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Eröffnungsrede von Martin Kobler, Leiter der Kultur- und Kommunikationsabteilung, anlässlich der Konferenz "Interkulturelle und Internationale Kommunikation"

18.10.2007

Sehr gehrter Herr Löffelholz,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Sprich, damit ich Dich sehe“

Dieser Ausspruch von Sokrates veranschaulicht auf prägnante Weise eine der Grundfunktionen der Kommunikation: Sichtbarkeit zu schaffen. Wer wahrgenommen werden will, muss sprechen, muss kommunizieren.

Gerade auf internationaler Ebene hat das Kommunizieren eine besondere Bedeutung. Einerseits, weil es in seinen Konsequenzen ganze Staaten- oder Staatengemeinschaften betreffen kann. Andererseits, weil internationale Kommunikation anders abläuft und anderen Regeln gehorcht, als die Kommunikation innerhalb eines Staates. Ein Beispiel, das die unterschiedliche Funktionsweise veranschaulicht, ist die Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen. Sie erfordert spezielle Kompetenzen und Fähigkeiten der Kommunikationspartner.Kommunikation kommt deshalb auf internationaler Ebene eine herausragende Rolle zu. Es ist mir daher eine besondere Freude, Sie heute zu der Konferenz "Interkulturelle und internationale Kommunikation in Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft" begrüßen zu dürfen.

Schon allein der Titel und die zahlreichen unterschiedlichen Arbeitsgruppen der Konferenz zeigen die Weite und Vielschichtigkeit, die das Themenfeld der internationalen und interkulturellen Kommunikation umfasst. Es schließt unzählige Akteure ein: Staaten, internationale Organisationen, Forschungseinrichtungen und Universitäten, die Medien, Kulturorganisationen, Wirtschaftsunternehmen und auch Einzelpersonen. Außerdem kann internationale Kommunikation über unterschiedlichste Kanäle stattfinden – sei es als direkte, interpersonale Kommunikation, als medienvermittelte Individual- oder Massenkommunikation.

Auch wenn einem ständig neue Konzepte und Schlagworte wie Informationsgesellschaft, Mediengesellschaft, Massenkommunikation und Globalisierung begegnen, so kann die internationale Kommunikation auf eine lange Geschichte zurückblicken. Und nicht nur die Diplomatie, die oft als Paradebeispiel für Kommunikation auf globaler Ebene genannt wird, sondern alle Bereiche der internationalen Kommunikation sind Teil dieser langen Geschichte. Ein Beispiel ist die Wissenschaft: Forscherdrang, Neugier und der Wunsch nach Austausch waren schon immer starke Antriebe. Forschungsreisen und damit die Begegnung unterschiedlicher Kulturen, das Kennenlernen anderer Sichtweisen und das voneinander Lernen haben in der Wissenschaft eine lange Tradition. Platon reiste nach Sizilien und Unteritalien, Cicero besuchte Griechenland und Kleinasien, Thomas von Aquin verbrachte mehrere Jahre in Köln und unter den deutschen Gelehrten sind Goethe und Humboldt bekannt für ihre Reisen. Die Mittel, die der internationalen Kommunikation zur Verfügung stehen, sind einem stetigen Wandel unterworfen. Im Ägypten vor 3000 Jahren, in der so genannten Zeit der internationalen Diplomatie im vorderen Orient, wurden Briefe in Form von Tontafeln durch Boten übermittelt. Seitdem hat sich einiges verändert. Aber: Obwohl Internet und Flugzeug Entfernungen neu definiert haben, bewirkt Globalisierung bei vielen Menschen Gefühle der Ausgeliefertheit und Fremdheit. Das Verstehen anderer Kulturen scheint heute manchmal schwieriger überbrücken zu sein, als vor 3000 Jahren. Der Blick in die Geschichte hilft uns, zu erkennen, dass das scheinbar Fremde immer Teil unseres Schicksals war und dass unsere eigene Kultur immer schon aus der Begegnung mit anderen Kulturen entstanden ist.

