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Rede zur Verabschiedung der Präsidentin des Goethe-Instituts und der Amtseinführung ihres Nachfolgers

01.04.2008

Rede des Bundesministers des Auswärtigen, Dr. Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Verabschiedung der Präsidentin des Goethe-Instituts, Frau Prof. Jutta Limbach, und der Amtseinführung ihres Nachfolgers, Prof. Klaus-Dieter Lehmann am 31. März 2008 in München

--Es gilt das gesprochene Wort!—

Sehr geehrter Herr Prof. Lehman,

Exzellenzen,

sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

meine Damen und Herren,

sehr verehrte Frau Professor Limbach!

Auch wenn Martin Walsers Roman vom „Liebenden Mann“ auf den ersten Blick einen anderen Eindruck vermitteln mag – Sie sind die Frau, die in den vergangenen sechs Jahren am intensivsten mit Goethe zusammengelebt und gearbeitet hat!

Und wir alle sind hier, um Ihnen dafür zu danken.

Sie haben dieses „schönste Ehrenamt“, wie Sie es genannt haben, nämlich das der Präsidentin des Goethe-Institutes mit bewundernswerter Energie, Tatkraft und Mut ausgefüllt.

Ich darf Ihnen versichern: gerne hätte ich mit Ihnen sehr viel mehr schöne gemeinsame Veranstaltungen gemacht, wie die Wiedereröffnung des Goethe-Institutes Paris, an die ich mich gerne erinnere. Allein, die Zeiten waren nicht danach, als unsere Zusammenarbeit vor zweieinhalb Jahren begann. Von Krise und Abbau war bei Goethianern - und nicht nur da – die Rede. Das verlangte Umdenken! Neues Denken – eine Anstrengung, der Sie, verehrte Frau Limbach, sich nicht entzogen haben, anfangs gegen manche Kritik des Feuilletons und von Kulturschaffenden selbst.

Seit Beginn Ihrer Amtszeit vor sechs Jahren haben Sie das Flaggschiff unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik trotz widriger Umstände nicht nur auf Kurs gehalten, sondern mit einigen entscheidenden Ruderschlägen wieder neu auf Kurs gebracht. Vorbei die Schlachten um den Rückzug aus Europa, beendet sind kleinkarierte Debatten um Mainstream statt Hochkultur, die gefährlich und naiv aus vielenb Gründen sind. Goethe hat wieder Luft zum Atmen!

Das hinbekommen zu haben, dafür werden Ihnen noch Generationen von Goethianern dankbar sein. Und Sie haben an dieser Trendwende gearbeitet, ohne die inhaltlichen Aufgaben des Goethe-Institutes zu vernachlässigen.

Einzelnes herauszugreifen ist immer unvollständig und damit ungerecht.  Und wenn ich Glanzpunkte heraushebe, folgt die Heraushebung nicht notwendig künstlerischen oder kulturellen Kriterien. Aber wichtig war ohne Zweifel die Eröffnung des Goethe-Lesesaales in Pjöngjang im Jahr 2004: Dieser Lesesaal war dort – und lange vor den ersten internationalen Symphonieorchestern - das erste westliche kulturelle Angebot überhaupt. Hier hat, wie so oft, die kulturelle Zusammenarbeit mitgeholfen, die Grundlagen zu bereiten für eine – wenn auch vorsichtige - politische Öffnung, wie wir sie im vergangenen Jahr erlebt haben und hoffentlich nachhaltig und stetig sind.

Zweitens: Das Kulturjahr „Deutschland in Japan“ hat, ich glaube das darf man im Rückblick sagen, als konzeptioneller Neuanfang die Diskussion um die Darstellung des Kulturstandortes Deutschland belebt und uns alle – auch mich, weil ich die Begeisterung in Japan gespürt habe - ermutigt, auf diesem Weg weiter zu gehen – wie nicht zuletzt die aktuelle Reihe „Deutschland in China“ beweist.

Und schließlich: die Wiederentdeckung der Sprachvermittlung als eine der zentralen Aufgaben des Goethe-Institutes, vielleicht am schönsten versinnbildlicht durch den großen Kongress im Jahr 2007 und die bewegende Rede von Andrej Plesu über „Macht und Ohnmacht der Sprache“.

