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Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Eröffnung des VN-Konferenzzentrums in Bonn

07.06.2015

Sehr geehrter Herr Generalsekretär,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Frau Ministerin Löhrmann,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Hendricks,
verehrte Damen und Herren,

Ideen brauchen Orte, um in die Wirklichkeit zu kommen! Als vor 70 Jahren mit der VN-Charta die Idee einer neuen, internationalen Friedensordnung geboren wurde, da waren die Vereinten Nationen in San Francisco vorerst nur zu Gast. Ihr endgültiges Zuhause fand die Idee erst einige Jahre später in New York.

Und so wie sich die Vereinten Nationen, ihre Ideen und ihre Arbeitsfelder, weiterentwickelt haben, so sind neue Orte hinzugekommen –Genf, Wien, Nairobi, Kopenhagen. Und eben auch Bonn mit seinem speziellen Schwerpunkt Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

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Dass auch Deutschland heute den großartigen Ideen der Vereinten Nationen einen Ort geben kann, ist mit dem Blick auf die Geschichte nicht selbstverständlich.

Denn vergessen wir nicht: Die Gründung der Vereinten Nationen 1945 und die universelle Charta der Menschenrechte waren auch eine Antwort der Weltgemeinschaft auf die beispiellosen Verbrechen und Schrecken, die von diesem Land ausgegangen waren. Damals, nach dem Krieg, gab es in der neuen Ordnung der Weltgemeinschaft keinen Platz für Deutschland. Deutschland war nicht Teil, sondern Objekt dieser Ordnung. Doch über die vergangenen Jahrzehnte ist es unserem Land vergönnt gewesen, behutsam und schrittweise wieder hineinzuwachsen ins Herz der internationalen Gemeinschaft. Und seit 25 Jahren sind wir als Ganzes, als vereintes Deutschland Teil dieser Weltgemeinschaft. Und, lieber Ban Ki Moon, wir Deutschen sind dankbar und glücklich darüber!

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Und, liebe Gäste, wir sehen darin zugleich unsere historische Verantwortung: Deutschland, vor 70 Jahren der Brandstifter von Ordnung, muss heute in besonderer Weise Stifter von Ordnung sein, muss aktiv beitragen zu den internationalen Friedensbemühungen – gerade in diesen turbulenten Zeiten. Für eben diese Verantwortung steht symbolisch der VN-Standort Bonn, den wir heute stärken und ausbauen, meine Damen und Herren!

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Liebe Gäste, liebe Freunde,

die große Idee einer internationalen Friedensordnung; die große Idee, dass die Weltgemeinschaft die massiven, grenzüberschreitenden Probleme unserer Zeit nur gemeinsam lösen kann – diese Idee wird niemals fix und fertig in der Wirklichkeit stehen. Sondern sie muss sich stets wandeln und weiterentwickeln, gerade heute, wo die Welt in einer Vielzahl von internationalen Krisen geradezu aus den Fugen zu geraten scheint und Ordnungsstrukturen unter massiven Druck geraten. Und deshalb müssen auch die Institutionen und die Orte der Vereinten Nationen sich weiterentwickeln, und Deutschland ist bereit, das zu unterstützen. Auch das wird heute sichtbar am VN-Standort Bonn: Heute eröffnen wir das internationale Kongresszentrum in Bonn und schaffen damit einen neuen Ort, an dem Lösungen für die großen Herausforderungen entstehen werden.

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Zu diesen Herausforderungen der Weltgemeinschaft gehört ganz zentral der Klimawandel. Der Klimagipfel in Paris ist vermutlich unsere letzte Chance, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Unser Ziel ist daher ein ambitioniertes Abkommen mit verbindlichen Klimazielen und einer fairen internationalen Finanzierung.  Ich freue mich, dass Bonn zu einem der Vorbereitungsorte des Klimagipfels geworden ist! Ich wünsche den Teilnehmern dieser ersten Konferenz, mit der das WCCB eröffnet wird, dass dieser neue Ort inspiriert, dass er den Ideen und Zielen des Klimagipfels helfen wird, Wirklichkeit zu werden!

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Meine Damen und Herren,

Ich danke allen, die geholfen haben, dass wir heute das gemeinsame Versprechen eines Internationalen Kongresszentrums einlösen können, das der Bund, das Land NRW und die Stadt Bonn 2002 gemacht haben -  nicht zuletzt dem Oberbürgermeister, der das Projekt Hindernissen zum Trotz zu seiner persönlichen Sache gemacht hat. Dafür gebührt ihm unser Respekt. Herr Nimptsch, ich  denke es ist auch in ihrem Sinne, wenn ich auch denjenigen danke, ohne die das Projekt nie auf den Weg gekommen wäre. Auch Bärbel Dieckmann danke ich, der mit Blick auf die Bedeutung dieses Projekts für Bonn und für Deutschland in der Öffentlichkeit vielleicht nicht immer Fairness entgegengebracht worden ist, die geboten gewesen wäre.

Die Stadt Bonn beweist heute aufs Neue, dass sie großen Ideen einen Ort bieten kann – sowohl als Konferenzort als auch für den Zuzug neuer Organisationen. Die Bundesregierung wird dies weiterhin nach Kräften unterstützen. Ich habe deshalb beschlossen, dass das Auswärtige Amt künftig mit einem Verbindungsbüro zu den Vereinten Nationen und den internationalen Organisationen hier in Bonn vertreten sein wird! Denn, meine Damen und Herren, diese Welt aus den Fugen, diese Welt im Wandel braucht neue Ideen. Und hier können sie gedeihen. Vielen Dank und alles Gute für das WCCB!

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