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Poliomyelitis-Impfung

11.01.2023 - Artikel

Für Deutschland empfiehlt die STIKO eine vollständige Grundimmunisierung mit einmaliger Auffrischimpfung. Für das Ausland ist für definierte Länder eine Auffrischung nach 10 Jahren angezeigt. Zudem können gemäß WHO Auffrischimpfungen in kürzeren Abständen notwendig oder empfohlen sein.

Aufenthalt in Deutschland

Für Deutschland empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung) als Standardimpfung (S) mit einmaliger Auffrischung (A). Personen gelten damit als vollständig geimpft, wenn sie eine komplette Grundimmunisierung sowie eine Auffrischimpfung erhalten haben.

Für die Grundimmunisierung sind drei Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten empfohlen. Ausnahmen bestehen bei Frühgeborenen. Eine einmalige Auffrischimpfung ist im Alter von 9 bis 16 Jahren vorgesehen. Die Grundimmunisierung und die Auffrischimpfung können in jedem Lebensalter nachgeholt werden. Hierfür steht in Deutschland ein monovalenter Impfstoff zur Verfügung (IPV-Merieux®). Kombinationsimpfstoffe können bei weiteren fehlenden Impfungen, z.B. gegen Tetanus, Diphtherie oder Pertussis, ebenfalls zur Grundimmunisierung verwendet werden. Ausstehende Impfungen werden entsprechend der Angaben in den Fachinformationen und den jeweils aktuellen STIKO-Empfehlungen (Seite 14) mit IPV nachgeholt.

Aufenthalt im Ausland

STIKO: Für Reisende in Regionen mit einem potentiellen Polio-Expositionsrisiko wird die Poliomyelitis-Impfung als Indikationsimpfung (I) empfohlen. Bei fehlendem oder unvollständigem Impfschutz besteht damit für Reisende in die entsprechenden Risikoländer eine Indikation zur Grundimmunisierung mit einmaliger Auffrischimpfung entsprechend der Empfehlungen für Deutschland.

WHO: Für Länder, für welche die Weltgesundheitsorganisation verschärfte, temporäre Empfehlungen ausgesprochen hat, gelten kürzere Impfabstände für die Auffrischimpfungen.

Regionen mit Poliomyelitis-Infektionsrisiko

Hierzu zählen Länder, in denen die Gefahr besteht, sich mit Wild-Poliovirus Typ 1 oder einem der drei mutierten Impfvirusstämme (circulating vaccine-derived poliovirus (cVDPV) Typ 1, 2 und 3) zu infizieren. Wild-Poliovirus Typ 2 gilt seit 1999 und Wild-Poliovirus Typ 3 seit 2019 als ausgerottet.

Solange die weltweite Poliomyelitis-Eradikation nicht erreicht ist, bleibt das Risiko der internationalen Poliovirus-Verschleppung bestehen. Am 5. Mai 2014 erklärte die WHO die internationale Ausbreitung von Poliovirus erstmals zum „Public Health Emergency of International Concern (PHEIC)“. Die WHO gibt regelmäßig temporäre Empfehlungen heraus, die zum Ziel haben, die nationale und internationale Verbreitung von Polioviren zu verhindern. Diese Empfehlungen werden mehrfach pro Jahr überprüft und der Status als PHEIC ggfs. erneuert. Sie haben unmittelbar Einfluss auf eine Impfplicht bzw. Impfempfehlungen in und für die betroffenen Länder. Dabei unterscheidet die WHO drei Kategorien (Stand 11/2022):

Kategorie 1: Staaten, in denen WPV1, cVDPV1 oder cVDPV3 zirkuliert und von denen ein potentielles Risiko für eine internationale Ausbreitung ausgeht: 
Afghanistan (WPV1), Malawi (WPV1), Mosambik (WPV1), Pakistan (WPV1), D.R. Kongo (cVDPV1), Madagaskar (cVDPV1), Mosambik (cVDPV1), Malawi (cVDPV1), Israel (cVDPV3)
Kategorie 2: Staaten, in denen cVDPV2 nachgewiesen wurde (mit oder ohne Nachweis einer lokalen Übertragung):
Algerien, Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire; D.R. Kongo, Dschibuti, Eritrea, Gambia, Ghana, Großbritannien und Nordirland/Vereinigtes Königreich, Indonesien (Bestätigung durch das IHR Emergency Committee ausstehend); Israel, Jemen, Kamerun, Mauretanien, Mosambik, Niger, Nigeria, Senegal, Somalia, Sudan (Bestätigung durch das IHR Emergency Committee ausstehend), Togo, Tschad, Uganda, Ukraine, USA, Zentralafrikanische Rep.
Kategorie 3: Staaten, in denen WPV1 oder cVDPV nicht mehr zirkulieren, die aber anfällig (vulnerabel) für ein Wiederauftreten sind:
China, Guinea, Guinea-Bissau, Iran, Kenia, Liberia, Mali, Republik Kongo, Sierra Leone, Südsudan, Tadschikistan

Darüber hinaus gibt es Länder, die nicht unter die Kategorisierung der WHO fallen, in denen für Reisende aber u. U. ein erhöhtes Expositionsrisiko besteht oder nationale Einreisevorschriften bestehen.

