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Grußwort von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Kulturabend der Botschafterkonferenz

25.08.2014

-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrter Herr Rettig,
sehr geehrter Herr Prof. Parzinger,
liebe Botschafterinnen und Botschafter,
sehr geehrte Damen und Herren,

Baustellen in Berlin sind dieser Tage ein heikles Thema! Dabei ist Bauen doch eigentlich etwas Schönes: Menschen bauen etwas auf, erschaffen etwas, das es vorher nicht gab und das ihr Leben bereichert: Ein Dach über dem Kopf, das ihnen Schutz und ein Zuhause bietet. Oder einen Brunnen in der Wüste. Oder eine Brücke, die eine Verbindung ermöglicht, wo vorher eine Schlucht war.

Wenn ich Sie heute zum Kulturabend auf der Baustelle des Berliner Stadtschlosses eingeladen habe, dann nicht nur deshalb, weil der Baufortschritt über dem Plan liegt. Sondern vor allem deshalb, weil hier etwas Schönes und Einzigartiges entsteht: das Humboldtforum, ein Begegnungsort für die Kulturen der Welt, nicht hypothetisch, nicht virtuell, sondern ganz konkret.

Als junger Mann wollte ich eine Zeit lang Architekt werden. Wenn ich mich auf diesen beeindruckenden Rohbau umsehe, denke ich: Wahrscheinlich ist es besser, dass ich das anderen überlassen habe, die größeres Talent haben!

Aber wenn Sie so wollen, bauen auch wir Diplomaten täglich an etwas. Unser Vokabular ist voll davon: Wir sprechen von „Sicherheitsarchitektur“, von demokratischen Werten als den „Fundamenten“ und von wichtigen Verträgen als „Grundsteinen“ unserer außenpolitischer Beziehungen.

Über die ganz großen diplomatischen Baustellen haben wir am heutigen ersten Tag der Botschafterkonferenz gesprochen. Über Krisen und Konflikte, die unser Tagesgeschäft bestimmen. Die in ihrer Härte, ihrer Grausamkeit und Brutalität viele neue Fragen aufwerfen. Und am drängendsten die: was kann und soll unser Beitrag sein zu friedlicheren Welt?

Darum geht es. Und dabei hat die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik eine zentrale Rolle zu spielen. Denn Kulturpolitik ist nicht nur eine Politik für die Kultur. Sondern sie geht auch die Kultur der Politik an. Den Aufbau von zivilgesellschaftlichen Strukturen. Den Zugang zu und die Teilhabe an Bildung und Kultur und ganz zentral: die Möglichkeit zu verstehen, was unsere Partner in der Welt bewegt. Die Fähigkeit, uns selbst verständlich zu machen.

Nur auf dieser Grundlage kann Verständigung überhaupt erst gelingen. Es gibt keine Garantie, aber wer das kulturelle Verstehen nicht sucht, der begibt sich von vornherein der Chance einer politischen Verständigung.

Deshalb sage ich ganz bewusst hier auf der Baustelle des Humboldt-Forums: In diesem Sinne ist Außenpolitik auch eine Baustelle. Die anstrengend ist und die unserer Anstrengungen Wert ist. Bei der wir als diplomatische Arbeiter, Architekten oder Baumeister unsere Methoden und Instrumente von Zeit zu Zeit überprüfen, neujustieren und wieder auf den Stand der Technik bringen müssen. Bei der wir aber auch für unsere Baustelle und für unser Bauwerk werben wollen.

Das Werben für eine neue Idee, die Notwendigkeit, diese zu überprüfen, anzupassen und auf den Stand zu bringen ist den Initiatoren und Verantwortlichen des Humboldt-Forums ja nicht ganz fremd. Und das Resultat, das jetzt Gestalt annimmt, kann sich sehen lassen. Meine ausdrückliche Anerkennung dafür an Sie, lieber Herr Rettig und an alle am Bau Beteiligten!

Vor allem aber finde ich, dass das Humboldt-Forum zu unserer Idee von Außenpolitik passt: Denn hier an dieser Stelle soll ein auf der Welt einzigartiger Ort des kulturellen und wissenschaftlichen Austausches mit den Kulturen der Welt entstehen. Kultur soll in diesen Räumen nicht mehr als je eigenes „Produkt“ gezeigt, sondern als interkulturell gemeinschaftlich Geschaffenes und neu Entstehendes begriffen werden. Ein kultureller Inkubator für Weltverständnis. Aber dazu aus dem ungleich berufeneren Munde von Herrn Parzinger gleich noch mehr.

Wir stehen jedenfalls bereit, an dieser Baustelle der Kultur verantwortlich mitzubauen, und ich finde, der heute Abend ist dafür ein gutes Zeichen. Denn ich habe mir sagen lassen, dass dies heute die allererste Veranstaltung überhaupt im Humboldtforum selbst ist! Eine Premiere der Zusammenarbeit also, und ich hoffe auf viele weitere Ko-Produktion!

Und damit bin ich bei meiner letzten Vorbemerkung: Sie haben alle gelesen, dass Sie heute „Heimatlieder aus Deutschland“ hören. Und einen kleinen Vorgeschmack hat uns Klapa Berlin ja schon gegeben. Heimatlieder aus Deutschland, das sind Menschen, und das ist Musik, für die Deutschland zur Heimat geworden ist.

„Heimat ist dort, wo ich verstehe und verstanden werde“, hat Karl Jaspers einmal gesagt. Auch hier geht es um kulturelle Teilhabe und um die Ko-Produktion, die Verbindung von Außen und Innen. Wie beim Humboldt-Forum, wie in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Nur klingt sie besser.

Lieber Herr Kühling, ich danke Ihnen und allen Künstlerinnen und Künstlern sehr dafür und ich wünsche uns allen einen anregenden Abend auf dieser einzigartigen Baustelle.

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