Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

COVID-19

20.11.2020 - Artikel

Seit Ende 2019 treten Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 auf, durch das die Erkrankung COVID-19 verursacht wird. Die WHO deklarierte am 30. Januar eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC) und erklärte den Ausbruch am 11. März zur Pandemie.

Weltkarte mit in unterschiedlichen Blaustufen eingefäbten Ländern, je nach Höhe der gemeldeten Infektionen mit COVID-19
Laborbestätigte Fälle pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 7 Tagen© AA

Coronaviren (CoV)

Coronaviren kommen weltweit vor und lösen vorrangig bei Wirbeltieren Erkrankungen aus. Es besteht die Möglichkeit der Überwindung der Artenbarriere, d.h. eine Infektion aus dem Tierreich kann auf den Menschen übertreten (Zoonose). Abgesehen von dem neu diagnostierten Coronavirus SARS-CoV-2 sind sechs humanpathogene Coronaviren bekannt: Vier rufen eine leichte Infektion der oberen Atemwege hervor, die Coronaviren SARS-CoV-1 und MERS-CoV verursachen hingegen schwere Atemwegserkrankungen. Die Übertragung erfolgt vor allem per Tröpfcheninfektion. Eine spezifische Therapie oder eine Impfung gegen die bisher bekannten Coronaviren existiert nicht.

SARS-CoV-2

Das neu diagnostizierte Coronavirus wurde am 07.01.2020 identifiziert und vorläufig als 2019-nCoV bezeichnet. Es besteht eine genetische Verwandtschaft zu SARS-CoV-1. Zudem verwendet das neuartige Coronavirus den gleichen Rezeptor in der Lunge (ACE2) wie SARS-CoV-1.

Coronaviren im Mikroskop
Coronaviren im Mikroskop© epa Center for Disease Control / dpa

Am 11.02.2020 wurde durch das International Committee on Taxonomy of Viruses der Name SARS-CoV-2 (= Severe Acute Respiratory Syndrome-Corona Virus-2) festgelegt. Die durch SARS-CoV-2 ausgelöste Erkrankung lautet gemäß WHO COVID-19 (= Coronavirus disease 2019).

Die initiale Infektionsquelle ist unbekannt, fraglich besteht jedoch eine Verbindung mit dem Besuch eines Tiermarkts in der chinesischen Stadt Wuhan mit dortiger Übertragung des Virus vom Tier auf den Menschen. Bisherige Untersuchungen weisen auf Fledermäuse als Ursprung von SARS-CoV-2 hin. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass SARS-CoV-2 im Labor artifiziell hergestellt wurde.

Die Virusübertragung von Mensch zu Mensch erfolgt vorrangig per Tröpfcheninfektion. Zudem ist eine Kontaktinfektion und insbesondere in Innenräumen eine Übertragung über Aerosole möglich. Eine infizierte Person infiziert in einer sukzeptiblen Bevölkerung im Mittel zwei bis drei weitere Personen (Basisreproduktionszahl R0). Insbesondere zu Beginn der Symptomatik ist die Viruslast in den oberen Atemwege hoch und nimmt im Verlauf ab. Dies spricht dafür, dass Personen besonders zu Beginn der Erkrankung ansteckend sind.

Auf Oberflächen kann SARS-CoV-2 gemäß WHO unterschiedlich lange überleben (Plastik und rostfreier Stahl bis 72 Stunden, Kupfer bis 4 Stunden, Pappe bis 24 Stunden). Durch haushaltübliche Reinigungsmittel lässt sich das Virus jedoch einfach beseitigen.

Laut FLI gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass Haustiere wie Hunde oder Katzen eine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 spielen. Katzen und maderartige Tiere können sich jedoch bei infizierten Personen anstecken. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sich Nutztiere infizieren. Laut BfR existieren keine Fälle, bei denen sich Menschen nachweislich über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder Kontakt zu kontaminierten Gegenständen angesteckt hätten.

