die Vertragsstaaten einigten sich auf ein Rahmenwerk für das Globale Anpassungsziel, das Wege hin zu einer klugen nationalen Klimaanpassung stärkt: Bis 2030 sind alle Länder aufgefordert nationale Anpassungspläne zu erarbeiten und Fortschritte bei der Umsetzung zu erzielen. Deutschland unterstützt mehr als 60 Länder dabei, nationale Anpassungspläne zu entwickeln und umzusetzen.

Außerhalb der Verhandlungen ist es außerdem gelungen, zahlreiche konkrete und substantielle Fortschritte zu erzielen, um den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, Emissionen zu reduzieren und die Auswirkungen der Klimakrise abzufedern. Das „Team Deutschland“ aus Auswärtigem Amt, Wirtschafts-und Klimaministerium, Entwicklungsministerium und Umweltministerium konnte hier gemeinsam mit ihren Partnern substanziell beitragen und in wichtigen internationalen Klimafragen voranschreiten.

Hier eine Auswahl:

Die Gründung des Klimaklubs auf der COP28 schafft ein politisches Forum für die weltweite Dekarbonisierung. Er soll Länder vereinen, die auf dem Weg in eine kohlenstofffreie Wirtschaft schnelle Fortschritte machen wollen. Der Klimaklub hat mittlerweile 37 Länder und soll dafür sorgen, Leitmärkte für klimaneutrale Industrieprodukte zu schaffen und eine klimaneutrale Perspektive für die energieintensiven Branchen wie Stahl, Baustoff und Chemieindustrie zu eröffnen. Den Vorsitz haben Deutschland und Chile.

Die Anzahl der Länder, die sich zum Kohleausstieg bis in den 2030er Jahren verpflichtet ist auf COP28 weiter angestiegen. Diese Kohleausstiegsallianz hat mittlerweile 167 Mitglieder. Dazu zählen sowohl Länder als auch Regionen, Unternehmen und Organisationen. Mit den USA, Kolumbien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Marokko sowie sechs weiteren Staaten haben sich große Länder erstmals für einen nationalen Kohleausstieg bekannt.

Deutschland, Japan und Namibia haben eine globale Initiative zur gegenseitigen Anerkennung von Zertifizierungssystemen für Wasserstoff und Derivate auf der Weltklimakonferenz gestartet. Damit wird der grenzüberschreitende Handel mit erneuerbarem und kohlenstoffarmem Wasserstoff sowie seinen Derivaten zukünftig deutlich erleichtert. Die Erklärung wurde von 36 Nationen unterzeichnet, darunter viele Partner Deutschlands im zukünftigen Handel mit Wasserstoff wie Kanada, die USA und Australien, aber auch Südafrika, Indien und Brasilien, sowie europäische Partner.

Die COP28 schafft Voraussetzungen zur weltweiten Methan-Minderung voran. Deutschland unterstützt das International Methane Emission Observatory - kurz IMEO, das Emissionsdaten von Satelliten sammelt und verbindet. Außerdem wurde das sog.Methane Alert and Response System“ (MARS) aufgesetzt. Es soll insbesondere „super emitter events“ feststellen und die verantwortlichen Staaten und deren Unternehmen informieren, um die Emissionen zu stoppen. Methan gehört zu den gefährlicheren Treibhausgasen trägt 48-mal stärker zur Erwärmung der Atmosphäre bei als CO2.

Im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) wurde auf der COP28 ein neuer Themencall veröffentlicht. Er soll u.a. dazu beitragen, die globale Energiewende bis 2030 zu unterstützen, unter anderem mit Projekten zum Netzausbau, um mehr erneuerbare Energien integrieren zu können, sowie speziell zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Afrika. Über den Call werden darüber hinaus Mittel für Klimaschutz, Klimaanpassung sowie den Biodiversitätsschutz zur Verfügung stellt.

Auf der COP 28 konnten Fortschritte bei den Just Energy Transition Partnerships (JETP) erzielt werden. Vietnam und Indonesien haben ihre Investitionspläne, Südafrika einen Umsetzungsplan vorgelegt. Diese Pläne enthalten grundlegende Reformen, die für eine erfolgreiche Energiewende sowie einen sozial-gerechten Übergang erforderlich sind. Gemeinsam mit Deutschland und Frankreich hat zudem Senegal auf der COP erste prioritäre Vorhaben vorgestellt, um die im Juni 2023 vereinbarte JETP umzusetzen. Deutschland gehört mit einer Gruppe anderer Geber zu den Unterstützern der Energiewende in wichtigen Schwellenländern.

Die Climate, Relief, Recovery and Peace Declaration setzt sich für mehr Klimafinanzierung und -Maßnahmen in Ländern ein, die durch Konflikte und humanitäre Notlagen zusätzlich gefährdet sind. Sie wurde bisher von 74 Ländern und 40 Organisationen unterzeichnet. Dazu gehört u.a. deutsche Unterstützung für die neu ins Leben gerufene Women & Climate Security Initiative des UN Women’s Peace and Humanitarian Fund, die frauengeführte Klima-, Frieden-, Sicherheitsprojekte fördert.

