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Rede von Staatssekretär Peter Ammon zur Auftaktkonferenz der Initiative Außenwissenschaft 2009

20.01.2009

- es gilt das gesprochene Wort -

Exzellenzen, Damen und Herren Präsidenten,
liebe Gäste,

am Ende von zwei Tagen intensiver Diskussion über die Außenwissenschaftspolitik hier im Auswärtigen Amt ist sicher zunächst ein Wort des Dankes angesagt: Dank für das Engagement, das Sie alle in der äußerst interessanten Diskussion wie auch in den Beratungen der Arbeitsgruppen gezeigt haben.

Vor ein paar Tagen noch hat man mir die Frage gestellt: Was hat Wissenschaft eigentlich mit Diplomatie zu tun?

Heute kommt mir die Antwort darauf ganz selbstverständlich vor:

Außenpolitik im 21. Jahrhundert, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Brücken über Kulturgrenzen hinweg zu bauen, kann ohne global organisierte Wissenschaft und international vernetzte Wissenschaftler gar nicht mehr auskommen.

Symbolisch für die Symbiose von Wissenschaft und Diplomatie stehen die historischen Figuren der beiden Brüder Humboldt, von denen der eine als Forscher den Schritt in eine neu zu vermessende Welt gewagt hat, während der andere als Diplomat die Außenpolitik seiner Zeit mitgestaltete.

Der Name Humboldt wurde damit in vielen Ländern der Welt zu einem Symbol eines weltoffenen sympathischen Deutschlands, von dem wir heute noch profitieren.

Ich will hier nicht versuchen, die vielen guten Gedanken und Einsichten dieser Konferenz zusammenzufassen. Aber mir ist doch klar geworden, dass wir in einer Welt, in der – wie wir in den letzten Tagen und Wochen leider wieder erleben mussten - die inneren Spannungen zunehmen, wir den Menschen nicht nur in Deutschland Perspektiven aufzeigen müssen.

Wir müssen eine globale Ordnung schaffen, die eine Win-Win-Situation für alle ermöglicht.

Eine Strategie des Win-Win ist sozusagen das Gegenteil von Realpolitik, in der jeder gnadenlos und für sich alleine seine eigenen Vorteile zu Lasten des anderen sucht – eine Art Politik, die wesentlich zu den Katastrophen des 20. Jahrhunderts beigetragen hat.

Welch besseres Beispiel für eine Win-Win-Strategie gibt es, als die internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft?

Nur der wissenschaftlich-technologische Fortschritt schafft langfristig das globale Wachstum, das uns neue Verteilungsspielräume eröffnet, die wir zur sozialen Befriedung einer unter sich verschärfenden Konflikte leidenden Weltbevölkerung brauchen.

Es ist schon fast eine Trivialität, wenn ich vor diesem Kreis hier sage, dass dieser wissenschaftlich-technologische Fortschritt heute nicht mehr allein von einzelnen, alleine arbeitenden Spitzenforschern, sondern fast immer von Teams getragen wird, die die besten Köpfe aus der ganzen Welt zusammenführen.

Kurz: Ohne Internationalisierung der Forschung funktioniert heute die Wissenschaft nicht mehr.

Die Internationalisierung der Wissenschaft aber schafft zugleich die persönlichen Bindungen zwischen den wissenschaftlichen Eliten der Welt, die ich als einen Trumpf für eine auf Friedenssicherung ausgerichtete Außenpolitik sehe.

Denn wer zusammen geforscht hat, kann unmöglich anschließend Krieg gegeneinander führen.

Ich denke an das Einfluss-Potential von tausenden von Humboldt-Stipendiaten, die heute überall in der Welt an den Schaltstellen von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sitzen und die unsere besten Verbündeten sind.

Wir haben hier eine klassische Win-Win-Situation geschaffen, von der die deutsche Außenpolitik profitieren kann.

Ich könnte noch manches andere Beispiel nennen, wie die globalen Bedrohungen unserer Umwelt, die wir künftig nicht mehr nur im nationalen Rahmen angehen können, sondern die auch zu einem wichtigen Thema der Außenpolitik geworden sind.

Wir werden diese neuen Herausforderungen nicht allein durch klassische nationale Konzepte oder durch Forderungen nach Austerität in den Griff bekommen können.

Ich setze hier meine Hoffnungen vor allem auf neue Technologien zur Lösung der Energie- und Klimaproblematik, die auf globaler Ebene eingesetzt werden müssen, um wirksam zu sein und die wir nur durch eine Wissenschaft ohne Grenzen entwickeln können.

Und wir brauchen Verbündete, um diese neuen globalen Fragen anzugehen.

Verbündete, die ich mir gerade unter den Wissenschaftlern erhoffe.

Unser Angebot zur fairen wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit anderen Ländern ist für mich heute eines der strahlendsten Symbole für ein Deutschland geworden, das eine Außenpolitik des Friedens und der globalen Verantwortung verfolgt.

In dieser Konferenz wurden auch Antworten auf die praktischen Fragen diskutiert, wie die Kooperation zwischen Wissenschaft und Diplomatie am wirksamsten organisiert werden kann.

Die Initiative Bundesminister Steinmeiers, mit eigenen Wissenschaftshäusern der Deutschen Forschung im Ausland eine eigene Infrastruktur draußen in der Welt zur Verfügung zu stellen, erscheint mir zukunftsweisend.

Schon jetzt profitiert die Außenpolitik in keinem geringen Maße von dem Renommee und dem guten Ruf der deutschen Wissenschaft.

Ein Haus der deutschen Wissenschaft zum Beispiel in Moskau, Delhi oder Sao Paulo ist ein Signal an diese Länder, die auch wirtschaftlich und politisch in der globalisierten Welt künftig eine neue, prominente Rolle spielen werden.

Und wir machen damit Sie, die deutschen Wissenschaftler im Ausland, auch ein wenig zu Botschaftern unseres Landes.

Für das Auswärtige Amt bedeutet dies eine neue Schwerpunktsetzung, mit der wir die Wege der klassischen Diplomatie verlassen.

Ich möchte all denen danken, die an dieser Neuaufstellung mitwirken und uns helfen.

Mein Dank richtet sich zuerst an die Vertreter der deutschen Wissenschaftsorganisiationen, die sich in einer Allianz zusammen gefunden haben.

Mein Dank gilt aber auch dem Deutschen Bundestag, der die Bedeutung der Außenwissenschaftspolitik frühzeitig erkannt hat und uns hierfür neue Mittel zur Verfügung gestellt hat.

Meine Damen und Herren, vor uns liegt eine lange Strecke gemeinsamer Arbeit.

Ich freue mich auf eine neue und intensivierte Kooperation mit Ihnen allen!

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