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Laudatio des Koordinators für die Transatlantische Zusammenarbeit, Harald Leibrecht,  anlässlich der Verleihung des ifa-Forschungspreises Auswärtige Kulturpolitik am 18.07.2013 in Karlsruhe

18.07.2013

Sehr geehrter Herr Grätz,
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor allem sehr geehrte Frau Dr. Kreis,

Amerika, dieser Begriff ruft vielfältige Assoziationen hervor: Freiheit, Demokratie, beeindruckende Natur, grandiose Städte, Menschen vielfältiger Herkunft oder besser auf Neudeutsch „cultural diversity“, Barbecues, sportliche Höchstleistungen, Jazzmusik, aber auch Guantanamo, Drohnenangriffe, NSA und Prism, 9/11 und der Irakkrieg, Todesstrafe, laxe Waffengesetze und politische Polarisierung. Jeder Mensch hier in Deutschland verbindet etwas anderes mit den USA. Dabei gehen die Eindrücke und Meinungen, wie wir gerade in den letzten Wochen wieder sehen, oftmals weit auseinander. Unser Bild wird maßgeblich geprägt durch die Medien - traditionelle und neue-, durch Filme, Literatur, Kunst und Kultur. Viele Menschen haben auch die Gelegenheit, dieses „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ selbst kennenzulernen, etwa durch eigene Aufenthalte oder durch amerikanische Besucher. Bis vor einigen Jahren spielten zudem in Deutschland stationierte Soldaten mit ihren Familien eine wesentliche und überwiegend sehr positive Rolle als Botschafter zwischen den Kulturen.

Deutschland und Amerika verbindet heute trotz aller Unterschiede sehr viel: eine gemeinsame Vergangenheit, engste Verbundenheit während der Zeiten des Kalten Krieges verbunden mit unserem Dank für die Solidarität und Unterstützung bei der Wiedervereinigung und vor allem, die Werte, an die wir glauben und für die wir uns einsetzen. Uns verbindet aber vor allem auch eine gemeinsame Zukunft, in der wir gemeinsam Verantwortung tragen in einer globalisierten und komplexen Welt. Eine gemeinsame Zukunft, die wir zusammen aktiv gestalten möchten - zum Beispiel durch die Schaffung einer umfassenden Freihandels- und Investitionspartnerschaft. Damit können wir nicht nur Arbeitsplätze und Wachstum schaffen, sondern auch ein Zeichen von politischer Verbundenheit setzen. Präsident Obama hat zur transatlantischen Partnerschaft vor vier Wochen in Berlin gesagt: „Our alliance is the foundation of global security.  Our trade and our commerce is the engine of our global economy.  Our values call upon us to care about the lives of people we will never meet.  When Europe and America lead with our hopes instead of our fears, we do things that no other nations can do, no other nations will do.”

Die Amerikahäuser und Deutsch-Amerikanischen Institute tragen seit ihrer Entstehung vor mehr als 60 Jahren ganz maßgeblich dazu bei, Deutschland und Amerika näher zusammenzubringen und damit die Grundlage für unsere enge Partnerschaft von heute zu legen. Sie haben das in einer Zeit getan, als die räumliche Distanz noch sehr viel schwerer zu überbrücken war. In einer Zeit, als die Schrecken des 2. Weltkriegs nicht Geschichte, sondern für viele Menschen noch erlebte Realität waren. In einer Zeit, als Deutschland nicht Partner sondern Gegenstand der amerikanischen Sicherheitspolitik war. In einer Zeit, in der man noch nicht über Facebook, Skype und Twitter praktisch raum- zeit- und grenzenlos miteinander verbunden war. Sie waren und sind, wie es der Titel des Buches von Frau Dr. Kreis nennt, „Orte für Amerika“ in Deutschland.

Als ich vor nunmehr zwei Jahren meine Posten als Koordinator für die Transatlantische Zusammenarbeit antrat, habe ich mir vorgenommen, vor allem auch außerhalb von Berlin, Washington und Ottawa zu wirken. Ich möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen, sie für das jeweils andere Land interessieren, vielleicht auch mal Missverständnisse aufklären oder Gemeinsamkeiten unterstreichen. Die Deutsch-Amerikanischen Einrichtungen sind daher ganz zentrale Partner für mich. Ich denke, uns verbindet quasi eine gemeinsame Mission. Auch ich arbeite als Koordinator ebenso wie die Amerikahäuser, wie es Frau Dr. Kreis, so treffend herausgearbeitet haben, an drei Schnittstellen: An der Schnittstelle zwischen Deutschland und Nordamerika, an der Schnittstelle zwischen der Regierung und der Öffentlichkeit und an der Schnittstelle zwischen der Außenpolitik und der Kulturpolitik. Höhepunkte meiner Tätigkeit als Koordinator hier im Inland waren genau deshalb meine Besuche bei diversen Amerikazentren bzw. Amerikainstituten in Stuttgart, Köln, Hamburg, Tübingen und Freiburg.

