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"Der Klimawandel – eine Herausforderung für die humanitäre Hilfe". Impulsreferat des Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Christoph Strässer, beim 34. Forum Globale Fragen im Auswärtigen Amt

17.06.2014

-- es gilt das gesprochene Wort --

I. Einleitung

Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,

ich begrüße Sie recht herzlich im Auswärtigen Amt an diesem 34. Forum Globale Fragen. Als Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe freut es mich sehr, dass wir uns hier und heute gemeinsam diesem wichtigen Thema „Klimawandel und humanitäre Hilfe“ widmen und möchte Ihnen die herzlichen Grüße von Bundesminister Dr. Steinmeier überbringen.

Das Thema humanitäre Hilfe beschäftigt mich bereits seit vielen Jahren, nicht zuletzt durch meine Mitgliedschaft im dafür zuständigen Ausschuss im Bundestag. Daher habe ich bereits zu Beginn meiner Amtszeit in dieser neuen Funktion angekündigt, das Thema auch stärker in den Mittelpunkt meiner Tätigkeit zu stellen.

Erst vor knapp zwei Wochen hat die Weltorganisation für Meteorologie  gemeldet, dass die Konzentration des klimaschädlichen Kohlendioxids  einen neuen Höchststand in der Atmosphäre der nördlichen Halbkugel erreicht hat. Sehr wahrscheinlich schon nächstes Jahr wird dann die CO2-Konzentration auch weltweit über diesem Wert liegen.

Seit Beginn der Industrialisierung ist die CO2-Konzentration der Atmosphäre damit um fast 50 Prozent gestiegen.

Wir wissen spätestens seit der Veröffentlichung des IV. Sachstandsberichts des Weltklimarats 2007: Der Klimawandel ist nicht mehr nur ein Problem der Zukunft.  Nein, er findet bereits statt. Wir sind folglich bereits in ein Zeitalter der Konsequenzen eingetreten.

Und es ist die Aufgabe der humanitären Hilfe, sich auf die verändernden Herausforderungen einzustellen, sich auf diese Konsequenzen vorzubereiten sowie sinnvoll und effektiv darauf zu reagieren.

II. Rückblick

Fast auf den Tag genau vor sieben Jahren, im Juni 2007, waren einige von Ihnen ebenfalls auf einem Forum Globale Fragen. Das   Thema war „Sicherheitsrisiko Klimawandel“. Damals wurde vor allem über die außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen der globalen Erwärmung diskutiert. Und es wurden  schon damals die bereits erkennbaren humanitären Herausforderungen des Klimawandels angesprochen.

Seit 2007 hat sich einiges verändert und sicherlich auch weiterentwickelt. Die  Fortschritte in Deutschland, zum Beispiel beim Ausbau der erneuerbaren Energien, sind ohne Zweifel beachtlich. Und nicht zuletzt infolge des Forums Globale Fragen 2007 wurde auch dem Thema Klimawandel und Sicherheit mehr Aufmerksamkeit in der deutschen, aber auch in der europäischen Außenpolitik zuteil.

Gleichzeitig muss ich jedoch ebenfalls feststellen: Trotz intensiver Bemühungen auf den unterschiedlichsten Ebenen haben sich die Hoffnungen in Bezug auf den Verhandlungsprozess zum internationalen Klimaschutz nicht alle erfüllt.

Und es ist uns allen wohl nicht entgangen, dass das Thema nicht mehr die öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, wie es noch bei unserem letzten Forum Globale Fragen zu diesem Thema der Fall war.

Das Auswärtige Amt ist sich bewusst, dass die drängenden Herausforderungen zur Bewältigung von aktuellen Krisen nicht dazu führen dürfen, dass wichtige Ansätze zur Bewältigung des Klimawandels und zum Umgang mit seinen Konsequenzen zurückstellen. Wir setzen uns daher auf einer Vielzahl von Foren dafür ein, dass wir uns mit den Konsequenzen des Klimawandels weiterhin auseinandersetzen. So hat 2011 der UN-Sicherheitsrat unter deutschem Vorsitz das Thema Klimawandel aufgegriffen – mit positivem Echo aus vielen Entwicklungsländern. Mehrmals  haben sich die EU-Außenminister in den vergangenen Jahren mit dem Thema beschäftigt. Und für den G-7-Gipfel in Deutschland 2015 hat die Bundeskanzlerin bereits öffentlich angekündigt, den Klimawandel zu einem Schwerpunktthema zu machen. Denn: Die  Herausforderungen des Klimawandels nehmen ja nicht ab, wenn wir die Problematik ignorieren, sondern die Herausforderungen nehmen zu!

