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"Deutsche Einheit und Einigung Europas gehören zusammen" - Rede von Außenminister Guido Westerwelle zum Tag der Deutschen Einheit in Paris

03.10.2012

-- Es gilt das gesprochene Wort --

Monsieur le Premier ministre,
Mesdames et Messieurs les Ministres,

meine Damen und Herren,

ich freue mich, den Tag der deutschen Einheit gemeinsam mit Ihnen in Paris zu feiern.

In der Nacht zum 3. Oktober 1990 hat das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit vollendet.

Damit war die Überwindung der deutschen und europäischen Teilung besiegelt.

Ohne Frankreichs Vertrauen wäre diese Sternstunde der deutschen Geschichte nicht Wirklichkeit geworden. Unvergessen bleiben die Worte von François Mitterand: „Die deutsche Einheit ist eine historische Notwendigkeit, und Frankreich steht dabei an der Seite Deutschlands.“

Die deutsche Einheit und die Einigung Europas gehören untrennbar zusammen. Dieser Gedanke ist in der Präambel unseres Grundgesetzes verankert. Er ist Teil unserer Identität.

Dieses Europa ist die Antwort auf die Irrwege unserer Geschichte. Heute ist es mehr denn je ein Zukunftsprojekt.

1990 galt es noch, Europas Spaltung zu überwinden. Heute stehen wir gemeinsam vor der historischen Herausforderung und Chance, seine Einheit zu vollenden und das Vertrauen in Europa zu stärken. Oder wie Sie, Herr Premierminister, gestern in der Assemblée nationale gesagt haben: „Wir müssen ein Europa des Vertrauens schaffen.“ Europa ist unsere gemeinsame Zukunft in Zeiten der Globalisierung: „Sans l’Europe nous serions isolés et faibles.“ Et j’ajoute, ça vaut pour la France et pour l’Allemagne.

Deutschland und Frankreich stellen der Schuldenkrise eine Politik der Konsolidierung, des Wachstums und der Solidarität entgegen.

Wir müssen aber Europa auch über die Krise hinaus denken.

Wir wollen gemeinsam mit Frankreich die Konstruktionsschwächen des Euro beheben und unsere Währungsunion um eine engere Zusammenarbeit in der Wirtschaftspolitik, der Finanzpolitik und der Haushaltspolitik ergänzen.

Wo wir der europäischen Ebene neue Zuständigkeiten geben, brauchen wir auch mehr demokratische Mitsprache, oder wie Sie es gestern in der Assemblée nationale gesagt haben: „Wir müssen die Menschen mitnehmen“.

Beim Bau des Europas von morgen ist für uns Deutsche Frankreich der unverzichtbare Partner. Gemeinsam tragen wir besondere Verantwortung für das europäische Projekt.

Dabei können wir auf ein einzigartiges Vertrauensverhältnis und eine wahre Freundschaft bauen.

Daran erinnert ein zweites Jubiläum, das wir in diesen Tagen feiern. Vor fünfzig Jahren beendete Charles de Gaulle seine Rede an die deutsche Jugend mit den Worten: „Die Zukunft unserer beiden Länder und der Grundstein der Einheit Europas bleiben die gegenseitige Achtung, das Vertrauen und die Freundschaft zwischen dem französischen und dem deutschen Volk.“

In diesem Geist gestalten Deutsche und Franzosen heute gemeinsam mit unseren europäischen Nachbarn mit Vernunft, aber auch mit Leidenschaft Europas Zukunft.

Mesdames et Messieurs, Charles de Gaulle et Konrad Adenauer ont établi une nouvelle confiance en Europe. Helmut Kohl et Francois Mitterrand ont mis fin à la division de notre continent. Ces grands moments historiques inspirent notre génération à parachever la construction européenne. C'est notre rendez-vous avec l'histoire. Vive l’amitié franco-allemande, vive notre Europe!

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