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Rede von Staatsministerin Cornelia Pieper auf der Dialogveranstaltung "Das Frauenbild im Dialog der Kulturen"

08.03.2010

-- es gilt das gesprochene Wort! --

Liebe Frau Maier,

sehr geehrter Herr Ropers,

Exzellenzen,

liebe Kollegen Abgeordnete des Deutschen Bundestages,

liebe Panelistinnen,

lieber Herr Lebert,

meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

vor genau 100 Jahren trafen sich in Kopenhagen engagierte Frauen und riefen den internationaler Frauentag aus. Mit dabei war die Deutsche Clara Zetkin. Schon im folgenden Jahr, 1911, wurde der Weltfrauentag zum ersten Mal in Dänemark, dem damaligen Österreich-Ungarn, in der Schweiz und in Deutschland begangen.

Es ist gute Tradition, dass die nordischen Botschaften in jedem Jahr an dieses inzwischen ein ganzes Jahrhundert überspannendes Engagement hinweisen und alljährlich zu einem Frühstück einladen. So war es auch heute!

Es ist die Charta der Vereinten Nationen, die als erstes internationales Abkommen die Gleichberechtigung von Männern und Frauen als grundlegendes Menschenrecht postuliert. Seit 1975 begehen wir diesen Tag im Rahmen der Vereinten Nationen.

1978 folgte das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau. Es ist von 186 Staaten ratifiziert und damit das meist ratifizierte menschenrechtliche internationale Abkommen. Es ist aber zugleich das Abkommen, gegen das weltweit die meisten Vorbehalte geäußert wurden. Das zeigt uns, meine Damen und Herren, dass wir weiterhin an den Zielen dieser internationalen Verpflichtung arbeiten müssen, hierzulande wie weltweit.

Die Bundesregierung hat sich einiges vorgenommen im Bereich Gleichbehandlung der Geschlechter. Hierzu gehört etwa die Überwindung der immer noch bestehenden Entgeltungleichheit und die Schaffung von Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, den Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst substantiell zu erhöhen.

Deutschland und Europa, verehrte Gäste, sind bunter und vielfältiger geworden. Menschen aus fast allen Staaten leben hier und planen ihre Zukunft, nahezu jeder 5. hat einen sogenannten Migrationshintergrund. 15 Millionen Einwohner in der Europäischen Union gehören dem muslimischen Glauben an. Die Zahlen steigen. Man kann dies an den Schulklassen in den Großstädten, und nicht nur dort, ablesen. Wir wollen – neben den Maßnahmen zu Integration - speziell zugewanderte Frauen und Mädchen aus allen Kulturkreisen zu mehr Engagement ermutigen und ihre aktive Teilnahme am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben fördern. Hierzu gehört auch Aufklärung über Menschenrechte, über Bürger- und Sozialrechte. Und auf die Sensibilisierung für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern müssen wir ein großes Augenmerk legen – und zwar in der Erziehung sowohl der Mädchen als auch der Jungen. Das ist mir ein sehr großes Anliegen.

Ich bin daher Frau Maier sehr dankbar, was Sie aus Sicht eines Unternehmens wie die Telekom in diesem Bereich leisten. Ich danke auch sehr herzlich für die gute Zusammenarbeit und dafür, dass wir heute Abend Ihre Gäste sein dürfen.

Die Idee des Zusammenwirkens von Frauen für Frauen ist international entstanden und gewachsen. Die Ziele von Völkerverständigung und von Frieden waren von Anfang an im Blick. Und dies ist auch nach 100 Jahren die entscheidende Perspektive: Auch uns interessiert heute die Realisierung von Frauenrechten, das Verhältnis der Geschlechter, die Rolle von Frauen in den Gesellschaften hier, in unseren Nachbarländern und weltweit.

