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Grußwort von Staatsministerin Böhmer beim 2. Außenwirtschaftstag "Digitale Innovation, Informations- und Kommunikationstechnologie"

30.09.2016

--- es gilt das gesprochene Wort ---

Lieber Herr Dirks,
liebe Frau Zypries,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen im Auswärtigen Amt zum zweiten Außenwirtschaftstag "Digitale Innovation, Informations- und Kommunikationstechnologie".

Sie haben hier heute den Bundesaußenminister erwartet – Herr Steinmeier ist aber auf dem Weg nach Jerusalem zur Trauerfeier des großen Staatsmanns Shimon Peres. Der Bundesminister bat mich, ihn zu vertreten und Sie sehr herzlich zu grüßen!

Ich freue mich sehr, dass nach unserer Premiere im letzten Jahr die Fortsetzung dieses für das Auswärtige Amt noch relativ neuen Außenwirtschaftstags heute erneut auf so viel Interesse stößt!

Sie alle wissen:

Die IKT-Branche ist in Zeiten des digitalen Wandels wie keine zweite für die Exportnation Deutschland von herausragender Bedeutung.

Denn beim Aufbau der "Industrie 4.0" sind eben alle Wirtschaftszweige auf Ihre digitale Expertise angewiesen. Sonst kann die Transformation der "Old Economy" nicht gelingen.

Der Umsatz mit Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik wird im laufenden Jahr erstmals die Marke von 160 Milliarden Euro überspringen. Wachstumstreiber der Branche bleibt die Informationstechnologie, welche in diesem Kalenderjahr um drei Prozent auf 83,5 Milliarden Euro wachsen soll.

Am stärksten soll der Softwarebereich mit einem Umsatzplus von 6,2 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro zulegen.

Von solchen Wachstumszahlen können andere Industrien nur träumen! Die Zahlen geben jedoch auch ein Gefühl für die ungeheure Dynamik und Geschwindigkeit, mit der sich Ihre Branche verändert und weiterentwickelt.

Die Digitalisierung senkt Hürden,
sie verkürzt Prozesse und komprimiert Wertschöpfungsketten,
in Produktionsprozessen werden Netzwerkeffekte um ein Vielfaches wichtiger als Skaleneffekte.

Für deutsche Unternehmen und Entwickler – also für Sie – sind vor diesem Hintergrund eine erfolgreiche Internationalisierung und ein schnelles Wachstum zu global relevanter Größe heute wichtiger als jemals zuvor, sowohl im Business-to-Business-,
als auch im Business-to-Customer-Bereich und natürlich auch im Business-to-Government-Geschäft.

In diesem Kontext kommt dem Auswärtigen Amt eine besondere Rolle zu.

Wir müssen und wir wollen – gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium und allen Partnern der Außenwirtschaftsförderung – diese dringend notwendigen Internationalisierungsprozesse mit Standortmarketing, Investorenwerbung und politischer Flankierung in Zukunft noch enger und intensiver als bisher begleiten.

Wo wir können, tun wir dies bereits – und stoßen dabei auf große Resonanz bei unseren ausländischen Gesprächspartnern.

Ich will hierfür ein Beispiel nennen:

Im Mai dieses Jahres haben wir im Rahmen des deutschen OSZE-Vorsitzes erstmals Regierungs- und Wirtschaftsvertreter aus über 60 Staaten zu einer Connectivity-Konferenz eingeladen.

Bei der Vernetzung im Luft- und Seeverkehr oder der Infrastruktur ging es in allen Gesprächen vor allem um den digitalen Wandel, von grenzübergreifendem Netzausbau bis zu gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Gerade unsere Partner in Osteuropa und Zentralasien wollen hierzu enger mit Deutschland zusammenarbeiten.

Und bei mancher Baustellean der wir hier in Deutschland noch besser werden müssen,

ich denke z.B. an das e-Government oder die Rahmenbvedingungen für Wagniskapital -können auch wir im Umkehrschluss noch von unseren Partnern lernen.

Der Bundesminister hat es bereits mehrfach öffentlich gesagt und ich wiederhole es an dieser Stelle gern: Natürlich müssen auch Diplomaten stärker als in der Vergangenheit verstehen, worum es bei der digitalen Revolution geht.

Darauf schwören wir die rund 220 Auslandsvertretungen intensiv ein.

Damit wir diese Erwartung optimal erfüllen können, brauchen wir Ihr Feedback. Denn Sie wissen am besten, worauf es bei der Digitalisierung ankommt, wo im Ausland der Schuh drückt und auf welche Herausforderungen sich Ihre Branche einstellen muss.

Aus diesem Grunde beziehen wir, wo es passt, regelmäßig in unsere diplomatische Arbeit auch die Expertise von Unternehmen mit ein. Ich habe das selbst im Rahmen der Deutsch-Australischen Beratergruppe vor einigen Monaten durchgeführt. Mit Australien wollen wir Handel und Investitionen ausbauen.