Im COP28 Joint Statement on Climate, Nature and People, verpflichten sich die unterzeichnenden Regierungen integrierte Maßnahmen zu Klimakrise, Artenaussterben und Landdegradierung zu ergreifen, um Synergien zwischen dem Pariser Abkommen und dem Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF) zu fördern.

Zehn Banken, darunter Weltbank, ADB, EBRD und IDB haben sich mit deutscher Unterstützung darauf verständigt, künftig besser abgestimmt, arbeitsteiliger und damit effizienter sogenannte Long-term low emission development strategies (LTS) in Ländern des globalen Südens zu unterstützen. Neben den nationalen Klimazielen (NDCs) zeichnen diese den langfristigen Entwicklungspfad vor hin zu Klimaneutralität.

Auf der COP28 stellte Deutschland neue Mittel für den globalen Anpassungsfonds (Adaptation Fund) zur Verfügung. Dieser macht mit Klimaanpassungsmaßnahmen Staaten widerstandsfähiger gegen Konsequenzen der Klimakrise, zum Beispiel im Bereich der Infrastruktur oder des Hochwasserschutzes.

Gemeinsam mit 43 Staaten trat Deutschland der Freshwater Challenge bei, deren Ziel es ist sicherzustellen, dass bis 2030 300.000 km degradierter Flüsse und 350 Millionen Hektar Feuchtgebiete wiederhergestellt und Süßwasserökosysteme besser geschützt werden.

Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde eine Absichtserklärung über eine gemeinsame Kooperation im Bereich Mangrovenschutz und nachhaltiges Mangrovenmanagement in afrikanischen Staaten unterzeichnet. Deutschland ist seit Juli 2023 Mitglied der Mangrove Alliance for Climate (MAC) und unterstützt nun auch den sogenannten Mangrove Breakthrough – eine Initiative, die den Schutz von 15 Millionen Hektar Mangroven weltweit bis 2030 anstrebt.

Bereits im Vorfeld der COP 28 hat Deutschland als Gastgeber der Wiederauffüllungskonferenz für den Grünen Klimafonds mit einer starken eigenen Zusage auch andere überzeugt und eine Rekordhöhe an Zusagen erreicht. Mit der Zusage von Großbritannien und den USA auf der COP28 stehen nun insgesamt 12,8 Milliarden US-Dollar bereit. Mit dem Geld werden von 2024 bis 2027 Projekte finanziert, die den Klimaschutz und die Energiewende in Entwicklungs- und Schwellenländern voranbringen und besonders vom Klimawandel betroffene Entwicklungsländer dabei unterstützen, besser mit den Folgen der globalen Erwärmung umzugehen.

Außenministerin Annalena Baerbock zum Abschluss der COP28:

Diese COP28 wird die Welt verändern. Mit dem schrittweisen Ausstieg aus den fossilen Energien tragen wir zu mehr Sicherheit, Gerechtigkeit und einer zukunftsfähigen Wirtschaft bei. Der Beschluss benennt das Ende der Fossilen klar und deutlich, sodass jeder, der rechnen kann, weiß, dass sich Investitionen in fossile Energien langfristig nicht mehr rechnen. Die Welt hat sich entschieden: Die Erneuerbaren sind die globale Lösung für mehr Klimaschutz, aber auch für mehr Gerechtigkeit. Damit haben wir als Team Deutschland auch das erreicht, worauf wir zwei Jahre lang hingearbeitet haben, zusammengefasst in unserer Klimaaußenpolitik.

Und in diesen geopolitischen Krisenzeiten ist die COP28 der Beweis, dass wir gemeinsam stärker sind. Das Ergebnis ist ein Zeichen der Hoffnung, dass Multilateralismus funktioniert, dass wir uns gemeinsam den großen Herausforderungen stellen können.

Viele hatten Freudentränen in den Augen – die Inselstaaten aber nicht nur. Sie wissen, dass es mehr braucht, um sie zu retten. Unsere Arbeit geht deshalb morgen weiter: Wir gehen den Weg der Klimagerechtigkeit zusammen, Hand in Hand mit unseren Partnern in der Welt.

Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck zum Abschluss der COP28:

Der Weg in eine klimagerechte Zukunft ist endlich geebnet. Die Staatengemeinschaft bekennt sich auf der COP28 erstmals zur Abkehr von allen fossilen Energien und zu einem massiven Ausbau von Wind- und Solarenergie, insbesondere bis 2030. Das ist ein klares Signal an Unternehmen, Märkte und Investoren: Die Energie der Zukunft ist erneuerbar und wird effizient genutzt.