Impfempfehlung bei Auslandsreisen

Impfempfehlungen gemäß WHO (11/2022)

Die WHO hat

  • die Länder der Kategorie 1 aufgefordert sicherzustellen („ensure“), dass alle Einwohner und Langzeitreisenden länger als 4 Wochen, die aus dem Land ausreisen, vier Wochen bis 12 Monate vor Ausreise mit einer Dosis oralem Impfstoff bOPV oder intramuskulärem Impfstoff IPV gegen Polio geimpft werden (CAVE: In Deutschland ist nur IPV zugelassen).
    Steht eine dringende Reise an und es wurde nicht in den vergangenen vier Wochen bis 12 Monaten gegen Polio geimpft, sollte sichergestellt werden, dass Einwohner und Langzeitreisenden länger als 4 Wochen mindestens zum Abreisezeitpunkt eine Impfstoffdosis erhalten. Falls keine entsprechenden Impfdokumente vorgewiesen werden, soll die Ausreise von Einwohnern und Langzeitreisenden verhindert werden („restrict at the point of departure the international travel“). Die Länder der Kategorie 1 können daher auf der Grundlage der o.g. WHO Aufforderung eine Ausreise aus ihrem Land ohne gültigen Impfnachweis verweigern, bzw. am Flughafen bei der Ausreise (pflicht-)impfen.
  • die Länder der Kategorie 2 mit lokaler Übertragung von cVDPV2 und mit Risiko der internationalen Verbreitung aufgefordert, alle Einwohner und Langzeitreisende länger als 4 Wochen, die eine internationale Reise antreten, zu ermutigen („encourage“), sich vier Wochen bis 12 Monate vor Ausreise mit einer Dosis gegen Poliomyelitis impfen zu lassen (intramuskulärer Impfstoff IPV). Steht eine dringende Reise an und es wurde nicht in den vergangenen vier Wochen bis 12 Monaten gegen Polio geimpft, sollten Einwohner und Langzeitreisenden länger als 4 Wochen ermutigt werden mindestens zum Abreisezeitpunkt eine Impfung zu erhalten.
  • die Länder der Kategorie 2, die einen cVDPV2-Import hatten, aber keinen Nachweis einer lokalen Übertragung, aufgefordert die Verhinderung von Poliomyelitis-Übertragung als nationalen Gesundheitsnotfall zu betrachten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
  • die Länder der Kategorie 3 aufgefordert, ihre Bevölkerung routinemäßig zu impfen.  

Die Impfung muss bei Nachweispflicht (Länder der Kategorie 1) in der gelben Internationalen Impfbescheinigung auf der Seite „Internationale Bescheinigung über Impfung oder Verabreichung einer anderen Prophylaxe“ mit einer 12-monatigen Gültigkeitsdauer eingetragen werden. Sollte diese Seite nicht vorhanden sein, muss ggfs. ein neuer Ausweis ausgestellt werden.

Impfempfehlung gemäß Risikobewertung

Karte gemäß WHO-Empfehlungen und Risikobewertung. Für die ausführlichen Impfempfehlungen wird auf den Fließtext verwiesen.
Karte gemäß WHO-Empfehlungen und Risikobewertung. Für die ausführlichen Impfempfehlungen wird auf den Fließtext verwiesen. © AA MedIntel/Preview
1. Für Reisende mit einer Reisedauer kürzer als 4 Wochen in Staaten der Kategorie 1 wird empfohlen:

  • Auffrischimpfung, falls letzte Impfung mehr als 10 Jahre zurückliegt, ggf. Grundimmunisierung.

2. Für Reisende mit einer Reisedauer kürzer als 4 Wochen in Staaten der Kategorie 2 und Kategorie 3 wird, abweichend von der derzeitigen STIKO Empfehlung, empfohlen:

  • Auffrischimpfung, falls letzte Impfung mehr als 10 Jahre zurückliegt, ggf. Grundimmunisierung.

3. 2022 wurde cVDPV2 in mehrere Industrienationen mit guter Surveillance nachgewiesen. Bei der Impfberatung sollten auch die dortigen Impfempfehlungen beachtet werden: 

4. Für Reisende in Länder, die von der Global Polio Eradication Initiative (GPEI) bzw. deren Independent Monitoring Board (s. dort Seite 37) oder von anderen WHO-Quellen als vulnerabel für Polioausbrüche eingestuft werden, wird empfohlen:

  • Auffrischimpfung, falls letzte Impfung mehr als 10 Jahre zurückliegt, ggf. Grundimmunisierung.
    Diese Länder sind derzeit: Äquatorialguinea, Bosnien-Herz., Burundi, Gabun, Haiti, Irak, Kiribati, Komoren, Laos, Malaysia, Myanmar, Osttimor, Papua-Neuguinea, Philippinen, Rumänien, Syrien, Vanuatu

5. Für Reisen in Länder, die sich in instabilen politischen Situationen befinden und/oder in denen eine unklare Gesundheitsversorgung bzw. Surveillance-Situation besteht, wird empfohlen:

  • Auffrischimpfung, falls letzte Impfung mehr als 10 Jahre zurückliegt, ggf. Grundimmunisierung.
    Diese Länder sind derzeit: Libyen und Venezuela

6. Länder mit großen Pilgerstätten haben nationale Einreisebestimmungen erlassen. Dies ist auch für aus Deutschland reisende Personen, die über ihre Heimatländer zu den Pilgerstätten reisen, relevant (z.B. Visiting Friends and Relatives / VFR). Für alle Reisenden, die aus einem Poliomyelitis-Endemiegebiet dort einreisen, gilt:

  • Nachweis einer Impfung gegen Poliomyelitis, die zwischen 12 Monate und vier Wochen vor Einreise verabreicht wurde.
    Diese Länder sind derzeit: Saudi-Arabien

Referenzen

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