Bei aller Kritik an der Kopenhagen-Vereinbarung von 2009 lässt sich immerhin feststellen, dass darin zentrale Arbeitsbereiche der humanitären Hilfe als wichtige Maßnahmen zur Klimaanpassung identifiziert worden sind. Außerdem war eines der konkreten Ergebnisse von Kopenhagen, dass die Industrieländer vereinbart haben, die Entwicklungsländer bei der Bekämpfung des Klimawandels zu unterstützen und hierfür 100 Milliarden US-Dollar bis 2020 zu Verfügung zu stellen. Diese Mittel sollen dabei in ausgewogener Weise auf den Klimaschutz, aber eben auch zur Anpassung an den Klimawandel aufgewendet werden.

III. Aktuelle und zukünftige Risiken des Klimawandels

Wenn wir den humanitären Mittelbedarf betrachten, so ist dieser in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Ebenso hat sich die Zahl der Menschen erhöht, die internationale humanitäre Hilfe benötigen. Vor 10 Jahren beliefen sich die jährlichen humanitären Hilfeaufrufe der Vereinten Nationen noch auf insgesamt 3,4 Milliarden US-Dollar, fünf Jahre später  hat sich diese Zahl bereits auf 10 Milliarden US-Dollar fast verdreifacht.  2014 liegen wir mit über 15 Milliarden US-Dollar wieder weit über dem Bedarf des Vorjahres. Und dies allein im ersten Halbjahr!

Die heute sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels, vor allem in Form einer Zunahme von Extremwetterereignissen, sind für diesen enormen Anstieg mit verantwortlich. Natürlich ist der Klimawandel hier nicht allein verantwortlich: Bevölkerungswachstum, ungeplante Urbanisierung, die Übernutzung natürlicher Ressourcen und die extreme Armut in Entwicklungsländern tragen erheblich zur Katastrophenanfälligkeit der Bevölkerung in diesen Ländern bei. Aber der Klimawandel droht genau diese Faktoren der Katastrophenanfälligkeit noch weiter zu verschärfen.

Es geht beim Klimawandel also nicht nur um die Frage, bei welchem Wert die CO2-Konzentration liegt oder um wie viel Grad sich die globale Mitteltemperatur bis zum Jahr 2100 erhöht oder um wie viel Zentimeter der Meeresspiegel bis dahin ansteigen wird. Nein, es geht um die sehr konkrete Frage nach den aktuellen und zukünftigen Risiken für die Menschen, die ohnehin schon sehr gefährdet sind und sich am wenigsten vor den Folgen des Klimawandels schützen können.

Insofern sind der Klimawandel und insbesondere seine Risiken zu globalen Herausforderungen für die humanitäre Hilfe geworden.

Damit stellt sich für uns die Frage, auf welche konkreten Risiken die humanitäre Hilfe reagieren muss. Im ersten Panel heute Vormittag wurde bereits darüber diskutiert, welche Informationen uns über den Klimawandel zu Verfügung stehen und mit welchen Trends und Szenarien wir zu rechnen haben. In diesem Zusammenhang sind auch einige Risiken deutlich geworden: Der Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC - hat in seinem Sonderbericht über Extremwetterereignisse 2012 verdeutlicht, dass sich das Ausmaß und die Frequenz von extremen Wetterereignissen in bestimmten Regionen,  z.B. Asien, infolge des Klimawandels bereits jetzt verändert haben. Es ist unstrittig, dass mit einem weiteren Voranschreiten des Klimawandels in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch Katastrophenereignisse erheblich zunehmen werden. Dies gilt für Großkatastrophen ebenso wie für die viel zu oft in der öffentlichen Wahrnehmung übersehenen kleinen bis mittleren Katastrophen. 