Globaler Austausch – und Kommunikation ist ein wesentlicher Teil davon – findet also seit langem statt. Grundlegend neu sind allerdings die Intensität und der Umfang der heutigen internationale Kommunikation. Diese Veränderung hat sich vor allem durch die Entwicklung neuer Technologien und das Aufkommen der modernen Massenmedien ergeben. Die Grundgedanken der Kommunikation – wie das Teilen von Gedanken, Ideen, Wissen, Erkenntnissen und Erlebnissen, das Schaffen von Sichtbarkeit und das Voneinander-Lernen – sind bis heute gleich geblieben. Die sog. „Neuen Medien“ ermöglichen aber einer weitaus größeren Anzahl von Menschen, aktiv an den internationalen Kommunikationsströmen teilzunehmen. Internationale Kommunikation ist deshalb heute nicht mehr hauptsächlich staatspolitischen, wirtschaftlichen oder rein wissenschaftlichen Zwecken verbunden, sondern findet mehr denn je auf Individual- und auf zwischengesellschaftlicher Ebene statt: Fernsehen und Internet, Web 2.0. und 3.0. sind die Fenster zur Welt und die Zivilgesellschaft spielt eine immer größere Rolle in der internationalen Kommunikation. Für uns, die "klassischen" Akteure aus Politik und Kultur aber auch aus Wirtschaft und Wissenschaft die Chance, ein breiteres Publikum zu erreichen.

Dies bringt neue Herausforderungen mit sich: Die Informationsflut, die in der heutigen globalisierten Welt besteht, ist eine Folge, der sowohl Einzelpersonen als auch Organisationen gegenüberstehen. Sie fordert neue Herangehensweisen und Strategien, sowohl von Seiten der Sender als auch der Empfänger von Informationen. Vor allem wer auf internationaler Ebene kommuniziert, muss sich dieser neuen Realität stellen und Wege finden, mit ihr umzugehen. Im Rahmen der Diplomatie ist es unser ureigenstes Interesse, dass unsere politischen Grundüberzeugungen und die Wertvorstellungen, auf denen unser gesellschaftlicher Grundkonsens und damit unser Engagement in der Welt beruhen, von der Weltöffentlichkeit verstanden werden. Wichtig ist hierfür eine konsistente und auf Glaubwürdigkeit beruhende Außenkommunikation, die um Verständnis für unsere Grundwerte und damit die Basis unseres Engagements in der Welt wirbt – sei es bei der Krisenbewältigung, beim Klimaschutz oder der Wahrung der Menschenrechte. Das Bild, das Deutschland im Ausland hat, spielt für den wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Austausch eine große Rolle. Deutschland konkurriert mit anderen Industrienationen um Exportmärkte, um ausländische Investitionen und um kluge Köpfe. Dafür ist nicht nur Werbung für den Standort Deutschland, sondern die ganzheitliche Vermittlung von Inhalten wichtig, um Deutschland auf internationaler Ebene zu positionieren und unsere Zukunftsfähigkeit zu sichern. Das Handeln anderer uns gegenüber wird auch davon bestimmt, was sie von uns denken. Ein positives und attraktives Deutschlandbild erleichtert uns die Kommunikation – es ist wie ein Türöffner.

Damit unsere Wertvorstellungen und damit auch Ziele unserer Außenpolitik wie Frieden, Demokratie, Geltung der Menschenrechte von der Weltöffentlichkeit sichtbar werden, ist angesichts der anhaltenden Informationsflut ein überzeugendes und gut strukturiertes Informations-, Kultur- und Bildungsangebot unabdingbar. Dies kann nicht als Einbahnstraße gedacht und durchgeführt werden. Es ist elementar, dass ein intensiver Dialog mit den Partnergesellschaften stattfindet. Er garantiert eine glaubwürdige und nachhaltige Kommunikation.Nur durch einen Dialog, in dem wir Unterschiede sehen und benennen, aber gerade deswegen nicht aufhören, das Gemeinsame zu suchen, kann ein vertieftes gegenseitiges Verständnis der Kulturen entstehen. Wenn wir dabei den Kulturen dieser Welt gegenüber aufgeschlossen sind und gleichzeitig darauf achten, dass unsere eigene Kultur verständlich und lesbar bleibt, können wir Missverständnisse vermeiden und Gründe für Skepsis tiefer erfassen und abbauen.Um die Verständlichkeit und Lesbarkeit unserer eigenen Kultur zu gewährleisten, stehen der deutschen Außenpolitik stehen zwei Instrumente zur Verfügung: Die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sowie die Öffentlichkeitsarbeit im Ausland. Von Willy Brandt wurde die Auswärtige Kultur und Bildungspolitik als "Dritte Säule der Außenpolitik" bezeichnete. Diese dritte Säule ist neben der klassischen Diplomatie und der Außenwirtschaftspolitik zum integralen Bestandteil der deutschen Außenpolitik geworden, ihr steht ungefähr ein Viertel des Haushalts des Auswärtigen Amts zur Verfügung . Dabei nimmt sie eine Sonderstellung ein, denn Kultur findet nicht zwischenstaatlich sondern zwischengesellschaftlich statt und ist nicht als rein hoheitliche Staatsaufgabe vorstellbar. Deshalb ist das Auswärtige Amt sowohl Akteur als auch Koordinator der deutschen Auswärtigen Kultur und Bildungspolitik, an der auch die Länder, die Gemeinden und unabhängige Mittlerorganisationen wie das Goethe-Institut, der Deutsche Akademische Austuschdienst oder die Alexander von Humboldt-Stiftung teilhaben. Kernbereich sind neben den deutschen Schulen im Ausland die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur sowie der akademische Austausch.