Ein Blick durch die Regale der Buchhandlungen zeigt es, es sind zahlreiche Autorinnen aus unterschiedlichen Ländern, die häufig mit autobiografischer Perspektive ihren Blick auf Gesellschaften, auf den Alltag und seine Begrenzungen, Konflikte und Herausforderungen schildern. Es ist gut, den Blick zu öffnen für diese Zeugnisse gelebten Kulturdialogs. Ich freue mich deshalb ganz besonders dass wir 4 eindrucksvolle Frauen, Wissenschaftlerinnen, eine Publizistin, eine Ingenieurin, 4 Frauen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, heute Abend als Panelistinnen zu Gast haben. Drei von ihnen leben in Deutschland, eine in Kairo. Eine der Frauen kam in der Türkei zur Welt, eine andere in Marokko. Ihr Blick auf unsere Gesellschaft und auf die in anderen Ländern ist kenntnisreich und differenziert. Ihre Erfahrungen unterscheiden sich in vielen Fragen von denen von Menschen, die in einem ihnen seit Generationen in ihrer Familie vertrauten Kulturkreis leben.

Und ich freue mich sehr, dass Andreas Lebert die Diskussion moderieren wird. Seine Zeitschrift, die BRIGITTE, schaut oft über den kulturellen Tellerrand. Es ist ungemein wichtig, dass das oft ja medial vermittelte Bild, das wir uns von dem „Anderen“ machen, durch reale Begegnungen, durch Debatten sozusagen dem „Praxistest“ ausgesetzt wird. Da wird häufig doch die eine oder andere Position zur Diskussion gestellt. Und das ist unser Ziel. Denn - was Frauen zu sagen haben, was ihre Anliegen sind, das wollen wir heute Abend erörtern. Authentisch und vor allem nicht verkürzt auf klassische und allseits bekannte Streitthemen.

Dabei, und das wissen ja alle im Saal, herrschen auf allen Seiten weiterhin vielfältige Klischees vor: Wie das der Kopftuch tragenden, unterdrückten und bildungsfernen muslimischen Frauen. Viele sind dann überrascht zu hören, dass zum Beispiel im Iran die Mehrheit der Studenten Frauen sind – und nicht nur dort. Umgekehrt ist auch in der islamisch geprägten Welt ein sehr stereotypes Bild der „westlichen emanzipierten Frau“ verbreitet. Das Thema ist komplex, es umfasst Geschichte, Traditionen, Politik, Rechtssysteme einschließlich der Scharia, das Verhältnis von Staat und Religion.

Damit hat der Dialog der Kulturen, wenn er gelingen soll, auch die Aufgabe, diese stereotypen Vorstellungen zu benennen, auf den Prüfstand zu stellen und idealerweise abzubauen, indem er die Kenntnis übereinander verbessert. Dabei sollten wir nicht nur unseren eigenen Standpunkt zu verteidigen, sondern das Potential der verschiedenen Vorstellungen und Kulturen auszuloten. Die Diskussion ist jedoch deutlich zu unterscheiden von einer Relativierung des Kernverständnisses universal geltender Menschenrechte. Sie sind in der Charta der Menschenrechte und - genauer ausformuliert - im Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau festgeschrieben. Auf diesem Grundverständnis stehen wir - in jeder Form von Dialog.

Dieser Dialog ist dabei naturgemäß grenzüberschreitend. Die Diskussion über die Rolle und das Bild der Frau im Dialog der Kulturen kann einen wichtigen Beitrag zur Verständigung und zur Integration leisten, in Deutschland und darüber hinaus.

Lassen Sie uns, verehrte Gäste, in Würdigung der Frauen, die vor 100 Jahren für ihre Rechte eintraten, diesen Weg gemeinsam weiter gehen. Es gibt noch unendlich viel zu tun. Ich bin sicher, dass diese Veranstaltung heute interessante Denkanstöße dafür liefern wird. Ich freue mich auf eine fruchtbare Diskussion.

Herr Lebert, Sie haben das Wort!

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