Nachdem sich die staatliche amerikanische Seite Ende der 1990er Jahre aus der Finanzierung der DAIs und Amerikahäuser weitgehend zurückgezogen hatte, war die Umwandlung in neue Organisationsformen ein sehr schwieriger Schritt. Eine Reihe von Einrichtungen mussten ihre Türen schließen. Umso erfreulicher ist es, dass an zehn Standorten die deutsch-amerikanischen Institutionen erhalten werden konnten. Den Erhalt verdanken diese Häuser vor allem engagierten Bürgern, die die Unterstützung durch Kommunen, Landesregierungen, Unternehmen eingeworben haben. All diesen Bürgern gilt mein Dank und meine Anerkennung.

In Zeiten knapper Kassen wünscht man sich, wünsche auch ich mir oftmals eine noch bessere Förderung für diese wichtige Arbeit. Ich freue mich, dass das Auswärtiges Amt weiterhin zum Erfolg verschiedener deutsch-amerikanischer Institutionen beitragen kann. Ich freue mich auch, dass die US-Botschaft und die Generalkonsulate die deutsch-amerikanischen Institutionen weiterhin aktiv unterstützen. Die Frage der Finanzierung der Institute spielte übrigens, wie ich Frau Dr. Kreis Werk entnehmen konnte, auch schon vor mehreren Jahrzehnten eine große Rolle. Sehr schnell hat Deutschland hier auch eine finanzielle Verantwortung mit übernommen. Eine Verantwortung, die sich etwas zeitverzögert auch in der inhaltlichen und personellen Ausgestaltung zeigte.

Meine Damen und Herren,

für mich ist es eine besondere Freude und Ehre, heute der Laudator für Frau Dr. Kreis zu sein. Sie wird mit dem Forschungspreis des Instituts für Auslandsbeziehungen für Auswärtige Kulturpolitik für ihr Werk „Orte für Amerika. Deutsch-Amerikanische Institute und Amerikahäuser in der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren“ ausgezeichnet. Mein besonderer Dank gilt dem IfA für die hervorragende Auswahl dieser Preisträgerin. Er gilt dem Ifa auch für die Motivation, die es durch diesen Preis schafft, sich mit Themen der Auswärtigen Kulturpolitik auseinanderzusetzen.

Lassen Sie mich einige Beobachtungen mit Ihnen teilen, die ich als Nicht-Wissenschaftler bei der Lektüre des Buches gemacht habe. Dabei möchte ich ganz besonders auf Punkte eingehen, die für mich bei der transatlantischen Zusammenarbeit auch heute und in der Zukunft von besonderer Bedeutung sind.

Liebe Frau Dr. Kreis, ich habe Ihr Werk mit großem Interesse gelesen. Sie leisten, ausgehend von der Analyse der Geschichte der Amerikahäuser, einen zentralen Beitrag zur Entwicklung der deutsch-amerikanischen Kulturbeziehungen. Und noch viel mehr: Ihr Buch gibt tiefe Einblicke in das politische, wirtschaftliche, v.a. aber auch zivilgesellschaftliche Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikanern in den Jahrzehnten des Kalten Krieges. Der Kalte Krieg ist inzwischen Geschichte. Und doch sind viele Ihrer Beobachtungen immer noch hoch aktuell und können auf die heutige Zeit übertragen werden.

Ich denke hier zum Beispiel an das Spannungsverhältnis zwischen politischer Propaganda und dem Versuch, ein positives Amerikabild zu vermitteln, das immer dann entsteht, wenn politische oder gesellschaftliche Fragen unterschiedlich eingeschätzt werden. Sie beschreiben dies besonders anschaulich am Beispiel des Vietnamkrieges. Das war damals keine leichte Aufgabe für die Amerika Häuser, die selbst auch Orte des Protestes wurden.

Meine Damen und Herren, die Älteren unter Ihnen erinnern sich vielleicht noch selbst an die Eierwürfe auf das Amerikahaus in Berlin. Imperialismus und Faschismusvorwürfe wurden laut. Die Amerikahäuser galten als Propagandamaschinen, obwohl sie sich, wie Frau Dr. Kreis beschreibt, in vielen Veranstaltungen auch durchaus kritisch mit dem Vietnamkrieg auseinandersetzten. Als Beispiel der hervorragenden Quellenarbeit von Frau Dr. Kreis sei hier genannt, dass sie sich akribisch mit der Programmgestaltung der Institute auseinandersetzt. Sie kann so genau analysieren, wie auf diese konkrete Situation reagiert wurde, und auch welche Bilder in dieser Phase gezielt eingesetzt wurden, um das Amerikabild zu prägen.

Die aktuelle Debatte über die Praktiken der NSA stellt Institutionen wie die Amerikahäuser vor ähnlich große Herausforderungen. Wieder gilt es zu erklären, zu vermitteln und auch Missverständnisse auszuräumen. Jenseits der politischen Gespräche und jenseits der Medienberichterstattung.

