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Rede von Staatsministerin Cornelia Pieper in der Andrássy-Universität Budapest

15.04.2011

Sehr geehrter Herr Prof. Réthelyi, sehr geehrte Frau Minister Dr. Karl, sehr geehrter Herr Minister Prof. Frankenberg, sehr geehrte Frau Ministerialdirektorin Dr. Stauner, sehr geehrter Herr Prof. Masát,

sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Gäste,

Benjamin Franklin hat einmal gesagt: „Eine Investition in Wissen bringt die besten Zinsen.“ Das ist, finde ich, eine sehr kluge Rechnung. Und aus diesem Grund – weil Bildung für uns in Europa das zentrale Thema der Zukunft ist – sind wir heute hier zusammengekommen.

Wir sollten weiter investieren, weil das finanzielle Engagement der Gründer und des Auswärtigen Amts für die Andrássy Universität für alle von Vorteil ist. Deshalb hat das Auswärtige Amt den Impuls für das heutige Treffen gegeben: 2010 hatten wir den Deutschen Akademischen Austauschdienst gebeten, durch eine Expertenkommission zu prüfen, als wie erfolgreich sich das Gründungskonzept der Andrássy Universität als deutschsprachige Universität im europäischen Maßstab erwiesen hat. Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass bei allen noch zu verzeichnenden Problemen die Gründungsidee erfolgreich umgesetzt wurde. Hier werden deutschsprachige europäische Fach- und Führungskräfte durch internationale Kooperation universitär ausgebildet. Dabei folgt die Ausbildung den Prinzipien Interdisziplinarität, Multinationalität und Deutschsprachigkeit, um Absolventinnen und Absolventen „fit“ zu machen für Europa.

Gemeinsam mit den Gründern der Andrássy Universität haben wir darüber diskutiert, wie wir dieses Leuchtturm-Projekt europäischer Hochschulbildung mit vereinten Kräften noch nachhaltiger in der politischen und Bildungslandschaft Mitteleuropas verankern können. Wir haben nach Wegen gesucht, um die Finanzierung sowie die strukturelle und inhaltliche Entwicklung der Andrássy Universität noch besser zu unterstützen. Wir haben uns entschieden, die politische Bedeutung, die wir alle der Andrássy Universität beimessen, durch eine Gemeinsame Erklärung erneut zu unterstreichen.

Gleichzeitig wollen wir mit einer fünfjährigen Finanzierungsvereinbarung auch ein solides Fundament für die erfolgreiche Entwicklung in den nächsten Jahren legen.

Aber lassen Sie mich kurz zurückblicken. Zehn Jahre liegt das Donaugipfeltreffen zurück, auf dem die Andrássy Universität sozusagen das Licht der Welt erblickte. Historisch gesehen ist das ein kurzer Zeitraum, lädt aber doch zu einer Bestandsaufnahme ein.

Schon die Namensgebung war programmatisch. Graf Gyula Andrássy, leidenschaftlicher Patriot der ungarischen Revolution 1848, war ungarischer Ministerpräsident und von 1871 bis 1879 Außenminister der Donau-Monarchie. Die politische Entwicklung in dieser Zeit in Mitteleuropa war eng mit seinem Namen verbunden.

Das inhaltliche Konzept, durch eine enge Kooperation deutschsprachiger Partner-Universitäten ein qualitativ hochwertiges, interdisziplinäres Lehrangebot mit der Vergabe international anerkannter Abschlussgrade zu verbinden, ist aufgegangen. Studierende aus Ungarn, aus den deutschsprachigen Partnerländern sowie aus Ost- und Mitteleuropa bereiten sich gemeinsam auf die Anforderungen der Zukunft vor. Absolventen der Andrássy Universität finden aufgrund ihrer soliden Ausbildung oft rasch ihren Übergang ins Berufsleben.