Anrede,

wenn wir also in einigen Wochen gemeinsam mit dem Goethe-Institut und den Staatlichen Museen zu Berlin über das Stichwort „Nationalkultur“ nachdenken werden, dann sehe ich darin nicht nur eine wunderbare Überleitung zu Ihrem Nachfolger, sondern auch ein Vermächtnis Ihrer Amtszeit.

Denn was läge näher, als über die Beschäftigung mit der deutschen Sprache auch wieder den Schritt zu wagen zum Nachdenken über unsere Kultur?

Und zeigt sich nicht in unserer Kultur deutlicher und vor allem viel schöner als in den meisten politischen Reden, dass sich Offenheit und Eigenständigkeit verbinden können, dass wir – ebenso wie das Goethe-Institut – weltoffen, vielleicht sogar weltläufig und zugleich deutsch sein können?

Genau dafür trete ich jedenfalls ein.

Und nach fast zweieinhalb Jahren Amtszeit als Außenminister, nach zahlreichen Besuchen und Gesprächen in Ihren Häusern in aller Welt, zuletzt vor gut zwei Wochen wieder in Vietnam, darf ich sagen: ich kenne keine bessere kulturelle Adresse für diesen Ansatz Deutschlands im Ausland als diese Einrichtung, das Goethe-Institut.

Anrede, liebe Frau Limbach,

dass wir dabei weiterhin über ein weltweites Netz von Goethe-Instituten verfügen und in diesem Jahr sogar – wenn alles gut geht – zwei neue Institute in Afrika eröffnen können: dann verdanken wir das auch Ihnen.

Wir haben in der schwierigen Situation vor rund zwei Jahren gemeinsam mit einem mutigen und wie ich finde auch richtigen Reformkonzept dafür geworben, die kulturelle Infrastruktur des Goethe-Netzes nicht nur zu erhalten, sondern es zu reformieren, zu modernisieren und auszubauen.

Es waren damals nicht ganz einfache. Ich habe sie in guter Erinnerung, Sie sicher auch!

Um so mehr danke ich den hier anwesenden Abgeordneten des Deutschen Bundestages, dass sie das gemeinsame Reformkonzept nicht nur unterstützt, sondern mit erarbeitet und mit getragen haben – und zwar über die Grenzen der Regierungs- und Oppositionsfraktionen hinweg.

Und noch einen ganz ausdrücklichen Dank möchte ich heute sagen: ohne die Bereitschaft und das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Goethe-Institutes auf der ganzen Welt, aber besonders hier in der Zentrale wäre diese Reform nicht möglich. Und gerade weil ich weiß, dass mit den Veränderungen auch Belastungen für Sie einher gegangen sind und einher gehen, möchte ich Ihnen dafür danken, dass Sie im Interesse der gemeinsamen Arbeit an den und für die Ziele des Goethe-Institutes diese Reform zum Erfolg tragen.

Sehr geehrter Herr Professor Lehmann,

Weltoffenheit, ja Weltläufigkeit verbunden mit Eigenständigkeit – diese Eigenschaften wünschen wir uns für unser Land, seine Kultur und erst recht für das Goethe-Institut. Und bei welchem Kulturmanager in Deutschland fänden wir diese Eigenschaften besser vereint als bei demjenigen, dessen Humboldt-Forum Berlin wieder zu einer Metropole im Humboldtschen Sinne machen wird, der das ihm anvertraute kulturelle Erbe der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nie begriffen hat als „Besitz“, bloßen Erhalt oder Konservierung, sondern der sich im Gegenteil der Erkenntnis gestellt hat, dass die Arbeit am kulturellen Erbe zugleich eine Arbeit an unserer kulturellen Gegenwart und Zukunft ist?

Lieber Herr Lehmann,

gerade weil uns schon eine zehn Jahre währende Zusammenarbeit verbindet, gerade deshalb gratuliere ich Ihnen, aber auch dem ganzen Goethe-Institut sehr herzlich zu Ihrem neuen Amt!

Und ich darf Ihnen versprechen: wir haben nicht weniger, sondern mehr gemeinsame Arbeit vor uns!

Sie übernehmen ein erneuertes Institut. Ein Haus, das mit Optimismus in die Zukunft blicken und sich neuen Aufgaben zuwenden darf.

Wir im Auswärtigen Amt und ich ganz persönlich wollen Ihnen dabei helfen. Indem wir die drei zentralen Akteure und Felder unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik erneuern, schaffen wir zugleich die Grundlage für eine intensivere Kooperation mit dem Goethe-Institut.

