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Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe Dr. Lars Castellucci zum Welttag gegen die Todesstrafe
Zum Welttag gegen die Todesstrafe und zum Europäischen Tag gegen die Todesstrafe erklärt Dr. Lars Castellucci, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe:
Die Todesstrafe ist mit der Würde des Menschen unvereinbar, denn sie ist eine unmenschliche und besonders grausame Form der Bestrafung. Deutschland und alle anderen EU-Mitgliedstaaten lehnen die Todesstrafe unter allen Umständen ab.
Wir setzen uns weltweit für die Abschaffung und Ächtung der Todesstrafe ein. Diese Position verteidigen wir vehement in wichtigen internationalen Gremien wie der Generalversammlung oder dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen und kritisieren auch enge Partner, wenn sie die Todesstrafe beibehalten. Wir unterstützen auch zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzen.
Es zeigt sich, dass dieses unermüdliche Engagement Früchte trägt: Immer weniger Staaten wenden die Todesstrafe an. Seit 2018 führen laut Amnesty International jedes Jahr weniger als 20 Staaten Hinrichtungen durch. 2025 waren es noch nur noch 17 Staaten. Die Anzahl der Hinrichtungen weltweit ist allerdings alarmierend hoch: Mit mindestens 2.707 hingerichteten Personen gab es 2025 den höchsten Stand seit 1981.
Von den Hinrichtungen, die bekannt sind, finden die meisten in Iran statt. Laut Amnesty International wurden 2025 in Iran mindestens 2.159 Menschen hingerichtet – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Die meisten dieser Hinrichtungen erfolgten wegen Drogendelikten oder Kapitalverbrechen – und als zynisches Instrument der Abschreckung gegenüber Protestierenden und Aktivisten. Besonders betroffen sind Angehörige ethnischer Gruppen wie Balutschen, Kurden und afghanische Staatsangehörige. Ich fordere das iranische Regime auf, unverzüglich ein Hinrichtungsmoratorium zu verhängen, alle Todesurteile auszusetzen und die Todesstrafe vollständig abzuschaffen.
Zugleich begrüße ich die Abschaffung der Todesstrafe im Libanon – dem ersten Staat im Nahen Osten, der diesen Schritt vollzogen hat. Nach mehr als 20 Jahren ohne vollstreckte Todesurteile hat das libanesische Parlament im August die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft und damit einen wichtigen Schritt für den Schutz des Rechts auf Leben und der Menschenrechte getan. Dieser historische Entschluss setzt ein bedeutendes Zeichen in der Region und stärkt die weltweiten Bemühungen für eine endgültige Abschaffung der Todesstrafe. Ich gratuliere dem Libanon zu diesem wichtigen Meilenstein.