Neben der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik steht der Außenpolitik die Öffentlichkeitsarbeit im Ausland als Instrument zur Verfügung, um unsere Kultur und die ihr zugrunde liegenden Werte zu erklären und über sie zu informieren. Die Öffentlichkeitsarbeit im Ausland soll für Sympathie und Verständnis werben und Deutschland ganzheitlich präsentieren. Deutschlands Stärken sollen dabei betont werden, Grundsätze sind die Glaubwürdigkeit – es soll nichts beschönigt werden – und die Berücksichtigung lokaler und regionaler Gegebenheiten im Ausland. Durch Einbeziehung der Medien und der das Deutschlandbild im Ausland prägenden Partner soll die Öffentlichkeitsarbeit im Ausland der Komplexität der internationalen Kommunikation gerecht werden und Entscheidungsträger, Multiplikatoren, Journalisten und die interessierte Öffentlichkeit erreichen.

Die immer wichtigere Rolle der Zivilgesellschaften bei der Gestaltung der internationalen Beziehungen zeigt uns, dass wir, um Deutschlands Interessen im Rahmen der Außenpolitik wahrzunehmen, nicht mehr nur die Regierungen, sondern auch und vor allem die Köpfe und Herzen der Menschen erreichen müssen. Dazu müssen wir versuchen, Neugierde und Sympathie hervorzurufen, im Dialog für Verständnis zu werben und dauerhafte Bindungen zu Deutschland aufzubauen.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben uns gezeigt, dass internationale Kommunikation als Öffentlichkeitsarbeit in der Zusammenarbeit von Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft besonders fruchtbar ist. Die Kampagne „Deutschland – Land der Ideen“, die zur WM 2006 gestartet wurde ist ein Beispiel hierfür. Mit großem Erfolg und guter Resonanz haben Partner aus all diesen Bereichen zusammengearbeitet. Hieraus kann man eine einfache Lehre ziehen: Wenn die Beteiligten unter koordinierten und gemeinsamenen Konzepten mit einer klaren inhaltlichen Ausrichtung für ein Land werben, ist die Prägnanz und Nachhaltigkeit größer. Der Synergiewert des Ganzen ist mehr als nur die Summe der Einzelteile.

Damit gilt die anfänglich zitierte Aussage Sokrates' "Sprich, damit ich dich sehe" heute natürlich genauso wie früher. Da sich die Anzahl der Teilnehmer am Kommunikationsprozess vervielfacht hat, sind die Prämissen aber anders gesetzt. Ein reiner Sprech- oder Kommunikationsakt reicht heute nicht mehr aus, um wahrgenommen zu werden. Das soll nicht heißen, dass ein rein quantitatives "Mehr" oder ein "Lauter" ausreichen würden. Vielmehr muss die qualitative Komponente der Kommunikation stimmen, es geht um das "Was" und das "Wie". Um Qualität zu sichern, ist das koordinierte Zusammenspiel der an der internationalen Kommunikation beteiligten Akteure eine wichtige Voraussetzung.

Deshalb freue ich mich, Sie auf der Konferenz "Interkulturelle und internationale Kommunikation in Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft" begrüßen zu dürfen und erhoffe mir, dass der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis sowie den unterschiedlichen Disziplinen für alle Seiten fruchtbar sein wird – mindestens genauso fruchtbar, wie der Austausch zwischen den Kulturen. Gleichzeitig erhoffe ich mir, dass das wechselseitige Kennenlernen der unterschiedlichen Perspektiven neue Anstöße für unser aller Arbeit geben wird und der Ausgangspunkt für eine stärkere Vernetzung zwischen Wissenschaft und Praxis.Ich wünsche Ihnen zwei interessante, erfolgreiche und bereichernde Konferenztage!Vielen Dank!

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