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Rede von Staatsministerin Maria Böhmer zur Eröffnung der 39. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees am 28. Juni in Bonn

28.06.2015

-- es gilt das gesprochene Wort--

Sehr geehrte Frau Generaldirektorin,
sehr geehrter Herr Präsident Ping,
sehr geehrter Herr Vorsitzender Amr,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Frau Ministerin Löhrmann,
sehr geehrte Frau Präsidentin Metze-Mangoldt,
liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete,
verehrte Damen und Herren,

Kultur, Natur, Welterbe. Menschen, Ideen und Orte.

Ich heiße Sie ganz herzlich willkommen in Bonn, der Stadt der Vereinten Nationen in Deutschland.

Dieser wunderbare Tagungsraum ist der frühere Plenarsaal des Deutschen Bundestages.
Ein Ort der Demokratie. Als junge Abgeordnete habe ich hier selbst für Ideen gekämpft.

Heute ist dieser Ort ein Konferenzzentrum für die Ideen der Vereinten Nationen. Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier, von dem ich Sie herzlich grüße, hat ihn vor wenigen Wochen gemeinsam mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon eingeweiht.

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Dass Deutschland heute den Ideen der UNESCO einen Ort geben kann, ist mit Blick auf unsere Geschichte nicht selbstverständlich.

Als vor 70 Jahren die UN-Charta und die UNESCO-Verfassung verabschiedet wurden, war Deutschland nicht dabei. Die Gründung dieser Organisationen war auch eine Antwort der internationalen Gemeinschaft auf unsagbares Leid, das von Deutschland ausgegangen war.

Ich bin überzeugt, Deutschland ist es nur deshalb vergönnt gewesen, einen Weg in das Herz der Völkergemeinschaft zu finden, weil wir uns unserer Geschichte und unserer historischen Verantwortung gestellt haben. Dafür bin ich dankbar.

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Soeben haben wir gemeinsam die Videobotschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel verfolgen können. Ich darf Sie auch noch einmal persönlich von ihr grüßen.
Sie hat die Vorbereitungen für diese UNESCO-Konferenz mit großer Begeisterung verfolgt
und ist sehr gespannt auf die Ergebnisse.

Es ist uns eine große Freude und Ehre, dass die UNESCO die 39. Sitzung des Welterbekomitees in Deutschland ausrichtet.

Liebe Frau Bokova, dafür danke ich Ihnen sehr ! Ich danke Ihnen auch für die hervorragende Zusammenarbeit und Ihren persönlichen Einsatz zum Schutz und Erhalt des Welterbes.

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Welterbe ist die Basis für die Existenz und den Zusammenhalt von Menschen. Welterbe gibt Halt und Orientierung. Es stiftet gesellschaftliche Identität.

Es verbindet Menschen mit ihrer Heimat und ihrer Geschichte. Mit ihrem Land und der Welt. Welterbe ist unersetzliche Quelle der Inspiration.

Wir werden unsere Zukunft nur dann menschlich gestalten, wenn wir unser kulturelles Erbe schützen, erhalten und nachhaltig nutzen. Um es an die künftigen Generationen weitergeben zu können.

Gemeinsam mit Ihnen teile ich die Begeisterung für das Erbe der Menschheit. Ich möchte mich gemeinsam mit Ihnen vor allem für den Schutz und Erhalt von Welterbestätten stark machen.

Mit vielen von Ihnen bin ich persönlich zusammengetroffen. Und habe Ihr großes Engagement erlebt. Dafür danke ich Ihnen sehr herzlich.

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Meine Damen und Herren,

diese Freude ist überschattet von großer Sorge:

Bamyan, Timbuktu, Mossul, Nimrud, Ninive, Hatra, Palmyra, Sana’a.

Einst stolze Orte der Kultur. Heute Orte des Schreckens.

