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Dietmar Woidke eröffnet in Auschwitz Ausstellung zu deutscher Polizei im NS-Staat: "Erinnerung ist Voraussetzung für Frieden"

13.04.2018 - Artikel

Dietmar Woidke, Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnische grenznahe und zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit, hat am 13. April an der Todeswand des Konzentrationslagers Auschwitz einen Kranz niedergelegt und zusammen mit Generalkonsul Michael Groß und dem Vizedirektor der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau Andrzej Kacorczyk die Ausstellung "Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat" eröffnet. Sie wird dort auf seine Anregung in einer polnischen Fassung erstmals gezeigt. Bei der Eröffnung sagte er:

Deutsche Polizisten waren an Gewalt gegen Zivilbevölkerung und am massenhaften Morden in Auschwitz und andernorts direkt beteiligt. Diese Wahrheit darf nie verschwiegen werden. Die Erinnerung soll dazu beitragen, dass derartiges nie wieder geschieht. Das ist auch unser Auftrag vor der Geschichte.

Der Besuch ist Woidkes erste Polen-Reise nach seiner Bestätigung im Amt. Die Ausstellung solle dazu beitragen, "das freiheitliche, friedliche und demokratische Fundament unseres Zusammenlebens zu stärken". Die Schau entstand in Verbindung mit dem Forschungsprojekt "Die Polizei im NS-Staat", das die Deutsche Hochschule der Polizei in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum (DHM) im Auftrag der Innenministerkonferenz erarbeitete. Erstmals wurde dabei die Geschichte der deutschen Polizei zwischen 1933 und 1945 umfassend erforscht. Das DHM zeigte die darauf basierende Ausstellung 2011. Sie ist seitdem als Wanderausstellung in zahlreichen deutschen Städten und Polizei-Einrichtungen zu sehen. Auf Anregung Woidkes wurde mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes die polnische Fassung erstellt. Woidke sagte weiter:

Die Ausstellung macht auf besondere Weise deutlich, wie wichtig es ist, Menschlichkeit nicht als selbstverständlich zu erachten. Sie ist zudem auch ein wichtiges Signal: Auch unbequeme Wahrheiten brechen sich - manchmal erst spät  -  den Weg: Für uns Deutsche erwächst - aus den Gräueltaten der Nationalsozialisten die dauerhafte Verantwortung, zu verhindern, dass jemals vergessen wird, was geschah.

Woidke wurde auf seinem Besuch von Leon "Henry" Schwarzbaum begleitet. Der 97-jährige hat zwei Jahre Lagerhaft in Auschwitz überlebt, alle seine Angehörigen wurden getötet. Als die Lager wegen der heranrückenden Roten Armee geräumt wurden, kam er erst in das KZ Buchenwald, dann in das Außenlager Haselhorst des KZ Sachsenhausen. Von dort wurde er auf den Todesmarsch geschickt. Kurz vor Schwerin befreiten ihn amerikanische Soldaten. 2016 war Leon Schwarzbaum Nebenkläger im Prozess gegen den Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning in Detmold. Er engagiert sich bis heute in der Bildungsarbeit gegen das Vergessen. Woidke:

Leon Schwarzbaum ist ein wichtiger Zeuge der Zeit des Schreckens. Ich bin ihm unendlich dankbar, mit welcher Kraft er bis heute für Aufklärung, Frieden und Ausgleich eintritt. Er hat geholfen, vielen Menschen, darunter vielen Jugendlichen, Geschichte bildhaft zu machen und die Augen zu öffnen. Sein Lebensweg ist bewundernswert.

Die Ausstellung "Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat" wird noch bis zum 31. August zu sehen sein.

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