Wir haben seit Beginn meiner Amtszeit drei strukturelle Reformen in Angriff genommen: Goethe-Institute, Auslandsschulen und Außenwissenschaftspolitik.

Dieser Dreiklang will einen Beitrag leisten zu einer moderneren Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, wie ich sie zu Beginn meiner Amtszeit eingefordert habe.

Denn ich bin davon überzeugt: wir müssen im 21. Jahrhundert inter­nationaler, vor allem aber intensiver internatio­nal kooperieren. Bildung und Kultur bauen Brücken zwischen den Gesellschaften.

Die Goethe-Institute sind dabei zentrale Knotenpunkte: als Orte der Verständigung, als Orte, die Zugang an­bieten zu unserer Kultur und Lebensweise und als Orte, die gemeinsames Lernen und gemein­same Kreativität ermöglichen.

Ich freue mich daher sehr, dass das Goethe-Institut in diesem Jahr einen wichtigen Beitrag leistet zu unserer weltweiten Initiative „Schulen: Part­ner der Zukunft“. Wir wollen in den nächsten Jahren ein Netz von mindestens 1000 Partnerschulen aufbauen und Inte­resse und Begeisterung bei jungen Menschen für Deutschland und seine Kultur wecken.

Hierfür bündeln wir die Stärken des Auswärtigen Amtes, des Goethe-Insti­tuts und des Auslandsschulwesens. Auf- und Ausbau von Partnerstrukturen, eine intensivierte Spracharbeit und eine bessere Betreuung der Alumni sind die Stichworte und ich bin zuversichtlich, dass wir schon zum Abschluss des laufenden Schuljahres einige erste Resultate vorweisen können.

Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Jahr ist die „Ak­tion Afrika“, mit der wir unser kulturelles Engage­ment und unsere Bildungsarbeit in Afrika ver­stärken wollen. Auf meinen beiden bisherigen Afrika-Reisen habe ich den Eindruck gewonnen, dass wir auch hier in erster Linie tragfä­hige Strukturen der Zusammenarbeit für die programmatische „Grundlast“ im Kultur- und vor allem im Sprachbe­reich schaffen sollten.

Die beiden Neueröffnungen, von denen ich eingangs sprach, werden deshalb auch nicht das einzige, vielleicht aber das sichtbarste Zeichen für diese gemeinsamen Anstrengungen von Goethe und Auswärtigem Amt sein.

Anrede,

lassen Sie mich nach dem Dank schließen mit einer Bitte: wir alle hier wissen, dass die Arbeit des Goethe-Institutes Grundlage schafft nicht nur für den kulturellen oder politischen, sondern auch für wirtschaftlichen Austausch.

Mit dem geplanten „Beirat Wirtschaft“ gibt sich das Goethe-Institut einen institutionellen Rahmen für mehr Kooperation auch in diesem Bereich.

Und gerade weil ich heute nicht nur zahl­reiche Vertreter der Kultur und der Zivilgesell­schaft, sondern auch der Wirtschaft begrüßen durfte, möchte ich mit der Bitte an diese schließen: nutzen Sie diese Chance, unterstützen Sie das Goethe-Institut in seiner Arbeit!

Liebe Frau Professor Limbach,

Käthe Kollwitz hat den Satz geprägt: „Eine Gabe ist eine Aufgabe.“

Sie, liebe Frau Limbach, haben viele Gaben in Ihr Amt mitgebracht. Nicht minder zahlreich waren die Aufgaben, die sie geschultert haben.

Und weil ich weiß, dass Gaben sich nicht verbrauchen, so verabschieden wir Sie zwar heute aus dem Amt der Präsidentin des Goethe-Instituts – aber wir verabschieden Sie nicht in den Ruhestand, sondern zu neuen Aufgaben – und wie ich höre, spielt Ihre Jugendliebe zur literarischen Tätigkeit dabei eine Rolle. Und einer Frau, deren Urgroßmutter noch in Männerkleidung in politische Versammlungen geschlichen ist, deren Großmutter in der Weimarer Nationalversammlung saß, der wird der Stoff nicht fehlen. Wir sind gespannt! Und unsere besten Wünsche begleiten Sie dabei!

Vielen Dank!

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