Aber bleiben wir bei den Risiken, auf die wir uns in der humanitären Hilfe einstellen müssen: Diese wurden ganz aktuell und ausführlich im fünften Sachstandsbericht des IPCC Anfang 2014 dargestellt und verdeutlichen auf eindringliche Weise die Relevanz des Klimawandels für die humanitäre Hilfe:

1) Weltweit wächst infolge der Zunahme von extremen Wetterereignissen das Risiko des Zusammenbruchs von kritischer Infrastruktur.

2) In flachen Küstenregionen und weniger entwickelten Inselstaaten drohen eine Zunahme von Todesopfern und Verletzten sowie der Verlust von Existenzgrundlagen infolge von Sturmschäden und Flutwellen sowie langfristig durch den Anstieg des Meeresspiegels.

3) In dicht besiedelten und städtischen Regionen besteht das Risiko, dass vermehrt ernsthafte Krankheiten infolge von Überschwemmungen auftreten. Gleichzeitig sind in städtischen Gebieten besonders ältere Menschen einer zunehmenden Gefahr extremer Hitzewellen ausgesetzt.

4) Arme Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern sind besonders von einer steigenden Ernährungsunsicherheit aufgrund von Dürren, Überschwemmungen und Veränderungen in der Regenzeit bedroht. Grundsätzlich droht für die ländliche Bevölkerung mit geringem Einkommen in Entwicklungsländern der Verlust der Lebens- und Einkommensgrundlagen, wenn sich der Zugang zu Wasser und damit auch die landwirtschaftliche Produktivität weiter verschlechtern.

5) Die mit dem Klimawandel einhergehende Zunahme von Extremwetterereignissen kann im weiteren Verlauf des 21. Jahrhunderts zudem die Vertreibung von Menschen aus ihrem ursprünglichen Lebensumfeld erhöhen. Damit droht vor allem die Anzahl an Binnenflüchtlingen zu steigen. Die Konkurrenz um knapper werdende Ressourcen, wie zum Beispiel landwirtschaftliche Fläche und Wasser kann aber nicht nur dazu führen, dass sich Flüchtlingsbewegungen verstärken, sondern kann auch die Gefahr von gewalttätigen Konflikten erhöhen; im Übrigen ein Thema, welches wir schon bei dem Forum Globale Fragen 2007 diskutiert haben.

Ein konkretes Beispiel, das uns auf erschreckende Weise das gesamte Spektrum dieser  Herausforderungen vor Augen geführt hat, war der Taifun Haiyan, der im vergangenen November mit Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern  die Philippinen getroffen hat. Dieser traf eine Region, wo Bauern und Fischer ohnehin seit Jahren an den Folgen der Klimaveränderung zu leiden hatten, und forderte viele Opfer und zerstörte massenweise die Existenzgrundlage der Bevölkerung. Und aufgrund des Klimawandels wird die Intensität von solchen tropischen Wirbelstürmen auch in Ihrer Region in Zukunft sehr wahrscheinlich noch weiter zunehmen.

Dies ist nur ein Beispiel, welche zusätzlichen Risiken der Klimawandel für Menschen in Entwicklungsländern darstellt. Diese Risiken spiegeln in einem hohen Maße zahlreiche Notlagen wider, auf die die humanitäre Hilfe in den vergangenen Jahren weltweit und mit steigender Tendenz bereits reagieren musste. Denn extreme Wetterereignisse sind heute schon für über 75 Prozent der Naturkatastrophen auf der Welt verantwortlich, vor allem in weniger entwickelten Ländern.

In Asien – um bei unserem Beispiel zu bleiben - sind aber nicht nur die Philippinen durch die Risiken des Klimawandels gefährdet. Es besteht gerade in den Küsten- und vor allem Deltaregionen die Gefahr, dass infolge von extremen Niederschlägen und einer Intensivierung von tropischen Wirbelstürmen die Schäden an der Infrastruktur und der Verlust der Existenzgrundlagen weiter zunehmen werden. In anderen Ländern drohen aufgrund der Zunahme von Hitzewellen und Dürreperioden ein steigendes Risiko hitzebedingter Todesfälle und die Verknappung von Trinkwasser.

