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Rede von Staatsminister Erler im Deutschen Bundestag zum "Deutschen Auslandsschulwesen", 30.05.2008

30.05.2008

-- Es gilt das gesprochene Wort! --

Bildung ist zentral für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Eine Gesellschaft, die zukunftsfähig bleiben will, muss allen Menschen nicht nur gute, sondern die bestmögliche Bildung anbieten. Bildung kann – so verstanden – aber kein rein nationales, schon gar nicht auf enge nationale Grenzen beschränktes Gut sein, sondern muss sich zwangsläufig international ausrichten. Wir müssen zum einen junge Menschen in Deutschland auf ein Arbeiten in internationalen Kontexten vorbereiten, und zum anderen dafür sorgen, dass Deutschland als Akteur international nicht nur wahrgenommen, sondern auch verstanden wird.

Wir wollen mit unserer Auswärtigen Kultur- und -Bildungspolitik dazu beitragen und ein umfassendes, lebendiges und aktuelles Deutschlandbild vermitteln. Das geht am besten, wenn wir mit den Menschen, die wir gewinnen wollen, in einen lebenslangen kulturellen Dialog eintreten. An unseren Auslandsschulen, die immer auch Orte der interkulturellen Begegnung sind, können wir diesen Dialog sehr früh beginnen.

Auslandsschulen fördern auf vielfältige Weise den Standort Deutschland. Ein Viertel der Absolventen deutscher Auslandsschulen studiert anschließend in Deutschland. Diese Menschen sind später die idealen Mitarbeiter, Ansprechpartner und oft auch Türöffner für international tätige deutsche Unternehmen.

Darüber hinaus ist das Angebot Deutscher Schulen im Ausland für ein Land, das jeden dritten Euro mit dem Ausland verdient, auch deshalb selbstverständlich und unverzichtbar, weil diese, oft durch nicht unerhebliches Schulgeld finanzierten Deutschen Schulen, für Kinder der Firmenvertreter und anderer entsandter Kräfte, oft die einzige Schulmöglichkeit sind – während im Inland jedem das staatliche Schulangebot zur Verfügung steht.

Die Schulen bieten damit deutschen Unternehmen eine wichtige Voraussetzung für die Erschließung neuer Märkte im Ausland. Deshalb halte ich auch für Auslandsschulen die Diskussion über eine mögliche Streichung der steuerlichen Abzugsfähigkeit des Schulgeldes für abwegig.

Sie werden mir zustimmen, wenn ich sage, die Deutschen Auslandsschulen machen hervorragende Arbeit und gehören regelmäßig zu den besten Schulen am Platz. Geld, das wir heute dort investieren, ist wirklich gut angelegt und wird uns mittel- und langfristig auch in anderen Bereichen wie der Wirtschaft, aber auch der Wissenschaft gute Renditen bringen.

Wir haben deshalb zusätzliche Haushaltsmittel beantragt, und können nun – nach Bewilligung durch den Deutschen Bundestag – die Förderung der schulischen Arbeit deutlich ausbauen: Sowohl was Breite, als auch die Qualität der Förderung angeht.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich all denjenigen Kolleginnen und Kollegen danken, die unsere Bemühungen zur Stärkung des Auslandsschulwesens unterstützt haben.

Lassen Sie mich noch einige Worte zu der von Bundesminister Steinmeier ins Leben gerufenen Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ sagen: Sie wird unsere Partnerschulen weltweit in Stand setzen, für uns gute, verlässliche und vor allem zukunftsfähige Partner zu sein und auch unsere Partner von Morgen auszubilden und hervorzubringen. Wir wollen dabei ein Netz von insgesamt 1.000 Partnerschulen weltweit aufbauen.

Wenn wir diese Initiative und den Reformprozess im Auslandsschulwesen zukunftsfähig gestalten wollen, dann muss es ein deutliches Interesse des Bundestages und seiner Ausschüsse geben, diesen Prozess fortlaufend zu begleiten, auch indem die finanzielle Ausstattung weiterhin den Anforderungen, die wir an Deutsche Auslandsschulen stellen, gerecht wird.

Unsere Bilanz ist gut: Wir haben die Zahl Deutscher Auslandsschulen im ersten Halbjahr 2008 von 117 auf 123 erhöht und konnten 20 neue Partnerschulen gewinnen, im September werden wir schon 130 Auslandsschulen und 60 Partnerschulen haben.

Wir werden das alles weiterhin in engem Kontakt mit Ihnen gemeinsam tun. Trotz aller sichtbaren Erfolge müssen wir hier einen dauerhaften Prozess etablieren, denn wir werden erst mittel- und langfristig merken, wie wichtig die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes ist.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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