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Rede von Bundesminister Steinmeier bei der Einweihung des Kanzleigebäudes der deutschen Botschaft in Mexiko, 17.04.2007

17.04.2007

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr verehrte Frau Außenministerin,
lieber Herr Botschafter,
meine Damen und Herren,

México es mágico - Mexiko ist zauberhaft – das ist ein gern gehörtes Kompliment. Von der Faszination, die von Ihrem großartigen Land mit seiner überwältigenden Hauptstadt ausgeht, lasse ich mich gern bei meinem ersten Besuch als deutscher Außenminister anstecken.

Einen kleinen architektonischen Beitrag zu der prachtvollen Kulisse dieser Weltstadt soll auch unsere neue Botschaft leisten, die wir heute eröffnen. Alexander von Humboldt schwärmte vor 204 Jahren über diese Stadt: "Es gibt vielleicht keine Stadt in ganz Europa, die insgesamt schöner wäre als Mexiko. Sie hat die Eleganz, die Regelmäßigkeit, die Einheitlichkeit der schönen Gebäude Turins, Mailands, der vornehmen Viertel von Paris und von Berlin". Ich bin sicher: Dieses Haus hätte auch Alexander von Humboldt gefallen.

Unsere Botschaft soll ein offenes Haus sein, in dem sich der Geist der deutsch-mexikanischen Freundschaft entfaltet. Die baulichen Details, in denen das zum Ausdruck kommen soll, wird uns gleich der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung erläutern. Ich will mich auf die politische Botschaft dieser Architektur beschränken und sagen, was sie nach unserem Wunsch zeigen soll: Offenheit und Transparenz, aber auch Respekt und Achtung vor den großartigen Menschen dieses Landes.

Besonders freue ich mich, dass wir heute eine gemeinsame deutsch-mexikanische Erklärung unterzeichnet haben, die unsere Zusammenarbeit in Bereichen wie Politik, Wirtschaft und Kultur auf eine neue Grundlage stellt. Damit formulieren wir einen Anspruch: Unsere Zusammenarbeit ist gut, aber wir wollen noch besser werden.

Mexiko ist für uns ein Schlüsselpartner in der Region, in Lateinamerika und darüber hinaus. Wir wissen zu schätzen, dass Präsident Calderón gleich zu Beginn seiner Amtszeit Deutschland besucht hat. Seine Botschaft haben wir verstanden, und wir teilen und unterstützen sie: Mexiko gehört zu den aufstrebenden Staaten des 21. Jahrhunderts.

Auch deshalb haben wir Mexiko gemeinsam mit anderen großen Schwellenländern im Rahmen des sogenannten "Outreach" zum G8-Gipfel eingeladen, der Anfang Juni in Heiligendamm an der deutschen Ostsee stattfinden wird. Die drängenden Probleme unserer globalisierten Welt können wir nur gemeinsam lösen. Lassen Sie mich nur zwei kurz nennen, die auf der internationalen Tagesordnung und auch meiner persönlichen Agenda ganz weit oben stehen: Klimawandel und Energiesicherheit. Die Erderwärmung hat globale Folgen, und auch die Energiesicherheit betrifft uns alle. Wir brauchen eine vorausschauende Politik, die mögliche Konflikte um knappe Energie- und Rohstoffressourcen schon im Vorfeld erkennt und entschärft. Ich erwarte mir vom G8-Gipfel in Heiligendamm ein starkes – lassen Sie mich das betonen – ein gemeinsames Signal für eine ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Ordnung der globalisierten Weltwirtschaft. Und ich freue mich, dass Mexiko sich zu seiner gewachsenen Verantwortung in der Welt bekennt.

Ein Zeichen hierfür ist auch Mexikos engagierte Mitarbeit in der OECD. Es ist das einzige Land Lateinamerikas, das dieser bedeutenden multilateralen Wirtschaftsorganisation angehört. Innerhalb dieser Institution versteht sich Mexiko auch als Fürsprecher allgemeiner lateinamerikanischer Anliegen. Mexiko-Stadt ist daher zu Recht Sitz eines OECD-Informationszentrums, wovon es weltweit nur vier gibt. Mexikos internationales Ansehen lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass Angel Gurría, der frühere mexikanische Außen- und Finanzminister, seit Mitte 2006 OECD Generalsekretär ist.

Mexiko ist als Brücke zwischen Nord- und Südamerika für die deutsche Wirtschaft ein Standort von geostrategischer Bedeutung. Wir sehen hier die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas, seine Bevölkerung ist jung und wächst. An der Tatsache, dass mich eine bedeutende Wirtschaftsdelegation begleitet, können Sie ablesen, dass die deutsche Industrie Mexiko fest im Blick hat. Wer behauptet, Deutschland wende sich von Lateinamerika ab, dem empfehle ich, die Fakten zu studieren. Die Zahl der allein in Mexiko tätigen deutschen Unternehmen wächst Jahr für Jahr, mittlerweile sind es über 1000, die 6 % zum mexikanischen BIP beitragen und über 100000 Arbeitsplätze schaffen. Neben der Automobilindustrie ist die deutsche Wirtschaft besonders stark in den Bereichen Chemie, Elektrotechnik und Elektronik vertreten.