Natürlich wissen wir auch, dass man sich auf diesen Erfolgen nicht ausruhen kann. Die weitere inhaltliche Profilierung der einzelnen Fachrichtungen, der Ausbau der Doktorschule bzw. des Graduiertenkollegs und die Verstärkung der Forschung stehen nun an.

Sehr geehrte Damen und Herren,

warum beteiligt sich die Bundesregierung eigentlich an solchen Vorhaben wie der Andrássy Universität?

Unsere Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ist ein Kernelement glaubwürdiger und nachhaltiger Außenpolitik. Sie trägt dazu bei, kulturelle Trennlinien zu überwinden und legt auf diese Weise ein breites Fundament für stabile internationale Beziehungen. Bildung ist uns hier als Schlüsselthema besonders wichtig. Bildung und Wissen sind, wie ich eingangs sagte, die entscheidenden Ressourcen in der heutigen Welt. Langfristig entscheidet nichts mehr über unsere Stellung in der Welt als unsere Investitionen in Bildung.

Deutschland nimmt diese Investitionen ernst: Das Auswärtige Amt förderte den internationalen akademischen Austausch 2010 weltweit mit rund 220 Millionen Euro. Damit wollen wir den kulturellen Austausch, die internationale Vernetzung im Hochschulbereich stärken. Das Miteinander von Menschen spielt eine enorme Rolle, denn nur wer miteinander redet und arbeitet, entwickelt gegenseitiges Verständnis und Verständigung, bewegt etwas. Der große deutsche Universalgelehrte Alexander von Humboldt hat es so zum Ausdruck gebracht: „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“

Bildung, Wissenschaft und Forschung sind Schlüsselelemente für die Wettbewerbsfähigkeit und auch die fortschreitende europäische Integration in der Donauregion. Die EU-Donauraumstrategie kann die Forschungsinfrastruktur stärken, die auf die speziellen Stärken der Region maßgeschneidert ist. Dazu gehört die Förderung von Exzellenzzentren mit Fach- und Regionalbezug im Donauraum. Ich freue mich daher sehr, dass die Andrássy Universität ausdrücklich beim Aktionsplan der EU-Donauraumstrategie eine Rolle spielt. Das Donauinstitut der Universität wird in seiner Forschungsarbeit nachweisen, dass trotz der Vielfalt der Kulturen und Lebensstile im Donauraum die Staaten durch eine gemeinsame politische, soziale und kulturelle Geschichte miteinander verbunden sind. Wir stehen in der Region auf der Basis einer gemeinsamen europäischen Identität.

Damit spiele ich nicht so sehr auf zurückliegende Jahrhunderte an wie auf die jüngere Geschichte. Ungarn ist ein zentraler Partner Deutschlands in Mitteleuropa, dem wir viel zu verdanken haben. 1956 hat der heroische Kampf der Ungarn das brutale Gesicht des Kommunismus und Stalinismus entlarvt. 1989 wurde hier in Budapest die Entscheidung getroffen, als eine großartige humanitäre Geste die Grenzen für die Tausenden Deutschen aus der DDR zu öffnen, die ihren Weg in die Freiheit finden wollten. Dies hat die politische Landschaft nachhaltig geprägt und letztlich dazu beigetragen, den Weg für die Wiedervereinigung Deutschlands zu bereiten. Das werden wir nie vergessen.

Die Andrássy Universität erinnert an all das, was uns als Mitteleuropäer verbindet. So wie bisher wird sie auch in Zukunft mit Ausbildung und Forschung Bedeutendes für die Entwicklung im Donauraum leisten. Deshalb engagiert sich die Bundesregierung neben dem Land Baden-Württemberg und dem Freistaat Bayern so nachhaltig für diese europäische Hochschule.

Der Weitblick der Gründungsväter, die Andrássy Universität vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben zu haben, verdient an dieser Stelle unseren Dank. Wenn sie die Gründung nicht schon damals auf den Weg gebracht hätten, so müssten wir es heute tun. In diesem Sinne wünsche ich der Andrássy Universität eine weiterhin so erfolgreiche Entwicklung.

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