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Zentralasien: Die Brücke zwischen Europa und Asien
Stadtansicht von Astana, Kasachstan © Photothek Media Lab
In Zentralasien liegen wichtige Wirtschafts- und Kooperationspartner Deutschlands. Die Region an der geopolitischen Schnittstelle zwischen Russland und China ist strategisch bedeutsam und stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen.
Angesichts globaler Krisen und veränderter Handels- und Energieströme wächst die Bedeutung der fünf zentralasiatischen Länder für die deutsche Außenpolitik kontinuierlich. Deutschland gehörte zu den ersten Staaten, die die Unabhängigkeit dieser Länder anerkannten. Der Fall des Eisernen Vorhangs und die 1991 erlangte Staatlichkeit verbinden uns eng mit diesen Staaten. Eine Verbundenheit, die durch die deutsche Wiedervereinigung im Herbst 1990 und unsere gemeinsame Geschichte verstärkt wird.
Deutsches Engagement in der Region
Mit Kasachstan verbindet Deutschland eine enge und umfassende Wirtschaftspartnerschaft. Das Land ist der größte deutsche Handelspartner in Zentralasien und ein wichtiger Lieferant für Energie und Rohstoffe. Die Herausforderungen im Bereich der wirtschaftlichen Resilienz, aber auch Fragen des Ausbaus von grünem Wasserstoff, verbinden beide Nationen. Beim Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz im September 2024 in Astana wurden mehrere strategische Abkommen unterzeichnet, u.a. zur Vertiefung der Kooperation bei Erdöl, Lithium und seltenen Erden sowie zur Zusammenarbeit im Finanz- und Wissenschaftssektor. Auch auf multilateraler Ebene arbeiten Deutschland und Kasachstan eng zusammen, unter anderem im Rahmen der Global-Gateway-Initiative der EU. Um die wissenschaftliche Vernetzung zu fördern, koordiniert das Projektbüro für nachhaltige Innovationen (CASIB) in Almaty den akademischen und technischen Austausch.
Für Usbekistan, das die zweitgrößte und dynamisch wachsende Volkswirtschaft der Region hat, ist Deutschland der wichtigste Handelspartner in der EU. Einen wichtigen Impuls setzte der Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Juni 2026 in Taschkent, der auf den Besuch des Bundeskanzlers im Herbst 2024 folgte. Ein wichtiges Element der Beziehungen ist das bilaterale Migrations- und Mobilitätsabkommen, das den Zuzug usbekischer Fachkräfte nach Deutschland regelt und vereinfacht. Im Rahmen einer Innovationspartnerschaft wurde ein Abkommen zur Erforschung nachhaltiger Landwirtschaft und zum Ausbau deutscher Direktinvestitionen im Automobil- und IT-Sektor geschlossen. Usbekistan ist als einziges der fünf zentralasiatischen Länder noch Partnerland der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Rund 400.000 Personen lernen in Usbekistan Deutsch. Dem weltweiten Netzwerk deutscher Partnerschulen PASCH gehören allein 19 usbekische Schulen an.
Kirgisistan (Kirgisische Republik) verzeichnet in den letzten Jahren eine dynamische Wirtschaftsentwicklung, die zunehmend Interesse in Deutschland findet. Aufgrund der noch immer ca. 8.000 Angehörigen der deutschen Minderheit im Land bestehen besondere Beziehungen nach Deutschland. In Bischkek ist eine Außenstelle des DAAD mit regionaler Zuständigkeit ansässig. Der politische Austausch wurde im Zuge des Z5+1-Gipfels in Astana im September 2024 intensiviert, bei dem Bundeskanzler Scholz auch mit dem kirgisischen Staatschef zusammentraf. Er wird auch von Vertretern aus dem parlamentarischen Bereich gepflegt.
Tadschikistan ist ein wichtiger Partner bei der Bewältigung regionaler geopolitischer Sicherheitsrisiken. Durch seine großen natürlichen Wasserreserven verfügt das Land über hohes Potential für die Nutzung von Wasserkraft und ist für die Wasserversorgung der gesamten Region wichtig. Ein Kernbereich der Zusammenarbeit mit Deutschland liegt daher auch im nachhaltigen Management der sensiblen Wasserressourcen und dem Schutz vor Naturkatastrophen, die durch den Klimawandel verschärft werden.
Turkmenistan hat sich selbst zu immerwährender Neutralität verpflichtet. Daher konzentrieren sich Austausch und Zusammenarbeit vor allem auf wirtschaftliche Nischen, den Klimadialog sowie forschungspolitische Kooperationen im Rahmen gesamteuropäischer Initiativen.
Die „Z5+1“-Regionalpartnerschaft
Bereits im Rahmen der Zentralasien-Initiative der EU hat sich Deutschland besonders für die Zusammenarbeit mit der Region engagiert. 2023 hat es seine eigenen Beziehungen mit den fünf zentralasiatischen Staaten auf die Stufe einer Strategischen Regionalpartnerschaft (Z5+1) gehoben.
Im Rahmen dieser Partnerschaft fanden 2023 in Berlin und 2024 in Astana Gipfeltreffen statt. Bundesminister Johann Wadephul empfing seine zentralasiatischen Amtskollegen im Februar 2026 zu einem „Z5+1“-Außenministertreffen in Berlin. Sogenannte Senior Officials Meetings begleiten den Prozess, der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft ist Partner bei Wirtschaftsveranstaltungen in diesem Rahmen.