COVID-19

Die Inkubationszeit liegt laut WHO und ECDC in einem Bereich von 1 bis 14 Tagen bzw. im Schnitt bei 5-6 Tagen. Typische Symptome der Erkrankung sind laut WHO Fieber, trockener Husten und Müdigkeit. Weniger häufige Symptome sind Kopf- und Halsschmerzen, Schnupfen, Bindehautentzündungen, Ausschläge, Durchfall sowie Geruchs- und Geschmacksverlust. In schweren Fällen tritt eine Lungenentzündung mit Lungeninfiltraten auf. Laut WHO kommt es in 40% Fälle zu einem milden sowie in 40% der Fälle zu einem moderaten Verlauf. 15% der Patienten entwickeln eine schwere Erkrankung, 5% einen kritischen Zustand. Komplett asymptomatische Fälle sind beschrieben.

Das größte Risiko für einen schweren Verlauf haben Personen höheren Alters sowie Personen mit Vorerkrankungen. Kinder haben häufig einen milden Krankheitsverlauf. Ausreichende Erkenntnisse für einen Zusammenhang von COVID-19 und schweren Multisystemerkrankungen bei Kindern gibt es laut WHO und ECDC derzeit nicht. Weitere Forschung hierzu sei nötig. Schwangere mit Risikofaktoren haben laut WHO ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Das Risiko für Todesfälle nimmt mit steigendem Alter zu. Letalitätsberechnungen sind aufgrund der unklaren Anzahl der tatsächlich Erkrankten begrenzt aussagekräftig.

Zur Diagnostik steht ein Test zum Nachweis von Virus-RNA zur Verfügung (PCR). Mit Ergebnissen kann innerhalb eines Tages gerechnet werden. Der direkte bzw. indirekte Nachweis von SARS-CoV-2 durch Antigen- und Antikörpertests ist weniger verlässlich. Unklar ist, ob und wie lange eine Immunität bei Vorliegen von Antikörpern besteht. Auch eine Kreuzreaktion mit anderen zirkulierenden Coronaviren ist möglich. Die WHO spricht sich gegen die Etablierung eines sog. „Immunitätsausweises“ aus.

Eine spezifische Therapie und ein Impfstoff existieren nicht. Die WHO initiierte im März die Studie SOLIDARITY, in der vier Behandlungsoptionen untersucht: Remdesivir (Virostatikum), Hydroxychloroquin (Malariamedikament), Lopinavir/ Ritonavir (HIV-Kombinationstherapie) und Lopinavir/Ritonavir + Beta-Interferon (Immunmodulator). Der Hydroxychloroquin-Zweig wurde am 17. Juni von der WHO gestoppt. Remdesivir scheint die Genesungsdauer bei schweren Erkrankungen zu verkürzen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat das Medikament im Mai zugelassen. Anfang Juli erfolgte die Zulassung in Europa. Im Juni wurde ein potentiell positiver Effekt des Medikaments Dexamethason bei kritisch Kranken bekannt.

Vereinfache Zeitleiste der Entwicklung der SARS-CoV-2-Pandemie
Vereinfache Zeitleiste der Entwicklung der SARS-CoV-2-Pandemie© AA

Unter Koordination der WHO arbeiten Expertengruppen an der Entwicklung eines SARS-CoV-2-Impfstoffs. Insgesamt wird an mehr als 200 Impfstoffen geforscht.

Kontroverse Diskussionen: Eine zuvor ausgesprochene Warnung vor Ibuprofen bei COVID-19 wurde am 19. März durch die WHO zurückgezogen. Bei der Gabe von ACE-Hemmern oder Angiotensin II-Rezeptorenblockern gibt es laut WHO bisher keinen Hinweis für einen schwereren Krankheitsverlauf. Meldungen zum möglichen Schutz vor COVID-19 durch eine Impfung mit oralem Poliomyelitits-Impfstoff oder Bacillus Calmette-Guérin (BCG)-Impfstoff konnten nicht bestätigt werden. Ein Nachweis für einen präventiven oder therapeutischen Effekt von Nikotin oder Rauchen in Bezug auf COVID-19 existiert laut WHO nicht. Raucher haben laut WHO ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und Tod durch COVID-19.

