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Staatsministerin Cornelia Pieper zur Eröffnung der Ausstellung  "Russen und Deutsche - 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur" im Staatlichen Historischen Museum

20.06.2012

-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich freue mich sehr, heute gemeinsam mit Ihnen die Ausstellung „Russen und Deutsche - 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur“ eröffnen zu können. Diese Ausstellung markiert zugleich den Beginn des Deutschlandjahres in Russland, das in diesem und im kommenden Jahr Deutschland und sein Verhältnis zu Russland in seiner ganzen Vielfalt abbilden und einem breiten Publikum näherbringen wird.

Die Ausstellung ist ein ganz besonderes Projekt: Sie wurde von führenden Museen beider Länder unter der Koordinierung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin sowie dem Staatlichen Historischen Museum Moskau gemeinsam konzipiert und vorbereitet.  Sie wird von führenden Unternehmen beider Länder finanziell unterstützt. Besonders hervorheben möchte ich hierbei die Unterstützung durch E.On.

Es ist die erste Ausstellung, die nach einer umfassenden Renovierung  im Historischen Museum eröffnet wird. Dies ist für uns eine große Ehre. Die Ausstellung wird bis Anfang September in Moskau und anschließend im Neuen Museum auf der Museumsinsel in Berlin von Oktober bis Mitte Januar 2013 zu sehen sein.

Die Ausstellung zeigt uns, wie eng Staat und Gesellschaft unserer beiden Länder in vielen Jahrhunderten gemeinsamer Geschichte miteinander verwoben sind, sich gegenseitig beeinflusst und bereichert haben. Sie ist damit ein idealer Ausgangspunkt für die einjährige Veranstaltungsreihe, mit der wir Deutschland nicht nur als ein modernes, vielseitiges und facettenreiches Land an über 50 verschiedenen Orten der Russischen Föderation präsentieren, sondern die deutsch-russischen Beziehungen weiter ausbauen und vertiefen wollen. Große Kulturereignisse wie diese Ausstellung bilden zwar einen Schwerpunkt des Deutschlandjahres in Russland und des Russlandjahres in Deutschland. Es erwartet uns in den kommenden 12 Monaten aber kein reines Kulturjahr. Höhepunkte des Deutschlandjahres werden auch aus der Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen kommen.

„Deutschland und Russland: gemeinsam die Zukunft gestalten“, so lautet das Motto des Deutschlandjahres in Russland. Mit den über 1000 Einzelveranstaltungen thematisieren wir wichtige Fragen der Gegenwart und widmen uns zukünftigen Herausforderungen, vor denen unsere beiden Länder stehen und die wir gemeinsam angehen müssen.

Die von zahlreichen deutschen und russischen Partnern gemeinsam gestalteten Projekte legen viel Wert auf die Aspekte „Kooperation“ und „Austausch“. Gemeinsames Arbeiten an einem Projekt fördert nicht nur das bessere Kennenlernen, sondern auch das Verständnis für die Perspektive des Partners auf Vergangenes, Gegenwärtiges oder Zukünftiges. Das gilt ganz besonders für den zivilgesellschaftlichen Austausch zwischen unseren beiden Ländern. Die deutsch-russischen Beziehungen sind meiner Einschätzung nach nicht zuletzt deshalb so gut, weil sie sich auf unzählige, lebendige Bürgerkontakte stützen können. Die gesellschaftlichen Kontakte zwischen unseren beiden Völkern liegen mir persönlich daher ganz besonders am Herzen.

Ich denke dabei auch an die vielen Partnerschaften zwischen Städten und Regionen, an Vereine, Schüler und Einzelpersonen, die nach Russland oder nach Deutschland reisen. Das ist nicht neu, ganz im Gegenteil, die Ausstellung zeigt es, der Austausch zwischen unseren Ländern hat eine lange Tradition. Nach den tragischen Ereignissen und dem unermesslichen Leid des vergangenen Jahrhunderts ist es aber alles andere als selbstverständlich.

Wie wichtig unsere bilateralen Beziehungen in politischer Hinsicht sind, hat Präsident Putin erst kürzlich mit seinem Besuch Anfang des Monats in Berlin erneut deutlich gemacht. Wir wissen zu schätzen,  dass Deutschland nach seiner Amtsübernahme zu seinen ersten Auslandsstationen gehörte. Auch wenn wir in vielen Fragen der internationalen Politik nicht immer einer Meinung sind, so wissen doch beide Seiten, dass im Rahmen unserer strategischen Partnerschaft ein offener und vertrauensvoller Dialog unerlässlich ist.

