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Grußwort von Außenminister Guido Westerwelle anlässlich der Vorstellung der Erstausgabe der "Jewish Voice from Germany"

10.01.2012

-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrter Herr Seligmann,
sehr geehrter Herr Herkenhoff,
sehr geehrter Herr Smith,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, bei der Präsentation der Erstausgabe der „Jewish Voice from Germany“ dabei zu sein. Ich hatte das Privileg, mir das erste Druckexemplar vorab anzuschauen und kann aus Überzeugung sagen: Diese neue Zeitung ist sehr gelungen.

Die „Jewish Voice from Germany“ spiegelt wieder, was nach dem Zivilisationsbruch der Shoa lange Zeit alles andere als selbstverständlich war: Jüdisches Leben ist in Deutschland wieder fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Das ist ein Grund zur Freude und Dankbarkeit!

In etwa 110 jüdischen Gemeinden sind gut 100.000 Gemeindemitglieder aktiv. Siebzig Jahre nach der Shoa werden in Deutschland Rabbiner ordiniert und Synagogen gebaut. Jüdische Kinder besuchen – häufig gemeinsam mit Kindern anderer Religionen – jüdische Kindergärten und Schulen. Die jüdischen Gemeinden in Deutschland gehören zu den lebendigsten der Welt.

Auch die Bundesregierung leistet dazu ihren Beitrag. Wir verdoppeln seit diesem Jahr die Mittel für den Zentralrat der Juden in Deutschland auf 10 Millionen Euro jährlich.

Paul Spiegel hat von der „Renaissance“ jüdischen Lebens in Deutschland gesprochen. Das trifft es ganz hervorragend. Judentum in Deutschland und deutsches Judentum sind nicht nur ein untrennbarer Teil unserer Geschichte, sondern Teil unserer Zukunft.

Zu dieser Zukunft gehört auch eine offene und tolerante Gesellschaft. Deutschland lebt von der Vielfalt und der Freiheit, es ist Heimat für Menschen jüdischen, christlichen und muslimischen Glaubens. Religiöse und weltanschauliche Vielfalt sind eine Bereicherung für unser Land ebenso wie die unterschiedliche Herkunft, verschiedene Traditionen und Muttersprachen unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Deshalb sage ich klar und deutlich: Antisemitismus und Rassismus dürfen in all ihren Formen in Deutschland nie wieder Platz haben! Allen Versuchen, das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft in Deutschland zu stören, müssen und werden wir mit aller Kraft entgegentreten. Die schrecklichen Morde an ausländischen Mitbürgern durch den sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ müssen vorbehaltlos aufgeklärt und geahndet werden.

Auch wenn entschlossenes staatliches Handeln hier notwendig ist: Mich ermutigt, wie sich gerade viele junge Menschen in Deutschland aktiv gegen Intoleranz und für gegenseitigen Respekt einsetzen.

Wichtig ist aber nicht nur der Blick nach innen: Die historische Verantwortung Deutschlands für die Menschen in Israel ist und bleibt eine tragende Grundkonstante unserer Außenpolitik. Aus dieser Verantwortung für die Vergangenheit erwächst uns eine Verpflichtung für die Zukunft. Deshalb bauen wir das über die Jahrzehnte gewachsene enge Netzwerk der Verständigung und Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern kontinuierlich aus, beispielsweise im Rahmen des deutsch-israelischen Zukunftsforums.

Beleg für die Lebendigkeit der deutsch-israelischen Freundschaft sind aber auch die vielfältigen Verknüpfungen zwischen den Menschen unserer beiden Staaten: Exemplarisch steht dafür das Engagement tausender deutscher Freiwilliger in Israel und inzwischen auch israelischer Freiwilliger in Deutschland.

Als Freunde Israels werden wir auch weiter unseren Beitrag für eine umfassende und gerechte Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt leisten. Denn wir sind überzeugt: Nur so ist ein dauerhafter und friedlicher Ausgleich zwischen Israel und den Palästinensern möglich.

Die „Jewish Voice from Germany“ soll eine echte jüdische Stimme aus Deutschland werden. Ich wünsche ihr viele interessante Einblicke in das jüdische Leben in Deutschland, viele interessante Ausblicke auf das jüdische Leben weltweit und vor allem einen großen Leserkreis.

Vielen Dank.

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