Gleichzeitig gilt es hier zu differenzieren: Schon lange sind die Amerikahäuser keine Sprachrohre der amerikanischen „Public Diplomacy“ mehr, die bewusst, wie Frau Dr. Kreis beschreibt, als Mittel der Soft Power eingesetzt würden. In Ihrem Fazit schreiben Sie dazu: „Kultur- und Informationspolitik zeigt sich hier nicht nur als Kulturaustausch, sondern als außenpolitisches Instrument zur Herstellung und Bewahrung von Vertrauen und damit zur Stabilisierung und Legitimierung politischer Verhältnisse.“

Ich denke, die Zentren sind heute noch viel mehr ein Ort des Diskurses, in dem deutsche und amerikanische Vorstellungen direkt aufeinandertreffen können und sollen. Gerade in Zeiten, in denen unsere Beziehungen in etwas raueres Fahrwasser geraten, brauchen wir solche Orte, die den zivilgesellschaftlichen Austausch unterstützen.

Auch ein anderes Thema, das Frau Dr. Kreis im Blickfeld hat, ist für mich aktuell von besonderem Interesse. Ich denke dabei an die Fokussierung auf bestimmte Zielgruppen, den Nachwuchs an Transatlantikern, den wir gezielt ansprechen müssen. Auf beiden Seiten des Atlantiks. Frau Dr. Kreis nimmt dies u.a. in dem Kapitel „Gesellschaftliche Herausforderungen und amerikanische Antworten“ auf. Anfang der 70er Jahre war bei vielen jungen Deutschen die erste große Amerikaeuphorie vorbei. Sie wuchsen nicht mehr auf mit den Bildern der Luftbrücke, sondern mit denen des Vietnamkrieg und der Auseinandersetzungen um die Rassendiskriminierung. Diese prägten ihr Amerikabild.

Auch heute sehen viele junge Deutsche ein widersprüchliches Amerika, dessen Politik hier manchmal schwer nachvollziehbar ist. Gleichzeitig gibt es sehr spannende Entwicklungen in anderen Teilen der Welt, die eine große Anziehungskraft haben, z.B. bei den neuen Gestaltungsmächten in Asien und Lateinamerika.

Sie beschreiben, Frau Dr. Kreis, wie die Amerikahäuser sich Anfang der 70er sehr aktiv bemüht haben, vermehrt Jugendliche anzusprechen. Durch Zusammenarbeit mit Schulen, durch spezielle Formate aber auch mit speziellen Themen, wie z.B. Vorträge über Drogen.

Heute müssen wir uns wieder besonders aktiv bemühen, jungen Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks die Relevanz der transatlantischen Partnerschaft und ihre Bedeutung für die Zukunft zu vermitteln. Dabei sollten wir insbesondere auch Minderheiten im Auge behalten: Deutsche mit türkischen Wurzeln, Amerikaner mit hispanischen oder asiatischen Wurzeln. Sie erreichen wir nur, wenn wir auf Zukunftsthemen eingehen, in denen wir gemeinsam – partnerschaftlich-  agieren können, z.B. beim Thema erneuerbare Energien, Rohstoffknappheit, aber gerade auch bei der Internetsicherheit und nicht zuletzt beim Aufbau eines gemeinsamen Marktes.

Ich betonte eben ganz bewusst das Wort „partnerschaftlich“. Ein roter Faden, der sich durch die Studie zieht ist die Entwicklung von „Leadership“ zu mehr „Partnership“. Frau Kreis kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Gewichtungen zwischen 1960 und 1980 deutlich hin zu mehr partnerschaftlichen Elementen verschoben hat, aber dennoch die amerikanische „leadership“-Rolle immer sehr deutlich blieb. Die Diskussion der Frage, wie dieses Verhältnis heute aussieht, würde jetzt den Rahmen unserer Veranstaltung sprengen. Sie ist jedoch weiterhin von größtem Interesse. Ich denke, sie muss auch für die sicherheitspolitischen Fragen anders beantwortet werden als beispielsweise für die wirtschaftlichen Fragen.

Mit Ihrer Arbeit, haben Sie, liebe Frau Dr. Kreis, sich als Expertin für deutsch-amerikanische Kulturbeziehungen einen Namen gemacht. Ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zu der Auszeichnung mit dem des Forschungspreis für Kulturpolitik des Instituts für Auslandsbeziehungen sind. Diese Auszeichnung freut mich für die deutsch-amerikanischen Kulturbeziehungen, deren Analyse hier gewürdigt wird; sie freut mich für die deutsch amerikanischen Institute und Amerikazentren, deren Arbeit ich besonders schätze und die im Mittelpunkt Ihres Buches stehen; sie freut mich aber vor allem für Sie als junge Wissenschaftlerin.

Liebe Frau Dr. Kreis, für ihren Einsatz, ihre Hingabe, ihre Beharrlichkeit, über mehrere Jahre hinweg dieses Thema zu verfolgen, ihre ausgesprochene Expertise und ihr großes Innovationsvermögen bei der Bearbeitung dieses Projekts haben Sie sich diesen Preis mehr als verdient. Ich hoffe, dass Sie den deutsch-amerikanischen Beziehungen in Ihrer wissenschaftlichen Karriere weiterhin verbunden bleiben.

Meinen herzlichsten Glückwunsch zu Ihrer ausgezeichneten Arbeit und dem hochverdienten Preis.

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