Trotz dieses richtungsweisenden Ergebnisses bleibt viel zu tun, damit wir das fossile Zeitalter wirklich vollständig verlassen können. Wie in Deutschland gilt es jetzt auch international den erneuerbaren Energien Vorrang zu geben und wesentlich effizienter mit Energie umzugehen. Dafür müssen wir noch stärker mit unseren Partnerländern, die Voraussetzungen schaffen, Hürden abbauen und die Finanzierung sichern. Gleiches gilt für den geregelten Ausstieg aus allen fossilen Energien - eine große Herausforderung für viele Länder. Auf der COP28 haben sich neben weiteren Staaten auch die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und Marokko zu einem Kohleausstieg bekannt. Mit dem Klima-Club haben wir zudem ein breites internationales Forum geschaffen, um gemeinsam Lösungen für die Dekarbonisierung der Industrie voranzubringen.

Die COP28 zeigt, das Pariser Weltklimaabkommen entfaltet seine Kraft, die Bereitschaft zur Veränderung ist bei Staaten, Unternehmen und allen anderen Stakeholdern groß. Es gilt jetzt diesen Moment zu nutzen und die großen Chancen der Transformationen zu realisieren.

Entwicklungsministerin Svenja Schulze zum Abschluss der COP28:

Ein solches Signal der Einigkeit hat die Welt in diesen schwierigen Zeiten dringend gebraucht. Es ist bei dieser Konferenz gelungen, wieder mehr Vertrauen zwischen Europa und den Entwicklungsländern aufzubauen. Dazu hat der gute Start mit der schnellen Einigung auf den neuen Fonds zum Umgang mit Klimaschäden beigetragen. Seit den ersten Einzahlungen von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland ist auch klar, dass sich alle, die dazu in der Lage sind, an der Finanzierung beteiligen müssen: Klassische Industrieländer genauso wie die Emirate oder andere Schwellenländer, die die nötigen Mittel dazu haben. Das ist eine Weichenstellung, die weit über diese Konferenz hinaus wirken wird.

Europa hat sich mit vielen Mitstreitern aus aller Welt dafür eingesetzt, den dringend nötigen Ausstieg aus den fossilen Energien beim Namen zu nennen. Vor allem die Erdöl-Länder haben dagegen erheblichen Widerstand geleistet. Zusammen mit unseren Partnern in den Entwicklungsländern ist es in Dubai gelungen, den Begriff des Übergangs von der fossilen Energieversorgung hin zu erneuerbaren energiesystemen einzubringen und im Konsens zu beschließen. Dies erkennt an, dass der Abschied von den fossilen Energien ein Prozess ist, den man sozial gerecht gestalten muss. Genau daran werden wir jetzt mit aller Kraft gemeinsam arbeiten. Klar muss sein: Dieser Übergang kann nicht auf die lange Bank geschoben werden, sondern muss zum allergrößten Teil in diesem und im nächsten Jahrzehnt abgeschlossen sein.

Ein wichtiges Ergebnis der Konferenz ist auch die erstmalige Einigung auf ein umfassendes Rahmenwerk zur Anpassung an den Klimawandel. Die Veränderung des Klimas ist bereits Realität, zum Teil mit dramatischen Folgen. Darauf muss sich die ganze Welt besser einstellen. Auch dazu bedarf es entschiedener Unterstützung unser Partner in den Entwicklungsländern.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke zum Abschluss der COP28:

Ich hatte zum Auftakt der Konferenz gesagt, dass es in Dubai um Vertrauen geht. Daran haben wir in den letzten zwei Wochen hart gearbeitet. Deutschland ist als engagierter Partner, als Brückenbauer aufgetreten und es hat sich gelohnt: Die Weltgemeinschaft konnte sich hinter einem klaren Bekenntnis zur Umsetzung der Pariser Klimaziele versammeln. Die nun erzielte Einigung ist ein guter Kompromiss, auf den wir aufbauen werden. Wir haben den Ausstieg aus dem fossilen und den Einstieg in das erneuerbare Zeitalter eingeleitet.

Gleichzeitig zeigt die Entscheidung: nur mit einer intakten Natur können wir die nötige Minderung der Emissionen und die Anpassung an die Klimakrise schaffen. Wir haben uns erstmals in einer Abschlusserklärung darauf geeinigt, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen, den Schutz der Ökosysteme an Land wie in den Meeren nach vorne zu stellen, die Wasserkreisläufe zu stabilisieren - und all das ganz eng geknüpft an die Ziele des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal. Auch die Kreislaufwirtschaft wird zum ersten Mal als Lösungsansatz hervorgehoben – ein wichtiger Fortschritt: wir müssen den Ressourcenverbrauch deutlich reduzieren! Damit haben wir die Hebel, mit denen wir die Dreifachkrise aus Artenaussterben, Umweltverschmutzung und Klimakrise bekämpfen können.

Die konkrete Umsetzung in Deutschland und weltweit bleibt die zentrale Aufgabe für uns. Die Lösungen haben wir. Ich werde mich nun mit aller Kraft dafür einsetzen, dass wir diese schnell auf den Weg bringen.

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