In Afrika verschärft die mangelnde Verfügbarkeit von Wasser auch den sogenannten Trockenstress in zahlreichen Ländern des Kontinents. Ein bereits heute zu beobachtender Rückgang der Ernteerträge mit entsprechenden Auswirkungen für die Ernährungssicherheit droht sich weiter zu verstetigen. Infolge der Veränderungen von Temperatur und Niederschlägen verändern sich auch Vektor-Krankheiten und durch Wasser übertragende Krankheiten in ihrer Häufigkeit und räumlichen Verteilung.

In Südamerika macht uns vor allem die Verfügbarkeit von Trinkwasser in Regionen Sorgen, die vom Schmelzwasser der Andengletscher abhängig sind – ein Problem, welches auch für das vom Himalaja-Schmelzwasser abhängige Südasien zutrifft. Die mangelhafte Verfügbarkeit von Wasser betrifft hier Hunderte Millionen Menschen. Aber der Klimawandel verstärkt diese regionalen Risiken und verschärft bestehende Probleme in einem bereits oft instabilen Kontext.

Paradoxerweise führt die globale Erwärmung in zahlreichen Regionen sowohl zu einem steigenden Risiko infolge von häufigeren Hitzewellen, als auch zu einem steigenden Risiko infolge der Zunahme von extremen Niederschlägen und daraus resultierenden Überschwemmungen. Die Extreme werden also einerseits extremer und andererseits immer unberechenbarer.

Bei den von diesen Extremen besonders gefährdeten Gebieten, handelt es sich mehrheitlich um Länder und Regionen, in denen die internationale humanitäre Hilfe bereits seit Jahrzehnten tätig ist. Folglich ist das humanitäre System hier gefordert, zukünftig verstärkt humanitär geprägte Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu implementieren.

IV. Bisherige Aktivitäten des Auswärtigen Amtes zur Reaktion auf die humanitären Herausforderungen

Deutschland ist ein Vorreiter beim Klimaschutz, aber auch bei der Frage nach der richtigen Anpassung an die humanitären Folgen des Klimawandels. Wir haben es von Anfang an begrüßt, dass UN-Organisationen und die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung frühzeitig die humanitären Konsequenzen des Klimawandels und die Notwendigkeit von Maßnahmen der Klimaanpassung deutlich gemacht haben.

Das Auswärtige Amt hat in den vergangenen Jahren bereits wichtige Impulse gesetzt, um die humanitär geprägte Anpassung an den Klimawandel zu gestalten und vor allem, um die Reaktionsfähigkeit der humanitären Hilfe zu verbessern.

Wir haben ganz gezielt das Mandat von UNHCR für den Schutz von Binnenvertriebenen gestärkt und 2011 hat das Auswärtige Amt seine Preparedness-Initiative gestartet und damit einen Paradigmenwechsel in der humanitären Hilfe eingeleitet. Maßnahmen der humanitären Katastrophenvorsorge und insbesondere eine verbesserte Vorbereitung auf zukünftige Katastrophenfälle sind dadurch in unsere Förderbereiche und Ansätze der humanitären Hilfe integriert worden. Im Kontext dieses Paradigmenwechsels stehen für das Auswärtige Amt nun vor allem auch vorbeugende und schadenmindernde Maßnahmen im Mittelpunkt. Dies umfasst den Aufbau von Frühwarnsystemen, aber auch die Stärkung der Kapazitäten von

- lokalen,
- nationalen und
- regionalen
Akteuren im Katastrophen-Risikomanagement.

Seit 2012 betont das Auswärtige Amt in seiner Strategie zur humanitären Hilfe im Ausland diesen Paradigmenwechsel und ebenso die Bedeutung einer „klimasensiblen“ humanitären Hilfe als wichtiges Querschnittthema. Wir wollen mit unseren Partnern nicht nur im Rahmen der Sofort- und Nothilfe auf Krisen und Katastrophen reagieren können. Bei der beschriebenen Zunahme von Risiken wollen wir mir unseren Partnern planerisch und vorausschauend agieren und Maßnahmen der Risikoreduktion in unsere Aktionsfelder der humanitären Hilfe integrieren. Wenn wir diese Aktionsfelder heute betrachten, hat inzwischen auch aufgrund der steigenden Risiken des Klimawandels eine Erweiterung unseres Verständnisses von humanitärer Hilfe stattgefunden – nämlich vom Krisenmanagement hin zum Risikomanagement.

