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Gemeinsam für freie Seewege und sichere Versorgung: Außenminister Wadephul trifft europäische und regionale Partner in Istanbul
Familienfoto der Teilnehmer der Gespräche in Istanbul © Juliane Sonntag/AA/photothek.de
Angriffe auf Seewege bedrohen den Welthandel und die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern. In Istanbul kommt Deutschland mit europäischen und regionalen Partnern zusammen, um gemeinsame Lösungen voranzubringen.
Ob Öl, Getreide oder weitere Waren des täglichen Bedarfs: Unsichere Seewege verteuern Transporte, gefährden Lieferketten und erschweren die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern. Besonders betroffen sind Menschen in Krisenregionen und Ländern, die auf Lebensmittel- und Energieimporte angewiesen sind.
Auf Initiative Deutschlands und der Türkei treffen sich in Istanbul erstmals die Außenminister der E4-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien sowie der vier regionalen Partner Türkei, Ägypten, Pakistan und Saudi-Arabien. Im Mittelpunkt stehen die Sicherung der freien Schifffahrt sowie die Konflikte mit Iran und im Jemen.
Zum Auftakt betont Außenminister Wadephul:
Der Konflikt um die Straße von Hormus, die Angriffe der Huthi im Jemen, auf Saudi-Arabien und die freie Seeschifffahrt, aber auch die Folgen immer stärker eskalierender russischer Angriffe auf Getreidelieferungen im Schwarzen Meer – diese massiven Herausforderungen können wir nur bewältigen, wenn wir über etablierte Formate hinaus an einem Strang ziehen. Deswegen treffe ich heute auf Initiative Deutschlands und der Türkei in Istanbul unsere Partner aus Frankreich, Großbritannien, Italien sowie Ägypten, Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei.
Wenn Seewege unter Druck geraten
Besonders angespannt ist die Lage an zwei strategisch wichtigen Meerengen: Bab al-Mandab am Roten Meer und die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman.
Seit Juli 2026 haben die Huthi im Jemen ihre Angriffe auf Schiffe und Ziele in Saudi-Arabien verstärkt und blockieren Schiffe mit Saudi-Arabien-Bezug an der Aus- bzw. Einfahrt in das Rote Meer. Rund zwölf Prozent des weltweiten Seehandels passieren Bab al-Mandab.
Durch die Straße von Hormus wird etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs transportiert. Unsichere Seewege können Transporte verteuern und sich auch auf Preise an Tankstellen und im Supermarkt auswirken.
Außenminister Wadephul unterstreicht:
Wir acht setzen gemeinsam ein Zeichen: Wir nehmen nicht hin, dass Iran und die Huthi-Milizen den Welthandel erpressen und die Versorgung der Welt mit Energie und Düngemitteln weiter im Würgegriff halten. Die willkürlichen Angriffe auf die freie Schifffahrt und die Nachbarländer müssen enden. Denn für die Menschen in der Region, die Hunger leiden oder Sorge haben, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein, ist die andauernde Unsicherheit nicht akzeptabel.
Deutschland setzt sich für die freie Schifffahrt ein und beteiligt sich an der EU-geführten Marineoperation EUNAVFOR ASPIDES, die Handelsschiffe im Roten Meer und im Golf von Aden schützt.
Unsichere Seewege verstärken den weltweiten Hunger
Auch im Schwarzen Meer steht die zivile Schifffahrt unter Druck. Seit Juli 2026 haben russische Angriffe auf zivile Schiffe und zivile Hafeninfrastruktur die ukrainischen Getreideexporte über das Schwarze Meer nahezu zum Erliegen gebracht. Rund 30 Prozent des weltweiten Weizenhandels liefen zuvor über diese Route. Alternative Seewege können diesen Ausfall nur zu einem kleinen Teil kompensieren. Wenn ukrainisches Getreide andere Agrarerzeugnisse und Düngemittel den Weltmarkt nicht zuverlässig erreichen, treibt das die Preise für alle nach oben und trifft besonders importabhängige Länder des globalen Südens. Und es gibt noch eine zweite Dimension: Die diesjährigen Getreideexporte sind die Voraussetzung dafür, dass in der Ukraine auch 2027 wieder gesät, geerntet und Weizen für die weltweite Nachfrage im Jahr 2027 produziert werden kann.
Außenminister Wadephul erklärt:
Auch Russland hat die freie Schifffahrt im Schwarzen Meer und mit ihr die Lebensader für so viele Menschen ins Fadenkreuz genommen. Mit Angriffen auf Getreidelieferungen nimmt Russland eine Nahrungsmittelknappheit im globalen Süden wissentlich in Kauf. Dies trifft die Ärmsten der Welt, deren Versorgung ganz besonders von Weizen abhängt – und auch unsere Partner, die Türkei zum Beispiel als größtes weizenverarbeitendes Land für den Welthandel.
Deutschland unterstützt Bemühungen um einen Waffenstillstand für die zivile Schifffahrt. Die VN-vermittelte Schwarzmeer-Getreideinitiative 2022 hat gezeigt, dass Vereinbarungen den Zugang zu Nahrungsmitteln verbessern und Weltmarktpreise entlasten können.
Gemeinsam mehr bewegen
Neben Gesprächen mit seinen französischen, britischen und italienischen Amtskollegen trifft Außenminister Wadephul den türkischen Außenminister Hakan Fidan, Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty, Pakistans Außenminister Muhammad Ishaq Dar und Saudi-Arabiens Außenminister Prinz Faisal bin Farhan Al Saud.
Außenminister Wadephul betont:
Bei unserem ersten Treffen in diesem Format wollen wir Europäer und die vier Regionalmächte vereint ausloten, wie wir Bewegung in die Konflikte in der Straße von Hormus, am Bab al-Mandab und im Schwarzen Meer bringen können.
Das Treffen setzt ein klares Zeichen: Freie Schifffahrt und sichere Handelswege sind internationale Aufgaben. Sie erfordern Zusammenarbeit über etablierte Gesprächsformate hinaus – und Partner, die gemeinsam Verantwortung übernehmen.