Dabei wollen wir insbesondere die Zusammenarbeit in der Forschung und den Austausch von Studenten, Wissenschaftlern und Forschern im Bereich der anwendungsbezogenen Innovationen verbessern. Die Expertise von Unternehmen hat uns hier sehr geholfen!

Umgekehrt laden wir Sie ein:

Nutzen Sie die Expertise unserer Konsulate – ob in San Francisco, in Bangalore, in Sao Paulo, New York oder Sydney – und natürlich auch der Botschaften, vor allem in Tel Aviv, Tallin oder Singapur.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem Außenwirtschaftstag wollen wir uns als Auswärtiges Amt mit einem – wenn ich das so formulieren darf – internationalen Blickwinkel auch in die Umsetzung der "Digitalen Agenda" (von 2014) und der neuen "Digitalen Strategie 2025" der Bundesregierung einbringen.

Dabei haben wir auch den europäischen Digitalen Binnenmarkt und die Impulse der EU-Kommission im Blick – zuletzt etwa zum Aufbau des 5 G-Standards. Und im kommenden Jahr werden wir als G 20 Präsidentschaft auch den Digitalen Dialog in diesem Kreis führen.

Wir schaffen Anlässe wie heute hier in Berlin, aber auch im Ausland an unseren Botschaften und Konsulaten, um relevante Stakeholder zusammenzubringen – aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und natürlich der Wissenschaft.

Heute wollen wir mit Ihnen zu verschiedenen aktuellen Themenschwerpunkten ins Gespräch kommen:

Wir wollen über die Frage diskutieren, wie wir sicherstellen können, dass Sie die Fachkräfte, die Sie aus dem Ausland brauchen, auch rechtzeitig und unbürokratisch bekommen.

Ein weiteres  Thema ist der Datenschutz.
Wir müssen und wir möchten über den Nutzen und die Grenzen des Regulierungsprozesses sprechen, über die strategischen Interessen der deutschen und der europäischen Industrie. Das sind Fragen, die Ihre Geschäftsmodelle unmittelbar betreffen.

Der dritte inhaltliche Schwerpunkt sind die "Digitalen Industrie-Hubs".
Liebe Frau Kollegin Zypries, das Bundeswirtschaftsministerium hat hierzu mit dem BITKOM und anderen Partnern ein sehr spannendes Konzept entwickelt, das wir heute auch mit Ihnen diskutieren wollen.

Wie im letzten Jahr wollen wir diesen Außenwirtschaftstag auch nutzen, um etwas genauer auf für uns interessante Wachstumsmärkte im Ausland zu schauen. Im letzten Jahr haben wir nach Afrika geblickt. Heute wollen wir uns Lateinamerika, dort insbesondere Mexiko und Argentinien, widmen.

Bundesminister Steinmeier war erst vor rund zwei Monaten mit einer größeren Wirtschaftsdelegation in Argentinien und Mexiko. Beide Länder setzen sich mit dem digitalen Wandel auf allen Ebenen intensiv auseinander.

Und insbesondere Mexiko erscheint uns für deutsche Unternehmen, vor allem für Start-ups, als ein vielversprechender Markt.

Mexiko und Deutschland feiern noch bis Ende 2017 das "Deutschland-Jahr in Mexiko" bzw. das "Mexiko-Jahr in Deutschland". Mit solchen Länderjahren wollen wir die Kenntnis über die Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie im jeweils anderen Land vertiefen.

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Mexikos in der EU, die deutschen Investitionen wachsen.

Über 1.800 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung sind im mexikanischen Wirtschaftsministerium registriert. Der Handelsaustausch erreichte 2015 ein Volumen von 17,4 Milliarden USD.

Davon sollten, so meinen wir, auch Ihre Unternehmen profitieren.

Digitalisierung hat nicht nur ökonomische, sondern natürlich immer auch politische und gesellschaftliche Konsequenzen. Sie geht einher mit gesellschaftlicher Öffnung, sozialer und wirtschaftlicher Teilhabe sowie – in vielen Ländern – mit einer neuen Auseinandersetzung über die Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit.

Auch vor diesem Hintergrund suchen wir Außenpolitiker den engen Draht zu den Unternehmen.

Last, aber definitiv not least möchte ich Ihnen, lieber Herr Dirks, dem gesamtem BITKOM und allen anderen Partnern sehr herzlich für die Zusammenarbeit und Unterstützung danken!

Letztlich lebt so eine Veranstaltung vom Miteinander und ich freue mich sehr über die erneute fruchtbare wie konstruktive Zusammenarbeit!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen gewinnbringende Gespräche!

Lieber Herr Dirks, Sie haben das Wort!

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