Die wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen mit SARS-CoV-2 sind:

  1. Abstandhalten (mind. 1,5 Meter)
  2. Hygiene beachten
  3. Alltagsmaske tragen
  4. Regelmäßig lüften
  5. Corona-Warn-App verwenden
Länderübersicht Weltweit: sortiert nach Anzahl neuer Fallmeldungen in den letzten sieben Tagen
Länderübersicht Weltweit: sortiert nach Anzahl neuer Fallmeldungen in den letzten sieben Tagen© AA

Fallzahlen und weltweite Verbreitung

Initial traten Infektionen vorrangig in China auf. Laut WHO ist der dortige Höhepunkt der Epidemie zwischen dem 23.01. und 02.02.2020 aufgetreten. Seit März wurden mehr Infektionen außerhalb Chinas als im Land dokumentiert.

Inzwischen sind weltweit über 55 Millionen COVID-19-Fälle gemeldet. Mehr als 1,3 Millionen Menschen sind an der Erkrankung verstorben. Die Zahl nicht registierter Fälle wird deutlich höher eingeschätzt. Fast alle Ländern und Gebieten weltweit haben Infektionen mit SARS-CoV-2 nachgewiesen.

Internationale Reaktionen

Am 30.01.2020 deklarierte die WHO den Ausbruch als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC). Eine koordinierte und intensivierte internationale Ausbruchsbekämpfung entsprechend den Internationalen Gesundheitsvorschriften wurde als zwingend notwendig erachtet, auch um Länder mit schwächeren Gesundheitssystemen besser zu unterstützen. Am 30.04.2020, 31.07.2020 und am 30.10.2020 wurde die Deklaration des PHEIC durch die WHO erneut bestätigt.

Neuerkrankungen pro Tag weltweit
Neuerkrankungen pro Tag weltweit© AA

Am 11.03.2020 erklärte die WHO den Ausbruch offiziell zur Pandemie. Ausschlaggebend hierfür waren die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Ausbruchs sowie die mangelnden Ausbruchs-bekämpfungsmaßnahmen in einigen Ländern.

Die WHO hält es für möglich, dass COVID-19 endemisch wird, d.h. es angesichts der weltweiten Verbreitung nie wieder verschwinden wird.

Zum Zweck der Eindämmung der Pandemie haben zahlreiche Länder drastische Maßnahmen zur Kontaktreduktion erlassen. Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, Quarantänemaßnahmen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind weltweite Folgen.

Strategien der Ausbruchsbekämpfung

Die WHO veröffentlichte am 05.02.2020 den Strategic Preparedness and Response Plan. Das Hauptziel des Plans war die weitere Übertragung von SARS-CoV-2 zu stoppen und die Auswirkungen des Ausbruchs zu begrenzen. Der Fokus lag hierzu auf folgenden Punkten:

  • Koordination internationaler Maßnahmen
  • Vermehrte Vorsorge- sowie Ausbruchsbekämpfungsmaßnahmen (insbesondere in Ländern mit vulnerablen Gesundheitssystemen)
  • Förderung wissenschaftlicher Forschung und innovativer Ansätze

Die WHO empfahl trotz Deklaration der Pandemie am 11.03.2020 allen Ländern die weitere Ausbreitung des Ausbruchs einzudämmen. Die Pandemie sei weiterhin kontrollierbar, wenn geeignete Maßnahmen ergriffen würden. Dies gelte auch für Länder mit weiterreichender Übertragung („community transmission“).

Am 14.04.2020 wurde die Ausbruchsbekämpfungsstrategie der WHO aktualisiert. Oberstes Ziel zur Kontrolle des Ausbruchs sei die Verlangsamung der Übertragungsraten sowie Reduktion der Sterblichkeit. Bis Ende 2020 veranschlagt die WHO 1,7 Billionen Dollar für die Ausbruchsbekämpfung.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen laut WHO, dass durch eine Kombination aus aggressivem Testen und Kontaktnachverfolgung sowie Maßnahmen der sozialen Distanzierung und Mobilisierung des Gemeinwesens Infektionen verhindert werden können. Auch wenn die Übertragung nicht gestoppt werden könne, sei eine Verlangsamung des Geschehens möglich. Laut WHO sei in der näheren Zukunft keine Rückkehr zur Normalität zu erwarten.

Schlagworte

nach oben