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Rede von Außenminister Guido Westerwelle anlässlich der Verleihung des Deutsch-Polnischen Preises am 10. Mai 2013 in Warschau

10.05.2013

 --es gilt das gesprochene Wort--

Sehr geehrter Herr Minister Bartoszewski,
lieber Radek Sikorski,
sehr geehrte Frau Lempp,
sehr geehrte Familie Lempp,
sehr geehrter Herr Pawłoś,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

lassen Sie mich zunächst der Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" zur heutigen Auszeichnung gratulieren.

Mit dem Deutsch-Polnischen Preis ehren wir heute auch Herrn Dr. Albrecht Lempp, der im vergangenen November viel zu früh von uns gegangen ist.

Es ist mir eine außerordentliche Ehre, mit diesem wichtigen Preis einen so würdigen Preisträger posthum auszuzeichnen.

Anlässlich der 20 Jahr-Feier der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit im Jahr 2011 hatte ich Gelegenheit, Albrecht Lempp persönlich kennenzulernen. Wir haben damals gemeinsam zurückgeblickt auf 20 Jahre, in denen sich die deutsch-polnischen Beziehungen erfreulich positiv entwickelt haben.

Das ist nicht selbstverständlich. Vertrauen war im deutsch-polnischen Verhältnis lange ein knappes Gut. Vertrauen ist etwas Kostbares. Zwischen Menschen ebenso wie zwischen Staaten. Es braucht Zeit, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Und es braucht Menschen wie Albrecht Lempp, die unermüdlich Vertrauensarbeit leisten.

Wir blicken heute auf einen langen und erfolgreichen Weg der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen zurück. Deutschland und Polen sind in allen Politik- und Gesellschaftsbereichen heute eng vernetzt. Unsere Völker sind in enger Freundschaft verbunden. Unsere Länder sind Teile eines geeinten, demokratischen Europas. Europa ist mehr als ein gemeinsamer Markt. Europa ist mehr als eine Währung. Europa ist eine Kultur- und Schicksalsgemeinschaft.

Europa ist die Antwort auf das dunkelste Kapitel der deutschen Vergangenheit. Es ist das erfolgreichste Friedensprojekt der Geschichte.

Europa ist nicht nur Westeuropa, das habe ich früh gelernt.

Die europäische Einigung haben visionäre Staatsmänner möglich gemacht. Dass Deutsche und Polen sich heute so nahe sind, ist aber auch das Ergebnis vieler gesellschaftlicher, privater Initiativen.

Die deutsch-polnische Freundschaft wird vorangetrieben von Persönlichkeiten, deren Vorbild und deren ehrlichem und unermüdlichem Engagement wir viel zu verdanken haben.

Einer von diesen war Albrecht Lempp: Im Deutschen Polen-Institut, dem Adam-Mickiewicz-Institut, als deutscher Geschäftsführer der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit oder als Übersetzer, um nur einige Stationen zu nennen, bewies Albrecht Lempp den Mut, sich für visionäre Ziele einzusetzen. Diese verfolgte er mit Leidenschaft, Ausdauer und Pragmatismus.

Uns Deutschen hat er Wege zum besseren Verständnis der polnischen Kultur eröffnet. In Polen hat er, indem er Vertrauen für sich gewann, auch Vertrauen für Deutschland aufgebaut. Albrecht Lempp hat sich um die deutsch-polnischen Beziehungen verdient gemacht.

Polen ist ein dynamisches Land mit einer starken Wirtschaft und einer reichen Kultur. So wie Europa von Polen profitiert, so zieht Polen großen Gewinn aus der Mitgliedschaft in der EU. Wir freuen uns über die Meinungsumfragen in Polen.

Sie zeigen regelmäßig die höchsten Zustimmungsraten zur Europäischen Union. Gerade in Zeiten, in denen manche allzu leichtfertig Europa mit Kritik überziehen, sollten wir unsere Ohren auch öffnen für solche guten Nachrichten.

Die Strahlkraft Europas ist ungebrochen. Der Einsatz für die europäischen Grundwerte macht nicht Halt an den Grenzen der EU. Er schließt den Dialog mit unseren Nachbarn natürlich mit ein. Eines der letzten Projekte, an dem Albrecht Lempp mitgewirkt hat, brachte junge Journalisten aus Polen und Deutschland auf einer gemeinsamen Reise in Moskau mit russischen Kollegen zusammen.

In solchen Formaten kann die deutsch-polnische Versöhnung Vorbild sein.

Polen und auch Deutschland sind innerhalb der Europäischen Union relativ groß. In der Welt sind unsere beiden Länder relativ klein. Das gilt auch für die anderen Mitgliedsstaaten. Nur gemeinsam als Europäer wird es uns gelingen, unsere Werte, unsere Art zu leben in unserer Welt des Wandels zu behaupten. Europa ist nicht nur unsere Antwort auf die Vergangenheit. Europa ist unsere gemeinsame Antwort auf die Globalisierung.

Ich danke Ihnen.

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