Wir arbeiten hier eng mit den UN-Organisationen, den Nichtregierungsorganisationen und der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung zusammen. Damit können wir auch auf die große Fachkompetenz unserer Partner beim Umgang mit den Gefahren des Klimawandels zurückgreifen.

Seit letztem Jahr engagiert sich das Auswärtige Amt zudem in der Steuerungsgruppe der neu gegründeten Nansen-Initiative. Diese Initiative hat das Ziel, einen regionalen Diskurs über das Thema Klimawandel und Vertreibung anzustoßen und es in allen relevanten globalen und regionalen Foren prominent zu verankern. Wir haben die Nansen-Initiative und ihre Konsultationen in Bezug auf grenzüberschreitende, klimainduzierte Vertreibung von Anfang an begrüßt und setzen uns für eine breite Aufstellung der Initiative ein, weit über die Erörterung rechtlicher Rahmenfragen hinaus.

Und schließlich habe ich mich in der entsprechenden Arbeitsgruppe selbst dafür eingesetzt, dass auch der Koalitionsvertrag vom November 2013 die Anpassung an den Klimawandel als einen Schwerpunkt der humanitären Hilfe benennt, was somit die Initiative des Auswärtigen Amts ebenfalls bekräftigt.

V. Konkrete Lösungsmöglichkeiten und zukünftige Handlungsbereiche der humanitären Hilfe

Das Auswärtige Amt ist sich aber darüber im Klaren, dass die bisherigen Maßnahmen der internationalen humanitären Hilfe, auch des deutschen Beitrags zur Reaktion auf die humanitären Herausforderungen des Klimawandels noch nicht ausreichen. Aus diesem Grund haben wir Sie heute zu diesem Forum Globale Fragen eingeladen.

Den Teilnehmern des ersten Panels vom Vormittag bin ich deshalb für ihre bisherigen Beiträge und die Diskussion sehr dankbar. Nach den ersten Gesprächen über den Verlauf des Vormittags denke ich, dass wir einen überaus hilfreichen Einblick bekommen haben, welche Klima- und Extremwetterinformationen uns heute bereits zu Verfügung stehen. Es ist auch deutlich geworden, was wir tun können und tun müssen, um diese Informationen für eine vorausschauende und damit verbesserte Risikoreduktion im humanitären System zu nutzen.

Wir müssen unseren Paradigmenwechsel in der humanitären Hilfe intensiv fortführen und die Stärkung der Preparedness-for-Response Kapazitäten der humanitären Akteure weiter vorantreiben. Es bedarf einer weltweiten Umstellung des humanitären Systems vom klassischen Katastrophenmanagement hin zum Risikomanagement. Hierfür müssen wir den Stellenwert einer verbesserten Reaktionsfähigkeit innerhalb des gesamten humanitären Systems weiter konsequent erhöhen und die Integration einer klimasensiblen Katastrophenvorsorge sicherstellen, und zwar  in der Soforthilfe, ebenso wie in der Nothilfe  und auch in der Übergangshilfe.

Der Dialog zwischen humanitären Akteuren und den unterschiedlichen wissenschaftlichen Experten im Bereich Klimawandel und Extremwettervorhersagen muss sich verbessern. Humanitäre Geber, wie das Auswärtige Amt und unsere Partner müssen in die Lage versetzt werden, vorhandene Informationen über Klima- und Extremwetterrisiken zu verstehen und dann entsprechend in ihre strategischen Planungen und Projektmaßnahmen zu integrieren.

Deshalb werden wir  unsere Partnern im UN-System, bei den Nichtregierungsorganisationen und in der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung bei einer klimasensiblen Projektplanung und -durchführung unterstützen. Gleichzeitig müssen wir die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass auch spontane Maßnahmen der Risikoreduktion koordiniert und zeitnah implementiert werden können.

VI. Erwartungen an den weiteren Verlauf des Forums Globale Fragen und nächste Schritte

Verstehen Sie mich aber bitte nicht falsch. Dies soll noch keine abschließende Zusammenfassung des Forums sein, denn vor uns liegt noch ein wichtiges zweites Panel. In Ergänzung zu den bisherigen Diskussionen, soll es in diesem Panel nun um den konkreten Umgang mit den Folgen des Klimawandels und um zukünftige Handlungsschwerpunkte für die humanitäre Hilfe gehen.