Und das Potential für unsere Wirtschaftsbeziehungen ist bei weitem nicht ausgeschöpft. Das gilt für deutsche Investitionen in Mexiko, aber auch umgekehrt für mexikanisches Engagement auf dem deutschen Markt. Die deutsche Wirtschaft möchte mithelfen, dass Ihre großen Pläne für den Ausbau der Infrastruktur Mexikos Wirklichkeit werden. Wir bieten unser Know-How und unsere Technologie für den Ausbau der Verkehrswege, der Wasserversorgung, im Wohnungsbau und Tourismus an und würden uns freuen, wenn private Unternehmen auch im Energiesektor eine Chance erhalten. Besonders gute Aussichten für eine verstärkte Zusammenarbeit sehe ich auch in bei den Erneuerbaren Energien und der Umwelttechnik.

Die deutsche Industrie beschränkt sich in Mexiko nicht darauf, gute Geschäfte zu machen. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle die Kulturstiftung der deutschen Wirtschaft in Mexiko. Dies ist das für Deutschland weltweit erste Modell, das "alte" kulturelle Werte mit "modernen" Feldern der wirtschaftlichen Kooperation gelungen verknüpft.

Ich freue mich sehr, dass die traditionell enge kulturelle, akademische und wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern blüht und sich dynamisch entwickelt. Enge kulturelle Kontakte sind Humus für andere Bereiche der Kooperation. Hierbei spielen unsere jetzt bald sechs deutsch-mexikanischen Schulen eine entscheidende Rolle. Wir sind stolz, dass vier Mitglieder des mexikanischen Kabinetts ihr Abitur an der Deutschen Schule in Mexiko abgelegt haben – auch Sie, verehrte Kollegin Frau Espinosa. Kabinettssitzungen sind damit auch ein ganz klein wenig Treffen von Ehemaligen der Deutschen Schule.

2010 wird einen Höhepunkt in unseren Kulturbeziehungen bilden. Gemeinsam wollen wir 200 Jahre mexikanischer Unabhängigkeit und 20 Jahre deutsche Einheit feiern.

Ich möchte allerdings schon vorher unbedingt wieder kommen, um mit Ihnen, verehrte Kollegin, außenpolitisch zusammenzuarbeiten.

Gestatten Sie mir abschließend einen kurzen politischen Ausblick:

Unsere Zusammenarbeit gründet sich auf gemeinsame Werte und Überzeugungen: dem Bekenntnis zu Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und einer starken Demokratie mit fest verankerten Institutionen.

Auf dieser Grundlage treten wir multilateral dafür ein, gemeinsame Lösungen für globale Gefahren zu erarbeiten. Wir wollen allgemein anerkannte Normen schaffen, die von der internationalen Staatengemeinschaft geschaffen und überwacht werden.

Deutschland und Mexiko sind gleichermaßen überzeugt, dass Staaten ihre Interessen heute am besten in und mit regionaler Kooperation wahren können. Auch als Präsidentschaft der EU unterstützen wir daher Mexikos Bemühungen um regionale Integration innerhalb Zentralamerikas.

Wir Europäer haben die Erfahrung gemacht, wie sich einst verfeindete Völker über Millionen Kriegsgräber hinweg die Hand gereicht haben und sich zum Wohle der Menschen unauflöslich miteinander verflochten haben. Die Europäische Idee ist auch nach 50 Jahren immer noch attraktiv und lebendig. Wir glauben, dass regionale Zusammenarbeit auch anderswo Frieden schafft und Verständigung fördert. Deshalb arbeiten wir mit Mercosur, der Andengemeinschaft und Zentralamerika immer enger zusammen.

Das wollen wir am Donnerstag und Freitag in Santo Domingo, wenn sich die EU mit den Ländern Lateinamerikas trifft, mit konkreten Inhalten untermauern. Es ist das erste Mal, dass diese Treffen außerhalb der EU durchgeführt werden. Dies wie auch die kürzliche Reise des Bundespräsidenten sowie mein aktueller Besuch in Mexiko und meine Weiterreise nach Panamá und Santo Domingo zeigen: Lateinamerika ist für die EU und für Deutschland wieder zu einem wichtigen Partner geworden.

Lassen Sie mich am Schluss zurück zur Botschaft kommen. Die deutsche Botschaft Mexiko wird für uns das Tor zum spanisch-sprachigen Lateinamerika sein. Neben der Botschaft eröffnen wir heute auch ein German Information Center, das von hier aus den Kontinent mit spanisch-sprachigen Nachrichten über Deutschland versorgt.

Es ist in Deutschland ein alter Brauch, neue Häuser mit einem Türspruch zu verzieren. Ein alter Türspruch aus meiner Heimat lautet: Stein und Mörtel bauen ein Haus, Geist und Liebe schmücken es aus. Möge der gute Geist der deutsch-mexikanischen Freundschaft sich in diesem Haus auf Dauer daheim fühlen und entfalten. Carlos Fuentes hat gesagt: Freundschaft ist die Verbindung zwischen dem Zuhause und der Welt. In diesem Sinne lassen Sie uns gleich anstoßen auf unsere Freundschaft und auf dieses Haus.

Muchas gracias.

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