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Grußwort von Europa-Staatsminister Michael Roth zur Einladung der deutsch-französischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages in die Villa Borsig

10.06.2015

-- Es gilt das gesprochene Wort! --

Deutschland und Frankreich sind Partner und Freunde. Ob in der Politik, der Wissenschaft, der Wirtschaft, in der Kultur: mit kaum einem Land in Europa sind wir so eng und freundschaftlich verbunden wie mit Frankreich. Ganz besonders spüren wir diese Nähe in den tragischen Stunden. Nach den schrecklichen Terroranschlägen von Paris haben wir in Deutschland alle wie Franzosen gefühlt. Die Solidaritätsbekundung „Je suis Charlie“ war auch hierzulande allgegenwärtig. Genauso überwältigt hat uns in Deutschland die große Anteilnahme und Unterstützung aus Frankreich nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen.

Die gewachsene und gelebte Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ist auch deshalb so einzigartig, weil sie eben nicht nur politisch verfasst ist.

Sie beruht ganz maßgeblich auf einem vielfältigen zivilgesellschaftlichen und kulturellen Engagement. Diese beiden Säulen der deutsch-französischen Partnerschaft möchte ich heute Abend besonders würdigen.

Blicken wir zunächst auf die politische Säule. Sie ist geprägt nicht nur durch die enge Zusammenarbeit auf Regierungsebene, sondern vor allem auch durch die vielfältigen und lebendigen Kontakte zwischen unseren Parlamenten. Als Mitglieder der deutsch-französischen Parlamentariergruppe leisten Sie dazu einen wertvollen Beitrag. 60 Abgeordnete, die sich dafür engagieren, die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern lebendig zu halten – wie wunderbar! Für diesen Einsatz möchte ich Ihnen heute danken. Manche von Ihnen vertreten Wahlkreise in der Grenzregion, in Rheinland-Pfalz oder in Baden-Württemberg. Für Sie ist die Verbindung zum Nachbarland fast schon selbstverständlich. Umso schöner ist es, dass die deutsch-französische Freundschaft auch Bremen, Görlitz und Frankfurt/Oder gelebt wird.

Das ist der beste Beweis: Die deutsch-französische Freundschaft ist nicht nur eine Frage der räumlichen Nähe, sie ist uns in ganz Deutschland ein Herzensanliegen.

Doch neben der Politik verbindet Deutschland und Frankreich auch ein enger kultureller Austausch. Die kulturellen Begegnungen – ob beim Theaterfestival in Avignon, bei der Berlinale oder bei beim Auftritt eines Kinderchors im Rahmen einer Städtepartnerschaft – sind das Geflecht, das die deutsch-französischen Beziehungen mit Leben, Freude und Empathie füllt. Kulturelle Werke, Ereignisse und Begegnungen verleihen der deutsch-französischen Freundschaft Glanz, Tiefgang und symbolische Kraft.

Gerade deshalb freue ich mich so sehr, dass auch Sie, lieber Herr Ostermeier, heute bei uns hier in der Villa Borsig sind.

Sie haben mit Ihren Theaterinszenierungen weltweit, aber vor allem in Frankreich ungeheuren Erfolg, allein in Paris kommen jährlich 20.000 Besucher zu Ihren Aufführungen. Ihre Inszenierungen – ob Hamlet, Nora, Hedda Gabler und ich hoffe auch Richard III – werden in Frankreich verstanden und gefeiert. Dafür haben Sie zurecht die höchsten Auszeichnungen der Französischen Republik erhalten.

Ihren Einsatz für die kulturelle Dimension der deutsch-französischen Zusammenarbeit beweisen Sie auch durch ihre Arbeit als Vorsitzender des Deutsch-Französischen Kulturrates – eine Aufgabe, die Sie vor nunmehr fünf Jahren übernommen haben. Es ist eine Institution der Kulturschaffenden und -verantwortlichen, die wichtige Impulse und Expertise an die Politik weitergeben kann und soll. Dafür bin ich Ihnen dankbar.