Ich möchte die Panelisten - aber auch die anwesenden Gäste - deshalb bitten, uns im Folgenden möglichst greifbare Maßnahmen für eine humanitär-geprägte Anpassung an den Klimawandel aufzuzeigen.

Ich erwarte mir vom zweiten Panel deshalb unter anderem konkrete Aussagen zu den folgenden Fragestellungen:

Wie kann das Auswärtige Amt in enger Kooperation mit seinen Partnern seine Rolle als Anwalt für die humanitären Konsequenzen des Klimawandels und zum Wohle der von Klimawandel besonders bedrohten Bevölkerungsgruppen in Hochrisikoländern weiter stärken?

Wie können wir die humanitäre Dimension des Klimawandels und entsprechende Anpassungsmaßnahmen auf der internationalen Ebene noch besser einbringen?

Wie können die unterschiedlichen Partner der deutschen humanitären Hilfe sicherstellen, dass sie dem Thema Klimawandel den notwendigen Stellenwert geben?

Wir wollen mit Ihnen dern Paradigmenwechsel unserer humanitären Hilfe besonders unter dem Aspekt der Klimasensibilität noch weiter vorantreiben. Dafür müssen wir gemeinsam überlegen, welche Maßnahmen hier noch mehr an Bedeutung gewinnen sollten. Wir müssen nach Lösungen suchen, wie wir  durch einen besseren Wissensaustausch sicherstellen können, dass die bereits vorhandenen Erfahrungen sinnvoller Anpassungsmaßnahmen im Kontext der humanitären Hilfe noch besser zusammengeführt werden können.

Und wie können wir dazu beitragen, dass möglichst multi-dimensionale Ansätze im Umgang mit dem Thema Klimawandel und Vertreibung entwickelt werden, anstatt sich nur auf die Frage nach der Definition von Klimaflüchtlingen zu konzentrieren?

Ich kann Ihnen versichern, dass die Ergebnisse dieses Forums für das Auswärtige Amt von großer Bedeutung sind. Wir haben heute ganz bewusst unterschiedliche Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft zusammengebracht.

Die deutsche humanitäre Hilfe wird hier auch in Zukunft Brücken bauen. Wir werden uns intensiv dafür einsetzen, dass sich der Klimawandel und eine humanitär-geprägte Anpassung an seine Folgen noch deutlicher in den unterschiedlichen internationalen Prozessen wiederfinden. Wir werden deshalb unsere multilaterale und bilaterale Diplomatie weiter ausbauen, um die humanitären Auswirkungen wieder stärker ins politische und öffentliche Bewusstsein zu bringen. Hierbei werden wir unseren Schwerpunkt vor allem auf die durch den Klimawandel besonders bedrohten Bevölkerungsgruppen legen.

Im Rahmen des UN-Systems und in Vorbereitung zum World Humanitarian Summit 2016, werden wir in einen verstärkten Dialog mit unseren nationalen und internationalen Partnern der humanitären Hilfe treten. Wir werden auch die Nationalstaaten darin unterstützen, den Umgang mit den humanitären Herausforderungen des Klimawandels wieder stärker auf die eigene politische Agenda zu setzen.

Ihre heutigen Diskussionen werden uns dabei helfen, diese strategische und konzeptionelle Weiterentwicklung zu gestalten und einer humanitär-geprägten Anpassung an den Klimawandel wieder die notwendige nationale und internationale Aufmerksamkeit zu verschaffen.

VII. Schlusswort

Ich möchte allen Gästen und den Panellisten nochmals für Ihr Kommen und Ihre Beiträge danken.

Dieses Forum Globale Fragen wird zwar nichts an der Tatsache ändern, dass wir bereits mit den humanitären Konsequenzen des Klimawandels konfrontiert sind, aber ich hoffe sehr, dass dieses Forum:

Erstens dazu beträgt, dass sich die humanitäre Hilfe bestmöglich auf diese Konsequenzen vorbereitet und

Zweitens die humanitäre Hilfe dann dazu beitragen kann, die bedrohlichsten Risiken für die am meisten gefährdeten Menschen auf dieser Welt zu reduzieren oder sogar zu verhindern.

Vielen Dank!

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