Wir halten immer wieder den Atem an. Weil dort Menschen getötet werden. Weil dort Jahrtausende alte Kulturgüter für immer zerstört werden. Weil wir konfrontiert werden mit menschenverachtender Barbarei, mit religiösem Extremismus.

Das Wüten von Terrororganisationen wie ISIS im Irak übersteigt unsere Vorstellungskraft.

Die Spur der Zerstörung schneidet tiefe Wunden in das Erbe von Menschen, in die Geschichte einer Region, in die Identität eines Volkes, in das kulturelle Gedächtnis der Welt. Das Erbe der Menschheit wird geplündert und zerstört.

Naturkatastrophen, wie jüngst in Nepal, Umweltbeeinträchtigungen, wirtschaftliche Interessen oder einfach nur Vernachlässigung, bedrohen ebenfalls Kulturgüter und Welterbestätten.

Die Welt droht aus den Fugen zu geraten. Gerade jetzt müssen wir auf die Kraft der Kultur setzen!

Wir müssen für unsere gemeinsamen Werte einstehen! Es geht um die Würde des Menschen, um Toleranz, um Achtung vor der Vielfalt und um Respekt für andere und für ihre Kultur.

Deutschland will seinen Beitrag leisten zum Schutz von Menschen, Ideen und Orten. Zum Schutz von Kultur und Natur. Wir setzen uns ein für politische Verständigung, für Frieden, für Sicherheit, für Krisenprävention und Krisenbewältigung.

Liebe Gäste, liebe Freunde,

von dieser 39. Sitzung des Welterbekomitees soll ein starkes Signal für die Regionen ausgehen, die durch Krisen, Konflikte und Naturkatastrophen besonders schwer getroffen wurden.

Um Nelson Mandela zu zitieren: „Wer feststellen will, ob er sich verändert hat, der sollte zu einem Ort zurückkehren, der unverändert geblieben ist.“

Menschen brauchen Identitätsorte. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass sie nicht verloren gehen.

Dies zu erkennen und in die Realität umzusetzen, das ist die vielleicht wichtigste Herausforderung für das Erbe der Menschheit.

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Liebe Gäste, liebe Freunde,

„An die Freude“ ist eines der berühmtesten Gedichte Friedrich Schillers. Ludwig van Beethoven hat es in seiner Neunten Sinfonie vertont.

Mit einigem Pathos beschreibt diese Ode das klassische Ideal einer Gesellschaft gleichberechtigter Menschen, die durch das Band der Freude und der Freundschaft verbunden sind.

Warum ich Ihnen das erzähle?

Nicht weit von hier, am Ufer des Rheins, liegt das Kloster Eberbach. Manche von Ihnen wissen, dass dort der Roman „Der Name der Rose“ von Umberto Eco verfilmt wurde.

Im Mai hatte ich die Botschafter der Staaten, die derzeit Mitglied im Welterbekommitee sind, dorthin eingeladen.

Wir waren fasziniert von der Schönheit des Ortes. Von der Geschichte, die er erzählt.

Um die grandiose Akustik der Basilika zu spüren, stimmte einer der Botschafter auf einmal spontan Beethovens Melodie an. Und wir sangen gemeinsam „Freude, schöner Götterfunken“.

Bei der Zeile „Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein“ war die Idee der UNESCO plötzlich allgegenwärtig.

Wir sangen „Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr“. Wir fühlten uns umschlungen von einem kulturellen Band, das diese Welt zusammenhält.

Behalten wir dieses Ideal einer Gesellschaft von gleichberechtigten Staaten, die einander in Freundschaft verbunden sind, immer im Blick.

Denn es geht um nicht mehr und nicht weniger als um das Erbe der Menschheit.

Ich kann mir keine schönere Aufgabe vorstellen, als heute und die kommenden Tage mit Ihnen daran zu arbeiten, den Funken der UNESCO und der Welterbeidee zum Klingen zu bringen.

Vielen Dank!

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