Liebe Frau Krieger,

auch Sie erinnern  mit Ihrem ausgezeichneten Projekt „Die Narbe“ daran, dass die deutsch-französische Freundschaft, wie wir sie heute kennen, alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Über Jahrhunderte standen sich Deutschland und Frankreich als Feinde gegenüber. Aus Gedichten und Musikstücken von während des Ersten Weltkriegs gefallenen deutschen, französischen und britischen Dichtern und Komponisten haben Sie ein Konzert zusammengestellt. Eine wunderbare Idee! Wir werden am Ende des Abends einige Stücke hören. Ihnen und den Musikern der Berliner Staatskapelle danke ich von Herzen für Ihren Beitrag. 

Liebe Gäste,

wir alle wissen: Freundschaften bedürfen der Begegnung. Und Kultur im weitesten Sinne macht Lust auf Begegnung.

Wenn sich in den letzten 50 Jahren Millionen von Deutschen und Franzosen in gemeinsamen Studiengängen und Schüleraustauschprogrammen, im Rahmen von Städtepartnerschaften, bei deutsch-französischen Vereinigungen begegnet sind, dann hat das auch viel mit kultureller Faszination zu tun. Das Erleben der Kultur des anderen macht den Austausch spannend und ebnet die Wege zum gegenseitigen Verständnis.

Begegnung und gegenseitiges Verständnis bedürfen aber nicht zuletzt auch der Sprache. Das verstärkte Angebot an Deutschunterricht in Frankreich und an Französisch in Deutschland war daher von Beginn an ein zentrales Element der von de Gaulle und Adenauer gegründeten Freundschaft. Es ging Hand in Hand mit der wichtigen Arbeit des deutsch-französischen Jugendwerks. 

Sprachkenntnisse erleichtern den Austausch und die Zusammenarbeit auf allen Ebenen, nicht nur in der Kultur, der Wissenschaft, der Forschung, auch in der Wirtschaft. Zuletzt gab es aber Sorgen, dass der Deutschunterricht in Frankreich im Zuge einer Bildungsreform zusammengestrichen werden könnte. Deshalb hat sich die Bundesregierung, auch ich ganz persönlich, in zahlreichen Gesprächen mit unseren französischen Partnern für einen Erhalt eines intensiven Deutschunterrichts stark gemacht.

Wir sind bereit, Frankreich dabei zu unterstützen, den Deutschunterricht für die Kinder und Jugendlichen noch attraktiver zu machen, etwa durch eine Ausweitung der vom Goethe Institut Paris angebotenen Lehrerfortbildung, mehr Werbung für Deutsch und eine Verstärkung des Schüleraustausches. Aber wir brauchen bis auf weiteres die bewährte Unterrichtsform der „classes bilangues“, bei der Deutsch gleichrangig und gleich intensiv mit Englisch gelehrt wird, und die die deutsche Sprache aus der Konkurrenz mit Englisch gelöst hat.

Ich möchte Sie herzlich bitten, sich auch weiterhin im Rahmen Ihrer Möglichkeiten für dieses Anliegen einzusetzen.

Liebe  Kolleginnen und Kollegen,

lassen Sie mich zum Schluss nochmals unterstreichen: Deutschland und Frankreich sind gemeinsam viel mehr als nur einfache Partner. Unsere Zusammenarbeit – bisweilen auch unsere Kritik am Anderen – bringt uns gemeinsam voran. Nicht zu Unrecht wird in Brüssel, aber auch an vielen anderen Orten, auf Deutschland und Frankreich geschaut. Der heutige Abend zeigt, wie lebendig und vielfältig unser Verhältnis ist – politisch und kulturell. Ich wünsche mir, dass diese Breite und Tiefe der Beziehungen weiter wächst und gedeiht. Wir alle können dazu beitragen.

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