Ohne Zweifel bildet der  wirtschaftliche Austausch zwischen unseren beiden Staaten ein wichtiges Fundament der deutsch-russischen Partnerschaft. Dies gilt in besonderer Weise für den Energiesektor. Der Handel wächst weiterhin. Deutsche und russische Firmen verdienen gutes Geld im jeweils anderen Land und schaffen dadurch Arbeitsplätze, auch zu Hause. Ich bin zuversichtlich, dass der bevorstehende Beitritt Russlands zur WTO gute Rahmenbedingungen schaffen wird für einen noch engeren beiderseitigen Austausch.

In früheren Jahrhunderten konnten Länder gute Beziehungen unterhalten, wenn Fürsten ihre Interessen in Einklang brachten. Eine Gesellschaft konnte stabil sein, wenn allein die öffentliche Sicherheit garantiert war. Heute ist das zu wenig. Eine Gesellschaft ist nur dann solide und kann sich auf die Zukunft und ihre Herausforderungen vorbereiten, wenn sie allen Menschen Freiheit und Entwicklungschancen bietet. Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Demokratie sind dabei für mich die Grundmauern, auf denen sich eine Gesellschaft mit mündigen Bürgern stützen können muss.

Deutschland  ist mit dem gesellschaftlichen Umbau nach dem Zusammenbruch der DDR sehr weit gekommen. Das, was zusammengehört, ist über die vergangenen 21 Jahre unwiderruflich zusammengewachsen. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist Kernelement unseres Staates und Garant für individuelle Freiheiten und Rechte. Sie prägen unser Handeln und Denken und sind Richtschnur für die werteorientierte Innen- und Außenpolitik Deutschlands.

Umso mehr erfüllen mich Entwicklungen im europäischen Raum, aber auch darüber hinaus, die das Potential aufweisen, das Recht auf freie Meinungsäußerung  einzuschränken, mit großer Sorge und Unbehagen. Gesellschaftliche und politische Reife zeigt sich insbesondere im Umgang mit Andersdenkenden und in der Möglichkeit, am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen und seine Meinung zu vertreten - sei es in den Medien, auf Kundgebungen und Demonstrationen oder im Rahmen von parlamentarischen oder kommunalpolitischen Gremien.

Die deutsch-russischen wie auch andere zwischenstaatliche Beziehungen werden schon lange nicht mehr allein von Politikern und Diplomaten gestaltet. Mündige Gesellschaften tauschen sich über bestehende Grenzen aus. Sie tun dies traditionell in persönlichen Begegnungen oder in den zunehmend wichtigen, bereits sehr verbreiteten sozialen Netzen, in denen geographische Distanzen überhaupt keine Rolle mehr spielen. Das Deutschlandjahr  wird, davon bin ich überzeugt, ebenfalls seinen Beitrag zum Ausbau und zur Vertiefung des Dialogs zwischen unseren Bürgern leisten und dem Meinungs- und Gedankenaustausch viel Platz einräumen und ihm auch neue Impulse geben.

Ich bedanke mich bei allen, die an den Vorbereitungen mitgewirkt haben, insbesondere den Projektpartnern des Auswärtigen Amtes, dem Goethe-Institut und dem Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft in Zusammenarbeit mit der Außenhandelskammer Moskau!

Besonders danken möchte ich auch den Musikern des Trios für die hier vorgetragenen Intermezzi.  Sie sind Mitglieder des Young Euro Classic Orchesters Russland-Deutschland, das wir dank des Engagements der Dr. Gabriele Minz GmbH heute Abend im Tschaikowski-Konservatorium als weitere Eröffnungsveranstaltung des Deutschlandjahres hören werden.

Den zahlreichen deutschen und russischen Veranstaltern, den Partnern und Unterstützern aus der deutschen Wirtschaft, den Teilnehmern und Besuchern wünsche ich einen sehr erfolgreichen Verlauf und viel Freude auf den einzelnen Veranstaltungen in den Metropolen Moskau und St. Petersburg oder in den Stationen in den russischen Regionen.

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